Ein ABC. Wird mal wieder Zeit.

A… wie Avocado. Ich LIEBE diese Dinger. Mit der Gabel zerdrückt, Salz und Pfeffer dran, ein bisschen Essig. Und dann aufs Brot. Das Allerbeste: Das Kind kriegt große Kulleraugen und sagt: Ich will das auch! Ich mag das! Nur der Gatte kann kaum hingucken, während wir schlemmen. Für ihn sind Avocados Teufelszeug. Aber er mag ja auch keine Artischocken. Kostverächter.

B… wie Baya. Irgendwann wird mein Kind auch mal noch Mama sagen. So mit vierzehn vielleicht. Bis dahin bin ich BAAAYAAAA. Nicht, dass sie kein M aussprechen könnte. Sie will nur nicht. Sie hört auch nicht schlecht. (Ganz im Gegenteil, sie hört alles, was sie nicht soll.)

Mittlerweile erkenne ich die Vorteile, nicht Mama genannt zu werden. Wenn wir mit anderen Kindern zusammen sind und zwei schreien lauthals nach Mama, weiß ich, ich bin nicht gemeint. Schreit jemand allerdings Baya, kann es nur meine Lütte sein.

C… wie Comptine d’un autre été l’après-midi. Siehe auch E wie Ehrgeiz. Wer die fabelhafte Welt der Amélie gesehen hat, kennt das Stück. Ich liebe es und habe mich so lange an den Läufen versucht, bis die hardware gestreikt hat. (Aber ich kann’s jetzt!)

D… wie Drama. Hatten wir die letzten zwei Wochen mehr als genug. Mein Dramavolumen für 2015 ist ausgeschöpft.

E… wie Ehrgeiz. Früher war das nicht so. Ich war zufrieden, wenn ich Dinge so mittelguteinigermaßen hinkriegte. Getreu dem Motto 4 ist ausreichend. Alles was besser ist, ist ein Bonus. Irgendwann ging mir dann aber wohl ein Licht auf. Meine zweite Ausbildung (Achtung, Selbstbeweihräucherungscontent) schloss ich als Jahrgangsbeste ab. Und heute ist es so geblieben. Ich will Dinge nicht nur irgendwie hinkriegen, sondern gut sein. Ich will mein Klavier nicht einfach nur hier rumstehen haben, sondern spielen können. Ich kann mich an Stücken regelrecht festbeißen und da übe ich auch schon mal so lange, bis mein linker Ringfinger plötzlich nicht mehr tut, was ich will. „Überlastet, bitte aufhören“, sagte die Klavierlehrerin gestern. Mein Ehrgeiz ist leider auf dem Weg in die Finger irgendwo stecken geblieben.

 F… wie Fenchel. Im Sommer werde ich einen Versuch wagen und rohen Fenchelsalat machen. Fenchel ist für mich, wie Avocado für den Gatten. Ein Gewächs aus der Hölle. Allerdings habe ich es neulich roh probiert und für essbar befunden. Vegetarismus erweitert den Horizont.

G… wie Gutmenschen. Ein Wort, über das ich immer wieder stolpere. Es ist negativ belegt, klingt nach naivem Weltverbesserer, nach alternativem Heilewelt-Blabla. Was ist aber das Gegenteil? Ein Schlechtmensch? Was ist das denn für eine Alternative? Ich zähle dann auch lieber zu den Gutmenschen. Es gibt genug andere.

H… wie Handschuhe. Es ist zum Verzweifeln. Trage ich bei Temperaturen um Null keine Handschuhe, kriege ich offene rote Stellen an den Händen, die brennen und nur mit viel Creme wieder besänftigt werden können. Trage ich Handschuhe, sind meine Hände noch viel klammer und werden starr. Vielleicht sollte ich mir einen Muff besorgen. Aber wer fährt dann das Auto?

I… wie ICH. Das Kind entdeckt den Willen und sein Können (und manchmal dabei auch seine Grenzen.) Großen Stolz hatte die Kleine aber neulich, als wir einkaufen waren: Sie durfte einen Kindereinkaufswagen schieben. „ICH KANN DAS, ALLEINE. TU MAL DIE HAND WEG.“ Schon gut.

J… wie ja aber. Kennt ihr diese Haar-in-der-Suppe-Sucher? Sie machen sich das Leben unnötig schwer. Guckt doch mal hin, wie gut es euch geht, möchte ich hin und wieder schreien. Macht Euch nicht kleiner als ihr seid. Ja. Einfach nur ja. Langt manchmal doch völlig.

K… wie Krimis. Derzeit Grimmbart aus der Kluftinger-Reihe. Aber ich komm irgendwie nie dazu. Aber wenn ich lese, dann wirklich gern mit Spannung. Wobei, kennt jemand das hier? Hab mich dabei auch sehr amüsiert.

L… wie „lustig war das!“ sagte Hannah gestern, als sie in Pulli und Strumpfhose in Omas Badewanne stand und entdeckte, wie man den Wasserhahn aufdreht. Wäre da kein kaltes Wasser aus der Leitung gekommen, hätte sie wohl mit Klamotten gebadet. Seufz.

M… wie malen. Mir schwirren wieder Ideen für Bilder im Kopf rum. Ich müsste mal anfangen, Hannahs Mittagsschlaf besser zu nutzen. Ich lege mich nämlich gern mit ihr hin und penn noch vor ihr ein. Das Kind ist für Malerei übrigens auch empfänglich. Sie hat großen Spaß dran, Stifte auszuprobieren. Noch klappt das mit dem Ausmalen natürlich nicht, aber macht ja nix. Wir sagen einfach, das ist Kunst.

N… wie Natürlich. OK, das ABC heut ist kinderlastig. Aber ich bin von Hannahs neuestem Wort beeindruckt. Natürlich. Sie sagt es wie na-tür-lich. Mit Betonung auf der mittleren Silbe. „Hannah, gibst Du mir Deinen Löffel? Na-tür-lich.“ „Hannah, machst Du mal bitte das Licht an? Na-tür-lich.“ „Hannah, hast Du deine Sachen in die Kiste geräumt? Na-tür-lich. Aber hier sieht’s ja immer noch aus wie Sau, muss ich das jetzt alleine aufräumen? Na-tü…“ ihr ahnt es. Das Wort wird inflationär gebraucht. Aber aus dem Kindermund klingt es herrlich.

O… wie Ofen. Er macht Dreck. Er macht Staub. Aaaaber. Er knistert und knackt, er bollert und wärmt. Das Ofenfeuer ist so unvergleichbar mit Heizungswärme, dass ich mich echt immer wieder freue, ihn zu haben. (Im Hintergrund: *knisterknackbollerprassel*)

P… wie Pegida. Ich habe hier schon aufgeschrieben, wieso mir das ganze Sorgen macht. Gestern sind in Leipzig Journalisten verprügelt worden. Glaubt jemand noch ernsthaft, es geht hier um vernünftige Bürger aus der Mitte der Gesellschaft?

Q… wie Quinoa. Ja, was soll ich sagen. Der Versuch mit den Bratlingen war ja eher suboptimal. Als nächstes probieren wir den einfach mal als Reis-Ersatz und dann noch in einer Mexikanischen Pfanne. Ich werde natürlich berichten.

R… wie Rapunzel. Ich hätte jetzt gerne hüftlange Haare. Wenn’s geht über Nacht. Und natürlich echte, keine angeklebten. Nachdem ich viele Jahre obenrum eher zahnstocherkurz unterwegs war, reichen mir die Haare vorne schon bis unters Kinn. Blöd halt, dass das mit dem Abschneiden immer viel schneller geht, als das mit dem Dranwachsenlassen. Ob ich mir tagsüber kleine Gewichtssteine dranhängen sollte?

S… wie Shopping Queen. Ich bin ja konsequenter Trash-TV-Verweigerer. Aber… ich meine Guido Maria Kretschmer ist doch kein Trash-TV. Oder? Niemals. Nachdem ich selbst keine Klamotten mehr kaufe, gucke ich begeistert zu, wie andere es tun. Und lausche den Sprüchen dieses ulkigen Typens. Und ganz im Vertrauen – die Stimme in meinem Kopf sagt tatsächlich manchmal beim Anblick vorbeiflanierender Frauen „Die Hose tut auch nix für sie…“ (Eins meiner Lieblingszitate, bei dem ich schallend lachen musste: „Sie sieht aus wie eine, die bei einer Kaffeefahrt ihre Gruppe verloren hat.“ Ich alte Lästertante. Trash-TV-verseuchte Lästertante. So.

T… wie Tulpen. In meinem Esszimmer stehen die weltschönsten Tulpen. Die Farbe ist irgendwo zwischen Flieder und Lila und ich freu mich wirklich jeden Tag an ihrem Anblick.

U… wie Unterhaltung. Ein lieber Freund hat nachts bei einer Autofahrt das Bausteinrätsel in mein Leben gebracht. Seither schiebe ich Blöcke zusammen wie eine Bekloppte. Die App kostet nix, falls sich jemand an bunte Bauklötze binden möchte.

V… wie Verzicht. Mein persönliches Shopping-Embargo steht immer noch. Dafür trage ich eine Bluse, die ich vor knapp zehn Jahren gekauft habe. Sie ist noch wie neu und passt auch noch gut. Und hübsch ist sie auch. Ich hatte sie über die Jahre nur v wie vergessen.

W… wie Wünsche. Ich selbst kaufe mir ja nichts dieses Jahr. Sagte ich schon? Hm. Aber so langsam formiert sich der Wunsch nach einem Jeanshemd. Einer Jeansbluse. in einer mittelblauen Waschung. Und weich bitte. Entweder ich werde sie mir also von meinem Mann zum Geburtstag wünschen. Oder ich werde dafür meinen Gutschein einlösen, sofern ich in dem Laden dann auch fündig werde. Aber bis auf weiteres bleiben Wünsche Wünsche. Auch mal gut.

XYZ… wie Zeit. Vergeht rasend schnell, wenn man alphabetisch denkt. Ich muss jetzt Schluss machen, Shopping Queen läuft, ihr wisst schon 🙂 Bis bald, ne?

4 Antworten auf „Ein ABC. Wird mal wieder Zeit.“

  1. Kleiner Tipp zu F:
    Frischer Fenchel hauchdünn geschnitten, mit Ruccola und einer sehr zitronigen Olivenöl-Vinaigrette. Sehr lecker, wenn’s warm ist! Da ess sogar ich das Zeug. 😉

    1. Ne, sie wachsen sogar richtig schnell. Aber über Nacht werden sie halt nicht hüftlang. Und ich sollte sie nicht jedesmal beim Frisör zwei Zentimeter abschneiden lassen. Alle fünf Wochen. 🙂

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