Mehr Momentchen bitte!

Die dritte Arbeitswoche ist um. Es verging noch kein Tag, auf den ich mich nicht gefreut und den ich nicht am Abend im Rückblick als toll empfunden hätte. Ich habe neben ein paar anderen Dingen einen Monstertext fabriziert, den mein Lieblingskollege mit einem dicken „HÄ???“ versehen, ihn aber insgeheim doch verstanden hat. Auch mein Chef, den ich ums Gegenlesen gebeten hatte, meinte grinsend, ich möge doch in Zukunft etwas anspruchsvollere Texte schreiben. Ironie aus Und dann hat schließlich noch ein Mann vom Fach einen Blick darauf geworfen und mir bestätigt, dass ich die durchaus komplizierte Sachlage „sehr gut auf den Punkt gebracht“ hätte. Also kann man es wohl lassen. 

Und auch sonst lichtete sich das Chaos, das ich zu Beginn der Woche mit verschobenen Arbeitstagen und privaten Terminen selbst geschaffen hatte. Weiterlesen

Zwei Überraschungen und die Crux des halben Tages

Mein Job hält oft Überraschungen bereit. Ein bisschen ist es wie in einem Krimi – die spannendste Wendung kommt erst am Schluss. Und so kommt es, dass wir in der Redaktion noch an einer fast fertigen Seite werkeln, wenn sich plötzlich etwas ergibt, das ein Umplanen erfordert. Eine solche Überraschung ist mir gestern vor die Füße gefallen. Wir hatten eine Frage von einem Leser bekommen, der etwas beobachtet hatte. Ich habe bei der entsprechenden Stelle nachgehakt und eine Antwort in hölzernem Behördendeutsch bekommen. Ich hätte mich fast damit zufrieden gegeben, mir aber dann überlegt, dass ich mit dem Begriff nicht wirklich etwas anfangen kann und unsere Leser dann vielleicht auch nicht. Und … Weiterlesen

Danke, bitte, gut gemacht

Bei uns Schwaben gilt ja der Grundsatz „It gscholta isch gnuag globt“, was für den Rest der Welt übersetzt heißt „Nicht gescholten ist Lob genug“. Vielleicht entspricht es unserer kargen schwäbischen Seele, dass man nicht mehr Worte macht, als unbedingt nötig. Ich finde diese Mentalität leider grottig. Und so hatte ich heute ein Momentchen der besonderen Art. Ich war aufgrund von diversen* Fehldiagnosen** den ganzen Tag und über den Landkreis hinaus unterwegs, unser Auto wieder abzuholen und – weil Kühlschrank schon wieder leer, gefräßige Bande – kaufte in einem völlig fremden E-center ein. Ich flanierte durch aufgeräumte Regalreihen und staunte echt Bauklötzchen über die wunderhübsch angerichtete und fantastisch bestückte Gemüseauslage, ich fand das Vollsortiment verschiedener Lieblingsmarken und geriet so in Verzückung, dass mein Korb ruckzuck voll war. Weiterlesen

Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp

Jede Woche hat unbestreitbar 7 Tage. Und jeder Tag davon ist in etwa gleich lang. Als ich gestern beim Bäcker 30 Brezeln für eine Veranstaltung bestellte und mich die Dame hinterm Tresen fragte, für wann, sagte ich „erst für Samstag“. Sie daraufhin etwas verdutzt „Samstag, also morgen? Oder erst nächste Woche?“ Was für den Rest der Welt gestern nämlich Freitag war, war für mich gefühlt höchstens Mittwoch. Die Woche kam mir wahnsinnig kurz und auf der anderen Seite auch wahnsinnig lang vor. Der neue alte Job hat mich zweieinhalb Tage lang in einer Art Raumkapsel durch die Zeit katapultiert, der Donnerstagmittag war der Bremsstreifen und am Freitag waberte ich irgendwie unschlüssig durch den Tag, kaufte spontan teure Farbe und turnte auf Gerüsten rum. Aber das wisst ihr ja schon. Heute morgen bin ich dann aber endgültig im Samstag angekommen und musste lachen, als ich in meiner Instagram-Timeline ganz viele „Es-ist-Samstag-heute-putzen-wir-das-Haus“-Einträge fand. Überall das selbe. Weiterlesen

Erste Woche vorbei – Mama macht das schon

Wenn man von fünf Werktagen zweieinhalb arbeitet, bleiben rein rechnerisch zweieinhalb übrig. Da mir mein Mathelehrer in der fünften Klasse schon mal erklärt hat, dass Mathematik nicht interpretierbar ist, wird das wohl schon so sein.

Nur in echt … in echt ist das nicht so. Denn die zweieinhalb Tage Freizeit, die diese Woche hätte ausspucken sollen, die sind bei mir nicht angekommen. Weiterlesen

Geliebte kleine Gewitterwolke … Teil 2

Teil 1 gab es hier.

Du bist wieder da. So zuverlässig wie das Aprilwetter, das unser Haus und unseren Garten gerade in eine dicke Schneeschicht hüllt, so bist auch Du wieder mal zu Gast. In wenigen Stunden hast Du aus unserem kleinen großen Mädchen einen garstigen Seeigel gemacht, der die Stacheln ausfährt, sobald er Gefahr wittert. Oder Unbill jeder anderen Art. Oder … manchmal auch einfach so. Der Orangensaft ist alle? Scheißkackablöd. Du sollst Deine Schuhe selbst aus der Garderobe holen? „Oooaar Mama, ich KANN DAS NICHT.“ (Scheißkackablöd!) Den Schlafanzug anziehen, ausziehen, die Jacke aufräumen, den Teller aus der Schublade holen – was auch immer ich von Dir möchte, Du rollst mit den Augen und es fehlt nicht mehr viel zur Klage wegen Kinderausbeutung. Ich werde mich hüten, Dir zu erklären, was das bedeutet. Weiterlesen

Gummiband-Feeling

Mein Kopf ist voller Schubladen. Eine heißt „Haushalt“, eine heißt „Rund ums Kind“, eine heißt „Ehrenamt“, eine heißt „Arbeit“ … und es gibt noch etliche andere. Und dann gibt es noch ein kleines Fach. Mehr so eine Loseblattsammlung. Der Umschlag ist abgegriffen und ein wenig vergilbt. Darauf klebt ein welliges Post-it, darauf steht: Meine Herzensprojekte. Und während der 24 Stunden, die mein Tag so hat, pendle ich zwischen den Schubladen hin und her. Das sieht dann etwa so aus.

Ich, am Laptop eine Mail aus der Kategorie „Ehrenamt“ schreibend, Unterkategorie „wir sollten dringend / hast Du eigentlich schon / WICHTIG!“

Hannah: „Mama, ich will malen.“ Weiterlesen

Dieses echte Leben …

… das, auf der anderen Seite des Bildschirms, dahinter, davor, links und rechts davon … das nimmt mich gerade viel zu sehr ein. Ich habe ein Blog, ich habe Leser und weder das eine noch das andere vergessen. Aber ich habe auch ein Kind, das seine Persönlichkeit gerade entdeckt, ich habe einen Haushalt, Menschen, die mich gerne in natura sehen, ich koche, ich putze, ich arbeite nebenbei. Und oft falle ich abends auf die Couch und mag nach der letzten, allerletzten, wirklich allerallerletzten Gutenachtgeschichte nicht mehr reden. Auch nicht mit der Stimme in meinem Kopf.

Ein bisschen klingt es, wie Schlussmachen. „Es hat wirklich nichts mit Dir zu tun“, möchte ich meinem virtuellen Leser sagen. Und ich will ja auch gar nicht gehen. Aber ich stelle immer mehr fest, dass ich nur gut bin in Dingen, für die ich 100 und mehr Prozent geben kann. Dieses Blog mit Nebensächlichkeiten zu füllen – will ich das? Wollt ihr das? Ich könnte Euch mitnehmen in meinen Alltag, da gäbe es sicher viel zu erzählen. Dass mein Kind das erste Jahr im Kindergarten längst hinter sich gelassen hat. Dass wir heute den ersten Spargel der Saison gegessen haben. Dass wir im Urlaub waren – zwei Wochen Norwegen mit dem Schiff, dazwischen immer wieder Tage ohne Netz. Das Land ist wunderschön und schroff, Rentierfell ist irrsinnig weich und dicht, Bergen ist traumhaft schön und leider völlig verregnet. Ich könnte Euch erzählen, dass ich einen heftigen Nesselausschlag hatte und Hannah eine fiese Magen-Darm-Grippe. Dass mein Atelier so langsam voran kommt, ich aber immer noch beim Tapete-runter-Status festhänge, weil Leben eben. Dass ich den außergewöhnlichsten Geburtstag ever verbracht habe, fast 400km nördlich des Polarkreises inmitten von Schneemassen. Und dass ich just an diesem Tag Polarlichter gesehen habe. Ich könnte Euch meine Osterdeko zeigen – drei graue Hasen, that’s it. Und dass ich es geschafft habe, in zwei Wochen 3 Bücher zu lesen.

Aber nichts davon erscheint mir plötzlich so wichtig, es mit der ganzen Welt teilen zu wollen. Es ist wohl aus diversen Gründen ziemlich still geworden hier. Loslassen möchte ich noch nicht. Aber reflektieren, was ich wirklich kann. Was ich Euch erzählen will, wer ich bin. Und dafür brauchte ich eine kleine Sinnpause.

Vielleicht ist der Mai ein guter Monat für einen neuen, virtuellen Anfang. Kryptisch kann ich. Im Mai werde ich wieder in meinen alten Beruf zurückgehen. Ich traue mich zurück, alles auf Anfang. Für zwei ganze und einen halben Tag die Woche. Ich werde das Thema Vereinbarkeit für mich definieren und herausfinden, was es aus mir macht.

Wenn ihr bis dahin noch dabei seid und Lust auf „Wie war Dein Tag, Liebling“-Geschichten habt … dann freue ich mich auf Euch. Bis dahin atme ich noch ein paar Mal tief durch und besinne mich auf das, was ich am besten kann. Und ich hoffe, ihr profitiert dann ab Mai davon.

Für den einen sind es 25 Cent …

Heute morgen beim Einkaufen. Ich schlendere in den Supermarkt und mein Blick fällt gerade noch rechtzeitig auf die leere Dose, die in meinem Korb hin und her kullert. Bei einem Geburtstagsgeschenk war eine Dose San Pellegrino Aranciata dabei gewesen, sonst haben wir eigentlich nie Dosen im Haus. Ich steckte sie in den Pfandautomaten und lauschte andächtig dem Häckselgeräusch. Als das Gerät meine Dose gefressen hatte, spuckte es ordnungsgemäß einen Pfandbon aus – 25 Cent. „Ganz schön viel, für so ne popelige Dose“, dachte ich mir. Und ging einkaufen. Weiterlesen

Der Wurm ist drin. Und der Tag kann weg.

Es hätte alles so schön sein können. So produktiv. So entspannt. Der Plan war auch gut: Einkaufen wollte ich, Blogposts fertig machen, an einer Bastelvorlage feilen, kochen, bloggen und möglichst entspannt sein dabei.

Und dann war da der Wurm. Drin. Weiterlesen