Die rehabilitierte Rabenmutter …

Als Eltern kann man ja irgendwie alles. Beim ersten Kind lernt man, wie eine Windel um den Kinderpopo gehört, wie man diese feinen, scharfen Fingernägelchen schneidet, ohne das Kind seiner Fingerkuppen zu berauben, man lernt Müdigkeit und mitunter auch seinen eigenen Geduldsfaden neu kennen.

Was man ebenfalls schnell feststellt: Man kann ganz schön viel falsch machen. Ein Kind zu erziehen heißt nämlich nicht, alles möglichst richtig zu machen. Es heißt schlicht, tagtäglich abzuwägen, was einem am wenigstens falsch vorkommt in einer Welt voller Möglichkeiten.

Dabei hatten wir, als das Fräulein noch inwendig war, von vielen Dingen eine konkrete Vorstellung: Das Kind schläft nicht im Ehebett. Sie wird um acht Uhr abends im Bett sein. Ich stille mindestens ein halbes Jahr. (Wen es interessiert: Die Nachteule, die wir da produziert haben, hatte keinen Bock auf gestillt werden, wohl aber darauf, den Abend MIT Mama und Papa zu verbringen und dann in deren Bettmitte seelig einzuschlummern. Wir haben das irgendwann als unseren Weg akzeptiert und hatten von heute auf morgen das Drama minimiert.)

Was ich dadurch gelernt habe? Ich habe ein Bauchgefühl, das taugt. Gute Ratschläge kamen von allen Seiten aber ich habe sie getrost ignoriert, wenn ich der Meinung war, es passt für uns nicht. Dazu gehörte auch, Angebote einfach auszuschlagen. Und die kommen auf junge Eltern reichlich zu. Ich erinnere mich daran, dass wir plötzlich Rabattheftchen bekamen für die richtigen Windeln, dass Amazon mir Elternratgeber vorschlug (Kunden, die einen Windeleimer bestellten, kauften auch „Jedes Kind kann schlafen“. Soso.), dass die Sparkasse uns eine spezielle Versicherung anpries und so weiter.

Und auch um meine üppige Freizeit sorgten sich plötzlich alle. Babymassagekurse, Eltern-Kind-Feng-Shui, Musikgarten, Zwergentanz, Rhythmische Gymnastik mit Baby und so weiter. Ich tat, was ich in diesen Situationen immer tue: Ich versuchte mich beim Zwergentanz, beim Babymassieren und beim frühkindlichen Babyschwimmen zu sehen, mir vorzustellen, wie ich im Kreis anderer Mütter mit meinem Kleinkind tanzte, es massierte oder im Wasser umherschwenkte. Und jedesmal sagte die Stimme in mir – och … nö.

Gezwungenermaßen, meiner Überzeugung folgend, musste ich so auch immer wieder Fragen anderer Mütter nach unserer Vor- und Nachmittagsgestaltung beantworten. Ich erlebte viele hochgezogene Augenbrauen („Ach? Kein Elterncafé? Dabei spielen die Kinder so schön miteinander, ist ja so wichtig, der Kontakt mit anderen Einjährigen, dass sie später keine Soziopathen werden“ „Babyschwimmen ist total entspannend, ist zwar immer voll der Stress mit An- und Ausziehen und das Maxicosi ist hinterher feucht, aber Calvin-Finn hat immer so einen Spaß, wenn er nach zwanzig Minuten aufgehört hat zu Schreien…“) und fühlte mich gelegentlich dann wie die Rabenmutter, die ihrem Kind jeglichen Sozialkontakt verwehrt und sich später große Vorwürfe machen wird, weil das arme Mädchen ohne Freunde, ohne Rhythmusgefühl und ohne den Hauch einer Chance auf höhere Bildung aufwachsen musste. NUR WEGEN MIR.

Als das derart ungeförderte Kind dann in den Kindergarten kam, stellte sich nach ungefähr zwei Stunden heraus, dass das mit dem Soziopathentum nicht ganz so schlimm werden wird. Sie fasste im Nu Vertrauen zu der jungen Erzieherin und geht von diesem ersten Tag an mit Freude und ohne jegliches Drama in den Kindergarten. Sie trägt das tiefe und absolute Vertrauen in sich, dass sie nie allein gelassen und immer wieder abgeholt wird. Sobald wir den Kindergarten betreten, sucht sie entweder Kontakt zu ihren Freunden (Sie hat welche! No way!) oder zur Erzieherin. Der Abschied ist an 99 von 100 Tagen überhaupt kein Problem, das Sich-Selbst-Bewusstsein fest  und stabil.

Auch das Fernbleiben aus dem musikalischen Zwergen-Ryhthmus-Tanz-Singspiel-Garten scheint keine bleibenden Schäden hinterlassen zu haben. Die Viereinhalbjährige singt in sehr herzigem Minions-Englisch die Charts rauf und runter, so gut, dass Außenstehende den Titel erkennen. Ihre Begleitung am Klavier ist zwar noch ausbaufähig, Rhythmusgefühl ist aber unverkennbar. Außerdem spielt sie Alle meine Entchen fehlerfrei, ohne dass ich es ihr eingebläut hätte.

Was aber haben wir die letzten gut vier Jahre getan an unseren Vor- und Nachmittagen? Ganz einfach – nur, wozu wir Lust hatten. Wir haben uns nicht von Terminen gängeln lassen (Montags um zehn ist Babyschwimmen, ob das Kind da gerade schläft, interessiert nicht – WAS FÜR EIN KRAMPF!), sondern uns jeden Tag nur genau das vorgenommen, was gut für uns war. Hatten wir Lust, zu malen, haben wir gemalt. Wollten wir etwas entdecken, haben wir uns ins Auto gesetzt und uns Städte in der Umgebung angeguckt. Wir sind Waldlehrpfade entlang gewandert, haben Blumen gepflückt, Fachwerkhäuser bestaunt, Museen besucht.

Neulich nahm mich die Erzieherin beiseite und fragte, ob wir uns schon mal überlegt hätten, die Kleine ein Jahr früher einschulen zu lassen, sie stecke in manchen Dingen die kommenden Erstklässler in den Sack.

Ich atmete laut hörbar auf. Die Rabenmutter, die ihrem Kind jeglichen frühpädagogischen Förderschnickschnack eigenmächtig vorenthalten hat, ist rehabilitiert. Ich stellte fest: Man kann ein helles Köpfchen werden, ganz ohne dass die Mutter die kognitiven, musischen, motorischen Fähigkeiten vom ersten Schrei an zu fördern versucht hat.

Ich habe mich mit meinem Mann ausgetauscht und wir haben beschlossen, dass die Kleine nach Plan in die Schule gehen wird. Sie soll Kind sein, sie soll ihre Freiheit und Freizeit haben, so lange unser System das so vorsieht. Früh genug wird ihr ein Raster angelegt, früh genug wird sie öfter müssen müssen als können dürfen. Und sollte sie sich in der Grundschule tatsächlich langweilen (weil der Opa ihr mittlerweile Englischvokabeln beibringt und sie sie glucksend vor Lachen anwendet, wann immer sie ihr in den Sinn kommen zur Verblüffung aller), dann wird meinem Bauch auch dann etwas einfallen, womit wir das arme Kind aus der völligen Unterforderung retten können. Und bis dahin lassen wir es einfach ruhig angehen und tun, was wir immer tun – das, wozu wir Lust haben.

Da steht ein Hirsch auf der Flur – Ausmalbilder frisch aus dem Wald

„Schuhuuuu-Schuhuuu“ sagt die Eule und schwingt sich in der Abenddämmerung von ihrem Ast. Eichhörnchen Erwin klettert an seinem Buchenstamm empor, um bessere Übersicht zu haben. Hase Hans futtert noch schnell sein Löwenzahnblatt und Maus Mimi versteckt sich hinter einer Wurzel. „Da ist jemand“, flüstert Fuchs Fritzi. „Der will uns ausmalen“, sagt Igel Ingo.

Ich sitze mit einem spitzen Bleistift da und kann nicht aufhören, Tiere zu malen. Hier noch ein paar Pilze, da noch einen Schmetterling flattern lassen … das Kind hat sich nach Fischer Hein und dem Dschungel „Waldtiere“ gewünscht. Es ist pünktlich fertig geworden und wir teilen den Ausmalspaß gerne wieder mit Euch!

Ich habe diesmal ein Blatt selbst coloriert. Das Kind fand letztens Fischer Hein und seine Fische zwar großartig, fragte mich aber ungefähr drölfdutzend mal „Wie soll ich diesen Fisch ausmalen? Welche Farbe hat die Mütze vom Fischer? Und welche sein Boot?“

Jetzt gibt’s also einen Vorschlag, wie die Waldtiere in meiner Fantasie aussehen. ich hatte die Vorlage fertig und ein paar Mal kopiert. Das Versuchskaninchen ist ja immer meine Tochter. Hannah setzte sich mit ihren Stiften und einer blanken Kopie zu mir und betrachtete eine Weile, was ich ausgemalt habe. Dann sagte sie seufzend: „Mama, ich glaub, diesmal mal ich das lieber so an, wie ich will …“ Wie man’s macht, isses falsch. (Also malt wegen mir rosa Hirsche und himmelblaue Eulen – die Freude am kreativen Tun ist das einzige, was zählt!)

Wenn ihr Lust habt, unsere Tiere im Wald anzumalen, dürft ihr sie hier herunterladen. Wer die ausgemalte Version dazu legen möchte, ich habe sie hier für Euch verlinkt.

 

Ich bin auch diesen Dienstag gerne wieder bei den übrigen Kreativen dabei!

Creadienstag  

Dienstagsdinge

Handmade on Tuesday

 

Und Euch wünsche ich viel Vergnügen beim Waldspaziergang. Schuhuuuu!

Pizza, Pasta, Klopapier – Dinge, die uns glücklich machen!

Hand hoch, wer hat schon mal im Restaurant einen Espresso aufs Haus bekommen? Kennt ihr? OK, und wer hat schon mal einen Grappa bei seinem Lieblingsitaliener nach dem Essen als nette Geste des Chefs serviert bekommen? Nix Ungewöhnliches?
Na schön. Dann jetzt die Einhunderttausend-Euro-Frage: Wer hat schon mal nach dem Genuss von Pizza und Pasta eine Rolle Klopapier mit nach Hause bekommen von der Chefin des Hauses? Na? NA?

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Working-mom-Studie: Das Märchen der Vereinbarkeit

Heute ist die Working-Mom-Studie veröffentlicht worden, nach der sich jede dritte Mutter trotz Partner als alleinerziehend wahrnimmt. Ich habe im Radio davon gehört, als ich – Achtung Klischee – in meiner Mittagspause unterwegs war zwischen Job und Supermarkt. Frauen würden sich entgegen besseren Wissens aufreiben, um möglichst an allen Fronten mehr als hundert Prozent Leistung zu bringen. Und sich dabei nicht nur selbst verlieren, sondern auch ein schlechtes Gewissen bekommen, weil sie keiner ihrer Aufgaben zu hundert Prozent gerecht würden.

Ich habe daraufhin eine Weile überlegt, wie ich das sehe. Das hörte sich in meinem Kopf ungefähr so an: „Working-mom-Studie: Das Märchen der Vereinbarkeit“ weiterlesen

Warten, warten, warten …

Ich habe Fragen. Viele Fragen. Und nachdem ich am Freitag ein investigatives, konspiratives Non-Gespräch geführt habe („diese Unterhaltung hat nie stattgefunden!“) konnte ich sie auch klar formulieren, weswegen ich am Samstag in der Redaktion aufschlug und sie mir aus den Fingern und ins Postfach der Adressaten tippte. Blöd nur: Außer mir hat es keiner so eilig. Denn die entsprechenden Stellen müssen es „im Haus erst intern klären“, was so viel heißt wie „Frau, nerv nicht, wir haben soviel Zeug an der Backe, jetzt kommst Du noch so neugierig ums Eck“. „Warten, warten, warten …“ weiterlesen

Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp

Jede Woche hat unbestreitbar 7 Tage. Und jeder Tag davon ist in etwa gleich lang. Als ich gestern beim Bäcker 30 Brezeln für eine Veranstaltung bestellte und mich die Dame hinterm Tresen fragte, für wann, sagte ich „erst für Samstag“. Sie daraufhin etwas verdutzt „Samstag, also morgen? Oder erst nächste Woche?“ Was für den Rest der Welt gestern nämlich Freitag war, war für mich gefühlt höchstens Mittwoch. Die Woche kam mir wahnsinnig kurz und auf der anderen Seite auch wahnsinnig lang vor. Der neue alte Job hat mich zweieinhalb Tage lang in einer Art Raumkapsel durch die Zeit katapultiert, der Donnerstagmittag war der Bremsstreifen und am Freitag waberte ich irgendwie unschlüssig durch den Tag, kaufte spontan teure Farbe und turnte auf Gerüsten rum. Aber das wisst ihr ja schon. Heute morgen bin ich dann aber endgültig im Samstag angekommen und musste lachen, als ich in meiner Instagram-Timeline ganz viele „Es-ist-Samstag-heute-putzen-wir-das-Haus“-Einträge fand. Überall das selbe. „Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp“ weiterlesen

Erste Woche vorbei – Mama macht das schon

Wenn man von fünf Werktagen zweieinhalb arbeitet, bleiben rein rechnerisch zweieinhalb übrig. Da mir mein Mathelehrer in der fünften Klasse schon mal erklärt hat, dass Mathematik nicht interpretierbar ist, wird das wohl schon so sein.

Nur in echt … in echt ist das nicht so. Denn die zweieinhalb Tage Freizeit, die diese Woche hätte ausspucken sollen, die sind bei mir nicht angekommen. „Erste Woche vorbei – Mama macht das schon“ weiterlesen

Geliebte kleine Gewitterwolke … Teil 2

Teil 1 gab es hier.

Du bist wieder da. So zuverlässig wie das Aprilwetter, das unser Haus und unseren Garten gerade in eine dicke Schneeschicht hüllt, so bist auch Du wieder mal zu Gast. In wenigen Stunden hast Du aus unserem kleinen großen Mädchen einen garstigen Seeigel gemacht, der die Stacheln ausfährt, sobald er Gefahr wittert. Oder Unbill jeder anderen Art. Oder … manchmal auch einfach so. Der Orangensaft ist alle? Scheißkackablöd. Du sollst Deine Schuhe selbst aus der Garderobe holen? „Oooaar Mama, ich KANN DAS NICHT.“ (Scheißkackablöd!) Den Schlafanzug anziehen, ausziehen, die Jacke aufräumen, den Teller aus der Schublade holen – was auch immer ich von Dir möchte, Du rollst mit den Augen und es fehlt nicht mehr viel zur Klage wegen Kinderausbeutung. Ich werde mich hüten, Dir zu erklären, was das bedeutet. „Geliebte kleine Gewitterwolke … Teil 2“ weiterlesen

Am Weihnachtsbauuume, da hängt ne Pflaaaume …

Wer Kinder hat, wird es vielleicht kennen – man erlebt Rituale und Gebräuche intensiver als früher, man freut sich richtig auf die Adventskerzen, den Weihnachtsbaum, auf Weihnachtslieder und aufs Plätzchenbacken.

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Meine Hoffnung mampft morgens Müsli

Ich bin ein optimistischer Mensch. Schon immer. Dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, ist ein Grundsatz für mich. Als ich gestern Abend ins Bett gegangen bin, war mir durchaus bewusst, dass ich die Wahl in den Staaten verschlafen werde, aber hey, die wählen ja eh ohne mich. Und eigentlich war ich mir auch ganz sicher, dass Hillary Clinton zwar knapp gewinnt, aber doch eben gewinnt. Ich bin aufgewacht, habe noch im Bett das Internet leergelesen. Und hatte eigentlich gar keine Lust mehr, aufzustehen. „Meine Hoffnung mampft morgens Müsli“ weiterlesen