Ein Brief an meine Tochter …

… mein liebes Kind, das Du demnächst Deinen unglaublichen vierten Geburtstag feierst. Noch bist Du ein unbedarftes kleines Kindergartenkind, das fröhlich in den Tag hineinlebt. Und das ist auch gut so. Du wirst noch früh genug zur Welt der Erwachsenen gehören. An manchen Tagen, das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen, wirst Du den Verdacht nicht los, dass es wahrscheinlicher ist, einem Einhorn an der Kühltheke zu begegnen, als gesundem Menschenverstand.

Dir werden Menschen begegnen, die eine andere Wahrnehmung haben als Du. Erzähl Ihnen von Deiner Welt, aber erwarte kein Verständnis. Manche leben hinter Mauern, hinter denen sie sich sicher fühlen. Tu Dir und ihnen einen Gefallen und lass sie dort.

Dir werden Neider begegnen. Sie werden mit gerümpfter Nase Dein Handeln betrachten und kein gutes Haar daran lassen. Lass sie reden. Es liegt in ihrem Naturell, eigene Unzulänglichkeiten bei anderen zu finden und zu kritisieren. Bedenke, wie einfach das ist im Vergleich dazu, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

So lange Du überzeugt Deinen Weg gehst und keinen anderen dabei aus böser Absicht heraus verletzt, geh weiter. Schau dabei nicht zurück, sondern nach vorne, denn das ist die Richtung, in die Du gehst. Du wirst manchmal missverstanden werden. Deine Worte und Taten werden vielleicht unerwartet hohe Wellen schlagen. Tritt einen Schritt zurück und sage „Verzeih mir“, wo Du es für angebracht hältst. Wo Du Dich zu Unrecht angegriffen und verletzt fühlst, setz Dich zur Wehr. Denk dabei an Deinen Taufspruch aus der Apostelgeschichte „Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht. Denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen, Dir zu schaden.“ Sei stets eine Stimme, nicht nur ein Echo.

Du wirst auch jenen begegnen, die von einem Grundmisstrauen zerfressen sind. Sie werden Dir automatisch Böses unterstellen und Deine Worte als Angriff verstehen ohne Dir die Chance zur Klärung einzuräumen. Diese Menschen geben sich ihre Antworten selbst. Aber glaube mir: Groll und Missgunst sind hässliche Eigenschaften. Sie gehören nicht in DEIN Leben. Wenn Du das Bedürfnis hast, Dich zu erklären, dann tu das. Bedenke aber stets, dass es zwar löblich ist, mit Blinden über Farben zu sprechen, aber sinnlos.

Dir werden Menschen begegnen, die nie gelernt haben, mit Konflikten umzugehen. Sie werden petzen wie kleine Sandkastenkinder, sie werden hinter Deinem Rücken lästern weil sie kein Rückgrat haben (Dein Papa nennt das „Arsch in der Hose“) und keinen Mumm, mit Dir selbst zu sprechen. Sie werden stets andere vorschicken und Du wirst das nicht verstehen. Ich sage Dir – habe Geduld, aber lass diese Energie nicht in Dein Leben. Diese Menschen wollen kein Teil davon sein, also löse Dich von Ihnen und geh Deinen Weg ohne sie.

Und nicht zuletzt, das wünsche ich Dir von Herzen, wirst Du auch guten Menschen begegnen. Die Dein Herz sehen, Deine Worte nie aus Unvermögen oder Absicht auf die Goldwaage legen, sondern Dir nach jedem Streit wieder die Hand geben und mit Dir, Seite an Seite, Deinen Weg weiter gehen. Halte Dich an die und lass die anderen ziehen. Ändere die Umstände, die dich unglücklich machen. Akzeptiere, was Du nicht ändern kannst, lebe damit oder lass es los. Und sei klug genug, das eine vom anderen sicher zu unterscheiden. Und vergiss niemals: Ich liebe Dich über alles.

Deine Mama

Der Wurm ist drin. Und der Tag kann weg.

Es hätte alles so schön sein können. So produktiv. So entspannt. Der Plan war auch gut: Einkaufen wollte ich, Blogposts fertig machen, an einer Bastelvorlage feilen, kochen, bloggen und möglichst entspannt sein dabei.

Und dann war da der Wurm. Drin. „Der Wurm ist drin. Und der Tag kann weg.“ weiterlesen

Es war einmal …

… eine Redakteurin mit einer guten Idee. Der Idee, zu Recherchezwecken den hiesigen Stadtarchivar zu einem Thema zu befragen. An einem Montag. Mit dem höflichen Hinweis, die Antworten auf zwei ausgesprochen simple Fragen doch bitte innerhalb der nächsten beiden Tage zu liefern. Gerne auch telefonisch. Was dem Tagesgeschäft einer TAGESzeitung durchaus entspricht. „Es war einmal …“ weiterlesen

Der Kloß in meinem Hals …

rucksack

Ich kann mich nicht an viel erinnern, aber zwei Dinge sind mir von meinem ersten Kindergartenkontakt in Erinnerung geblieben. Ich durfte an der Hand meiner Mama die zwei möglichen Gruppen besuchen und mir eine davon aussuchen. Als mir aus einer Tür eine Nonne in schwarzer Tracht entgegen kam, hat mich das so erschreckt, dass ich mich unbesehen für die andere Gruppe entschieden habe. Meine Kindergartentante hieß also Patricia, trug Jeans und Pulli und ich liebte sie heiß und innig. Allerdings nicht von Anfang an. Denn gleich am nächsten Tag verabschiedete sich meine Mama von mir und versprach, mir eine Badewanne für meine Puppen zu schenken, wenn ich brav da bleiben und nicht weinen würde. Sie trug einen ockergelben Übergangsmantel mit riesigen Schulterpolstern (Jaja, die Achtziger), als sie über den Hof des Kindergartens durch den Regen zum Auto huschte. Ich sah ihr nach von der breiten Fensterbank aus, die ich den restlichen Vormittag nicht verlassen würde. Und natürlich heulte ich Rotz und Wasser. Aber die Badewanne bekam ich trotzdem. „Der Kloß in meinem Hals …“ weiterlesen

Sexy Mama?

Die liebe Bea beantwortet auf ihrem Blog immer wieder spannende Fragen von Müttern, Bald-Mamas, von Eltern allgemein. Ich lese gerne schweigend mit, bis ich letzte Woche an der aktuellen Frage förmlich kleben blieb, grübelte, und der Antwort darauf jetzt einen ganzen Blogbeitrag widmen mag.

„Darf man sich als Mutter sexy fühlen?“

wollte eine Leserin wissen. Meine innere Stimme, die grundsätzlich kein Blatt vor den Mund nimmt, aber ich kenne sie schon so lange, da darf die das, sagte beim ersten Lesen laut und deutlich „HÄ?“

Was für eine Frage sollte das denn sein? Na klar darf man. Eigentlich könnte das meine Antwort darauf sein. Aber irgendwas an der Fragestellung triggerte mich. Und dann begann ich darüber nachzudenken. „Sexy Mama?“ weiterlesen

Geliebtes Tochterkind …

… als Du noch in meinem Bauch warst, hatte ich zehn Monate (und zehn Tage Überziehungsfrist) Zeit, mir auszumalen, wie das Leben mit Dir sein würde. Ich hatte Bilder im Kopf von mit mit vollgespuckten Oberteilen, ich fürchtete, ich würde die Mascara gegen die Mamauniform eintauschen. Ich hatte ganz feste Vorsätze und, ja, auch ganz viele Sorgen und Ängste. Und dann warst Du da. Und nichts war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Leben  mit einem Baby und später mit einem Kleinkind ist etwas, was man Tag für Tag ERleben muss. Niemand kann sich ansatzweise vorstellen, was es heißt, für dich, kleines Wesen, verantwortlich zu sein. Mein Leben vor Dir? Daran habe ich nur noch eine vage Erinnerung. „Geliebtes Tochterkind …“ weiterlesen

Kindermund: Mamas mysteriöse Popokleber

Es war ein ganz normaler Freitagvormittag. Über meinem linken Arm hängt der Einkaufskorb, an meinem rechten ein trödelndes Kleinkind. Auf der Suche nach Küchenrolle schlendern wir durch den Gang im Supermarkt. Plötzlich bleibt das Kind stehen und sagt: „Mama, schau mal. Sowas hat die Oma auch.“ Sie zeigt auf eine Packung Slipeinlagen. „Aha“, sage ich und grinse in mich hinein. Wir sind keine drei Meter weitergekommen, als eine Kundin hinter uns nach eben jener pinken Packung greift. Mein Kind sagt: „MAMA, guck mal, die Frau kauft das. Ist das auch eine Oma?“ „Kindermund: Mamas mysteriöse Popokleber“ weiterlesen

Topfgeschichten – der #Kinderteller

Ich weiß, ich habe ein unkompliziertes Kind. Ein Kind, das am Tisch sitzt und alles probiert und fast auch alles isst. Mal schmeckt der Mozzarella, mal nicht. Mal isst sie Camembert, mal nicht. Damit kann man gut leben. Aber wenn’s um Gemüse geht, haben wir noch nie Diskussionen führen müssen. Dafür bin ich sehr dankbar. Trotzdem achte ich natürlich darauf, dass unser Essen nicht zu scharf gerät und verzichte auf manche Gewürze, von denen ich weiß, dass sie sie nicht mag, wie Kümmel oder Curry zum Beispiel. Das empfinde ich aber als keine große Einschränkung „Topfgeschichten – der #Kinderteller“ weiterlesen

Falsch, falsch, falsch.

„Hallo liebe Gruppenmitglieder, mein Name ist Frau Venus und ich mache alles falsch.“

Jedenfalls findet mein Kind das. Glaubt ihr nicht? Is aber so. Es fängt schon morgens an. Ich nehme den Kuschelhasen an mich, damit das Kind beide Hände frei hat, um aus dem Bett zu klettern. „NEIN, ICH nehme den Hasi!“ Wir sitzen in der Küche, ich richte guter Dinge das Frühstück zusammen. Kaum drehe ich mich um, sitzt da ein kleines, schluchzendes Kind, das das Gesicht hinter beiden Händen verbirgt. Ich sehe Tränen kullern. „Falsch, falsch, falsch.“ weiterlesen

Von Ratschlägen, Meinungen und Supermüttern

Ich habe das Thema schon öfter verbloggt und trotzdem scheint nie alles gesagt zu sein. Mütter sind schreckliche, egozentrische, klugscheißerische Alphatiere. Ich schließe mich da nicht aus. Denn jede Mutter hält ihren Erziehungsstil, ihr Konzept und ihr Kind für das Beste der Welt. Der feine Unterschied besteht lediglich darin, dass es Mütter gibt, die ihr Wissen für sich behalten und Mütter, die ihre Meinung ungefiltert und ungefragt hinausposaunen. Takt scheint eine Eigenschaft zu sein, die der liebe Gott nur sparsam verteilt hat.

Erst neulich wurde mir zu der Entscheidung gratuliert, mein Kind „selbst“ zu erziehen. Tenor der Unterhaltung – wozu setzen Frauen Kinder in die Welt, wenn sie es mit einem Jahr abschieben in eine Kita. Mich lassen solche Äußerungen erstmal sprachlos zurück. „Von Ratschlägen, Meinungen und Supermüttern“ weiterlesen