Kindermund: Mamas mysteriöse Popokleber

Es war ein ganz normaler Freitagvormittag. Über meinem linken Arm hängt der Einkaufskorb, an meinem rechten ein trödelndes Kleinkind. Auf der Suche nach Küchenrolle schlendern wir durch den Gang im Supermarkt. Plötzlich bleibt das Kind stehen und sagt: „Mama, schau mal. Sowas hat die Oma auch.“ Sie zeigt auf eine Packung Slipeinlagen. „Aha“, sage ich und grinse in mich hinein. Wir sind keine drei Meter weitergekommen, als eine Kundin hinter uns nach eben jener pinken Packung greift. Mein Kind sagt: „MAMA, guck mal, die Frau kauft das. Ist das auch eine Oma?“ Ich grinse noch breiter und sage „Ne, das ist doch keine Oma. Das kaufen ganz viele Frauen.“ Im selben Moment könnte ich mir auf die Zunge beißen. „Mama, ich will das auch kaufen.“ „Nein“, sage ich. „Du brauchst das noch nicht.“ „Warum nicht?“ will Hannah wissen. „Weil … Du noch klein bist.“ Mit der Erklärung gibt sie sich erstmal zufrieden. Ich atme durch.

Etwa eine Woche später stehen wir zusammen im Bad und ich suche etwas im Schrank. „Du hast ja auch so was!“ ruft Hannah begeistert und zeigt auf die pinke Schachtel. Bevor ich etwas sagen oder tun kann, hat das Kind eine Slipeinlage aus der Pappschachtel gefischt und beäugt sie interessiert. „Was IST das?“ will die Kleine wissen. Ich überlege kurz und entscheide mich dann für die an sich völlig harmlose Wahrheit. „Das klebt man sich in die Unterhose.“ Hannah guckt mich mit großen runden Augen an. „Warum?“

„Damit …“ fange ich an und beginne zu schwitzen. „Ist das eine Pampi für dich?“ unterbricht sie mich. „Äh … ja so ähnlich.“

Herrjeh. Ich bin weiß Gott nicht verklemmt oder prüde. Ich würde meinem Kind ja gerne die Geschichte der weiblichen Menstruation erklären, aber sie ist grade mal drei Jahre alt. Sobald sich jemand in den Finger schneidet oder sich kratzt und sie Blut sieht, wird sie panisch und will den Doktor anrufen. Wie kann ich dem Kind da schonend beibringen, dass Mama öfter mal blutet und alles ganz ok ist?

Aber damit nicht genug. Wer Kinder hat, weiß, dass mütterliche Toilettengänge offenbar mit zu den spannendsten Unterfangen des Planeten zählen. Deswegen tapert mir die Kleine auch ständig hinterher, wenn ich mal muss. Gut, ich könnte die Tür absperren, aber das endet in Geschrei und panischem Geschluchze auf der anderen Seite der Klotür, also kommt sie halt hin und wieder vorbei. (Und verspricht mir großherzig „Ich helf Dir“, als ob ich da bisher jedesmal dringenden Bedarf geäußert hätte.)

Nun hat das Kind die Tampons gesehen. Und erzählte neulich in der Runde mit anderen Erwachsenen, dass die Mama sich auf dem Klo manchmal was in den Bobbes schiebt. Ich würde ja gerne was von irritierten Blicken schreiben, aber das wäre die Untertreibung des Jahrhunderts.

Liebe Eltern da draußen – ich gebe mir Mühe, das völlig natürliche und normale Geschehen nicht zu mystifizieren und zu verheimlichen. Aber wie erklärt ihr Euren Kids sowas? „Das muss die Mama manchmal machen?“ „Das blutet aber tut nicht weh?“

MEIN Kind lässt sich mit „Das verstehst Du nicht. Dafür bist Du noch zu klein“ ungern abwimmeln. Also erkläre ich schonend und blumig und trotzdem möglichst ehrlich, was das ist und was da passiert. Mit der Folge, dass mein Kind im Supermarkt an der Kasse plötzlich aufschreit: „Mama, die Kleberle für Deinen Bobbes sind doch aus, wir müssen Dir doch noch Neue kaufen!“

Da muss ich wohl einfach durch. Heute vor drei Jahren war mein Entbindungstermin. Ich hatte Senkwehen und ahnte nicht, dass es noch zehn weitere Tage dauern würde, bis Mademoiselle sich bequemt, das warme Quartier zu verlassen. Und was da in den Jahren danach alles auf mich zukommt … ich hatte ganz ehrlich nicht die leiseste Ahnung. Und auch wenn ich keine Sekunde mit der kleinen Miss missen möchte – manchmal bin auch ich für gute Ratschläge dankbar. Also?

5 Antworten auf „Kindermund: Mamas mysteriöse Popokleber“

  1. Leider kann ich dir nicht weiterhelfen, aber es gibt da – soweit ich weiß – schon Bücher für die ganz Kleinen zum Baby-Thema. Ich jedenfalls musste herzlich lachen und seh schon: Mit Kindern ist es immer spannend.

    1. Ja, die gibt es. Aber ich hab nix über die Frauengeschichten im Besonderen gefunden. Ich erkläre halt so gut ich kann. Und hoffe, dass sie im Kindergarten später nicht ALLES verbreitet. Vermutlich ist das aber eher blauäugig. 😉

  2. Ja, solche Situationen kenne ich 🙂 Ein Töchterlein die Tampons bei dm kaufen will, weil die so eine schöne pinke Packung haben… Oder Fragen wie : “ Mama, was machst du denn mit den Dingern, du hast ja 1000 Stück davon!?“
    Ich verschliesse im Moment noch die Augen vor der Realität und frage mich, wie meine Mutter das damals eigentlich mir erklärt hat? Der Moment kommt, aber ich hoffe noch nicht so bald denn ich habe ABSOLUT keine Ahnung wie man das einem Kind schonend beibrigen soll…Da fällt mir ein, ich hab ja sogar ZWEI Töchter. Mist.
    Liebe Grüsse,Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.