Mein Leben und ich: 20 Fragen von der Mülltrennung übers Weltall bis in mein Schlafzimmer!

Happy Saturday ihr Lieben, ich freue mich schon die ganze Woche darauf, endlich wieder 20 Antworten über mich selbst raushauen zu dürfen. Die Woche war streng getaktet, bis gestern Abend hatte ich sechs Abende in Folge Termine oder Einladungen. Wenn mich also heute jemand sucht – ich bin die, die den ganzen Abend mit Chips einem Obstteller vor der Glotze hockt und nichts tut.

Aber erstmal gibt’s ein paar Fakten für Euch:

1000 Fragen an dich selbst – #3

41. Trennst du deinen Müll?

Aber klar! Wir hier trennen in Biomüll, Restmüll, Papiermüll und füllen den gelben Sack. Am schnellsten voll ist grundsätzlich der Biomüll (das Leben als Vegetarier bringt viele Schalen mit sich!) und die Papierablage.

42. Warst du gut in der Schule?

Hm. In ganz jungen Jahren fand ich das mit dem Lernen so nebensächlich wichtig. Ich war nie schlecht und war nie besonders gut, immer so guter Durchschnitt. Dann hat mich zum Ende der Realschule der Ehrgeiz gepackt und habe zwei Jahre lang Preise eingeheimst.  Auf dem Gymnasium schließlich habe ich an mir selbst gezweifelt und trotzdem noch ganz passabel abgeschlossen. Die letzte schulische Ausbildung habe ich mit 24 begonnen und mit 26 als Jahrgangsbeste mit einem Schnitt von 1,1 beendet. Ich würde also sagen: Gut in manchen Schulen. 🙂

43. Wie lange stehst du normalerweise unter der Dusche?

Es ist ja ganz erstaunlich: Wenn ich daheim dusche, dann dauert das schon mal länger. Das heiße Wasser und der duftende Schaum und das heiße Wasser und meine müden Knochen und das heiße Wasser … you get it. Sind wir beim Campen und ich dusche mit Duschmünze, bin ich in zweieinhalb Minuten fertig. Und frage mich, was um alles in der Welt ich daheim so lange unter der Dusche mache, so lange = mehr als zehn Minuten.

44. Glaubst du, dass es außerirdisches Leben gibt?

Irgendwie liegt das außerhalb  meiner Vorstellungskraft. Ich finde den Gedanken aber ganz schön.

45. Um wieviel Uhr stehst du in der Regel auf?

Redaktionen sind klassische Spätberufe. Ich muss nicht um acht an meinem Schreibtisch sitzen, weil die Welt sich da erst ganz langsam zu drehen beginnt. Es reicht locker, wenn ich um zehn aufschlage. Das kommt mir insofern entgegen, als dass mein Kind ein Langschläfer ist und wir selten vor halb zehn im Kindergarten aufschlagen. Insofern klingelt mein Wecker zwischen sieben und halb acht, vor acht stehe ich aber selten auf. Wenn die Kleine in die Schule kommt, werden wir an dieser Schraube gewaltig drehen müssen.

46. Feierst du immer deinen Geburtstag?

Ja natürlich! Geburtstage sind ein schöner Grund, zu feiern. Alter ist schließlich keine Zahl, sondern eine Geisteshaltung!

47. Wie oft am Tag bist du auf Facebook?

Allein schon jobbedingt quasi nebenbei immer.

48. Welchen Raum in deiner Wohnung machst du am liebsten?

Machen im Sinn von aufräumen und putzen? Oder mögen? Mögen tu ich am liebsten mein Esszimmer. Und meine Küche. Und das Schlafzimmer. Ich mag meine ganze Wohnung.

49. Wann hast du zuletzt einen Hund (oder ein anderes Tier) gestreichelt?

Die Katze meiner Klavierlehrerin letzten Montag. Das spannendste Tier waren aber sicher die Rentiere in Norwegen.

50. Was kannst du richtig gut?

Schreiben. Schreiben ist wie Atmen für mich. Das ist definitiv mein Leben und meine Welt.

51. Wen hast du zum ersten Mal geküsst?

Zählen meine Eltern mit? 🙂

52. Welches Buch hat einen starken Eindruck bei dir hinterlassen?

Da gibt es sicher viele. Ich erinnere mich aber gut, dass ich “Die Wüstenblume” mit angehaltenem Atem gelesen habe und ich die Geschichte der Frau auch später noch verfolgt habe, weil sie mich sehr berührt hat.

53. Wie sieht für dich das ideale Brautkleid aus?

Weiß, glitzernd, oben schmal unten weit mit Tüll und Tamtam. So wie meins damals.  Aber irgendwie ist jede Braut hübsch.

54. Fürchtest du dich im Dunkeln?

Als Kind bin ich nur singend in den Keller gegangen. Ich habe mir eingebildet, die Monster würden mich dann nicht erschrecken. Heute bin ich mir nicht sicher, ob die Monster nicht mehr Angst vor meinem Gesang hatten als ich vor ihnen. Ich habe keine Angst im Dunkeln, im Gegenteil, ich finde Dunkelheit manchmal sehr beruhigend.

55. Welchen Schmuck trägst du täglich?

Meine Silberkette mit dem Liebe-Anhänger oder Roségold-Schmuck, den ich von meinem Mann bekommen habe.

56. Mögen Kinder dich?

Ich hoffe doch! Meins zumindest! Ich glaube, ich bin eine gute Mischung aus “Das geht so nicht”-Strenge und “Komm, wir machen’s nochmal”-Blödeltante.

57. Welche Filme schaust du lieber zu Hause auf dem Sofa als im Kino?

Alles, was mit Action zu tun hat. Da kann ich umschalten oder losschreien oder aus dem Zimmer rennen.

58. Wie mild bist du in deinem Urteil?

Das ist eine interessante Frage. Ich denke, ich kann durchaus nachsichtig sein. Ich berücksichtige die Gesamtumstände. Wenn mich jemand anblafft, wäge ich ab, in welcher Situation mein Gegenüber ist. Weiß ich, dass er gerade selbst unter Strom steht oder Sorgen hat, bin ich nicht eingeschnappt. Wenn ich allerdings ungerecht behandelt werde, wehre ich mich. Und wenn ich mit etwas absolut nicht einverstanden bin und das sichere Gespür habe, die Sache zwischen mir und der anderen Person wird nix mehr, dann bin ich sehr konsequent. Ich kann einen gewissen unguten Zustand lange tragen, aber wenn ich fertig bin, ist das endgültig.

59. Schläfst du in der Regel gut?

Ja. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mein Mann die Kleine nachts immer vor mir gehört hat. Wenn ich schlafe, könnte man mich gegen die Wand lehnen und ich würde es nicht merken.

60. Was ist deine neueste Entdeckung?

Rezepte von Jamie Oliver in diesem tollen Kochbuch.

1000 Fragen! Heute gibt’s die ersten 40 Antworten über mich.

Als ich neulich mit einer Freundin über die Zeit vor Hannah plauderte, ist mir etwas bewusst geworden: Entweder ich werde tatsächlich vergesslich, oder die Zeit, die ich ohne Kind erlebt habe, verblasst zusehends. Die Geburt meiner Tochter war ein Lebenseinschnitt, der mein Dasein in eine Zeit davor und eine Zeit seither einteilt. Es ist nicht allein die Tatsache, dass ich früher samstagabends nicht um elf gähnend auf der Couch saß, aber auch. Ich weiß noch gut, wie ich in der Klinik kurz nach der Entbindung ein Gespräch mit meiner Zimmernachbarin hatte, die einen Tag vor mir ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte. Es war Samstagabend und sie sagte “Oh, heute kommt Wetten, dass?. Guckt ihr das auch immer?” Und ich sagte: “Bisher waren wir nie daheim am Samstagabend, sondern immer mit Freunden unterwegs.” Sie guckte kurz irritiert, dann lachte sie: “Stimmt, ich habe ganz vergessen, wie das mal war ohne Kinder.”

Also bin ich heute jemand anders als noch vor fünf Jahren. Aber Wer bin ICH eigentlich noch, seit ich Mutter bin? Genau diese Frage stellt sich Johanna vom Blog Pinkepank.

Diese und noch 1000 weitere. Und ich nehme die Idee gerne auf und beteilige mich an ihrer Sammlung. Weil ich erst ein bisschen später auf die tolle Aktion aufmerksam geworden bin, beantworte ich die ersten 40 Fragen auf einmal.

Ihr holt Euch also jetzt am besten eine Tasse Tee oder Kaffee, geht noch mal schnell aufs Klo und macht’s Euch gemütlich. Das dauert nämlich. Bereit?

Los geht’s!

1 Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?

Vermutlich gestern. Ich habe noch nie einen wildfremden Mann im Supermarkt angequatscht. Aber gestern stand ich relativ ratlos vor dem Regal mit den Putzmitteln. Ausgerechnet DER Badreiniger war zwar noch zweimal vorhanden, stand aber im obersten Regal ganz hinten. Meine 1,60m plus 9cm Absatz haben nicht ausgereicht. Und ich wollte ungern in das Regal klettern. Wer mich früher m Sportunterricht beobachtet hat, weiß, warum. Also habe ich mich mit Korb und Kind an der Hand auf die Suche nach einem Mitarbeiter gemacht. Kennt ihr das? Wenn ihr an ein Regal wollt, stehen da drei Verkäufer davor und räumen Ware ein. Wenn ihr einen Verkäufer sucht, sind die Gänge leer, als wäre ein atomarer Regen niedergegangen. Irgendwann fasste ich mir ein Herz und sprach den nächstbesten großen Mann an, der mir begegnete. Er war sehr hilfsbereit, bekam ein bisschen rote Wangen und überreichte mir den Badreiniger. Winwin, irgendwie.

2 Mit wem verstehst du dich am besten?

Am besten? Schwierig. Natürlich habe ich ein gutes Verhältnis zu meinem Mann. In den wesentlichen Lebensfragen ticken wir gleich, manchmal haben wir aber auch völlig unterschiedliche Ansichten. Dann gibt es noch meine weltallerbeste Freundin, zu der ich seit Jahrzehnten einen guten Draht habe. Außerdem habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Auch hier gilt: Wir sind uns im wesentlichen einig, auch wenn uns ein paar Ansichten trennen. Aber das Grundverständnis füreinander ist natürlich da.

3 Worauf verwendest du viel zu viel Zeit? 

Gute Frage. Vermutlich käme ich morgens 20 Minuten früher aus dem Bett, würde ich nicht erst das halbe Internet leerlesen. Viel zu viel Zeit würde ich das aber nicht nennen. Es ist viel Zeit. Aber ich bestimme darüber. Eigentlich verwende ich für nichts zu viel Zeit. Die Zeit, die ich aufbringe für Dinge, nehme ich mir ziemlich bewusst dafür und empfinde sie als richtig.

4 Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?

Über gute, die mich überraschen und die ich noch nie gehört habe. Ich lache auch gern über mich selbst.

5 Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst? 

Das kommt sehr darauf an, wer dabei ist und warum ich weinen muss. Wenn ich im Kino sitze und hemmungslos bei Pixar-Filmen in mein Taschentuch schneuze, dann ist mir das nicht peinlich. Im Grunde sind Tränen einfach ein Zeichen von Gefühl. Ein Ventil für eine Empfindung. Und während ich grade so darüber nachdenke, … nein, ich glaube, es gibt keine Situation, die mir richtig unangenehm wäre. Wenn ich vor Kollegen weinen müsste, würde es dafür einen Grund geben. Wenn ich im Streit weinen muss, gibt es dafür einen Grund. Selbst wenn es als Zeichen von Schwäche gewertet würde – so what? Das bin ich dann in dem Moment offenbar.

6 Woraus besteht dein Frühstück?

Ich versuchte lang ein gutes Vorbild für meine Tochter zu sein und mir das Essen am Morgen anzugewöhnen. Manchmal kann ich das mittlerweile, dann gibt es Birchermüsli mit frischem Obst oder Schokomüsli mit griechischem Joghurt oder sowas. Aber meistens bleibt es für mich beim Kaffee. Ich kann um zehn dann dafür schon ziemlich zulangen.

7 Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben? 

Meiner Tochter auf die Haare, grad vorhin.

8 In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter?

Da gibt es wohl ein paar. Wir sind beide absolut konsequent. Ein wohlüberlegtes Nein ist ein Nein, bleibt ein Nein, ist kein Vielleicht und kein Jein. Mittlerweile spüre ich immer mehr, dass mir ihr Minimalismus und ihre Ordnungsliebe auch in den Genen steckt. Und nicht zuletzt habe ich meine Schlagfertigkeit definitiv von Mama.

9 Was machst du morgens als erstes?

Das Internet leerlesen. Mails, Whatsapp, Facebook-Nachrichten checken.

10 Kannst du gut vorlesen? 

Meine Tochter findet, ja. Ich liebe es, den Bären Dr. Brumm mit tiefer Stimme und seinen Goldfisch Pottwal mit einer ganz piepsigen sprechen zu lassen.

11 Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt? 

Ich verstehe die Frage nicht. Wer zweifelt an der Existenz des Weihnachtsmanns?

12 Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen? 

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vermutlich, weil ich mit den kleinen Freuden des Alltags maximal glücklich bin und gar nicht so sehr an Materiellem hänge. Aber vielleicht irgendwann ein Paar Jimmy Choos. (Das sind Schuhe.)

13 Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? 

Ich glaube, mir fehlt keine. Ich könnte vielleicht manchmal etwas mehr Geduld aufbringen.

14 Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen? 

Auch schwer zu sagen. Das Einzige, worauf ich mich wirklich freue, ist der Münsteraner Tatort. Viele finden ihn extrem klamaukig und albern, ich mag das Ermittlerduo Thiel und Boerne einfach sehr gern. Ansonsten gucken wir sehr sporadisch und recht wahllos fern. Ah, ich mag die Fixer-Upper-Folgen, die ich mal zufällig auf sixx entdeckt habe. Könnte ich mir mal wieder angucken.

15 Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? 

Das ist geschätzt 15 Jahre her. Mein Mann und ich waren im Europapark. Ich erinnere mich nur noch daran, dass wir am Ende wie zwei ermattete Rentner mit der Milka-Bahn durchs Gelände getuckert sind. Irgendwie gibt mir das nichts.

16 Wie alt möchtest du gerne werden? 

So alt, dass ich zufrieden sagen kann – es ist gut jetzt.

17 An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück? 

An den letzten, weil er sehr eindrucksvoll war. Wir haben uns zwei Wochen lang in die Fjorde und durch die Sunde Norwegens schippern lassen. Bergen und Trondheim stehen seither auf der Wiederholungsliste. Außerdem habe ich da ein Rentier gestreichelt und das war wirklich eine sehr spezielle und schöne Erfahrung. Auch wenn es arschkalt war.

18 Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an? 

Ich bin da ein bisschen unbeholfen, weil ich noch nie in meinem Leben welchen hatte. Klingt zwar komisch, ist aber so. Die Jungs, die ich spannend fand, fanden mich doof. Die Jungs, die ich doof fand, fanden mich spannend. Bis ich mit 19 über meinen Mann stolperte, mich am ersten Abend verliebte und ihn zehn Jahre später heiratete. Ich habe nie Kummer gehabt wegen einem Mann.

19 Hättest du lieber einen anderen Namen? 

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe … in den Achtzigern war die zarte Nicole mit ihrer weißen Gitarre DAS deutsche Wunder. Und vermutlich heiße ich so, weil der Name damals modern war. Ich kann damit leben und finde Nicole sehr in Ordnung. Mit zweitem Namen heiße ich Jasmin, was mir fast besser gefällt, aber es ist eben wie es ist. Als Kind wollte ich übrigens Penelope oder Dorothee heißen. Ich bin heute über Nicole sehr glücklich.

20 Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?

Oh, schon öfter. Vor allem während meiner Ausbildung im Volontariat. Ich hatte ganz oft das Gefühl, ich bin zu doof für diesen Job. Wie sich das verändert hat, habe ich hier neulich erzählt.

21 Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?

Hier kann ich mit gutem Gewissen sagen – nein. Sagen wir so – wenn damit gemeint ist, ob es mir wichtig ist, was mein Chef von meiner Arbeit hält – dann natürlich schon. Ich würde mir wünschen, dass er mir die Dinge, mit denen er unzufrieden ist, erklärt. Und nicht einfach denkt – “meine Güte, die hat das auch nicht im Griff.” Auch wenn ich aus dem Haus gehe und mein Mann findet, dass mein Rock zu kurz ist – der darf mir das zumindest sagen. Soll er sogar. Aber wenn mit “andere” wirklich Außenstehende gemeint sind – dann nein. Es ist mir völlig wurscht, was die Nachbarn, andere Eltern, die Frau hinter der Tanstellenkasse von mir denken. Umgekehrt – warum sollte mich das interessieren? Sie leben nicht mein Leben, sie sind nicht ich, sie wohnen nicht hier. Es gibt kaum etwas, was mich so wenig beeindruckt, wie ihre Gedanken über mich.

22  Welche Tageszeit magst du am liebsten? 

Ich lebe furchtbar gerne. Morgens, mittags, abends. Ich mag den Vormittag, weil ich da (wenn ich mal den ersten Kaffee intus habe) frisch und voller Tatendrang bin. Weil ich gleich viel erledigen kann, Wäsche machen, einkaufen oder zur Arbeit gehen.  Ich mag die Mittagszeit, weil es etwas zu Essen gibt (und ich schon mal eine Art Zwischenbilanz des Tages ziehen kann) und ich mag den Abend, wenn wir alle hier zur Ruhe kommen, den Münsteraner Tatort gucken und einen Teller Obst veputzen. Wenn der Ofen bollert und wir uns Kerzen anzünden und mit Hannah eine Runde “die verrückte Wettermaschine” spielen. Eigentlich habe ich keine Lieblingstageszeit.

23 Kannst du gut kochen? 

Wartet, ich frage mal.

Mein Mann sagt, ja. Vermutlich traut er sich nichts anderes zu sagen. Aber vielleicht kriege ich es wirklich ganz gut hin. Ich hab ja nen Thermomix und wie wir alle wissen, ist das ein unnötiges und überteuertes Gerät, das nur Frauen benutzen, die nicht kochen können. *Ironie off*

Über Ernährung habe ich schon ganz viel geschrieben und ich freue mich immer wieder, dass ihr meine Rezepte ausprobiert und genauso mögt wie ich. Insofern kann die breite Masse nicht gaaaanz daneben liegen, ne? Und der beste Indikator ist immer noch mein Kind, das neulich sagte: “Mamas Essen ist das allerbeste auf der ganzen Welt.” Noch Fragen?

24  Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten?

Ganz eindeutig der Frühling. Ich mag den Winter nicht, weil ich mit Schnee und Kälte nichts anfangen kann. Mit extremer Hitze übrigens auch nicht, ab 30 Grad funktioniere ich nur noch auf Sparflamme und möchte den ganzen Tag jammernd im Keller sitzen. Und der Herbst hat zwar schöne Seiten, aber oft auch etwas Melancholisches. Im Frühling hingegen erwacht die Natur, alles wird neu und frisch und grün. Gibt es etwas Schöneres?


25  Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht? 

Letztes Jahr im Februar. Da hatte ich Magen-Darm-Grippe und lag den gesamten Tag im Bett. Außer Spucken und Leiden war nichts drin. Aber sonst erinnere ich mich an keinen Tag, an dem ich überhaupt nichts gemacht habe. Das entspricht auch überhaupt nicht meinem Naturell, ich liebe es, produktiv zu sein. Und wenn ich mal wirklich Urlaub habe, dann vertiefe ich mich in Kardamom und Kümmel.

26  Warst du ein glückliches Kind? 

Wieso warst? 🙂 Ich bin’s noch immer. Spaß beiseite, ich war ein glückliches Kind. Ich hatte immer alles, was ich brauchte. Ich hatte Eltern, die mir zwar nicht alles kaufen konnten

oder wollten, aber die mich liebevoll zur Selbstständigkeit erzogen haben, die meine musische und kreative Neigung erkannt und gefördert haben und mich in meiner Jugendzeit auf meinen ersten Schritten in Richtung Journalismus unterstützt haben. (Lieber Papa, Du hast mich an vielen Wochenenden zu Kirchenkonzerten und zu Kinderartikelbörsen gefahren und begleitet, dafür bin ich dir noch heute dankbar.)

27 Kaufst du oft Blumen?

Oh ja. Ich habe einen ausgeprägten schwarzen Daumen. Alle Topfpflanzen, die in unserer Wohnung überleben, tun dies dank meines Mannes. Ich bin froh, dass mein Kind sprechen kann und mir mitteilt, wann es Hunger und Durst hat, sonst … hm.

Deswegen kaufe ich mit großer Begeisterung Schnittblumen. Die wirft man nach einer Woche ohne schlechtes Gewissen in die Biotonne. Weiße Blumen aller Art sind hier eigentlich immer. Zur Zeit Tulpen, eine Vase mit sich langsam öffnenden Kirschblütenzweigen und eine weiße Amaryllis. Absoluter Blumenfavorit: Weiße Rosen. Schon immer.

28 Welchen Traum hast du?

Ich habe darauf auch nach längerem Grübeln keine Antwort. Die Frage ist so groß und allgemein, dass ich nichts konkretes damit anfangen kann. Wenn ich mir etwas sehnlichst Wünsche, dann setze ich es um. So bin ich in meinem Traumberuf gelandet und habe mir ein Klavier zugelegt. Einen Traum, der unerreichbar ist, habe ich nicht.

29  In wievielen Wohnungen hast du schon gewohnt?

Elternhaus mitgerechnet in vieren. Ein kurzer Abstecher hat mich nach Neu-Ulm verschlagen, zwei Jahre wohnte ich in einer Jugendstilvilla in Riedlingen, vor 15 Jahren bin ich mit meinem Mann zusammengezogen.

30  Welches Laster hast du?

Schuhe, sagt mein Mann. Was sind schon 75 Paar, sage ich.

31  Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Ich lese es noch: Die Macht der Gewohnheit. Es ist großartig und spannend und erklärt mir viel über mich selbst.

32 Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

In den Neunzigern fand ich die Sängerin von Roxette bildhübsch. Sie hatte hellblonde, wilde, kurze Haare. Ich hatte mausbraune lange. Als ich mich zu einem Kurzhaarschnitt hinreißen ließ, wurde daraus ein ziemlicher Topfschnitt und ich ähnelte der Sängerin von Roxette in etwa so sehr wie Mireille Matthieu in brünett. Heute sind meine Haare sehr hellblond und kurz und wenn ich will, style ich sie wie die Sängern von Roxette damals. Ich habe die Frisur also deshalb, weil sie zu mir gehört. Weil ich schon vor 20 Jahren wusste, dass ich das bin. Dabei habe ich übrigens gerne und viele Umwege eingeschlagen. Ich hatte Haare bis zum Hintern, ich trug sie schwarz, rot, pink und grün. (Nacheinander) Ich hatte brünette Dauerwellen und eine schwarzen Beinahe-Iro. Es sind nur Haare.

33 Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig?

Ja und nein. Habe ich es griffbereit, werfe ich tatsächlich oft einen Blick darauf. Die Macht der Gewohnheit! Ist es im Nebenraum oder ausgeschaltet, ist das für mich aber auch in Ordnung. Eigentlich genieße ich dann sogar die völlige Freiheit. Ist das ein Zeichen von Abhängigkeit oder einfach Zeitgeist?

34 Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto?

Es ist ok. Luft nach oben ist immer.

35  In welchen Laden gehst du gern?

Ich liebe Buchläden. In keiner Stadt komme ich an einem Buchladen vorbei. Allein schon wegen des Geruchs nach Papier und Teppichboden. Genauso liebe ich zwei kleine Cafés hier in meiner Heimatstadt. In beiden gibt es neben Kaffee und Kuchen auch Tees zu kaufen, Schokoladen, Porzellan und wunderbare Kleinigkeiten.

36 Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe?

Ohgott. Wenn das jemand liest. (haha). Ich bestelle tatsächlich zum Essen gerne Wasser. Und wenn wir abends sonst unterwegs bin eigentlich grundsätzlich alkoholfreie Sachen (die ganze Bandbreite von Saftschorle bis zum Heißgetränk). Hin und wieder aber auch einen Cocktail oder einen Hugo. Hat übrigens nichts mit Askese zu tun: Ich mag zum Beispiel überhaupt kein Bier.

37   Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? 

Immer wenn es Zeiiit wär zu gehn, verpass ich den Moment und bliebe stehn … nö, ich glaub, ich geh keinem auf den Wecker und gehe immer dann, wenn es Zeit ist.

38  Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit?

Schreiben oder Bloggen.

39  Willst du immer gewinnen?

Liebe Oma im Himmel, erinnerst Du Dich noch an unsere Nachmittag mit dem Mühlebrett? Wenn ich verloren habe, habe ich vor Wut das Spielbrett vom Tisch geworfen. Wenn ich gemerkt habe, dass Du mich gewinnen lässt, auch. Insofern – ich gewinne schon gerne, aber seit ich ein Kind habe, predige ich auch, dass man verlieren können muss. Es ist doch nur ein Spiel.

40  Gehst du in die Kirche?

Wenn damit gemeint ist, ob ich regelmäßig sonntags in den Gottesdienst gehe – nein. Aber auch hier: Ich komme an kaum einer Kirche vorbei, ohne hineinzugehen. Ich genieße die Ruhe, die Stille, das Sakrale dieses Ortes und kann darin gut mir selbst zuhören.

 

Hat irgendjemand bis hierhin durchgehalten? Ja? Wer Lust hat mitzumachen, findet die Fragen auf Johannas Blog. Auch die nächsten 20 stehen schon bereit, mit denen lasse ich mir jetzt ein bisschen Zeit.

Nochmals ein dickes Dankeschön für diese tolle Aktion!

Jetzt gehe ich mal lesen ….

Warum 2018 mein Jahr wird. Und 2019. Und 2020 …

Ich bin wieder da! Das Blog und ich haben uns eine kleine Auszeit gegönnt. Eigentlich wollte ich pünktlich zum neuen Jahr wieder loslegen, aber ich hab ein bisschen Luft gebraucht. Jahreswechsel sind ja schließlich prädestiniert dafür, sich zu sortieren, neu aufzustellen und die Richtung zu justieren. Dazu später noch mehr.

Ich habe zwischen den Jahren und in der Woche nach Silvester gearbeitet, abgesehen davon hatte ich aber auch einfach kein Bedürfnis, mich daheim an den Rechner zu setzen. Es hat mich viel mehr auf die Couch gezogen mit einem der besten Weihnachtsgeschenke überhaupt: Ich habe von meinem Mann die komplette Sammlung von “Mit Schirm, Charme und Melone” bekommen und mich absolut in die Sechziger verkrümelt. Miss Peel und ich sind ganz dicke.

Das aber eigentlich noch viel bessere Weihnachtsgeschenk war eine Überraschung. (Ich sagte ja, ich habe völlig vergessen, was ich mir so gewünscht habe das Jahr über…) Nämlich: Das Buch “Die Macht der Gewohnheit – warum wir tun, was wir tun” von Charles Duhigg.

Ich hatte erst die Befürchtung, es sei eine trockene, wissenschaftliche Erklärung der menschlichen Psyche. Aber weit gefehlt. Der Autor lässt keine Längen aufkommen, in dem er immer wieder spannende Fälle aus der Praxis schildert. Und ich habe beim Lesen einen Aha-Moment nach dem anderen. Als hätte ich beim Schreiben dieses Posts geahnt, dass ich mich mit dem Thema Disziplin noch weiter auseinandersetzen werde.

Denn Disziplin, das habe ich jetzt gelernt, ist keine angeborene Haltung, sondern eine Gewohnheit, die man sich antrainieren kann. Überhaupt – man kann sich recht viel Gutes angewöhnen. Das Gehirn schafft Strukturen, die einem Auslösereiz eine Tat folgen lassen, die uns das Gefühl der Belohnung verschafft. Diese Strukturen sind, einmal angelegt, kaum mehr abzulegen. Aber sie lassen sich anders füllen. Wer versteht, warum er zur Zigarette greift (kurze Pause, soziale Kontakte, Ablenkung) kann sich das zunutze machen und eine Ersatztätigkeit einbauen, die dieselbe Wirkung hat. Ein Stück Obst, 5 Minuten Augen schließen, etc.

Auch Selbstbeherrschung kann man trainieren, wie einen Muskel. Wer es gewohnt ist, viel auf die Reihe zu kriegen, zahlreiche Aufgaben pro Tag abzuhaken, entwickelt sinnvolle Routinen und lässt nicht locker, ehe er alles geschafft hat, weil am Ende die Belohnung – ein gutes Gefühl – wartet. Wer es gewohnt ist, in den Tag hinein zu leben, sich  nicht um Dinge zu kümmern, bis es zu spät ist – wird auch mit dieser Gewohnheit leben, wenn er sie nicht willentlich ändert und durch eine bessere ersetzt.

Das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht und genau aus diesem Grund, aus dem Gefühl heraus, oft zu funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk, habe ich zwei Wochen Abstand zum PC gesucht. Ich halte eigentlich nichts von guten Vorsätzen, ich halte aber viel davon, in sich hineinzuhören und seinem inneren Kompass Gehör zu schenken. Wenn das dann über Silvester passiert – dann ist das eben so.

Beim Nachdenken ist mir klar geworden, was ich für 2018 will – meine Richtung selbst bestimmen. Meine Entscheidungen noch weniger von außen abhängig zu machen, dem Bedürfnis, mich zu rechtfertigen, noch besser zu widerstehen. Beispiel gefällig? Gestern war ich Einkaufen und wollte schnell etwas fürs Mittagessen besorgen. Ich hatte weder Körbchen noch einen Wagen mitgenommen, aber die paar Kleinigkeiten – Fisch, Gemüse, Pasta – würde ich gut tragen können. Dachte ich. Bis ich die weißen Tulpen und die Büschel frischer Frühlingsäste sah und mir den Arm damit vollpackte. Meine Kapazität reichte immerhin noch für eine Packung Backfischstäbchen. An der Kasse scherzte ich mit der Kassiererin, dass es heute wohl Tulpensalat gebe. Und als ich ihr dann erklärte, dass ich grundsätzlich eher in schön als in praktisch denke, räusperte sich die ältere Dame hinter mir. Ich sah ihrem Ausdruck an, dass ihr Verständnis für junge Frauen, die Blumen statt Brokkoli kaufen, die ihrem Mann kein Schnitzel auf dem Teller sondern Knospen an Zweigen präsentieren, irgendwo im Negativbereich pendelte. (Bevor ihr Euch Sorgen macht – ich hatte noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank und im Tiefkühler und Hannah seufzte zwischen zwei Gabeln dass “Mamas Essen das allerbeste auf der ganzen Weeelt” ist. Nimm das, fremde Oma.)

Ich habe außerdem beschlossen, mich von Dingen zu trennen, die mir keine Freude machen und mich nutzlos beschäftigen. Eigens dafür habe ich eine Flohmarktkiste angelegt, denn auf der Bucket List fürs neue Jahr steht ein Flohmarktbesuch. Bei einer Blitzumfrage im Freundeskreis habe ich übrigens rausgefunden, dass jeder, wirklich jeder etwas zur Flohmarktkiste beisteuern kann. Ich denke, das wir mal eine ganz vergnügliche Sache und ich werde nicht alleine dabei sein. 🙂

Während ich mich also von unnötigem Gedöns verabschieden möchte, soll das keineswegs einer Askese ähneln. Ich habe ein paar Dinge auf einer Wunschliste notiert, die ich mir das ganze Jahr über zulegen möchte. Schön Stück für Stück, wertschätzend. Meine erste Amtshandlung am Neujahrsmorgen  – darauf kommt ihr nie – war eine Bestellung im Internet. Wer hat wohl demnächst die weltschönsten Geschirrtücher, naaaa, weeeer? 🙂

Genau das bin ich. Ich liebe es, Dinge schön zu machen. Auch die unbeachteten Dinge zu schätzen. Natürlich könnten wir auch ohne weiße Amaryllis leben. Natürlich könnte ich auch mit den alten Geschirrtüchern leben.  Aber lohnt sich Pragmatismus wirklich immer? Natürlich könnte ich mir ein Paar Sneakers kaufen und sie täglich tragen. Ich müsste keine Schuhe wegen ruinierter Absätze zum Schuhmacher tragen. Aber will ich das? Natürlich könnte ich mich in Funktionskleidung hüllen, müsste nicht so oft bügeln und schon gar nicht frieren oder schwitzen. Aber bin ich das? Wenn ich mir etwas vorgenommen habe für 2018, dann genau das: Jeden Tag noch ein bisschen besser hinzuhören, wer ich bin. Was die Stimme in mir will. Ich will meine Persönlichkeit noch ein bisschen besser auskosten, ans Licht holen und einfach ich selbst sein. In Blüschen, auf hohen Hacken und mit frischen Blumen auf dem Tisch.

Und ihr so? Vorsätze?

 

Ach inneres Ich, Du machst das schon …

Hätte ich vor 18 Jahren mein inneres ich von heute gekannt, wäre mir so manch schlaflose Nacht erspart geblieben. Ich hätte Tage wie den heutigen nicht unausgeschlafen begonnen, hätte mich nicht mit Herzklopfen ans Werk gemacht, mich für feuchte Hände und rote Flecken im Gesicht geschämt. Und ständig befürchtet, komplett zu versagen. Hätte ich gewusst, was ich heute weiß.

Ich wusste es aber nicht. Und so haben mich Termine wie den heutigen vor 18, vielleicht auch noch vor 15 Jahren schon im Vorfeld sehr beschäftigt. Dabei war die Aufgabe von heute beileibe keine Unlösbare. Dennoch: Sie bestand aus Elementen, die früher dafür gesorgt hätten, dass ich dem Tag mit Skepsis und Respekt entgegensehe. 

Heute – war ich gelassen. Und erinnerte mich mit Schmunzeln während meiner gut einstündigen Autofahrt an mein unsicheres ich zu Beginn meines Volontariats, dem honorige Anzugträger mehr Respekt einflößten als Uniformierte. Was, wenn ich Namen verwechselte? Was, wenn ich den Tagungsort nicht fand? Was, wenn ich zu spät käme? Was, wenn ich nichts vom Gesagten richtig einordnen oder verstehen könnte? 

Es mag die Lebenserfahrung und die Berufserfahrung sein. Vermutlich beides. Zumindest ist es das Alter. Heute, mit *hust*unddreißig, werde ich anders behandelt als mit 19. Damals meinte ich zumindest die Zweifel zu spüren, die mein Gesprächspartner an meiner Kompetenz haben könnte. Ich war die kleine Brünette (mit den Flecken im Gesicht, jaja), die ein bisschen stammelt und vor lauter fast vergisst, wie sie heißt. 

Gut. An meiner Körpergröße hat sich nichts mehr geändert. Wohl aber an der Höhe meiner Absätze. Am Druck meiner Rechten und an den Flecken, die keinen Grund mehr haben, sichtbar zu werden. Heute bin ich zu meinem Termin gerauscht, war pünktlich,  habe mich wirklich nett mit den Kollegen anderer Zeitungshäuser unterhalten, viele Hände geschüttelt (auch Feuchte), fleckenlos zugehört, mitgeschrieben und gut. Es ist das Wissen um mein eigenes Wissen. Das Vertrauen in meine Fähigkeiten und in die Tatsache, dass andere auch nur mit Wasser kochen. Das kann man mit 19 nicht haben, aber man kann im Rückblick darüber schmunzeln. 

Ich will der Bestimmer sein! Warum ich mich nur noch mit Gutem umgebe.

Heute war Volkstrauertag. Das wurde mir aber erst bewusst, als ich mich kurz wunderte, warum die Flagge vorm Rathaus hier im Ort auf Halbmast hing. Sagen wir so: Der Volkstrauertag war überall, nur nicht bei mir. Ich hatte heute einen der produktivsten Tage der Woche. Wenn man es genau nimmt, war das Wochenende insgesamt ziemlich großartig. Am Freitag hatten wir einen tollen Abschluss beim Laternenlauf bei uns mit Punsch und roter Wurst. Innerhalb kurzer Zeit drängten sich über 50 Leute auf engstem Raum und es war einfach nur schön und gesellig (high five an die besten Elternbeiratskollegen!). Am Samstag habe ich den gewohnten Tagesrhythmus völlig auf den Kopf gestellt. Statt Großputz war ich mit Hannah Schuhe kaufen, mit einer Kollegin Kaffeetrinken und zum Mittagessen gab es den weltbesten Apfelkuchen. Geputzt habe ich trotzdem noch, aber es hat gut getan, mal ausgetretene Pfade zu verlassen.

Aber zurück zu heute: Ich bin aufgestanden und ich und die Kleine haben gemütlich miteinander gefrühstückt. Mein Mann musste heute arbeiten und so hatten wir zwei Mädels freie Bahn.  Ich habe die Energie schon beim Aufstehen gespürt. Nach dem Kaffee hielt mich nichts mehr. Ich wienerte die Waschbecken und warf eine Waschmaschine an, wir räumten das Kinderzimmer gründlich auf und ich entrümpelte den Kühlschrank. Ich hab für uns beide frische Tortellini gekocht mit Frischkäse-Rahmsoße. Nach dem Essen hat die Oma das Mädchen ins Kindertheater mitgenommen – und ich hatte endlich sturmfrei und konnte den Adventskalender für die Maus verpacken.

 

Fun fact an Rande: Hätte ich diese Adventskalenderzutaten alle auf einmal gekauft, wäre ich an der Kasse bei der Endrechnung vermutlich auf der Stelle schreiend aus dem Laden gelaufen. Weil ich den Kleinkram aber übers letzte halbe Jahr verteilt gekauft habe, ist mir gar nicht aufgefallen, wie teuer so ein Adventskalender werden kann. Memo an mich: Wir gleichen das nächstes Jahr aus und es gibt nur Gummibärchen im Adventskalender. Eines jeden Tag.

Während ich also so vor mich hin rechnete klebte und faltete, hing ich meinen Gedanken nach. Dieser Sonntag fühlte sich so richtig gut an. Nach mir. Das Wetter draußen vor meinem Fenster war typisch November und schrie nicht nach einem längeren Aufenthalt im Freien. Aber es hatte null Einfluss auf meine Stimmung. Denn ich war im Flow, mit mir, fokussiert auf meinen inneren Kompass. Nur tun, was sich gut anfühlte. Aber vor allem: Etwas tun. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass der Mensch nicht fürs Nichtstun gemacht ist. Es macht mich nicht glücklich, den ganzen Sonntag auf der Couch zu verbringen. Frühstück im Bett? Heaven help!

Denn Nichtstun ist eine Energie, die mich nicht entspannt. Die mir nicht entspricht. Nicht, weil ich ein notorischer Workaholic wäre oder eine Perfektionistin, die nicht ruhig sitzen kann. Ich (er)schaffe einfach gerne. Ich liebe diese kreativen Vibes, die mich motivieren, Dinge anzupacken, sie besser zu machen, die mich aus Chaos Ordnung schaffen lassen. Am besten trifft es wirklich die Beschreibung “innerer Kompass”. Wenn ich der Richtung folge, die mir diese Nadel zeigt, dann flutscht es. Ich lasse es einfach laufen und genieße den Flow. Es ist Sonntag, ich weiß. Na und? Negative Energien wie Lustlosigkeit, Melancholie, Trübsinn – ich wehre mich bewusst gegen sie. Denn natürlich kenne auch ich das – es ist der einzige freie Tag der Woche, an dem man zum absoluten Stillstand kommt, man hat nicht wirklich was vor, lümmelt auf der Couch rum bis der Tag zu weit fortgeschritten ist, um noch etwas Größeres anzupacken. Und am Ende ist man unzufrieden und froh, wenn der Montag einen wieder in den gewohnten Trab bringt. Aber ehrlich – wer will das denn? Jeder Tag soll meiner sein. Oder wie Hannah sagen würde “Ich will der Bestimmer sein”.

Schlechte Energie hat aber nicht nur etwas mich “sich hängen lassen” zu tun. Schelchte Energie wird auch von außen an uns alle herangetragen. Ich habe mittlerweile eine sehr feine Antenne dafür, welche Menschen mir guttun und von welchen ich mich höflich fernhalte. Was mich runterzieht, sind “ja-aber-Menschen”. Jeder kennt so einen, der alles immer irgendwie gut findet, wenn da nicht das aber käme. So sicher wie das Amen in der Kirche, sagen sie Dinge wie “Ja, es war echt toll, nur schade dass… ” oder “Hat Spaß gemacht, nur das Wetter…” oder “Wie schön, gefällt mir gut, aber …”

Ich frage mich in den allermeisten Fällen – warum tut ihr Euch das an? Warum genießt ihr nicht die tollen, schönen, spaßigen Dinge und blendet den Rest aus, der vielleicht nicht gerade alles andere getoppt hat? Wenn ich mich mit jemandem bei einem Kaffee zusammensetze, kann ich zuhören. Ich kann auch Ratschläge geben, wenn ich um solche gebeten werde. Ich kann meine Ideen einbringen und auch trösten, wenn notwendig. Was ich aber nicht kann: Mich gemeinsam in die “Ach haben wir’s alle schwer”-Soße zu werfen und ein bisschen in gemeinsamem Mitleid zu baden. Jeder von uns steht mal vor Herausforderungen oder Schwierigkeiten. Aber niemand wird sie für dich lösen, wenn Du versuchst, alle auf Deine Ebene zu ziehen. Das Gejammere über den Stress mit den Terminen der Kinder, über den Mann, der nicht mithilft im Haushalt, über den Preis für Kinderschuhe oder das Wetter, bei dem man ja gar nicht mehr mit den Kids in den Garten kann … und erst die Schwiegermutter. Und die Afd. Und eigentlich ist alles furchtbar schlimm.

Dieses Genöle hat nur einen Sinn – die Nöler wollen hören, dass es allen so geht. Dass jeder mit denselben Problemen konfrontiert ist und das schon alles in Ordnung ist so. Sie fühlen sich nämlich nur sicher in einer Herde von Schafen, die in derselben Tonlage blöken. Ich habe nur überhaupt keine Lust dazu. Nichts liegt mir ferner, als in der Meckermasse zu verschwinden. Denn – nicht vergessen – ich bin der Bestimmer. Und ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn es also darum geht, aus der Reihe zu tanzen, bin ich die mit den höchsten Absätzen auf dem Parkett. Ich habe ein einziges Leben. Ich will es nicht im Jammertal verbringen.

Auch ich habe Herausforderungen zu meistern. Nicht immer geht mir alles leicht von der Hand und an manchen Tagen möchte ich mich gerne verkriechen. Aber diese Laune hält ganz genau fünf Minuten an (wenn’s hochkommt), denn dann wirft mir mein inneres Ich augenrollend den Rettungsring zu und sagt, “jetzt ist aber gut, Du könntest längst an der Lösung des Problems arbeiten”. Ich mache mir bewusst, dass die Zeit, die ich mit dem Bewundern des Problems verschwendet habe, lange genug war. Dann beginne ich zu arbeiten und bin eben wieder der Bestimmer.

Und zuletzt noch ein Wort zum Thema Stress. Wen man auch trifft auf dem Markt oder im Café: Auf die Frage,”wie geht’s?” sagen die meisten Menschen “gut, halt immer im Stress”. Scheinbar ist Stress zu haben ein völlig normaler und womöglich auch noch erstrebenswerter Zustand. Ich habe keinen Stress. Aus Prinzip nicht. Ich habe oft viel zu tun und wenig Zeit dafür. Aber das erfordert konzentriertes und effektives Arbeiten. Stress ist für mich was anderes. Wenn ich einen Plan habe und jemand anderes meinen geplanten Ablauf durcheinanderbringt – das stresst mich. Genau fünf Minuten eben. Dann kommt der Rettungsring – you get the point.

Mit diesen Gedanken zum Sonntag wünsche ich Euch jetzt einen guten Start in eine neue, produktive, wunderschöne Woche voller Hochs. Ihr habt’s im Griff, nicht vergessen.

 

Einmal Luft fürn Kopf, bitte – Frei-Zeit im Wortsinn

“Da geht’s lang”. Eine kleine Kinderhand zeigt nach rechts. “Woher weißt Du das?” frage ich. “Das sagt mein Navi”, sagt das Kind. Das “Navi” ist eine Art Taschenlampe in quietschrosa, mit der man Pferdebilder an die Wand projizieren kann. Sie war die Dreingabe irgendeines kitschrosa Pferdemädchenmagazins, das eine argumentationsmüde Mutter eines Tages wohl mal gekauft hat. Heute aber ist sie das Navi und musste unbedingt mit zum Waldspaziergang an diesem unfassbar sonnigen und warmen Oktobersonntag. Freizeit im Wortsinn.

Wir folgen also Hand in Hand schweigend unserem vorausstapfenden und stetig plappernden Navi und schlagen den Weg ein, den uns die Taschenlampe weißt. So ungefähr haben wir im Kopf, wo das Auto steht. Wir werden uns schon nicht komplett verirren. Im grünen Froschrucksack, der auf dem Rücken meiner Tochter umherhüpft, weil sie kaum ein paar Meter normal gehen kann, sondern ständig springt und rennt, befinden sich fürs Überleben bei einer Wanderung noch weitere nützliche Dinge. Ein in pinkes Glitzertuch eingebundenes Tagebuch mit leeren Seiten beispielsweise. “Hast Du überhaupt einen Stift dabei?” fragte ich mein Kind auf der Herfahrt. “Ne, wozu? In meinem Tagebuch stehen unsichtbare Zaubersprüche. Wenn wir einen Pilz nicht kennen, dann fragen wir einfach das Tagebuch!”, erklärt sie. Uns kann also gar nichts mehr passieren heute.

Es passiert aber doch was. Mit jedem Schritt, den ich über den knirschenden Schotter in den Wald hineingehe, lasse ich ein Stück Staub hinter mir. Alltagsstaub, der auch auf mir manchmal liegt. Gestern zum Beispiel habe ich einen ganzen Tag mit Kollegen verbracht. Ohne zu arbeiten aber doch in Arbeit vertieft. Wir haben uns hinter dicken Klostermauern zusammen gesetzt und haben unsere Arbeit reflektiert. Haben zugehört, geredet, gelernt, eine Richtung entwickelt. Der Tag war produktiv, er hat aber auch Kraft gekostet. Trotz allem hat er gut getan. Ich habe meinen Fokus noch besser justiert und sehe einiges noch ein bisschen klarer als bisher. (Wer sich für Medien und Lokaljournalismus interessiert, dem sei der Artikel der Zeit ans Herz gelegt. )

Und während ich mit meiner Familie aus dem Wald heraus wieder in die Sonne wandere, fühlt es sich an, als würden auch meine Gedanken zur Ruhe kommen. Die Woche ist von mir abgefallen. Weil auch der leidenschaftlichste Arbeiter mal Ressourcen auftanken muss. Wir haben uns dafür diesen Sonntag reserviert. Ein reiner Familientag. Vater, Mutter, Kind. Die Abmachung war: Nur tun, wozu wir drei Lust haben. Kein Besuch, keine Verabredungen, keine Hektik, keine Termine, kein Telefon. Wir sind dann mal weg. Und die Auszeit war herrlich: Ich habe den kompletten Vormittag im Schlafanzug verbracht. Ich habe in Ruhe gekocht, wir haben Eis gegessen und Eiskaffee getrunken und waren in eben jenem Wald, der mich so wunderbar heruntergeholt hat.

Ich hatte und habe noch immer das Gefühl, wir haben unseren Waggon ausgekoppelt und ganz langsam auf einem stillen Gleis ausrollen lassen.

Morgen geht’s wieder mit Volldampf weiter. Aber bis dahin bleiben wir noch ein bisschen in unserer äußerst komfortablen stillen Blase.

Genießt Euren restlichen Sonntag!

(PS: Die Tatsache, dass ich diese Zeilen schreibe, ist der beste Beweis, dass das Navi funktioniert!)

Mütter – Helden mit sauren Haaren

Mama arbeitet Teilzeit. Klingt ein bisschen staubig. Deswegen sagen wir Frauen von heute, nachdem wir am Latte Macchiato genippt und bevor wir am Granatapfel-Macaron geknuspert haben ganz lässig “ich bin eine working mum”. Das hört sich verdammt nach Powerfrau an. Symbiose aus Mutter des Jahres und Karriere mit links.

Und wenn ich mir überlege, wie der Vormittag einer Working mum so aussieht, entsteht folgendes Bild vor meinem inneren Auge:

Es ist acht Uhr. Ich und mein gut gelauntes, munteres Vorzeigekind sitzen in der Küche. Selbige ist natürlich von mir am Vorabend nach 23 Uhr auf Hochglanz gebracht worden. Wir unterhalten uns über Jahreszeiten, über den Kindergarten oder über philosophische Fragen, die mein Kind gelegentlich in den Raum stellt. (“Warum hat der Trockner kein Fenster, die Waschmaschine aber schon?”)Wir löffeln unser vollwertiges und irrsinnig schön angerichtetes Müsli aus selbstgemachtem Joghurt (Thermomix, mach ich selber, geht ganz fix), frischen Früchten (hab ich heute morgen im Garten gepflückt, nachdem ich eine halbe Stunde den Sonnengruß neben den wilden Himbeeren praktiziert habe, entspannt so schön morgens um sechs) und selbstgebackenem Crunchygranola (das back ich immer selbst, man weiß dann wenigstens, was drin ist und meine Familie isst das so gern). Bevor ich den Löffel in das Kunstwerk stecke, halte ich den Anblick natürlich noch für meine Instagram-Crowd fest (#breakfastgoals #foodporn).

In die Kindergarten-Bentobox schnibble ich den Rest des frischgeernteten Obstes, während sich mein Kind selbstständig und freiwillg in genau die Klamotten hüllt, die wir gemeinsam am Abend vorher zu einem hübschen Kleidermännchen drapiert haben. Die Zähne sind natürlich schon geputzt, die Haare zu frechen Zöpfen gebunden und überhaupt – eigentlich muss ich nur noch meinen neuen Herbstmantel überwerfen, die Cabrioschlüssel vom Brett pflücken und los geht es. Für das Kind in einen erfüllten Kindergartentag, für mich in einen erfüllten Arbeitstag.

Und während ich so über hättekönntewäre nachgrüble, holt mich die Realität ein. Mit dem Blick auf die obere rechte Ecke des Handydisplays. Es ist zehn Minuten nach halb neun. Seit einer halben Stunde kauere ich mit angezogenen Beinen und im Schlafanzug auf dem Küchenstuhl. Bei einer Tasse Kaffee habe ich das Internet leergelesen, nachdem ich das nervende Pfeifen der Spülmaschine erfolgreich abgestellt hatte. Wieso ist es jetzt schon so spät? Ich lege das Handy weg und rufe zum dreizehnten Mal mein Kind. Aus dem Kinderzimmer dringt unwilliges Brummen, dem dumpfen Ton nach aus den Tiefen von zwei Schichten Decke und Kopfkissen. Es klang sehr wenig nach “ja Mama, ich komme gleich” und sehr viel nach “Quälerei! Kindergewerkschaft! Mittenindernacht!”.

Ich beschließe also, das vor sich hinweichende Müsli für das unwillige Kind allein zu lassen (Schokomüsli aus der Packung, ja gut, aber MÜSLI) und informiere den Deckenhaufen im Vorbeigehen, dass ich jetzt ins Bad und das unter Kuscheltieren begrabene  Kind dann eben alleine frühstücken müsse. Im Bad stoße ich auf einen Wäschehaufen, den ich seufzend in Richtung Waschkorb trage. Die rote Null auf der Waschmaschine möchte mir sagen, dass die nasse Wäsche gerne in den Trockner wechseln würde. Warum haben Waschmaschinen eigentlich Fenster und Displays? Ich lege die Schmutzwäsche zu ihresgleichen und beschließe, dass die nasse Wäsche ein bisschen warten kann, meine Dusche indes nicht.

Kaum stehe ich unter dem warmen Wasserstrahl, vernehme ich ein dumpfes Poltern aus der Küche. Der kleine Mensch scheint aufgestanden zu sein. Kurz versuche ich, mir keine Gedanken über die Ursache des scheppernden Geräuschs zu machen. Ein Marder auf dem Dachboden. Ein Erdbeben. Irgendwas belangloses. Jegliche Hoffnung auf ein gutes Ende wird durch ein langgezogenes “Maaamaaaa” jedoch im Keim erstickt. “Mein Müsli ist runtergefallen” ruft das Kind.

Ich spüle mir vor Begeisterung Shampoo ins rechte Auge und stolpere halbnass und heftig blinzelnd in die Küche, wo meine Tochter mit einem schiefen Grinsen und achselzuckend barfuß in einem Milchsee steht und gerade versucht, ein Stück Müslibrocken mit dem großen Zeh zu einem Fladen zu drücken. Unfreiwillig (weil impulsiv) ergeht eine gemäßigte Schimpfworttirade in der Küche nieder (man darf als Mutter ja nur Scheibenkleister sagen. Außer im Auto. Im Auto gelten andere Gesetze.) und ich hole einen Lappen, während ich das Kind nur mühsam davon abhalten kann, mit den nassen Milchfüßen über den Flurteppich zu laufen. Ich wische also Küchenboden auf und Kinderfüße ab und äußere zum wiederholten Mal die Bitte, sich anzuziehen. Meine Tochter verschränkt bockig die Arme und skandiert “ich. habe. aber. Hunger.” während ich anfange zu frieren. Kurz denke ich darüber nach, einfach wieder ins Bett zu gehen. Mit einem tiefen, bedauernden Seufzer begrabe ich den Gedanken. Dann bugsiere ich die Kleine in ihr Zimmer und werfe Socken und Unterwäsche aufs Bett. “Ich will nicht diese Unterhose” ist das letzte, was ich höre, bevor mein inneres Tsunamiwarnsystem die Melodie von Jeopardy abspielt. Das Wutgeheul ignorierend sorge ich für etwas räumlichen Abstand und ziehe ich mich an. Die Haare stehen mir sprichwörtlich zu Berge, da sie mittlerweile angetrocknet sind. Möglicherweise habe ich aber auch ein bisschen Müslimilch hineingeknetet. Die Uhr zeigt übrigens mittlerweile viertel nach neun. Kuriosität am Rande: Wenn ich mein Kind zur Eile mahne, passiert folgendes: Anweisungen wie “Zieh Dir bitte Deine Schuhe an”, die in Echtzeit in maximal zwei Minuten zu erledigen sind, nehmen allein durch den Hinweis, dass es eile, neue Dimensionen an. Klettverschlüsse machen Schuhe zu unüberwindbaren Hindernissen. Verrutschte Socken gar machen ein mehrmaliges An- und Ausziehen von Fußbekleidung unabdingbar.

Als wir im Kindergarten aufschlagen (“wo sind meine Schüssel? Wo ist Dene Jacke? Warum hast Du nur eine Socke an?”) , ist es kurz vor zehn. Die Erzieherin lächelt wissend. Sie weist mich freundlich darauf hin, dass ich meine Bluse falsch geknöpft habe. Dass wir den Kindergartenrucksack mit dem hastig in Stücke gehackten Apfel im Treppenhaus vergessen haben, tut nichts zur Sache – die übrigen Kinder haben alle schon gegessen.

Ich verabschiede mich schweißgebadet von meinem Kind, das sich bester Laune an den Maltisch setzt. Das letzte, was ihre höre, sind die Worte “… und dann hab ich nicht mal ein Müsli gegessen.”

Kinder. Quell der Freude.

Liebe Tochter, solltest Du all das in ein paar Jahren lesen, sei versichert – ich liebe Dich. Von ganzem Herzen. Nicht trotz allem, sondern wegen allem. Weil Du mein Leben zu dem machst, was es ist – manchmal chaotisch und voller Trubel. Aber immer lebenswert und reich. Du lehrst mich Geduld und Langmut, Vertrauen und Dankbarkeit. Und nicht zuletzt, dass Milch in Haaren nach ein paar Stunden einen säuerlichen Geruch verströmt. Aber das ist am Ende unwichtig.

Gummiband-Feeling

Mein Kopf ist voller Schubladen. Eine heißt “Haushalt”, eine heißt “Rund ums Kind”, eine heißt “Ehrenamt”, eine heißt “Arbeit” … und es gibt noch etliche andere. Und dann gibt es noch ein kleines Fach. Mehr so eine Loseblattsammlung. Der Umschlag ist abgegriffen und ein wenig vergilbt. Darauf klebt ein welliges Post-it, darauf steht: Meine Herzensprojekte. Und während der 24 Stunden, die mein Tag so hat, pendle ich zwischen den Schubladen hin und her. Das sieht dann etwa so aus.

Ich, am Laptop eine Mail aus der Kategorie “Ehrenamt” schreibend, Unterkategorie “wir sollten dringend / hast Du eigentlich schon / WICHTIG!”

Hannah: “Mama, ich will malen.” “Gummiband-Feeling” weiterlesen

Dieses echte Leben …

… das, auf der anderen Seite des Bildschirms, dahinter, davor, links und rechts davon … das nimmt mich gerade viel zu sehr ein. Ich habe ein Blog, ich habe Leser und weder das eine noch das andere vergessen. Aber ich habe auch ein Kind, das seine Persönlichkeit gerade entdeckt, ich habe einen Haushalt, Menschen, die mich gerne in natura sehen, ich koche, ich putze, ich arbeite nebenbei. Und oft falle ich abends auf die Couch und mag nach der letzten, allerletzten, wirklich allerallerletzten Gutenachtgeschichte nicht mehr reden. Auch nicht mit der Stimme in meinem Kopf.

Ein bisschen klingt es, wie Schlussmachen. “Es hat wirklich nichts mit Dir zu tun”, möchte ich meinem virtuellen Leser sagen. Und ich will ja auch gar nicht gehen. Aber ich stelle immer mehr fest, dass ich nur gut bin in Dingen, für die ich 100 und mehr Prozent geben kann. Dieses Blog mit Nebensächlichkeiten zu füllen – will ich das? Wollt ihr das? Ich könnte Euch mitnehmen in meinen Alltag, da gäbe es sicher viel zu erzählen. Dass mein Kind das erste Jahr im Kindergarten längst hinter sich gelassen hat. Dass wir heute den ersten Spargel der Saison gegessen haben. Dass wir im Urlaub waren – zwei Wochen Norwegen mit dem Schiff, dazwischen immer wieder Tage ohne Netz. Das Land ist wunderschön und schroff, Rentierfell ist irrsinnig weich und dicht, Bergen ist traumhaft schön und leider völlig verregnet. Ich könnte Euch erzählen, dass ich einen heftigen Nesselausschlag hatte und Hannah eine fiese Magen-Darm-Grippe. Dass mein Atelier so langsam voran kommt, ich aber immer noch beim Tapete-runter-Status festhänge, weil Leben eben. Dass ich den außergewöhnlichsten Geburtstag ever verbracht habe, fast 400km nördlich des Polarkreises inmitten von Schneemassen. Und dass ich just an diesem Tag Polarlichter gesehen habe. Ich könnte Euch meine Osterdeko zeigen – drei graue Hasen, that’s it. Und dass ich es geschafft habe, in zwei Wochen 3 Bücher zu lesen.

Aber nichts davon erscheint mir plötzlich so wichtig, es mit der ganzen Welt teilen zu wollen. Es ist wohl aus diversen Gründen ziemlich still geworden hier. Loslassen möchte ich noch nicht. Aber reflektieren, was ich wirklich kann. Was ich Euch erzählen will, wer ich bin. Und dafür brauchte ich eine kleine Sinnpause.

Vielleicht ist der Mai ein guter Monat für einen neuen, virtuellen Anfang. Kryptisch kann ich. Im Mai werde ich wieder in meinen alten Beruf zurückgehen. Ich traue mich zurück, alles auf Anfang. Für zwei ganze und einen halben Tag die Woche. Ich werde das Thema Vereinbarkeit für mich definieren und herausfinden, was es aus mir macht.

Wenn ihr bis dahin noch dabei seid und Lust auf “Wie war Dein Tag, Liebling”-Geschichten habt … dann freue ich mich auf Euch. Bis dahin atme ich noch ein paar Mal tief durch und besinne mich auf das, was ich am besten kann. Und ich hoffe, ihr profitiert dann ab Mai davon.

Was bleibt von uns?

Der Inhalt dieses Textes schwirrt mir seit längerem im Kopf herum. Er lässt sich nicht unbedingt in eine lineare Erzählform bringen, weil es so viele Facetten sind, die das Thema ausmachen. So versuche ich wenigstens vorne anzufangen, beim Auslöser meiner Gedankenkette. Ich hatte unterwegs ein Radiointerview mit einem Medienwissenschaftler gehört. Darin ging es um das digitale Erbe eines jeden unserer Generation, das größer sein wird, als bisher. Wo früher alte Liebesbriefe in vergilbten Schuhschachteln auf Dachböden gefunden wurden, sind es heute facebook- und twitter-accounts, um die sich jemand kümmern muss – oder auch nicht. Und es sind Blogs wie dieses. Es wird, sollte sich das Internet nicht auflösen, bestehen bleiben, auch wenn es mich morgen nicht mehr geben sollte. Bevor irgendjemand zu grübeln beginnt – es geht uns allen gut und ich hoffe sehr, dass ich auch morgen wieder mit Augenringen Begeisterung aufstehe. Aber führe ich morgen vorn Baum – das Blog hier wäre davon unbeeindruckt noch da und der eine oder andere würde sich vermutlich über mein plötzliches Verschwinden wundern. “Was bleibt von uns?” weiterlesen