Schweigende Auszeit, bitte!

Mamas, so denkt man vielleicht, haben ein ruhiges Leben. Ein bisschen das Kind bespaßen, ein bisschen kochen, ein bisschen Latte Macchiato trinken und ganz viel Couch und Glotze dazwischen. HA! Es ist völlig anders! Naja. Nicht völlig. Tatsächlich mache ich all das. Aber eben alles in Maßen und zu seiner Zeit. Und neuerdings ständig begleitet von der Frage „Was ist das?“. Denn Hannah entdeckt ihre Umwelt mal wieder auf eine neue, tiefergehende Art und löchert mich mit Fragen. Wenn wir frühstücken, hört sich das so an: „Mama, was ist das?“ „Das ist mein Kaffee.“ „Mama, und was ist das?“ „Na das ist die Milch, das weißt Du doch.“ „Mama, was ist das da?“ „Müsli“ „Und das da?“ Gläser“ „Und Mama, was ist …“ Mama macht also den ganzen Tag den Erklärbären und freut sich dann, wenn Mittwoch ist. Denn mittwochs machen Oma und Opa das Programm und Mama schweigt den ganzen Tag genüsslich vor sich hin (oder grölt zu lauter Musik). Und weil es für mich und meine Seele wichtig ist, mal einen Tag meinen beschaulichen Kosmos aus Küche und Couch zu verlassen, habe ich mich heute ins Auto gesetzt und bin in das schöne, frühlingshafte Neckartal gefahren, um eine James-Rizzi-Ausstellung anzugucken. Die Ausstellung ist in der Nürtinger Kreuzkirche, einer Kirche aus dem 15. Jahrhundert, und damit ist schon die Örtlichkeit bemerkenswert. Wo früher Gottesdienste abgehalten wurden, hängt heute Kunst unter der Kanzel. Diesmal sogar richtig bunte – James Rizzi ist bekannt für seine skurrilen und farbenfrohen Gemälde. Ich habe mir für die Bilder Zeit gelassen und dann noch ein bisschen auf der Empore verweilt und die Leute betrachtet, die die Kunstwerke betrachtet haben. Ich weiß nicht, was mir mehr Spaß gemacht hat.

Ich bin dann ein bisschen durch die schönen Altstadtgassen geschlendert und habe die Sonne genossen. Es begeistert mich immer wieder, wie ein Lächeln Türen öffnet. Weil ich auf dem Gehweg stand und offensichtlich ein Foto von einem Fachwerkhaus machen wollte, legte ein Paket-Sprinter eine Vollbremsung hin, um mir nicht ins Bild zu fahren. Ein fröhliches Lachen und Winken – und wir setzten beide unseren Weg mit einem Strahlen fort. Auch die Verkäuferin in der großen Buchhandlung, in der ich mich eine gute Dreiviertelstunde von Etage zu Etage arbeitete, war von meinen Einkäufen ganz begeistert und wir unterhielten uns spontan über Rezepte, Kochbücher und die besten Suppen der Welt. DER WELT! (Dreimal dürft ihr raten, was ich gekauft habe und Euch demnächst vorstelle… 😉 )

Auf der Heimfahrt sog ich förmlich gute Laune auf. Ich schöpfe Energie aus allem, was mich erfreut – seien es die grünen Wiesen in den Neckar-Auen, die Wildgänse, die mein Auto eine Weile im Flug begleiteten, die Spiegelungen der Sonne auf dem Wasser der Badeseen… meine Akkus laden auf, wenn ich eine Weile für mich sein kann und tun kann, was mir allein Spaß macht. Ich rate das im Übrigen jeder Mama, ob sie ein, zwei oder sieben Kinder hat. Sich Freiräume zu schaffen und die wirklich, WIRKLICH nur für sich und für schöne Dinge zu nutzen ist elementar wichtig. Nur eine Mutter, die mit sich selbst zufrieden ist und auch mal durchatmen kann, kann sich wieder mit vollem Herzen und Elan um ihre Kids kümmern. Man ist nicht nur dann eine gute Mutter, wenn man 24 Stunden am Tag um die eigene Brut kreist. A propos Brut. Gerade steht jemand neben mir und fragt „MAMA, was machst Du da?“ Da muss ich mich jetzt drum kümmern, ich hatte heut ja genug Auszeit. Ihr versteht das sicher.

3 Antworten auf „Schweigende Auszeit, bitte!“

  1. Ein richtig schöner Tag!

    Ich kann mir vorstellen, dass man das braucht, und ich finde es toll, dass du die Zeit genutzt hast, um rauszugehen, statt zu Bügeln oder so.

    1. Ich versuch, mir diese Tage wirklich als Inseln freizuhalten. Ich hab auch schon nachmittagelang geschlafen, gelesen oder Besorgungen erledigt. Aber am frischesten macht mich neuer Input von außen.

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