Gummiband-Feeling

Mein Kopf ist voller Schubladen. Eine heißt „Haushalt“, eine heißt „Rund ums Kind“, eine heißt „Ehrenamt“, eine heißt „Arbeit“ … und es gibt noch etliche andere. Und dann gibt es noch ein kleines Fach. Mehr so eine Loseblattsammlung. Der Umschlag ist abgegriffen und ein wenig vergilbt. Darauf klebt ein welliges Post-it, darauf steht: Meine Herzensprojekte. Und während der 24 Stunden, die mein Tag so hat, pendle ich zwischen den Schubladen hin und her. Das sieht dann etwa so aus.

Ich, am Laptop eine Mail aus der Kategorie „Ehrenamt“ schreibend, Unterkategorie „wir sollten dringend / hast Du eigentlich schon / WICHTIG!“

Hannah: „Mama, ich will malen.“ „Gummiband-Feeling“ weiterlesen

Dieses echte Leben …

… das, auf der anderen Seite des Bildschirms, dahinter, davor, links und rechts davon … das nimmt mich gerade viel zu sehr ein. Ich habe ein Blog, ich habe Leser und weder das eine noch das andere vergessen. Aber ich habe auch ein Kind, das seine Persönlichkeit gerade entdeckt, ich habe einen Haushalt, Menschen, die mich gerne in natura sehen, ich koche, ich putze, ich arbeite nebenbei. Und oft falle ich abends auf die Couch und mag nach der letzten, allerletzten, wirklich allerallerletzten Gutenachtgeschichte nicht mehr reden. Auch nicht mit der Stimme in meinem Kopf.

Ein bisschen klingt es, wie Schlussmachen. „Es hat wirklich nichts mit Dir zu tun“, möchte ich meinem virtuellen Leser sagen. Und ich will ja auch gar nicht gehen. Aber ich stelle immer mehr fest, dass ich nur gut bin in Dingen, für die ich 100 und mehr Prozent geben kann. Dieses Blog mit Nebensächlichkeiten zu füllen – will ich das? Wollt ihr das? Ich könnte Euch mitnehmen in meinen Alltag, da gäbe es sicher viel zu erzählen. Dass mein Kind das erste Jahr im Kindergarten längst hinter sich gelassen hat. Dass wir heute den ersten Spargel der Saison gegessen haben. Dass wir im Urlaub waren – zwei Wochen Norwegen mit dem Schiff, dazwischen immer wieder Tage ohne Netz. Das Land ist wunderschön und schroff, Rentierfell ist irrsinnig weich und dicht, Bergen ist traumhaft schön und leider völlig verregnet. Ich könnte Euch erzählen, dass ich einen heftigen Nesselausschlag hatte und Hannah eine fiese Magen-Darm-Grippe. Dass mein Atelier so langsam voran kommt, ich aber immer noch beim Tapete-runter-Status festhänge, weil Leben eben. Dass ich den außergewöhnlichsten Geburtstag ever verbracht habe, fast 400km nördlich des Polarkreises inmitten von Schneemassen. Und dass ich just an diesem Tag Polarlichter gesehen habe. Ich könnte Euch meine Osterdeko zeigen – drei graue Hasen, that’s it. Und dass ich es geschafft habe, in zwei Wochen 3 Bücher zu lesen.

Aber nichts davon erscheint mir plötzlich so wichtig, es mit der ganzen Welt teilen zu wollen. Es ist wohl aus diversen Gründen ziemlich still geworden hier. Loslassen möchte ich noch nicht. Aber reflektieren, was ich wirklich kann. Was ich Euch erzählen will, wer ich bin. Und dafür brauchte ich eine kleine Sinnpause.

Vielleicht ist der Mai ein guter Monat für einen neuen, virtuellen Anfang. Kryptisch kann ich. Im Mai werde ich wieder in meinen alten Beruf zurückgehen. Ich traue mich zurück, alles auf Anfang. Für zwei ganze und einen halben Tag die Woche. Ich werde das Thema Vereinbarkeit für mich definieren und herausfinden, was es aus mir macht.

Wenn ihr bis dahin noch dabei seid und Lust auf „Wie war Dein Tag, Liebling“-Geschichten habt … dann freue ich mich auf Euch. Bis dahin atme ich noch ein paar Mal tief durch und besinne mich auf das, was ich am besten kann. Und ich hoffe, ihr profitiert dann ab Mai davon.

Was bleibt von uns?

Der Inhalt dieses Textes schwirrt mir seit längerem im Kopf herum. Er lässt sich nicht unbedingt in eine lineare Erzählform bringen, weil es so viele Facetten sind, die das Thema ausmachen. So versuche ich wenigstens vorne anzufangen, beim Auslöser meiner Gedankenkette. Ich hatte unterwegs ein Radiointerview mit einem Medienwissenschaftler gehört. Darin ging es um das digitale Erbe eines jeden unserer Generation, das größer sein wird, als bisher. Wo früher alte Liebesbriefe in vergilbten Schuhschachteln auf Dachböden gefunden wurden, sind es heute facebook- und twitter-accounts, um die sich jemand kümmern muss – oder auch nicht. Und es sind Blogs wie dieses. Es wird, sollte sich das Internet nicht auflösen, bestehen bleiben, auch wenn es mich morgen nicht mehr geben sollte. Bevor irgendjemand zu grübeln beginnt – es geht uns allen gut und ich hoffe sehr, dass ich auch morgen wieder mit Augenringen Begeisterung aufstehe. Aber führe ich morgen vorn Baum – das Blog hier wäre davon unbeeindruckt noch da und der eine oder andere würde sich vermutlich über mein plötzliches Verschwinden wundern. „Was bleibt von uns?“ weiterlesen

Für den einen sind es 25 Cent …

Heute morgen beim Einkaufen. Ich schlendere in den Supermarkt und mein Blick fällt gerade noch rechtzeitig auf die leere Dose, die in meinem Korb hin und her kullert. Bei einem Geburtstagsgeschenk war eine Dose San Pellegrino Aranciata dabei gewesen, sonst haben wir eigentlich nie Dosen im Haus. Ich steckte sie in den Pfandautomaten und lauschte andächtig dem Häckselgeräusch. Als das Gerät meine Dose gefressen hatte, spuckte es ordnungsgemäß einen Pfandbon aus – 25 Cent. „Ganz schön viel, für so ne popelige Dose“, dachte ich mir. Und ging einkaufen. „Für den einen sind es 25 Cent …“ weiterlesen

Der Wurm ist drin. Und der Tag kann weg.

Es hätte alles so schön sein können. So produktiv. So entspannt. Der Plan war auch gut: Einkaufen wollte ich, Blogposts fertig machen, an einer Bastelvorlage feilen, kochen, bloggen und möglichst entspannt sein dabei.

Und dann war da der Wurm. Drin. „Der Wurm ist drin. Und der Tag kann weg.“ weiterlesen

Na, wer bin ich?

Ich halte mich eigentlich für einen recht selbstreflektierten Menschen. Ich analysiere gerne die Charaktereigenschaften anderer Leute, weiß aber auch um meine persönlichen Schwächen und Stärken ganz gut Bescheid. Aaaaber: Andere Leute wissen das natürlich besser. Vornehmlich die, die mich gar nicht kennen. Das wird kein rant, keine Sorge, ich amüsiere mich viel mehr.

Gestern zum Beispiel. Das Wetter war usselig as can be und der beste Papa der Tochter war den ganzen Tag auf Terminen unterwegs. Ja am Sonntag. Kommt vor. Weil uns bei seiner Veranstaltung Kuchen in Aussicht gestellt worden war, war mein Körper auf süß getrimmt und jaulte empört auf, als der gute Gatte schrieb, die Veranstaltung wäre komplett überlaufen, es gebe wirklich keinen freien Stuhl mehr. „Na, wer bin ich?“ weiterlesen

Wir wären dann soweit.

Bitte gehen Sie weiter, hier gibt’s zur Zeit nichts zu sehen. Jedenfalls nichts, was einen eigenen Blogbeitrag wert wäre. Ihr wollt die Krümel trotzdem lesen? Also schön.

Weihnachten?

Mal sehen: Adventskalender, zweimal: Check. Adventsgesteck: Check. (Danke, Mama) Weihnachtsgeschenke: Check. Verpackung: Check. Weihnachtspost. Check. Weihnachtsplätzchen: Check. (Eine Sorte. Kokosmakonen. Mjam.) „Wir wären dann soweit.“ weiterlesen

Meine kleine Blase …

…kennt keine Uhr. Kein Jahr. Kein Datum. Wir planen Ereignisse nicht monatelang voraus obwohl ich gerne plane. Wir planen maximal bis nächste Woche. Das Kind und ich sind oft spontan unterwegs, schmeißen Vorhaben je nach Wetterlage kurzerhand über den Haufen und machen was anderes. „Meine kleine Blase …“ weiterlesen

Kontrolle ist besser?

Es ist kurz nach 22 Uhr. Ich liege in der Besucherritze des Kinderbetts und warte auf das Sandmännchen. Das kleine Mädchen neben mir hat es mit dem Einschlafen noch nicht so eilig und erzählt noch wilde Geschichten. Ich gucke auf die Uhr des Handys. Schon fünf nach zehn. Wo bleibt der Mann des Hauses eigentlich? Um halb zehn hatte er gesagt, er gehe noch kurz den Anhänger ausladen. Was dauert da so lange? Das Tochterkind zuppelt an der Bettdecke, strampelt sie weg, zieht sie wieder her. Die Hitze des Sommertages hat sich in unserer Dachwohnung gesammelt und drückt auf uns. Ich schiele im Dunkeln wieder aufs Handy. „Na, klappt alles? Wo bleibst Du denn?“ – Ich beobachte die beiden grauen Pfeile, die mir signalisieren, dass die whatsapp-Nachricht nicht gelesen wurde. „Kontrolle ist besser?“ weiterlesen

Frau Franz Josef, Sie nerven.

Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben. Aber als ich heute mittag unversehens in eine Twitterdiskussion hineingeriet (lustigerweise, während ich neben meinem Kind lag und auf seinen Mittagsschlaf wartete), beschloss ich, es doch zu tun. Hier, auf meinem Blog. Meinem Mum-Blog, das entsetzlich anti-emanzipatorisch ist, wie ich erklärt bekam. „Frau Franz Josef, Sie nerven.“ weiterlesen