Warum man Rezepte IMMER… ach, was soll’s.

Erinnert ihr Euch noch an die Sache mit der einen einzigen Süßkartoffel? History repeating, sag ich da.

Heute im Supermarkt. Töchterchen und ich genießen den freien Tag und füllen gemeinsam den Kühlschrank auf. Da, wo ich letzte Woche voller Begeisterung eine einzige Süßkartoffel kaufte, lagen sie. Schwarz. Staubig. Erdig. Und (da hat wohl einer mitgedacht) gleich im Fünferpack zusammen gezurrt: Schwarzwurzeln.

Ich hatte neulich erst ein Rezept ergoogelt, das sehr lecker klang und so nahm ich das dreckige Bündel einfach mal mit.

Als Hannah mit mir später in der Küche stand und ich die Wurzeln auspackte, sagte sie ganz überzeugt: „Ein Ast ist das.“ Heute auf dem Speiseplan also: Ast ohne Rinde. Aber mit Harz.

Ich beginne also zu schälen. Voller Motivation und NICHTSAHNEND. (Dass sie geschält werden müssen, war mir auch ohne Rezept klar, überhaupt, wer liest denn schon Rezepte… )

Sehr begeistert legte ich die erste auf das Häufchen mit den anderen. Zebra-Essen.

Gefühlte zehn Sekunden später war von der schwarz-weißen Pracht allerdings nichts mehr zu sehen. Die geschälte Schwarzwurzel färbte sich rasend schnell rostbraun. Aber nicht nur das. Mein Schäler begann unangenehm an meiner Hand zu kleben. Wie überhaupt meine ganze Hand zu kleben schien. Und alles, was ich so angefasst hatte. Und da ich zwischen Kind und Schubladen und Schwarzwurzeln hin und her pendelte, war das eine ganze Menge. Mit merkwürdig harzigen, klebrigen Fingern scrollte ich also hektisch durch das Rezept. „…am besten unter fließendem Wasser schälen und gleich danach in Zitronenwasser geben…“ stand da. GUT ZU WISSEN, NE? (Ich habe im übrigen dann schnell die geschnibbelten Stückchen in Zitronenwasser gebadet. Und meine Hände erst mit Seife, dann mit Zitrone, dann mit der Nagelbürste, dann wieder mit Seife und letztlich mit Öl behandelt. Damit geht der Kleber ab. Kleiner Tipp für alle, die bis hier hin gelesen haben. Glückwunsch, Sie machen schon sehr viel richtig.)

Und weil ich auf dem Weg zum Bad immer mal wieder Richtung Balkon gelaufen bin und die Aussicht genossen habe, gibt’s hier noch ein paar Panoramabilder. (Erstens: Die Küche zu fotografieren war keine Option und zweitens: Die Kamera klebt. Warum nur.)

SO SO SCHÖN DRAUSSEN! Aber jetzt zurück in die Küche.

Die Schwarzwurzelstückchen habe ich dann in einer Mischung aus Gemüsebrühe und Sahne gar gekocht. Der Clou: In die Flüssigkeit kommt das Mark einer Vanilleschote hinein.

 Dazu gab es Rösti-Ecken und Kartoffel-Sahne-Gratin aus dem Gefrierfach respektive später aus dem Backofen. Wäre ich Hausfrau des Jahres, hätte ich natürlich die Rösti-Gratin-Taler selbst gemacht. Aber dann hätte ich das mit den klebrigen Wurzeln ja auch schon vorher gewusst.

Wer’s nachkochen mag (weil es wirklich zum sich-reinlegen schmeckt) –

Schwarzwurzeln in Vanillesahne,

für zwei Personen als Beilage: 

fünf bis sechs Schwarzwurzeln,

eine Vanilleschote,

Sahne,

Gemüsebrühe

eine Zitrone

Wurzeln schälen, in ca. 1 cm breite Stücke schneiden und in Zitronenwasser geben. Etwa einen halben Liter Gemüsebrühe mit Sahne vermischen und zum Kochen bringen. Die Vanilleschote auskratzen, Mark und die ganze Schote zur Brühe geben und Mitkochen. Schwarzwurzeln abseihen dazugeben und gar kochen. (Dauert eine Weile).

Am besten unter fließendem Wasser schälen und die Hände und das Werkzeug hinterher mit Öl abreiben.

Klebrige Grüße,

Eure Frau Venus

PS: Das Kind übrigens ist kulinarisch genau so aufgeschlossen Neuem gegenüber, wie ich. Sie zeigte, als der Teller leer war, auf den Topf mit den Worten: „Des da, nochmal bitte.“ So lecker können Äste sein.

 

 

 

9 Antworten auf „Warum man Rezepte IMMER… ach, was soll’s.“

  1. DAS Problem hätte ich ganz einfach gelöst – schon im Vorfeld übrigens. Ich hasse nämlich tatsächlich Schwarzwurzeln.

    Schon als Kind – und das hat sich nicht geändert. Dabei esse ich sonst so gut wie jedes Gemüse. Aber Schwarzwurzeln gehen gar nicht.

    Man muß nicht alles mögen 😉

      1. Ja – Spargel mag ich sehr. Weil Schwarzwurzeln billiger waren, wurden uns die als Kind manchmal im Geflügelsalat „untergejubelt“ anstelle von Spargel. Weil ich die aber „so sehr nicht mag“, ist mir das natürlich immer aufgefallen und hat für mich den ganzen Salat verdorben. Dabei war das mein Lieblingssalat 😉

  2. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. *gni-hi* Naja, Versuch macht kluch und jetzt weißt du’s. Find ich toll, dass dein Kind so aufgeschlossen ist. Hat nicht jeder.

    Aber lecker. Da hätte ich auch noch mal Lust drauf.

    1. Ich sollte mir echt angewöhnen, nicht nur die Zutatenliste zu überfliegen. Und dann hab ich mich gestern mal ans Rezept gehalten und trotzdem ein Zitronenkuchendesaster gebacken. (War roh in der Mitte!) Danke, Murphy!

        1. Ich konnte mit 2 auch keine ganzen Sätze sprechen, und schon gar nicht in schwäbischer Mundart! (Münsterländisch iss schon schwer genuch!) Gut zu Fuß war ich auch nicht! BUHUUU…

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