Warten, warten, warten …

Ich habe Fragen. Viele Fragen. Und nachdem ich am Freitag ein investigatives, konspiratives Non-Gespräch geführt habe („diese Unterhaltung hat nie stattgefunden!“) konnte ich sie auch klar formulieren, weswegen ich am Samstag in der Redaktion aufschlug und sie mir aus den Fingern und ins Postfach der Adressaten tippte. Blöd nur: Außer mir hat es keiner so eilig. Denn die entsprechenden Stellen müssen es „im Haus erst intern klären“, was so viel heißt wie „Frau, nerv nicht, wir haben soviel Zeug an der Backe, jetzt kommst Du noch so neugierig ums Eck“. „Warten, warten, warten …“ weiterlesen

Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp

Jede Woche hat unbestreitbar 7 Tage. Und jeder Tag davon ist in etwa gleich lang. Als ich gestern beim Bäcker 30 Brezeln für eine Veranstaltung bestellte und mich die Dame hinterm Tresen fragte, für wann, sagte ich „erst für Samstag“. Sie daraufhin etwas verdutzt „Samstag, also morgen? Oder erst nächste Woche?“ Was für den Rest der Welt gestern nämlich Freitag war, war für mich gefühlt höchstens Mittwoch. Die Woche kam mir wahnsinnig kurz und auf der anderen Seite auch wahnsinnig lang vor. Der neue alte Job hat mich zweieinhalb Tage lang in einer Art Raumkapsel durch die Zeit katapultiert, der Donnerstagmittag war der Bremsstreifen und am Freitag waberte ich irgendwie unschlüssig durch den Tag, kaufte spontan teure Farbe und turnte auf Gerüsten rum. Aber das wisst ihr ja schon. Heute morgen bin ich dann aber endgültig im Samstag angekommen und musste lachen, als ich in meiner Instagram-Timeline ganz viele „Es-ist-Samstag-heute-putzen-wir-das-Haus“-Einträge fand. Überall das selbe. „Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp“ weiterlesen

Und wie Du wieder aussiehst…

Brigitte. Kennste, ne? DIE Brigitte. Die es schon vor Jahrzehnten am Kiosk gab. Die mit den Klamotten- und Stylingtips, mit Pflege- und Diättips. Mit Back- und Koch- und Einrichtungstips. Eine Frauenzeitschrift. Millionenfach verkauft an – schätze ich jetzt einfach mal – Frauen. Die lässt auch ihre Leserinnen zu Wort kommen. Löblich.

Und die? Finden zuviel Frausein irgendwie doof. Unemanzipiert. Verachtenswert sogar.

Ich bin heute auf diesen Leserbeitrag gestoßen.

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Zum Greifen nah…

…war die Lösung meines Problems gestern. Und trotzdem drang sie nicht bis in mein Bewusstsein durch.
Ich hab die Gehaltsabrechnungen verteilt. Die kommen, sortiert nach einem mir völlig schleierhaften System, gegliedert in zwei Päckchen an. Ich sortiere sie nach Sitzreihenfolge, damit ich schnell durch alle Büros durch komme.
Und wie ich gestern in einem Büro mit vier Mitarbeitern stehe, habe ich für drei einen Brief auf der Hand, für den vierten nicht. Es lief mir eiskalt den Rücken runter – wo kann der hingekommen sein? Hatte ich den nicht eben noch? Oder… hab ich den womöglich aufgrund einer mittlerweile aufgehobenen Befristung aus dem Gehalts-System gelöscht und jetzt ist für ihn kein Geld unterwegs?! Wie schnell könnte eine Blitzüberweisung auf dem Konto sein, könnte ich das Geld wohl notfalls bar holen und im nächsten Monat alles wieder richten? Tausend Notfallpläne… dann kam ich auf die schlaue Idee, in meinen Duplikaten zu gucken, ob ich für ihn einen Ausdruck bekommen hatte. Und tatsächlich, er war dabei. Die erste Panik flaute ab. Aber dann musste doch auch ein Umschlag irgendwo sein…? Ich wusste mir nicht anders zu helfen, außer mein Duplikat auf den Kopierer zu legen und ihm eine Kopie auszuhändigen…

Ich fuhr nach Hause. Und grübelte. Und je mehr ich grübelte, desto mehr spürte ich einen wichtigen Gedanken an mein Bewusstsein klopfen… als ich die Runde gemacht hatte… im Büro vorher… da war doch ein Mitarbeiter, dessen Umschlag dicker war… warum war der dicker? Es war mir aufgefallen, aber ich hatte es nur registriert. Und es fiel mir wieder ein. Heute morgen führte mich mein erster Gang in das entsprechende Büro. Ich sehe die beiden (!) Umschläge von weitem ungeöffnet liegen. Der untere – tattataaa – war der Gesuchte. Manchmal… können Lösungen so einfach sein. Aber Panik ist einfach ein schlechter Ratgeber.

Buchhaltung – eine Welt für sich.

Heute war ich bei einem Seminar. Anwesend waren alle, die sich mit Gehältern und Lohnbuchhaltung auseinandersetzen. Also nicht weltweit alle, haha, aber eben alle, die der Einladung gefolgt waren. Ort des Geschehens: Ein hübsches, modernes kleines Hotel in der Nachbarstadt. Konferenzraum. Seminarleiter – zwei wahnsinnig eloquente und schnieke Herren vom Typ Nobelkarossen-Verkäufer. Geschult. Redegewandt. Einer davon redete ohne Unterlass, der andere saß hinten und beobachtete, ob jemand Blödsinn machte. Das Publikum – glich einem Treffen der Landfrauenvereinigung. OK, das ist mein fieses Klischeedenken. Aber ich darf das, das hier ist mein Blog. Also die Landfrauen – Altersdurchschnitt 50. Haare – blond-getönt-graumeliert-dauergewellt. Bluse, Stoffhose, Strickjacke. Perlenkette. Klassisch. Bieder.
Ich kam aus dem Aufzug des Parkhauses und wurde begrüßt – „Das hier ist das Arbeitgeberseminar der…“ „Jap, dann bin ich hier richtig!“
Der Autoverkäufer guckte mich überrascht an. „Ja dann… nur herein spaziert!“
Ich war zehn Minuten vor Seminarbeginn da und damit vorletzte. Als Buchhalterin schätzt man wohl Pünktlichkeit. Ich saß in der letzten Reihe und kritzelte inspiriert mit. Schräg vor mir saß eine der ganz hellgrauen Fraktion, nennen wir sie Hermine. Sie wusste alles. Der Autoverkäufer stellte hin und wieder eine Frage, die wohl eher rhetorisch gemeint war, „Wer von Ihnen hatte denn schon mal… und weiß, was…“, und Hermines Finger schnellte in die Höhe, bevor die Frage überhaupt im Raum stand. Noch bevor ICH überhaupt begriffen hatte, was der Frager wissen will, hatte Hermine die Antwort parat. Und wenn sie sprach, klang es wie abgelesen. Und so, als ob das eine völlig banale Frage gewesen sei, die zu beantworten reine Zeitverschwendung sei. Das brachte selbst seine eloquente Wenigkeit vor uns ein bisschen ins Staucheln. Das Seminar selbst war interessant. Ich hab ein paar wichtige Sachen mitgenommen. Die Wichtigste vielleicht – ich bin so was von untypisch was mein Aufgabengebiet angeht – und das ist verdammt gut so.

Es gibt so Tage…

…an denen ich meine Motivation nicht finde. Gestern war so einer. Heute klingt er noch ein bisschen nach. Alles zerrt an mir, jeder will was von mir, die Gehälter müssen gemacht werden, das sprichwörtliche Mädchen für alles wird mit allem zugemüllt, was sich hier so anstaut.
Motivation also. Wo ist sie? Ich hab schon in den Schubladen geguckt… jetzt geh ich mal in die Küche und schau, ob sie bei der Kaffeemaschine rumlungert…

Hat sie einer von Euch…. zufällig irgendwo…. gesehen?

Mr. Lohse from se deutsche Rörren-AG

Das Tolle an meinem Job ist ja, dass ich immer wieder neue Menschen kennen lernen darf.
Darunter sind mitunter schräge Vögel. Einen ebensolchen traf ich gestern. Seines Zeichens Vermieter.
Ein potentieller neuer Mitarbeiter war mit seiner Frau aus England angereist, um sich hier ein wenig umzusehen. Immerhin müsste die Gattin ihren Job aufgeben, das Eigenheim müsste verkauft und die vierjährigen Zwillinge ebenso nach good ol‘ Germany umgetopft werden wie die Eltern. Da will man schon mal gucken, wie das da so ist. Wir haben also eifrig Häuser besichtigt und gestern Nachmittag auch eine riesige Wohnung in der Innenstadt.
Bereits am Telefon hatte mir Mr. Lohse gesagt, dass sein Englisch außerordentlich gut sei und dass er sich freue über die Gelegenheit einer sprachlichen Trainingseinheit.

Nun. Eine Trainingseinheit war es indes. Hauptsächlich für unsere Geduld.
Die Wohnungsbesichtigung begann mit der ausführlichen Erläuterung der Funktionsweise des Fahrstuhls. Dieser, man höre und staune, öffnet automatisch die Fronttür („se … opening door“) und bewegt sich wie durch Magie in den richtigen Stock, wenn man nur den richtigen Knopf drückt („sehr ju bress se batten of your stock and sen wi go ab“)
Natürlich ist so ein Aufzug heutzutage ein ungeheuer sicheres Transportmittel. Es gibt nämlich einen Alarmknopf. Sehr beruhigend. „Elliweiters kän bi verrrri dändscher…rus… wenn ju will be stop bei mistäik… ju don’t häff matsch… brihsing… brähsing…bries… air…“ Wir schauten erwartungsgemäß erschrocken. Und er setzte noch einen drauf. „Juschulli… ju DON’T bress se batten wis se clock on!“ (er meinte die Glocke)“Only in kehs ju nihd help!“ (Ahso!) „Sen ju will häff after 20 seconds a connection to Stuttgart and samwon helps ju!“ Es entstand eine Pause, in der er uns beifallheischend der Reihe nach ansah. Wir nickten begeistert, in der Annahme, der Mensch am Ende der Leitung in Stuttgart sei dann eigens für unser Entertainment zuständig, bis Hilfe kommt. Dolle Sache.

Die Wohnung war sehr groß und Herr Lohse ließ es sich nicht nehmen, in jedem Raum ein paar Besonderheiten hervorzuheben. „Hier we häff a wasching pleis. I told ju, sis apartment ist verri speschl.“ Er grinste verschmitzt. (In der Tat, wer hat schon ein Handwaschbecken nebst Spiegel, gefliester Rückwand und Handtuchhalter im Wohnzimmer?) Wir gingen weiter in eine Art Wintergarten. „Sis is se Loggia. Ju no? Loggia. Itz itäliän. Ei spihk also italian verri well. LOGGIA! L-O-G-G-I-A! Wi kol it wintergarten Itz wie Kindergarten. Only wis a wi. a wi. ju no. a dabel… w.“ Ich ergänzte: „Double u“. Er warf mir einen leicht empörten Blick zu. „Siss“, er drehte sich um seine eigene Achse und machte eine ausschweifende Armbewegung, „…was se room of se servant“. Das englische Paar schaute sich an. Unsicher, ob es wohl auf die Schnelle noch Hausangestellte auftreiben könnte, die im Wintergarten wohnen wollten. Herr Lohse verschränkte die Arme auf dem Rücken, schaute aus dem Fenster und wippte von den Ballen auf die Ferse und zurück. „Sehr ju kan sii a brandschutzmauer. Sis was verri popjula ..äh.. in…se past teim. When feiers wehr mohr popjula… feiers, ju no? Wis biiiig fleims. and hot. and… feiers halt. Wis sis … ma..äh…walls sei kept se feiers … in … se…only… behind. So däd not all se ährea was börned.“ Die Engländer nickten und beeilten sich aus dem Zimmermädchenzimmer ins nächste Zimmer voranzugehen. Herr Lohse eilte hinterher, überholte beide und öffnete beinahe alle Türen eines Einbauschranks. „Siss, Lady, is for juh!“ Er wurde ganz aufgeregt. „Siss is nämlich for se hausweif! You no, lady, in a big apartment ju häff to clihn everidei. For all wenn ju häff kids. Änd siss is se pleis for se brasches and se backets and se clihning ekwipment.“ Frau Engländerin schaute zerknirscht, rang sich ein Lächeln ab und nickte.
Als wir fast durch waren und sich das Paar herzlich für seine Mühe bedankte und sein Englisch lobte, kamen wir noch ein wenig ins Plaudern. „Ju no… I was a bissnessmän in Sri Lanka.. Ei wörkt äss a fäschndiseiner for ten jihrs.. in Sria Lanka. Änd sen in Päris.“ Wir drei schauten fast synchron auf den etwas fleckigen, hellgrauen Jersey-Pulli und weiter hinab auf die ausgebeulten Jeans. „Ser I hätt (!)“..(strenger Blick, erhobener Zeigefinger…“tu lörn se inglish längisch…guisch…guitsch. Änd ei also spihk itäliän. Änd nou eim lörning celtic. Bikors I reit a buk abaut se celts..celtics…celtic pipel. Änd ei häff tu dogs.“ Wir bewegten uns unauffällig in Richtung der Ausgangstür. „I häff won of sem from Spain. It was a street dog“, führte er aus und zu mir gewandt „ganz toller Hund. Sehr schwierig. Aber ganz toll.“ „Ju no, ei weik ab evvveri morning at feifsörti and go wis se dogs.“ Die Engländer lächelten gequält und nickten. „Ei rrrekomend ju tu lörn se dscherman längwitsch. Ju are matsch more … welcomt if ju spihk dscherman wis se dschermens.“ Wir bestiegen den Elliweiter und ich drückte schnell auf den EG-batten. „Ju no“, die Engländern nickten in Dauerschleife immer weiter, „wi häff only good parties hier in sis haus.“ Der Engländer horchte auf. „Parties?“ „NO, plihs, no loud parties hier! Sis propperti is kombeind wis bissness. Iff ju häff laut parties hier…“ „Nein, ich glaube das war ein Missverständnis“, mischte ich mich ein. „Er hat Sie schon richtig verstanden. He means it’s a nice and quiet house.“
Alle drei schauten erschöpft. Wir schüttelten einander alle Hände und versprachen uns zu melden.
Herr Lohse blieb neben der Eingangstür stehen und winkte uns nach „Häff a neis day and a ..äh… come back!“
Der Engländer meinte trocken – „This was… very… educational.“
Irgendwie glaube ich nicht, dass die beiden Herrn Lohses nächste Mieter werden…

Ziemlich baff…

…bin ich. Als ich heute morgen ins Büro kam, stand ein Strauß pinker Gerbera und pinker Rosen auf meinem Tisch. In der Mitte ein glänzendes pinkes Vögelchen.
Weil ein Geschenk für meine Chefin direkt daneben lag, dachte ich, dass die Blumen wohl nicht für mich sind.

Bis mein Chef kam. Ihn habe ich zuerst gefragt, von wem und für wen die sind. Die Antwort verblüfft mich immer noch.
„Na von mir. Für dich. Weil heute Dein erster Tag ist und Du sicher viel zu tun hast und ich mir dachte, Du würdest dann besser starten!“

Ähm. Wow.

Wenn…

… „am Rad drehen“ je olympisch wird, hat unsere Firma große Chancen aufs Treppchen…