Weihnachten ist in Dir!

Ich war heute Nachmittag in England. Genauer – in der Downtown Abbey. Seriensüchtige wissen vermutlich wovon ich rede . (Ich kannte die Serie davor nur sporadisch, fand allerdings Gefallen daran und freute mich, durch Zufall heute eine halbe Staffel am Stück gucken zu könne.) Und ich habe tatsächlich den gesamten Nachmittag nichts anderes getan. Konsequenz ist quasi mein zweiter Vorname.

Einzige Unterbrechung meines Herumhängens war eine schnelle Bastelaktion mit Fimo: Ich habe, weil meine Weihnachtsanhänger aus Fimo so gut ankamen, zartgraue Sterne ausgestochen und sie mit guten Wünschen fürs neue Jahr beschriftet. An Silvester werden sie schlichter Teil der Tischdeko sein und für unsere Gäste eine kleine Aufmerksamkeit.

So geht’s:

Ihr braucht dazu Fimo-Soft in delphingrau, einen Sternausstecher (am besten gehen die aus Metall), Backpapier und einen Ofen. Ich habe das Fimo in sechs gleichgroße Teile geteilt, auf Backpapier flach ausgewellt, Sterne ausgestochen, ein Loch für die Schleife hinein gemacht und sie bei 110 Grad 30 Minuten gebacken.

Dabei ist mir etwas ganz bewusst geworden – es sind nicht die großen Dinge, die wirklich Freude machen. (Natürlich würde ich mich über einen Porsche oder ein Schwimmbad im Keller auch freuen, just saying) Aber es ist der Gedanke des Schenkens, die Idee, die Freude macht. Wir alle wissen das, aber viele handeln insgeheim dennoch anders.

Gestern ist mein Papa 70 geworden. Ich habe ihm etwas geschenkt, worüber er sich sehr, sehr gefreut hat. Er hat sogar extra gestern Abend nochmal am Telefon gesagt, dass die Idee wirklich toll war. Was es war? Neun Fotos. Ich habe unser Stadtarchiv konsultiert und ein altes Bauwerk heraussuchen lassen, das mein Papa nachbauen möchte. Ich habe die Originalbilder abfotografiert und die Fotos erneut drucken lassen. Kostenpunkt: 2,43 Euro. Freude: Riesig.

Und eigentlich geht es genau darum auch an Weihnachten. Beieinander sein, bewusst Zeit füreinander zu haben, sich eine Freude zu machen, die nichts mit dem tatsächlichen Wert des Verschenkten zu tun hat. Ich freue mich sehr auf Heilig Abend, denn sowohl meine Eltern als auch meine Schwiegereltern versammeln sich mit uns um einen Tisch. Es wird laut und lustig, wir singen und ich spiele Klavier. Zu essen gibt es kein Festmahl – wir essen das ganze Jahr gut. Im Gegenteil: Es geht bescheiden zu bei Würstchen und Kartoffelsalat. Und wisst ihr was? Niemandem hier ist es wichtig, dass sich das ominöse Weihnachtsgefühl einstellt. Jegliche Erwartungshaltung sorgt eigentlich nur dafür, dass am Ende des Abends ein schales Gefühl zurückbleibt. Ich freue mich einfach auf meine Lieben. Die Geschenke sind nettes Zubehör, aber sie machen Weihnachten nicht aus. Und ich mache mein Lebensglück ganz bestimmt nicht abhängig vom Inhalt eines Weihnachtspäckchens oder Ausnahme-Glücksseeligkeit.

Und eigentlich liegt in dieser Nicht-Erwartungshaltung mein Schlüssel zum persönlichen Glück und zu meiner tiefen Zufriednheit: Ich erwarte nämlich grundsätzlich einfach gar nichts, nicht nur an Weihnachten. Um so größer ist meine Freude, wenn mir etwas Nettes wiederfährt.

Euch wünsche ich jetzt das Fest, das Ihr Euch wünscht. Genießt den Abend mit Euren Familien oder – wenn Euch das lieber ist – ganz mit Euch selbst.

Das Blog macht eine kleine Weihnachtspause. Bis bald!

Sherlock Holmes und die süßen Aprikosen

Würde man mich fragen, welche zwei Medien ich in meinem Leben für unabdingbar halte, so fiele meine Antwort eindeutig aus: Das Internet und Bücher aus Papier. So gerne ich mich schon morgens beim Kaffee online quer durch den Klatsch und Tratsch der Welt lese, so sehr liebe ich es, mich abends unter meine Decke zu kuscheln und noch ein paar Seiten in einem richtigen Buch zu lesen.

Nach der Entdeckertour auf dem Dachboden meiner Eltern neulich habe ich mir Sherlock Holmes mit ins Bett genommen (höhö). Ich habe mich spontan in die Sprache und Ausdrucksweise von Arthur Conan Doyle verliebt. Kein bisschen staubig und kompliziert, dafür flüssig und pointiert. Und weil ich am liebsten Dinge verschenke, die ich selbst großartig finde, habe ich meinem besten Freund Sherlocks gesammelte Abenteuer in ein Weihnachtspäckchen gepackt. Ich kann das hier erzählen, weil er das Päckchen schon vorweihnachtlich ausgepackt hat. Und was noch viel großartiger ist: Ich durfte einen der beiden Bände gleich ausleihen. Auf über 800 Seiten fiebere ich jetzt den Erzählungen von Sherlock Holmes entgegen.

Der intelligente Detektiv, der mit einer scharfen Beobachtungsgabe gesegnet ist und mit Dr. Watson, dem Erzähler, einen Komplizen mit Verstand an seiner Seite hat, ist so was von sympathisch! OK, seine Hauptlaster sind Zigarren, Zigaretten, Morphium und Kokain. Meins eher Schokolade. Trotzdem spricht er mir so oft aus der Seele:

Sherlock Holmes war an sich kein Freund gymnastischer Übungen, (…) erschien ihm doch zwecklose körperliche Anstrengung als Kraftvergeudung und er warf sich nur ins Geschirr, wenn ihn ein bestimmtes Ziel lockte.

(aus “Das Gelbe Gesicht”)

Vielleicht sollte ich mir manche Sätze einfach merken? Oft werde ich in meinem Job gefragt, woher ich was weiß. Auf die Frage, wie er zu seinen “merkwürdigen Schlussfolgerungen” gelangte, sagt Holmes beispielsweise (in “Der Mann mit der Schramme”):

Zu den vorliegenden bin ich dadurch gelangt, dass ich mich auf fünf Kissen setzte und eine gute Portion Tabak verrauchte.

Holmes ist Kunstfigur und hat nie wirklich gelebt. Er gehört nicht der Londoner Polizei an, sondern ist nur beratend tätig. Er handelt deswegen öfter nach seiner eigenen Moral und weniger nach Gesetzen und manchmal lenkt er die Geschicke auch ein bisschen mit:

Insofern trage ich zweifellos mittelbar die Schuld an des Doktors Tod, aber ich glaube kaum, dass sie mein Gewissen sonderlich schwer bedrücken wird.

(aus “Das getupfte Band”)

Wer jetzt noch gerne mehr von Sherlock Holmes wissen möchte, dem sei diese Doku ans Herz gelegt.

Ihr seht: Ich und Holmes, wir sind ganz dicke. Sollte ich  mich die nächsten Tage also hier ein bisschen rar machen, dann könnte es folgende Gründe dafür geben:

a) es ist Weihnachten

b) ich muss trotzdem arbeiten, auch zwischen Weihnachten und Silvester

c) wenn ich nicht arbeiten muss, stecke ich mit Holmes unter einer Decke

d) ich habe zuviele dieser köstlichen Schoko-Aprikosen gegessen und bin geplatzt.

Die sind nämlich die einfachste aber mit einer der köstlichsten Weihnachtsleckereien, die es bei uns fast jedes Jahr gibt. Geklaut habe ich das Rezept bei der Mama meiner besten Freundin, die diese Aprikosen jedes Jahr in der Adventszeit zauberte (und uns manchmal helfen ließ). Sie sind eine schöne Kindheitserinnerung und ich trage die Tradition gerne weiter. (Sie schmecken auch einfach verdammt lecker!)

Eigentlich darf sich das Prozedere nicht mal Rezept nennen, weil es zu simpel ist, aber trotzdem:

Ihr braucht eine Tüte getrocknete, geschwefelte Aprikosen, weiße, blanchierte Mandeln (ohne Haut) und dunkle Kuvertüre. Die Mandel drückt ihr fest in die Aprikose und tunkt das Ganze bis zur Hälfte in Kuvertüre. Auf einem Backpapier kann man warten, bis die Leckereien getrocknet sind, muss man aber nicht. 🙂

Die restlichen Mandeln habe ich einfach in der Kuvertüre gewälzt, mit ein bisschen Zimt bestäubt und ebenfalls trocknen lassen.

Ich werde mich jetzt notgedrungen von Sherlocks Geschichten losreißen und mich ein wenig um so weltliche Dinge wie Wäsche kümmern. Holmes hatte übrigens eine Haushälterin in der Baker Street. Die Welt ist einfach nicht gerecht.

Ein Herz für Kuhfladen! Oder: Warum ich heute fast jedes Weihnachtsklischee erfüllt hätte.

Der Countdown läuft – noch acht Tage bis Weihnachten. Naaa, wer hat seine Päckchen schon fertig eingepackt? Ich habe heute zumindest mal damit angefangen, während mein Mann mit Hannah einen Christbaum aussuchen gefahren ist. Und erfüllte dabei fast jedes Klischee (ich hatte nur keine weiße, gestärkte Schürze an mit Spitzenrändern, kennt man ja). Aber ansonsten gab ich mich völlig dem Flow aus Papier und Bändern und Aufklebern und Gedöns hin, während im Hintergrund Dean Martin von weißer Weihnacht träumte und ein verführerischer Duft nach frischen Plätzchen durchs Haus waberte.

Das mit dem Klischee fand allerdings ein jähes Ende, als ich entdeckte, was aus meinem neuen Rezept geworden ist: Braune, unansehliche Fladen, die verdächtig an die Hinterlassenschaften einer durchfallgeplagten Kuh erinnerten. Großes Kino. Zuerst war ich drauf und dran, das ganze Blech dem Biomüll zuzuführen. Dann besann ich mich eines besseren und stach schnell Herzen aus dem noch warmen Teig aus. Schmecken tun sie nämlich. Ich habe sie mit einem Guss aus dunkler Kuvertüre verziert, zerstoßene Zuckerstangen sorgen für einen Farbklecks. Das Rezept teile ich trotzdem nicht mit Euch, das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand nicht.

Dafür ist mir die zweite Sorte gut gelungen und sie ist genau das Richtige für alle, die nach lauter Zuckerzeug Lust auf etwas Herberes haben: Die kleinen Runden Erdnusskekse sind wunderbar mürb aber nicht zu süß, sondern ein klein wenig salzig. Wer salziges Karamell in verbindung mit süß mag, wird sie lieben! Für mich sind sie definitiv meine Cookie-Highlights 2017.

Salty Peanut Butter Rounds

100g weiche Butter, 120g stückige Erdnussbutter, 100g braunen Zucker, 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker, 1 Ei, 220g Mehl, 2 TL Backpulver, gesalzene Erdnüsse

Vermengt die Butter, die Erdnussbutter, den braunen und den Vanillezucker zu einem cremigen Teig mit dem Handrührgerät. Dann rührt das Ei unter. Mischt das Mehl und das Backpulver und rührt es etappenweise unter, bis ein geschmeidiger Teig entsteht.

Formt aus diesem walnussgroße Kugeln, die ihr mit einer Seite in zerstoßenen Erdnüssen wälzt und leicht flach drückt. Im Ofen backen die Kekse auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech etwa 15 Minuten bei 180 Grad.

Für die Mädchen, die einfach eine nette Kleinigkeit bekommen, habe ich mir in diesem Jahr Rosa ausgesucht, wohl wissend, dass nicht ALLE Mädchen auf Rosa stehen. Aber vielleicht auf Schneemänner. Die habe ich einfach aus weißem Karton ausgeschnitten und auf das Packpapier geklebt. Ich packe gerne mit Packpapier ein, weil es eine neutrale Grundlage für alle möglichen Verzierungen bietet. Aber an dem wunderschönen, fein gepunkteten, kupferfarbigen Papier kam ich trotzdem nicht vorbei.

 

Mit dem Schneeflockenstanzer habe ich ein paar Flöckchen gestanzt, die übers eine oder andere Paket rieseln. Die Sterne und die Merry-Christmas-Fahnen sind einfach aus einer Vorlage von Word ausgedruckt, farblich angepasst.

Noch ein paar Worte zum Thema Schenken. Es mag Menschen geben, die hellseherische Fähigkeiten haben. Womöglich können diese Menschen Gedanken lesen und verschenken immer genau das, was der Beschenkte sich insgeheim wünscht. Zwar würde ich mich durchaus als empathische Person beschreiben, aber es ist mir tausendmal lieber, jemand sagt mir, ich wünsche mir dieses Buch, jenen Tee, dieses Parfum zu Weihnachten. Ich weiß, dass ich damit zu 100 Prozent einen Treffer lande und derjenige, der das Päckchen auspackt, freut sich über genau das, was er haben wollte.

Wer findet, die Spannung fehlt dabei, dem erzähle ich jetzt noch was: Ich habe mir zwar seit Herbst schon ungefähr täglich (sagt er) von meinem Mann etwas ganz Konkretes zu Weihnachten gewünscht und ihm auch gleich die Links dazu geschickt. Nur leider kann ich mich nicht mehr erinnern, was das war. Und es kommt noch besser: Mein Mann erinnert sich auch nicht mehr, wo er diese Geschenke versteckt hat. Vorweihnachtlicher Spannungsbogen: Können wir.

Ich wünsche Euch ein wunderschönes drittes Adventswochenende. Ich werde morgen in der Redaktion für die Montagsausgabe sorgen. Aber alles halb so schlimm, denn ICH! HABE! KEKSE!

Schubladen zu!

Wir Redakteure sind gehalten, allen Sachverhalten neutral gegenüber zu stehen. Wir werten nicht, wenn wir berichten, wir spiegeln die Tatsachen möglichst eins zu eins, suchen uns vertrauenswürdige Quellen und gleichen Schilderungen miteinander ab, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Das ist der Idealfall. Und trotzdem sind wir Menschen. Die über Dinge empört sind, die sich ärgern über andere. Und Menschen, die sich aus dem Gefühl heraus eine Meinung über andere bilden, ob wir das wollen oder nicht. Vielleicht sind wir sogar besonders empathisch, weil wir es jeden Tag mit Menschen zu tun haben, die entweder unbedingt in unsere Zeitung möchten oder eben lieber überhaupt nicht. Wir lesen unser Gegenüber und auch wenn wir uns an unsere Grundsätze halten, bleibt ein Gefühl, das er in uns auslöst.

Vor ein paar Tagen lief mir eine Geschichte über den Weg, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein Gerücht zunächst, das sich im Laufe eines Vormittags als wahr herausstellte. Zwar nicht so blutrünstig, wie es erzählt wurde, aber doch so ähnlich. Ich klapperte verschiedene Informanten ab, fügte Puzzelteilchen zusammen, fragte hier nach, hakte dort nach. Anhand der Erzählungen schließlich hatte ich ein Bild des Hauptbeteiligten vorm inneren Auge, an dem es fast nichts zu zweifeln gab. Bis ich ihn anrief, um ihm selbst die Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Der Mann, den ich am Telefon erlebte, war ungefähr das Gegenteil von dem, was ich mir vorgestellt hatte.

Ich hatte das getan, was die meisten Menschen tun: Ich hatte eine Schublade gefunden, in die der fremde Mensch zu passen schien. Glücklicherweise hatte ich ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich zu erklären.

Wenn ich diese Woche etwas gelernt habe (außer das mit der Rinderhaltung), dann auf alle Fälle, dass Vorurteile menschlich sind. Sich zunächst nur auf gesicherte Fakten zu verlassen und jedem Menschen offen zu begegnen, ist manchmal gar nicht so selbstverständlich. Aber wichtig. Nicht nur für Zeitungsleute.

Und sonst so? War die Woche irgendwie verdammt lang und anstrengend. Unvorhergesehene Termine, Tage, die früh anfangen und spät aufhören, Geschichten, die sich in die Länge ziehen, Gemeinderatssitzungen, Ortschaftsratssitzungen (man kann über 5 Tagesordnungspunkte über zwei Stunden sprechen!), 32 Arbeitsstunden in 3 Tagen. Trotzdem und immer noch: Ich habe den weltschönsten Beruf. Nicht trotz allem, sondern wegen allem.

Und die Weihnachtsgeschenkefront? Während ich letztes Jahr ungefähr am 1. Dezember fein säuberlich beschriftete Päckchen stapelte, hake ich heute immer noch to-buy-Listen ab. Merke: Eine Arbeitswoche verkürzt meinen Spielraum um 32 Stunden. Nicht immer, aber manchmal. Umso mehr sollte ich eigentlich zufrieden sein, dass niemand hier nackt ins Büro muss oder verhungert, dass irgendwie fast alle Weihnachtsgeschenke im Haus sind und dass bis Weihnachten ja auch noch 9 Tage Zeit ist. Ganz spontan habe ich mir übrigens überlegt, jemandem eine kleine Freude zu machen, der ganz sicher nicht damit rechnet: Jeden Abend in dieser Woche, an dem ich ermattet am Schreibtisch saß und in den Monitor hineinblinzelte, kam Rita vorbei. Rita ist die Reinigungsfee in der Redaktion, Mama zweier Mädchen und ein wunderbarer Mensch. Ich habe sie vom ersten Tag an ins Herz geschlossen, als sie mir kopfschüttelnd wie eine Mama eben meinen Mülleimer vor die Nase hielt mit den Worten: “Das muss besser werden, Sie müssen da ordentlich trennen!” (Ich hatte eine Plastikumverpackung in den Papierkorb getan!)

Weil ich sehe, wieviel sie leistet und ahne, dass sie auch nicht immer die Anerkennung dafür bekommt, die sie verdient, habe ich ihr ein klitzekleines Päckchen geschnürt. Einziges Risiko: Sie hasst Baden oder hat gar keine Badewanne. Aber das Risiko gehe ich ein in der Hoffnung, dass sie die Geste zu schätzen weiß. 

Wenn mich übrigens jemand fragen würde, was er mir zu Weihnachten schenken könnte, würde ich sagen: Rita. Aber mich fragt ja keiner. 🙂

Winterwonderland, oder: Unser Sonntag mit Professor Donnerhagel

“Priiiimaaaa, das hast Du gut gemacht!” Diesen Satz hören wir in Dauerschleife. Er kommt von Professor Donnerhagel und der wiederum wohnt im Tiptoispiel “Die verrückte Wettermaschine”. Wir haben das Spiel als Dreingabe in meinem Lieblingsspielzeugladen geschenkt bekommen. Und so kommt es, dass Professor Donnerhagel auch diesen Sonntagnachmittag mit uns genossen hat. Sein PRIIIIIMAAA ist zwar ein bisschen nervig (nach einer Weile), aber dafür isst er uns schon kein Früchtebrot weg. Das stand nämlich heute nachmittag auf dem Tisch, als wir uns alle zusammen um den Ofen versammelt haben und uns ein bisschen vorkamen, wie eine skandinavische Familie direkt aus Lindgrens Fantasie.

Draußen fielen wahre Schneemassen vom Himmel. (Ich bin mir ziemlich sicher, dass Professor Donnerhagel seine Finger im Spiel hatte.) Heute morgen haben wir uns trotzdem zu einem der schönsten kleinen Weihnachtsmärkte aufgemacht. Im Hof der Ruine Hornstein gab es Holzarbeiten, Socken, Filzsachen, Töpferwaren, Seifen und allerhand anderes Kunsthandwerk zu kaufen. Ich habe mir eine wunderschöne, schlichte und große Schneeflocke aus Holz gekauft, die an unserem Fenster im Esszimmer baumelt.

Wir waren kaum im Auto, als die anfangs fusseligen Schneeflöckchen zu dicken Flocken anwuchsen und die Landschaft in Nullkommanix in eine weiße Winterdecke hüllten. An der Ruine angekommen mussten wir uns dick einmummeln. Ich hatte ständig Angst, dass mir jemand eine Karotte ins Gesicht drücken könnte, weil er mich für einen (schlanken, ey!) Schneemann hielt. Und rot war meine Nase nach kurzer Zeit sowieso.

 

Wir haben uns jetzt ein zweites Kerzlein angezündet und diskutieren noch ein bisschen, ob ich mich in die Küche verziehe oder ob wir jemand anderen kochen lassen für uns. Der Schnee hat sich nämlich mittlerweile in Regen und die Landschaft draußen in eine Matschwelt verwandelt.

Ich könnte ja mal den aufgedrehten Professor Donnerhagel bitten, seine seltsame Wettermaschine zu bemühen. Aber vermutlich hat der dann plötzlich keine Lust mehr. Kennt man ja. 

White Christmas – selbstgemacht!

Meistens kommt das Gefühl urplötzlich, wie aus dem Nichts heraus. Ich sitze gemütlich auf der Couch. Und stelle fest, dass ich mich nicht auf mein Buch, nicht auf den Krimi konzentrieren kann. Weil mein Blick immer wieder ins Regal über dem Fernseher schweift. Dort haben sich im Lauf von Tagen und Wochen schiefe Bücherstapel angesammelt oder Dinge, die man kurz aus dem Weg haben wollte. Oder – Deko. Nicht falsch verstehen, ich liebe Deko. Aber ich brauche Luft zum Atmen. Eine leere Kommode ist mir manchmal lieber, als vollgestellte Flächen und seien die Dinge noch so hübsch. Während ich schon vor Monaten das bunte Durcheinander gegen mein weißes Porzellan in der Glasvitrine getauscht habe, darf es zur Weihnachtszeit wieder ein bisschen üppiger sein. Dennoch: Unser Adventskranz ist sehr reduziert geschmückt mit grünen, kleinen Kugeln und wenigen weißen Sternen. Die Kerzen stehen stattdessen in einer silbernen Kastenform.

Besonders schön sind die Deko-Artikel von Räder. Ich liebe das weiße und zurückhaltende Design sehr. Und das hat mich vermutlich auch inspiriert zu diesem schnellen und einfachen DIY: An einem grauen und verschneiten Sonntagnachmittag (vorgestern nämlich) knetete ich mit dem Kind weißes Fimo weich. Wir haben es mit dem Kinderwellholz ganz flach und möglichst gleichmäßig ausgewellt und Sterne und Tannenbäumchen ausgestochen. Kleiner Tipp: Wer Fimo ausrollt, sollte dies auf Backpapier tun. Davon lässt sich die Masse nämlich besser lösen. Wenn die Rückseite nicht ganz so glatt war, haben wir die Anhänger nochmals von der Rückseite ausgewellt. Sehr vorsichtig, um die Form nicht kaputt zu machen.

Mit einem Holzstäbchen habe ich möglichst mittig ein kleines Loch in den weichen Teig gebohrt, durch die wir später die Aufhänger gefädelt haben. Bei 110 Grad haben wir die Förmchen im Ofen eine halbe Stunde gebrannt.

Ich möchte sie als ganz persönliche Geschenkanhänger mit Merhwert einsetzen, kann sie mir aber auch an zierlichen Ästen in einer Glasvase gut vorstellen oder schlicht am Weihnachtsbaum.

Fimo ist absolut variabel, wer es bunt mag, hat quasi die komplette Farbpalette zur Auswahl. Es gibt sogar Fimo mit Glitzer, aber bitte sagt das keiner meinem Kind. 😉 Auch kann man mit der Masse prima kleine Kugeln formen oder plastischere Sterne, sie als Tischkärtchen verwenden oder mit einem Keksstempel bearbeiten. Man kann Fimo sogar bemalen, gut geht es mit Acrylfarben, aber Lackstifte tun’s auch.

Für uns bleibt’s erstmal bei weiß. Das ist unsere Art von weißer Weihnacht. Wenn schon auf Petrus keinen Verlass ist. 🙂

Und natürlich sind wir gerne wieder mit unserem weihnachtlichen Werk dabei bei allen Dienstagskreativen!

Creadienstag  

Dienstagsdinge

Handmade on Tuesday

Gebt uns Bücher! (Und Kekse!)

Mein Beruf bringt mich öfter mal an den Rand meines Tellers und nötigt mich zum Blick nach draußen. Es hilft ungemein dabei, das eigene Glück und Wohlbefinden einschätzen zu können. Und auch die Umstände, in denen mein Kind aufwachsen kann.

Gestern war so ein Tag. Ich hatte einen Termin beim Schulamt, weil ich in den zurückliegenden Tagen und Wochen immer wieder über den Begriff Sprachförderung gestolpert bin. Ich las von notwendiger Sprachförderung an Grundschulen, lernte die Sprachförderbeauftragte unseres Kindergartens kennen, hörte im Kreistag vom eklatant gestiegenen Sprachförderbedarf.

Ich wollte dem also auf den Grund gehen und bekam nach ein bisschen Anlaufschwierigkeiten heute schließlich meinen Termin.

Was ich daraus mitnehme: Es gibt immer mehr Kinder, bei denen schon sehr früh Sprachschwierigkeiten erkannt werden. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, denn je eher man den Missstand erkennt, desto besser und einfacher kann man ihn beheben. Andererseits muss diese Zunahme einen Grund haben. Die Fachleute vom Schulamt sagten mir, sie könnten nur mutmaßen.

Es gebe vermutlich viele Familien, die keinen echten Dialog mehr pflegen. Die nicht mehr miteinander am Tisch sitzen und einfach reden. Über den Tag, über die Geschehnisse, über den Kindergarten, den Joballtag, über den Weihnachtswunschzettel oder was auch immer.

Außerdem sei es nicht mehr üblich, dass Eltern ihren Kindern aus einem Buch vorlesen. Es gebe sogar Familien, die völlig ohne Bücher auskommen.

Ich dachte an unser Kinderzimmer und an das Bücherregal der kleinen Miss. Ich dachte an das zusätzliche Regal im Keller. Und dann dachte ich an meine kleine Bibliothek. Ein Leben ohne Bücher? Eine Leben ohne Vorlesen? Ohne Bilderbücher? Ohne Geschichten? Sowas geht? Ja, offenbar geht es. Und es führt womöglich dazu, dass Kinder in die Grundschule kommen und nicht verstehen, was die Lehrerin meint mit der Aufforderung „hol Dein Mäppchen aus deinem Ranzen“. Die Kinder hätten keine Sprachmuster und Schwierigkeiten, Zusammenhänge zu verstehen und sich selbst zu äußern. Dabei geht es im Übrigen nicht nur um Familien mit Migrationshintergrund, bei denen sprachliche Schwierigkeiten durchaus nachzuvollziehen sind.

Solche Gespräche machen mir sehr bewusst, welchen Weg ich gehen will. Und plötzlich war mir sonnenklar, was es für das Mädchen zu Weihnachten geben soll: Vorlesebücher!

Allein schon beim Betreten einer Buchhandlung erfasst mich dieses wohlige Gefühl. Es riecht nach Papier und Geschichten, nach spannenden Romanen, tragischen Helden und wunderschönen Illustrationen.

Und so wurde ich innerhalb von knapp zehn Minuten zweimal fündig:

Unterm Weihnachtsbaum liegen „Die Abenteuer des Ollie Glockenherz“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.

Während letzteres ein Klassiker von Michael Ende ist und in jedes Kinderbuchregal gehört (so man eines hat), ist Ollie Glockenherz eine Neuerscheinung. Das Hardcover ist im Sauerländer Verlag erschienen und handelt vom Königreich der Kuscheltiere. Ein kleiner Hasenbär geht verloren, und sein Besitzer, der kleine Billy, macht sich auf eine abenteuerliche Suche nach seinem liebsten Freund. „Noch nie war ein Junge so mutig, ein Hasenbär so tapfer und eine Rettungsmission so spannend“, sagt der Verlag.

Ich bin schon sehr aufs Vorlesen gespannt, muss aber leider bis nach Weihnachten warten. (Es sei denn, ich schmökere ein bisschen vor … )

Und noch besser als reines Vorlesen ist Vorlesen und dabei Kekse naschen. Die Sterne mit Schokoguss sind normale Mürbeteigplätzchen. Die anderen sind ausgesprochen leckere Kaffeekekse. 

Zumindest aber eines ist klar: Solche Blogposts übers Lesen, Sprechen und Schreiben gehen nur noch so lange gut, bis das Mädchen Mamas Blog entdeckt und lesen kann. Aber irgendwie ist ja genau das der Plan. Und gut so, wie es ist.

 

Yvi von mamasdaily.net hat zu einer Blitzblogparade aufgerufen, in der es um Weihnachtsgeschenke für Kinder geht. Hier geht’s zum Blog. 

Ich bin mit diesem Beitrag gerne dabei!

Adventskalender: Check. Und: Warum es nächstes Jahr nur Gummibärchen gibt.

Ich erinnere mich noch gut an vergangenes Jahr. Mir fiel siedenheiß kurz vorm ersten Dezember ein, dass ich Hannah einen Adventskalender versprochen hatte. (Den vom Jahr zuvor findet ihr hier.) Weil es in der Weihnachtszeit genug Süßes gibt, sollte es einer sein, der mindestens zur Hälfte mit nicht-Essbarem gefüllt ist. Ich verzweifelte also einen ganzen Nachmittag lang in der Stadt herum und suchte nach zwölf Kleinigkeiten.

Um mir diesen Druck zu ersparen, hat die kluge Mutter in diesem Jahr vorgesorgt und immer Kleinkram gekauft, sobald er mir begegnet ist. Zeitlich kamen wir so super hin. Zumal mein Mann nach dem selben Prinzip Kleingedöns mitgebracht hat und wir vor etwa zwei Wochen feststellen mussten, dass es jetzt locker für einen völlig süßigkeitenfreien Adventskalender reicht. Beim Einpacken ist mir allerdings dann auch klar geworden, dass es der vermutlich teuerste Adventskalender aller Zeiten geworden ist. Wie bereits angedroht gibt es nächstes Jahr einfach Gummibärchen. Oder Kürbiskerne. Pro Tag einen, versteht sich.

Was ich ebenso unterschätzt habe: Die Einpackzeit. Während sich das Kind am Sonntag mit Oma “Des Kaisers neue Kleider” angeguckt hat, habe ich Päckchen geschnürt. Und Päckchen geschnürt. Und … ihr wisst schon. (Weiteres wichtiges Kriterium für die Geschenke Gummibärchen nächstes Jahr: Nur rechteckige Dinge verschenken. Wer schon mal Schleichtiere in Packpapier gewickelt hat, weiß, wovon ich rede.)

Auch in diesem Jahr habe ich meine Adventskalenderzahlen selbst gemacht. Ihr könnt sie Euch als pdf hier herunterladen. Wer es zu Weihnachten lieber rot-grün mag, kann sich hier bedienen und wer auf eisig-kühle Blautöne steht, nimmt sich diesen Bogen.

Die Schüssel ist aus Emaille, außen schwarz und innen weiß. Als ich sie im Sommer bei einer Apothekenauflösung gekauft habe, wusste ich natürlich ganz genau, dass darin der diesjährige Adventskalender zur Geltung kommen wird. Na-tür-lich.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Einpacken und Kleben und natürlich schon jetzt eine spannende Adventszeit.

Gerne bin ich wieder wie immer dienstags in der Runde der Kreativen mit dabei!

Creadienstag  

Dienstagsdinge

Handmade on Tuesday

 

Am Weihnachtsbauuume, da hängt ne Pflaaaume …

Wer Kinder hat, wird es vielleicht kennen – man erlebt Rituale und Gebräuche intensiver als früher, man freut sich richtig auf die Adventskerzen, den Weihnachtsbaum, auf Weihnachtslieder und aufs Plätzchenbacken.

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Adventspost mit mmmmmhhh!

Wenn es auf den Heiligen Abend zugeht, bekommen wir Post. Viel Post. Ich freue mich über jede Weihnachtskarte, jede liebe Zeile, und sammle sie in der Küche, wo ich sie mir auch nach Weihnachten noch gerne ansehe. Im neuen Jahr dann … landet das meiste im Altpapier.

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