Schreibschrift, Grundschrift, Sauklaue?

Gestern habe ich mit einem halben Ohr gehört, dass darüber diskutiert wird, die Schreibschrift an Grundschulen abzuschaffen. Stattdessen soll die so genannte Grundschrift gelehrt werden, eine Form der Druckschrift, bei der die Kinder die Buchstaben nach eigenem Gefühl miteinander verbinden sollen. An einigen Schulen würden die Grundschrift bereits angewendet, nun sollen andere nachziehen. Begründung der Befürworter war unter anderem, dass es die Kinder leichter haben sollen.

Mein Kind kommt jetzt erstmal in den Kindergarten. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres. Aber wenn ich mir vorstelle, die Lehrer, denen sie später einmal begegnet, würden ihr dann halt auch nur das beibringen, was möglichst einfach erlernbar ist… ich weiß nicht, ob mir das gefällt. Ich habe Schönschreiben auch nicht vollendet beherrscht. Aber ich erinnere mich nicht daran, dass ich jemals Schwierigkeiten hatte, von Schreib- auf Druckschrift umzustellen. Meine Handschrift heute ist eine geschwungene Mischung aus Schnörkelbuchstaben und graden Buchstaben. Ich hab Euch mal meinen Einkaufszettel von heute morgen abgelichtet.

Das ist sicher keine Schönschrift, aber es ist meine persönliche Handschrift.

Was mich am meisten stört an der geplanten Änderung: Die Kinder sollen nur die Buchstaben lernen, wie sie sie zusammensetzen, können sie selbst entscheiden. Ich finde das für einen Grundschüler wesentlich schwieriger, als nach einer festen Vorgabe Schreiben zu lernen. Sind vielleicht Lehrer unter meinen Lesern? Wie seht ihr das? Was ist so falsch daran, Kindern eine fließende Schrift beizubringen, bei der sie mit dem Stift kaum absetzen müssen und relativ zügig schreiben können?

Ich warte ja nur drauf, dass irgendwer sagt, das mit dem Einmaleins machen wir künftig mit dem Taschenrechner. Da haben’s die Kinder leichter.

4 Antworten auf „Schreibschrift, Grundschrift, Sauklaue?“

  1. a) Deine Schrift gefällt mir
    b) Ob jemand später in Druckschrift schreiben will, kann er doch später herzlich gerne allein entscheiden
    c) ich finde das erlernen von Schreibschrift wichtig und schön. In Schreibschrift drückt sich ein Charakter auch aus.

    1. a) Danke 😉
      b) genau so sehe ich das auch, warum soll man immer weniger lernen, nur weil das einfacher ist?
      c) Ich halte es auch für ein Kulturgut. Wir beklagen uns ja jetzt schon, dass die Jugend kaum noch Grammatik beherrscht. Wie soll das werden, wenn sie kaum noch von Hand schreiben kann?

  2. Wenn wir zukünftig in der Schule alles weglassen, was Anstrengung erfordert und „schlecht benotet“ werden kann, damit die Kids ja alle mit „everybody clap your hands and cheer“ durchkommen – was soll das.

    Niemand weiß im voraus, was er im Leben brauchen wird. Naturgemäß vergißt man vermutlich 90 % des Unterrichtsstoffes ziemlich schnell wieder, weil eben ungenutzt. Nur – wenn ich es nicht lerne und ausprobiere – woher soll ich wissen, wo meine Neigungen liegen könnten.

    Ich fand Chemie und Physik furchtbar (ebenso Latein), war stinkfaul in diesen Fächern und habe – verdientermaßen – auch schlechte Noten da gehabt.

    Aber hätte auch sein können, daß ich – wie eine Freundin – der Chemie-Superheld geworden wäre. (Die hat dann Molekularbiologie studiert).

    Nun kann ich leicht sagen: Die Zeit für Chemie und (vor allem!!!!) Latein hätte ich weitaus sinnvoller anders einsetzen können. (Was wäre mein Leben ohne die 5 in Latein im Zeugnis besser gewesen – wie friedlich wäre es daheim gewesen ohne die Motzerei meiner Eltern…..)

    Ich finde es wichtig, daß Schule einem ein breitgefächertes Spektrum an Wissen vermittelt – und es einem damit ermöglicht wird, die eigenen Interessen zu entdecken und dann zu vertiefen.

    Wenn nur noch der leichteste Weg gesucht wird – ich bin nicht dafür.

    1. Ich seh das genauso. Ich wäre oft froh gewesen, ich hätte Latein als Unterrichtsfach gehabt. Später bei Französisch oder Spanisch wäre mir das eine große Hilfe gewesen, selbst wenn man immer hört, Latein sei eine tote Sprache, die keiner mehr braucht. Ich war übrigens auch immer grottenschlecht in Chemie. Ich hab halt nicht geglaubt, dass ich das jemals wieder brauchen würde. Aber trotzdem gehört es zur Allgemeinbildung.

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