Mein Leben und ich: Szenen einer Ehe, Folge 6: Das Waschbecken

Ich mag Ordnung. Ich bin begeistert von einer geputzten Wohnung. Habe ein Faible für glänzende Oberflächen.
Soviel zur Theorie. In der Praxis sehe ich mich leider mit der Tatsache konfrontiert, dass Hausarbeit scheißenlangweilig ist. Und lästig.
Weil ich für die Beschäftigung einer Putzfrau aber denkbar ungeeignete Voraussetzungen mitbringe (ich würde grundsätzlich vorputzen, damit die Perle einen guten Eindruck bekommt… ), bleibt mir nichts anderes, als einmal in der Woche in den sauren Apfel zu beißen und feudelnd durch mein Heim zu ziehen.
Meine Mama ist sehr ordentlich. Immer, wenn ich nach Hause fahre, egal zu welcher Tag- oder Nachtzeit, ist es aufgeräumt. Die Küche sieht aus wie im Möbelprospekt und auf dem Tisch stehen frische Blumen. Als ich neulich plaudernd meiner Mama beim Arbeiten zusah, fiel mir auf, dass sie ihr Waschbecken mit einem kleinen Handtuch trockenreibt. Die Idee leuchtete mir ein, schließlich sah das Waschbecken anschließend wie frisch geputzt aus. Wo bei mir zuhause Zahnpastatupfer and Kalkrändern kleben, ein Haarspray mit der offenen Zanpasta nebst Deckel herumlungert, war bei meiner Mama nichts weiter als blitz und blink zu sehen.
Ich eilte also nach Hause und installierte ein Gästehandtuch im Bad. Und wies meinen Göttergatten wortreich auf die Unbill des wöchentlichen Zahnpastaabkratzens hin und schilderte mit blumigen Umschreibungen, wie schön so ein Waschbecken sein könnte, WENN man es nur immer trockenriebe.

Mein Mann ist ein Gewohnheitstier. Um so mehr wunderte es mich, wie schnell sich diese Neuerung in seiner Morgentoilette manifestiert hatte. Immer wenn ich ins Bad kam, war sein Waschbecken blitzblank und trocken. Ich war so stolz auf ihn! Und schämte mich fast ob meiner mittlerweile wieder etwas nachlässiger gewordenen Hinterher-Wischerei.
Bis ich die Bartstoppeln fand. In MEINEM Waschbecken!

„SCHATZ! Als ich sagte, halt Dein Waschbecken sauber, meinte ich nicht, „BENUTZ STATTDESSEN MEINS!“

„Dann musst du das auch so sagen.“ Manchmal könnte ich ihn… ARGH!

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