Die Freiheit der Verantwortung

Facebook ist ein schlimmer Zeitfresser. Manchmal verirre ich mich in Profilen und Gruppen und frage mich nach ein paar Minuten, wie ich nur dahin geraten bin. Aber manchmal stolpert man in den feeds anderer Leute auch über nette Dinge. Und manchmal sogar über Posts, die einen nachhaltig beeindrucken.

So las ich neulich bei einer Freundin ein Sprichwort, das wohl aus Polen kommt. (Wer’s besser weiß, immer raus damit.) Immer, wenn man sich bemüßigt fühle, die Situation zu retten, wenn man sich unwohl fühlt das Bedürfnis verspürt, irgendwie regulierend, ausgleichend eingreifen zu müssen, solle man sich stattdessen schlicht sagen: “Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.”

     

Ich habe geschmunzelt und weitergescrollt. Bis ich mich wenige Tage später in einer Situation wiederfand, in der ich genau das Gefühl hatte. Ich wollte Harmonie herstellen, mich einbringen und anstrengen, dass die schlechte Stimmung nicht eskaliert und es zum Streit kommt. Und genau da fiel mir dieses Zitat wieder ein. “Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.”

Ich tat also ganz genau – gar nichts. Ich zog mich zurück, hielt mich raus, fokussierte mich völlig auf mein Innenleben. Sorgte für mich. Hielt die schlechte Stimmung von mir ab. Fuhr die Schutzschilde hoch. Und siehe da – die Situation eskalierte nicht. Im Gegenteil. Weil ich mich konsequent weigerte, mich mit runterziehen zu lassen, verbesserte sich die Stimmung ganz von selbst wieder.

In diesem Zusammenhang ist mir eines bewusst geworden – ich kann nicht für das Glück anderer sorgen, ich bin mit mir selbst schon ausgelastet. Ich kann auch mein Kind nicht jeden Tag glücklich machen. Aber ich kann es durch mein Vorbild lehren, wie man von innen heraus einfach glücklich ist.

Diese Erkenntnis gärte ein paar Tage in mir. Es schien mir viel zu einfach, als dass ich da nicht hätte früher drauf kommen können. Aber seither hat sich vieles in meiner Haltung geändert. Ich bin nicht nur was meine Gefühle angeht mein ganz eigener Zirkusdirektor. Ich trage noch für viel mehr Verantwortung. Und während ich immer wieder auch von anderen Müttern höre “ich bin für alles alleine zuständig, an mir hängt der Haushalt, die Kinder rühren keinen Finger, ich muss mich um alles kümmern, mein Mann hält sich aus allem raus”, höre ich dabei vor allem – Verantwortung ist eine Belastung.

Es ist aber anders – wer für etwas verantwortlich ist, hat die Freiheit, es zu gestalten. Ich bin zum Beispiel für meinen Haushalt verantwortlich. Das heißt, ich führe ihn so, wie es mir gefällt. Ich dekoriere, ich koche, ich räume Schränke ein, um, auf, ganz allein wie es mir passt. Wenn ich der Meinung bin, dass wir das beste, köstlichste Frühstück mit frischem Obst und einem ausgedehnten Kaffee an einem Montagmorgen haben sollten, wer sollte mir vorschreiben, dass es so etwas nur sonntags gibt? Wenn ich der Meinung bin, dass ich jede Woche frische Blumen in allen Räumen verdient habe – dann kauf ich sie mir. Wobei eines wichtig ist: Diese Art von Freiheit ist eine Haltungssache und hat nichts mit finanziellen Mitteln zu tun. Es müssen keine Blumen vom Gärtner sein. Zurzeit explodiert die Natur, ein paar frische Zweige in hohe Gefäße verteilt kostet nur einen Spaziergang und ein bisschen Zeit.

Was wäre die Alternative? Wenn ich nicht ganz bewusst lebe, dann wird für mich gelebt. Der Wäscheberg wird überdimensional und erdrückt mich, am Ende wasche ich aus dem Zwang der leeren Schränke heraus. Es gibt zu essen, was eben noch da ist, weil ich nicht bewusst und mit Verstand eingekauft habe. (Oder noch schlimmer – das meiste verdirbt im Kühlschrank und muss weggeworfen werden.) Termine bekomme ich von außen aufs Auge gedrückt, ich gehe mit Menschen Kaffeetrinken, die mir nur von ihren Problemen erzählen und von mir hören wollen, dass ich alles gleich langweilig/anstrengend/belastend finde. Will ich das? Ganz sicher nicht. 

Stattdessen nehme ich die Verantwortung an und betrachte sie als großartige Möglichkeit, mich und meine Persönlichkeit auszuleben. Ich halte den Haushalt stets auf dem Laufenden (weil keiner im Dreck und im Chaos leben sollte, darunter erstickt auch die Lebensfreude), ich sage auch mal nein, wenn ich zu Treffen keine Lust habe. Und ich nehme meinen Alltag so in die Hand, dass er läuft, wie ICH es mir vorstelle.

Zur inneren Freiheit gehört übrigens auch, Entscheidungen für sich allein zu treffen. Und das ist so befreiend. Wenn draußen die Sonne vom Himmel knallt und alle, aber auch wirklich alle der Meinung sind, man müsse sich jetzt in den Garten setzen, gefälligst, ist mir das sowas von egal. Wenn mir der Sinn danach steht, meine Schränke auszumisten, dann mach ich das.

Ich habe noch nie so sehr das Gefühl gehabt, ich selbst zu sein, wie zur Zeit. Auch wenn der Spruch echt abgedroschen ist, es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und wenn es mir gut geht, sorge ich automatisch dafür, dass es meinem Umfeld gut geht. Sollte euch also in Zukunft etwas auf den Magen schlagen, überlegt erst, ob es Euch überhaupt tangiert. Und wenn nicht – nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Es funktioniert!

Die wunderschönen Bilder sind in Kirchheim unter Teck entstanden. Wer ein Faible für Fachwerk hat, sollte der Stadt unbedingt einen Besuch abstatten!

Und manchmal geht auch mir …

… die Puste aus.

Es war ein bisschen ruhig hier die letzten Tage, was definitiv an Leben 1.0 lag. Das Kind musste durch sämtliche Beurteilungen/Untersuchungen geschleust werden, die das Vorschulalter so mit sich bringt. (Auf einem Bein hüpfen, komische Fantasiewörter nachsprechen und richtig gucken können machen einen wohl schulfit.)

Ich hab am Wochenende gearbeitet und mit meiner Arbeit gehadert. Nicht mit meiner Arbeit generell, sondern mit dem, was nach über zehn Stunden dabei rauskam. Heute morgen war mein Fazit ein bisschen bitter – ich hätte mir meine Zeitung nicht abgekauft. Weil ich mich nicht so sehr für Hauptversammlungen fremder Vereine und noch weniger für Fasnet interessiere. Andere, bessere Planung könnte diese Nullnummer in punkto lesenswert vielleicht verbessern.

Womit ich noch hadere: Mit meinem Kalender. Die freien Wochenenden sind bis Mitte März so rar wie Sonnenblumen in der Antarktis. Geburtstage, Tagungen, Wochenenddienst, noch mehr Tagungen. Ich bin nicht so gerne im Funktions-Modus unterwegs. Lieber wäre mir, ich könnte über mich mal wieder frei verfügen. Das Frühjahr ist aber jedes Jahr so bei uns. Und es geht vorbei.

Jetzt habe ich aber noch was anderes für Euch – nämlich 20 neue Antworten auf 20 neue Fragen.

61. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?

Hm. Ich stelle es mir ganz gerne vor, aber so richtig überzeugt bin ich tief drinnen nicht.

62. Auf wen bist du böse?

Auf niemanden. Zumindest nicht dauerhaft. Hass ist ein Gefühl, das mir völlig fremd ist. Jemanden, den ich so wenig leiden kann, den beachte ich schlicht nicht.

63. Fährst du häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Nein

64. Was hat dir am meisten Kummer bereitet?

Alles was mein Kind betrifft, was nicht läuft, wie es soll. Wenn es um Hannah geht, kann ich die Rationalität selten aufrechterhalten.

65. Bist du das geworden, was du früher werden wolltest?

Ja. Ganz eindeutig ja.

66. Zu welcher Musik tanzt du am liebsten?

Egal, hauptsache es guckt keiner.

67. Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr?

An einem Geliebten? Gehört der zur Standard-Ausrüstung? Oder ist ein geliebter Mensch gemeint? Dann natürlich den ganzen Menschen, sonst würde ich ihn ja nicht lieben.

68. Was war deine größte Anschaffung?

Mein Cabrio.

69. Gibst du Menschen eine zweite Chance?

Schwierige Frage. Ich glaube schon. Je nachdem, was vorgefallen ist, bei manchen Dingen kann ich danach zwar wieder “normal” sein, aber manchmal bleibt einfach ein Riss.

70. Hast du viele Freunde?

Definiere viele. Ich habe keinen riesigen Freundeskreis. Die wahren Freunde kann ich an einer Hand abzählen. Reicht völlig.

71. Welches Wort bringt dich auf die Palme?

Da gibt’s eigentlich keins. Zur Zeit vielleicht die Kombination “ich will aber …”

72. Bist du schon jemals im Fernsehen gewesen?

Jawollja! Das war ne lustige Geschichte. Wir wohnen hier im Erdbebengebiet und ich habe meinen Kollegen vor zwei Jahren mal wohl als relativ Erste gesagt, dass die Erde bei uns gewackelt hat. Kurz danach rief der SWR an und fragte, ob ich Lust hätte, eine kurze Sequenz für die Landesschau zu drehen. Ich hatte noch nie so eine aufgeräumte und ordentliche Küche wie für diesen Dreh. Wir nennen es jetzt auch nicht mehr profan Küche, sondern SWR-Kochstudio. Übrigens fanden alle total witzig, dass ich das Frühstück simuliert habe und dabei Highheels anhatte. Als ob ich JEMALS etwas anderes beim Frühstück tragen würde. Ich bitte Euch.

73. Wann warst du zuletzt nervös?

Vorhin. Hannah hatte Schuleignungsuntersuchung. Und obwohl ich weiß, dass mein Kind das alles wunderbar meistert, sitze ich doch daneben und halte die Luft an.

74. Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause.

Das Schlichte und Aufgeräumte ohne viel Deko und ohne Farbenmischmasch. Ich mag immer mehr ruhige und klare Linien.

75. Wo informierst du dich über das Tagesgeschehen?

Als Redakteurin quasi überall. Twitter, Facebook, News-Seiten, Fernsehen, Internet allgemein. Was lokal passiert, weiß ich eh. Ich schreib ja drüber.

76. Welches Märchen magst du am liebsten?

Die meisten Märchen sind nicht besonders schön. Kinder werden ausgesetzt oder gefressen oder schlecht behandelt. Die Prinzessin auf der Erbse ist ganz niedlich.

77. Was für eine Art Humor hast du?

Oh. Einen trockenen angeblich. Ich kann auch über Nonsens lachen. Und vor allem über mich.

78. Wie oft treibst du Sport?

Ganz ehrlich – nie.

79. Hinterlässt du einen bleibenden Eindruck?

Wie soll ich das beurteilen. Ich hoffe es.

80. Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten?

Auf das Internet und auf Schokolade und auf Kaffee. Ok, das sind drei Dinge, aber denen hänge ich wirklich.

Mein Leben und ich: 20 Fragen von der Mülltrennung übers Weltall bis in mein Schlafzimmer!

Happy Saturday ihr Lieben, ich freue mich schon die ganze Woche darauf, endlich wieder 20 Antworten über mich selbst raushauen zu dürfen. Die Woche war streng getaktet, bis gestern Abend hatte ich sechs Abende in Folge Termine oder Einladungen. Wenn mich also heute jemand sucht – ich bin die, die den ganzen Abend mit Chips einem Obstteller vor der Glotze hockt und nichts tut.

Aber erstmal gibt’s ein paar Fakten für Euch:

1000 Fragen an dich selbst – #3

41. Trennst du deinen Müll?

Aber klar! Wir hier trennen in Biomüll, Restmüll, Papiermüll und füllen den gelben Sack. Am schnellsten voll ist grundsätzlich der Biomüll (das Leben als Vegetarier bringt viele Schalen mit sich!) und die Papierablage.

42. Warst du gut in der Schule?

Hm. In ganz jungen Jahren fand ich das mit dem Lernen so nebensächlich wichtig. Ich war nie schlecht und war nie besonders gut, immer so guter Durchschnitt. Dann hat mich zum Ende der Realschule der Ehrgeiz gepackt und habe zwei Jahre lang Preise eingeheimst.  Auf dem Gymnasium schließlich habe ich an mir selbst gezweifelt und trotzdem noch ganz passabel abgeschlossen. Die letzte schulische Ausbildung habe ich mit 24 begonnen und mit 26 als Jahrgangsbeste mit einem Schnitt von 1,1 beendet. Ich würde also sagen: Gut in manchen Schulen. 🙂

43. Wie lange stehst du normalerweise unter der Dusche?

Es ist ja ganz erstaunlich: Wenn ich daheim dusche, dann dauert das schon mal länger. Das heiße Wasser und der duftende Schaum und das heiße Wasser und meine müden Knochen und das heiße Wasser … you get it. Sind wir beim Campen und ich dusche mit Duschmünze, bin ich in zweieinhalb Minuten fertig. Und frage mich, was um alles in der Welt ich daheim so lange unter der Dusche mache, so lange = mehr als zehn Minuten.

44. Glaubst du, dass es außerirdisches Leben gibt?

Irgendwie liegt das außerhalb  meiner Vorstellungskraft. Ich finde den Gedanken aber ganz schön.

45. Um wieviel Uhr stehst du in der Regel auf?

Redaktionen sind klassische Spätberufe. Ich muss nicht um acht an meinem Schreibtisch sitzen, weil die Welt sich da erst ganz langsam zu drehen beginnt. Es reicht locker, wenn ich um zehn aufschlage. Das kommt mir insofern entgegen, als dass mein Kind ein Langschläfer ist und wir selten vor halb zehn im Kindergarten aufschlagen. Insofern klingelt mein Wecker zwischen sieben und halb acht, vor acht stehe ich aber selten auf. Wenn die Kleine in die Schule kommt, werden wir an dieser Schraube gewaltig drehen müssen.

46. Feierst du immer deinen Geburtstag?

Ja natürlich! Geburtstage sind ein schöner Grund, zu feiern. Alter ist schließlich keine Zahl, sondern eine Geisteshaltung!

47. Wie oft am Tag bist du auf Facebook?

Allein schon jobbedingt quasi nebenbei immer.

48. Welchen Raum in deiner Wohnung machst du am liebsten?

Machen im Sinn von aufräumen und putzen? Oder mögen? Mögen tu ich am liebsten mein Esszimmer. Und meine Küche. Und das Schlafzimmer. Ich mag meine ganze Wohnung.

49. Wann hast du zuletzt einen Hund (oder ein anderes Tier) gestreichelt?

Die Katze meiner Klavierlehrerin letzten Montag. Das spannendste Tier waren aber sicher die Rentiere in Norwegen.

50. Was kannst du richtig gut?

Schreiben. Schreiben ist wie Atmen für mich. Das ist definitiv mein Leben und meine Welt.

51. Wen hast du zum ersten Mal geküsst?

Zählen meine Eltern mit? 🙂

52. Welches Buch hat einen starken Eindruck bei dir hinterlassen?

Da gibt es sicher viele. Ich erinnere mich aber gut, dass ich “Die Wüstenblume” mit angehaltenem Atem gelesen habe und ich die Geschichte der Frau auch später noch verfolgt habe, weil sie mich sehr berührt hat.

53. Wie sieht für dich das ideale Brautkleid aus?

Weiß, glitzernd, oben schmal unten weit mit Tüll und Tamtam. So wie meins damals.  Aber irgendwie ist jede Braut hübsch.

54. Fürchtest du dich im Dunkeln?

Als Kind bin ich nur singend in den Keller gegangen. Ich habe mir eingebildet, die Monster würden mich dann nicht erschrecken. Heute bin ich mir nicht sicher, ob die Monster nicht mehr Angst vor meinem Gesang hatten als ich vor ihnen. Ich habe keine Angst im Dunkeln, im Gegenteil, ich finde Dunkelheit manchmal sehr beruhigend.

55. Welchen Schmuck trägst du täglich?

Meine Silberkette mit dem Liebe-Anhänger oder Roségold-Schmuck, den ich von meinem Mann bekommen habe.

56. Mögen Kinder dich?

Ich hoffe doch! Meins zumindest! Ich glaube, ich bin eine gute Mischung aus “Das geht so nicht”-Strenge und “Komm, wir machen’s nochmal”-Blödeltante.

57. Welche Filme schaust du lieber zu Hause auf dem Sofa als im Kino?

Alles, was mit Action zu tun hat. Da kann ich umschalten oder losschreien oder aus dem Zimmer rennen.

58. Wie mild bist du in deinem Urteil?

Das ist eine interessante Frage. Ich denke, ich kann durchaus nachsichtig sein. Ich berücksichtige die Gesamtumstände. Wenn mich jemand anblafft, wäge ich ab, in welcher Situation mein Gegenüber ist. Weiß ich, dass er gerade selbst unter Strom steht oder Sorgen hat, bin ich nicht eingeschnappt. Wenn ich allerdings ungerecht behandelt werde, wehre ich mich. Und wenn ich mit etwas absolut nicht einverstanden bin und das sichere Gespür habe, die Sache zwischen mir und der anderen Person wird nix mehr, dann bin ich sehr konsequent. Ich kann einen gewissen unguten Zustand lange tragen, aber wenn ich fertig bin, ist das endgültig.

59. Schläfst du in der Regel gut?

Ja. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mein Mann die Kleine nachts immer vor mir gehört hat. Wenn ich schlafe, könnte man mich gegen die Wand lehnen und ich würde es nicht merken.

60. Was ist deine neueste Entdeckung?

Rezepte von Jamie Oliver in diesem tollen Kochbuch.

Mind your own business – oder: Wie ich mit der Müttermafia zurecht komme

Lange Zeit dachte ich, die Müttermafia gibt’s nicht. Ein plakatives Schlagwort, eine Erfindung der Medien.

Und dann begegnete ich ihr. Kein Wunder, dass ich sie erst jetzt wahrnehme, da mein Kind schon fünf Jahre alt ist. Denn sie ist gut getarnt und unscheinbar, schreit nicht herum sondern bevorzugt den Flüsterton. Tuschelt hier und wispert dort. Streut hier ein paar Ungeheuerlichkeiten in die Runde, kratzt dort ein bisschen an der Stimmung. Sie agiert geschickt, denn oft sind ihre vergifteten Sticheleien zunächst als gute Ratschläge getarnt. “Bei UNS daheim ist das ja so und so …” (aka: Und genau so ist es richtig und Mama xy sollte sich eine Scheibe von meiner Lebensweisheit abschneiden.) Oder “ICH finde ja, dass Kinder um acht ins Bett gehören” (aka: Weil meine schon um sieben völlig fertig sind, weil sie schon seit halb fünf morgens durchs Haus fetzen) Ich habe also beschlossen, aufzuschreiben, wie ich mit derMüttermafia umgehe:

  1. Mind your own business. Wenn es um mein Kind geht, geht es um MEIN Kind. Habe ich Sorgen und Nöte wegen meines Kindes (was glücklicherweise höchst selten vorkommt), dann bespreche ich die mit meinem Kind, bzw. mit meinem Mann. Sind es medizinische Sorgen, bespreche ich sie mit dem Arzt. Möchte ich mir den Rat einer Frendin einholen, die ebenfalls Kinder hat, dann mach ich das. Aber ich konsultiere weder eine Ansammlung von Müttern (weil 3 Mütter = 5 Meinungen (alle allgemeingültig, dogmatisch, absolut richtig)) noch einen Erziehungsratgeber (kennt der Autor MEIN Kind?) noch das Internet. Und am allerwenigsten erwarte ich gute Tipps von außen, die mir ungefragt unter die Nase gerieben werden. Sobald ich spüre, dass mein Gegenüber die Augenbraue lupft, die Stimmlage auf “verwundert” stellt und Sätze mit “Oh” und “Ach echt” beginnt, bin ich raus. Keine Mutter hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und sollte davon ausgehen, dass andere Mamas auf ihre Beratung angewiesen ist. Es sei denn, man bittet um Rat. Und diese Fähigkeit, sich um sein Kind zu kümmern, traue ich jeder Mutter zu. Ich werde mich hüten, mich ungefragt ins Leben anderer Familien einzumischen und für andere zu sprechen. Überhaupt: Wer würde seinem Chef sagen, er müsste weniger rauchen/ sich wärmer anziehen/ gesünder essen? Warum bringt man denselben Respekt nicht jedem Mitmenschen gegenüber auf?
  2. Umgang mit Problemen. Probleme mit anderen muss man ansprechen dürfen. Und zwar sollte sich derjenige, der das Problem hat an genau den wenden, der das Problem verursacht oder direkt beheben kann. Es ist toll, dass wir in einem Land leben, in dem man sagen darf was einen bedrückt. Wenn ich finde, dass etwas schief läuft, adressiere ich meinen Kummer und zwar genau dorthin, wo sein Ursprung ist. Ich verbreite meinen Unmut weder im Internet noch per Rundmail und küble meinen Zorn schon gar nicht im Flüsterton irgendwo aus.
  3. Das Kind geht seinen Weg. So sehr ich verstehen kann, dass jede Mutter das Beste für ihr Kind will und sich um seinen Nachwuchs sorgt und kümmert – unsere Kinder haben ein Leben vor sich, in dem sie auf ihre eigenen Fähigkeiten angewiesen sein werden. Wir neigen manchmal dazu, unseren Kindern alle Steine aus dem Weg zu räumen, alle Gefahrenquellen zu eleminieren (fällt die Bäume, damit kein Kind beim Klettern runterfallen kann!) und mit unnötiger Weitsicht alles zu ebnen, was sich zwischen den Schritten unserer Kinder als Stolperstein erweisen könnte. Was wir dabei übersehen: Irgendwann gehen sie alleine und sind gewohnt, dass sich alles wie von Zauberhand regelt. Sie werden egozentrische junge Erwachsene, die erwarten, dass sich die Sonne um sie dreht. Sie sind unfähig, sich Dinge selbst zu erarbeiten, Probleme zu lösen und auch mal wieder aufzustehen. Das will ich nicht. Und deswegen lasse ich mein Kind mit einer gewissen Toleranz den Konflikt mit der besten Freundin austragen. (Natürlich hauen sie sich nicht die Köpfe ein, aber ich konsultiere keine anderen Mütter und erzähle, was wessen Kind heute ja wieder … you know.) Hat sie einen anstrengenden Tag, lasse ich ihr daheim die Ruhe, die sie braucht, ihr Gleichgewicht wieder herzustellen. Will sie eine Begebenheit erzählen, höre ich zu. Will sie mir nichts sagen, akzeptiere ich das. Denn: ich vertraue darauf, dass ich diejenige bin, die aus ihr eine gefestigte Persönlichkeit machen kann, in dem ich sie sich entwickeln lasse. Für das schleichende Gift der Müttermafia haben wir kein Ohr und keinen Platz.

 

Ich wünsche Euch einen guten Start in den Mittwoch! Und nicht vergessen: Lasst die Leute reden. Die kochen auch nur mit Wasser.

1000 Fragen! Heute gibt’s die ersten 40 Antworten über mich.

Als ich neulich mit einer Freundin über die Zeit vor Hannah plauderte, ist mir etwas bewusst geworden: Entweder ich werde tatsächlich vergesslich, oder die Zeit, die ich ohne Kind erlebt habe, verblasst zusehends. Die Geburt meiner Tochter war ein Lebenseinschnitt, der mein Dasein in eine Zeit davor und eine Zeit seither einteilt. Es ist nicht allein die Tatsache, dass ich früher samstagabends nicht um elf gähnend auf der Couch saß, aber auch. Ich weiß noch gut, wie ich in der Klinik kurz nach der Entbindung ein Gespräch mit meiner Zimmernachbarin hatte, die einen Tag vor mir ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte. Es war Samstagabend und sie sagte “Oh, heute kommt Wetten, dass?. Guckt ihr das auch immer?” Und ich sagte: “Bisher waren wir nie daheim am Samstagabend, sondern immer mit Freunden unterwegs.” Sie guckte kurz irritiert, dann lachte sie: “Stimmt, ich habe ganz vergessen, wie das mal war ohne Kinder.”

Also bin ich heute jemand anders als noch vor fünf Jahren. Aber Wer bin ICH eigentlich noch, seit ich Mutter bin? Genau diese Frage stellt sich Johanna vom Blog Pinkepank.

Diese und noch 1000 weitere. Und ich nehme die Idee gerne auf und beteilige mich an ihrer Sammlung. Weil ich erst ein bisschen später auf die tolle Aktion aufmerksam geworden bin, beantworte ich die ersten 40 Fragen auf einmal.

Ihr holt Euch also jetzt am besten eine Tasse Tee oder Kaffee, geht noch mal schnell aufs Klo und macht’s Euch gemütlich. Das dauert nämlich. Bereit?

Los geht’s!

1 Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?

Vermutlich gestern. Ich habe noch nie einen wildfremden Mann im Supermarkt angequatscht. Aber gestern stand ich relativ ratlos vor dem Regal mit den Putzmitteln. Ausgerechnet DER Badreiniger war zwar noch zweimal vorhanden, stand aber im obersten Regal ganz hinten. Meine 1,60m plus 9cm Absatz haben nicht ausgereicht. Und ich wollte ungern in das Regal klettern. Wer mich früher m Sportunterricht beobachtet hat, weiß, warum. Also habe ich mich mit Korb und Kind an der Hand auf die Suche nach einem Mitarbeiter gemacht. Kennt ihr das? Wenn ihr an ein Regal wollt, stehen da drei Verkäufer davor und räumen Ware ein. Wenn ihr einen Verkäufer sucht, sind die Gänge leer, als wäre ein atomarer Regen niedergegangen. Irgendwann fasste ich mir ein Herz und sprach den nächstbesten großen Mann an, der mir begegnete. Er war sehr hilfsbereit, bekam ein bisschen rote Wangen und überreichte mir den Badreiniger. Winwin, irgendwie.

2 Mit wem verstehst du dich am besten?

Am besten? Schwierig. Natürlich habe ich ein gutes Verhältnis zu meinem Mann. In den wesentlichen Lebensfragen ticken wir gleich, manchmal haben wir aber auch völlig unterschiedliche Ansichten. Dann gibt es noch meine weltallerbeste Freundin, zu der ich seit Jahrzehnten einen guten Draht habe. Außerdem habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Auch hier gilt: Wir sind uns im wesentlichen einig, auch wenn uns ein paar Ansichten trennen. Aber das Grundverständnis füreinander ist natürlich da.

3 Worauf verwendest du viel zu viel Zeit? 

Gute Frage. Vermutlich käme ich morgens 20 Minuten früher aus dem Bett, würde ich nicht erst das halbe Internet leerlesen. Viel zu viel Zeit würde ich das aber nicht nennen. Es ist viel Zeit. Aber ich bestimme darüber. Eigentlich verwende ich für nichts zu viel Zeit. Die Zeit, die ich aufbringe für Dinge, nehme ich mir ziemlich bewusst dafür und empfinde sie als richtig.

4 Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?

Über gute, die mich überraschen und die ich noch nie gehört habe. Ich lache auch gern über mich selbst.

5 Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst? 

Das kommt sehr darauf an, wer dabei ist und warum ich weinen muss. Wenn ich im Kino sitze und hemmungslos bei Pixar-Filmen in mein Taschentuch schneuze, dann ist mir das nicht peinlich. Im Grunde sind Tränen einfach ein Zeichen von Gefühl. Ein Ventil für eine Empfindung. Und während ich grade so darüber nachdenke, … nein, ich glaube, es gibt keine Situation, die mir richtig unangenehm wäre. Wenn ich vor Kollegen weinen müsste, würde es dafür einen Grund geben. Wenn ich im Streit weinen muss, gibt es dafür einen Grund. Selbst wenn es als Zeichen von Schwäche gewertet würde – so what? Das bin ich dann in dem Moment offenbar.

6 Woraus besteht dein Frühstück?

Ich versuchte lang ein gutes Vorbild für meine Tochter zu sein und mir das Essen am Morgen anzugewöhnen. Manchmal kann ich das mittlerweile, dann gibt es Birchermüsli mit frischem Obst oder Schokomüsli mit griechischem Joghurt oder sowas. Aber meistens bleibt es für mich beim Kaffee. Ich kann um zehn dann dafür schon ziemlich zulangen.

7 Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben? 

Meiner Tochter auf die Haare, grad vorhin.

8 In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter?

Da gibt es wohl ein paar. Wir sind beide absolut konsequent. Ein wohlüberlegtes Nein ist ein Nein, bleibt ein Nein, ist kein Vielleicht und kein Jein. Mittlerweile spüre ich immer mehr, dass mir ihr Minimalismus und ihre Ordnungsliebe auch in den Genen steckt. Und nicht zuletzt habe ich meine Schlagfertigkeit definitiv von Mama.

9 Was machst du morgens als erstes?

Das Internet leerlesen. Mails, Whatsapp, Facebook-Nachrichten checken.

10 Kannst du gut vorlesen? 

Meine Tochter findet, ja. Ich liebe es, den Bären Dr. Brumm mit tiefer Stimme und seinen Goldfisch Pottwal mit einer ganz piepsigen sprechen zu lassen.

11 Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt? 

Ich verstehe die Frage nicht. Wer zweifelt an der Existenz des Weihnachtsmanns?

12 Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen? 

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vermutlich, weil ich mit den kleinen Freuden des Alltags maximal glücklich bin und gar nicht so sehr an Materiellem hänge. Aber vielleicht irgendwann ein Paar Jimmy Choos. (Das sind Schuhe.)

13 Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? 

Ich glaube, mir fehlt keine. Ich könnte vielleicht manchmal etwas mehr Geduld aufbringen.

14 Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen? 

Auch schwer zu sagen. Das Einzige, worauf ich mich wirklich freue, ist der Münsteraner Tatort. Viele finden ihn extrem klamaukig und albern, ich mag das Ermittlerduo Thiel und Boerne einfach sehr gern. Ansonsten gucken wir sehr sporadisch und recht wahllos fern. Ah, ich mag die Fixer-Upper-Folgen, die ich mal zufällig auf sixx entdeckt habe. Könnte ich mir mal wieder angucken.

15 Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? 

Das ist geschätzt 15 Jahre her. Mein Mann und ich waren im Europapark. Ich erinnere mich nur noch daran, dass wir am Ende wie zwei ermattete Rentner mit der Milka-Bahn durchs Gelände getuckert sind. Irgendwie gibt mir das nichts.

16 Wie alt möchtest du gerne werden? 

So alt, dass ich zufrieden sagen kann – es ist gut jetzt.

17 An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück? 

An den letzten, weil er sehr eindrucksvoll war. Wir haben uns zwei Wochen lang in die Fjorde und durch die Sunde Norwegens schippern lassen. Bergen und Trondheim stehen seither auf der Wiederholungsliste. Außerdem habe ich da ein Rentier gestreichelt und das war wirklich eine sehr spezielle und schöne Erfahrung. Auch wenn es arschkalt war.

18 Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an? 

Ich bin da ein bisschen unbeholfen, weil ich noch nie in meinem Leben welchen hatte. Klingt zwar komisch, ist aber so. Die Jungs, die ich spannend fand, fanden mich doof. Die Jungs, die ich doof fand, fanden mich spannend. Bis ich mit 19 über meinen Mann stolperte, mich am ersten Abend verliebte und ihn zehn Jahre später heiratete. Ich habe nie Kummer gehabt wegen einem Mann.

19 Hättest du lieber einen anderen Namen? 

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe … in den Achtzigern war die zarte Nicole mit ihrer weißen Gitarre DAS deutsche Wunder. Und vermutlich heiße ich so, weil der Name damals modern war. Ich kann damit leben und finde Nicole sehr in Ordnung. Mit zweitem Namen heiße ich Jasmin, was mir fast besser gefällt, aber es ist eben wie es ist. Als Kind wollte ich übrigens Penelope oder Dorothee heißen. Ich bin heute über Nicole sehr glücklich.

20 Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?

Oh, schon öfter. Vor allem während meiner Ausbildung im Volontariat. Ich hatte ganz oft das Gefühl, ich bin zu doof für diesen Job. Wie sich das verändert hat, habe ich hier neulich erzählt.

21 Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?

Hier kann ich mit gutem Gewissen sagen – nein. Sagen wir so – wenn damit gemeint ist, ob es mir wichtig ist, was mein Chef von meiner Arbeit hält – dann natürlich schon. Ich würde mir wünschen, dass er mir die Dinge, mit denen er unzufrieden ist, erklärt. Und nicht einfach denkt – “meine Güte, die hat das auch nicht im Griff.” Auch wenn ich aus dem Haus gehe und mein Mann findet, dass mein Rock zu kurz ist – der darf mir das zumindest sagen. Soll er sogar. Aber wenn mit “andere” wirklich Außenstehende gemeint sind – dann nein. Es ist mir völlig wurscht, was die Nachbarn, andere Eltern, die Frau hinter der Tanstellenkasse von mir denken. Umgekehrt – warum sollte mich das interessieren? Sie leben nicht mein Leben, sie sind nicht ich, sie wohnen nicht hier. Es gibt kaum etwas, was mich so wenig beeindruckt, wie ihre Gedanken über mich.

22  Welche Tageszeit magst du am liebsten? 

Ich lebe furchtbar gerne. Morgens, mittags, abends. Ich mag den Vormittag, weil ich da (wenn ich mal den ersten Kaffee intus habe) frisch und voller Tatendrang bin. Weil ich gleich viel erledigen kann, Wäsche machen, einkaufen oder zur Arbeit gehen.  Ich mag die Mittagszeit, weil es etwas zu Essen gibt (und ich schon mal eine Art Zwischenbilanz des Tages ziehen kann) und ich mag den Abend, wenn wir alle hier zur Ruhe kommen, den Münsteraner Tatort gucken und einen Teller Obst veputzen. Wenn der Ofen bollert und wir uns Kerzen anzünden und mit Hannah eine Runde “die verrückte Wettermaschine” spielen. Eigentlich habe ich keine Lieblingstageszeit.

23 Kannst du gut kochen? 

Wartet, ich frage mal.

Mein Mann sagt, ja. Vermutlich traut er sich nichts anderes zu sagen. Aber vielleicht kriege ich es wirklich ganz gut hin. Ich hab ja nen Thermomix und wie wir alle wissen, ist das ein unnötiges und überteuertes Gerät, das nur Frauen benutzen, die nicht kochen können. *Ironie off*

Über Ernährung habe ich schon ganz viel geschrieben und ich freue mich immer wieder, dass ihr meine Rezepte ausprobiert und genauso mögt wie ich. Insofern kann die breite Masse nicht gaaaanz daneben liegen, ne? Und der beste Indikator ist immer noch mein Kind, das neulich sagte: “Mamas Essen ist das allerbeste auf der ganzen Welt.” Noch Fragen?

24  Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten?

Ganz eindeutig der Frühling. Ich mag den Winter nicht, weil ich mit Schnee und Kälte nichts anfangen kann. Mit extremer Hitze übrigens auch nicht, ab 30 Grad funktioniere ich nur noch auf Sparflamme und möchte den ganzen Tag jammernd im Keller sitzen. Und der Herbst hat zwar schöne Seiten, aber oft auch etwas Melancholisches. Im Frühling hingegen erwacht die Natur, alles wird neu und frisch und grün. Gibt es etwas Schöneres?


25  Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht? 

Letztes Jahr im Februar. Da hatte ich Magen-Darm-Grippe und lag den gesamten Tag im Bett. Außer Spucken und Leiden war nichts drin. Aber sonst erinnere ich mich an keinen Tag, an dem ich überhaupt nichts gemacht habe. Das entspricht auch überhaupt nicht meinem Naturell, ich liebe es, produktiv zu sein. Und wenn ich mal wirklich Urlaub habe, dann vertiefe ich mich in Kardamom und Kümmel.

26  Warst du ein glückliches Kind? 

Wieso warst? 🙂 Ich bin’s noch immer. Spaß beiseite, ich war ein glückliches Kind. Ich hatte immer alles, was ich brauchte. Ich hatte Eltern, die mir zwar nicht alles kaufen konnten

oder wollten, aber die mich liebevoll zur Selbstständigkeit erzogen haben, die meine musische und kreative Neigung erkannt und gefördert haben und mich in meiner Jugendzeit auf meinen ersten Schritten in Richtung Journalismus unterstützt haben. (Lieber Papa, Du hast mich an vielen Wochenenden zu Kirchenkonzerten und zu Kinderartikelbörsen gefahren und begleitet, dafür bin ich dir noch heute dankbar.)

27 Kaufst du oft Blumen?

Oh ja. Ich habe einen ausgeprägten schwarzen Daumen. Alle Topfpflanzen, die in unserer Wohnung überleben, tun dies dank meines Mannes. Ich bin froh, dass mein Kind sprechen kann und mir mitteilt, wann es Hunger und Durst hat, sonst … hm.

Deswegen kaufe ich mit großer Begeisterung Schnittblumen. Die wirft man nach einer Woche ohne schlechtes Gewissen in die Biotonne. Weiße Blumen aller Art sind hier eigentlich immer. Zur Zeit Tulpen, eine Vase mit sich langsam öffnenden Kirschblütenzweigen und eine weiße Amaryllis. Absoluter Blumenfavorit: Weiße Rosen. Schon immer.

28 Welchen Traum hast du?

Ich habe darauf auch nach längerem Grübeln keine Antwort. Die Frage ist so groß und allgemein, dass ich nichts konkretes damit anfangen kann. Wenn ich mir etwas sehnlichst Wünsche, dann setze ich es um. So bin ich in meinem Traumberuf gelandet und habe mir ein Klavier zugelegt. Einen Traum, der unerreichbar ist, habe ich nicht.

29  In wievielen Wohnungen hast du schon gewohnt?

Elternhaus mitgerechnet in vieren. Ein kurzer Abstecher hat mich nach Neu-Ulm verschlagen, zwei Jahre wohnte ich in einer Jugendstilvilla in Riedlingen, vor 15 Jahren bin ich mit meinem Mann zusammengezogen.

30  Welches Laster hast du?

Schuhe, sagt mein Mann. Was sind schon 75 Paar, sage ich.

31  Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Ich lese es noch: Die Macht der Gewohnheit. Es ist großartig und spannend und erklärt mir viel über mich selbst.

32 Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

In den Neunzigern fand ich die Sängerin von Roxette bildhübsch. Sie hatte hellblonde, wilde, kurze Haare. Ich hatte mausbraune lange. Als ich mich zu einem Kurzhaarschnitt hinreißen ließ, wurde daraus ein ziemlicher Topfschnitt und ich ähnelte der Sängerin von Roxette in etwa so sehr wie Mireille Matthieu in brünett. Heute sind meine Haare sehr hellblond und kurz und wenn ich will, style ich sie wie die Sängern von Roxette damals. Ich habe die Frisur also deshalb, weil sie zu mir gehört. Weil ich schon vor 20 Jahren wusste, dass ich das bin. Dabei habe ich übrigens gerne und viele Umwege eingeschlagen. Ich hatte Haare bis zum Hintern, ich trug sie schwarz, rot, pink und grün. (Nacheinander) Ich hatte brünette Dauerwellen und eine schwarzen Beinahe-Iro. Es sind nur Haare.

33 Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig?

Ja und nein. Habe ich es griffbereit, werfe ich tatsächlich oft einen Blick darauf. Die Macht der Gewohnheit! Ist es im Nebenraum oder ausgeschaltet, ist das für mich aber auch in Ordnung. Eigentlich genieße ich dann sogar die völlige Freiheit. Ist das ein Zeichen von Abhängigkeit oder einfach Zeitgeist?

34 Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto?

Es ist ok. Luft nach oben ist immer.

35  In welchen Laden gehst du gern?

Ich liebe Buchläden. In keiner Stadt komme ich an einem Buchladen vorbei. Allein schon wegen des Geruchs nach Papier und Teppichboden. Genauso liebe ich zwei kleine Cafés hier in meiner Heimatstadt. In beiden gibt es neben Kaffee und Kuchen auch Tees zu kaufen, Schokoladen, Porzellan und wunderbare Kleinigkeiten.

36 Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe?

Ohgott. Wenn das jemand liest. (haha). Ich bestelle tatsächlich zum Essen gerne Wasser. Und wenn wir abends sonst unterwegs bin eigentlich grundsätzlich alkoholfreie Sachen (die ganze Bandbreite von Saftschorle bis zum Heißgetränk). Hin und wieder aber auch einen Cocktail oder einen Hugo. Hat übrigens nichts mit Askese zu tun: Ich mag zum Beispiel überhaupt kein Bier.

37   Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? 

Immer wenn es Zeiiit wär zu gehn, verpass ich den Moment und bliebe stehn … nö, ich glaub, ich geh keinem auf den Wecker und gehe immer dann, wenn es Zeit ist.

38  Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit?

Schreiben oder Bloggen.

39  Willst du immer gewinnen?

Liebe Oma im Himmel, erinnerst Du Dich noch an unsere Nachmittag mit dem Mühlebrett? Wenn ich verloren habe, habe ich vor Wut das Spielbrett vom Tisch geworfen. Wenn ich gemerkt habe, dass Du mich gewinnen lässt, auch. Insofern – ich gewinne schon gerne, aber seit ich ein Kind habe, predige ich auch, dass man verlieren können muss. Es ist doch nur ein Spiel.

40  Gehst du in die Kirche?

Wenn damit gemeint ist, ob ich regelmäßig sonntags in den Gottesdienst gehe – nein. Aber auch hier: Ich komme an kaum einer Kirche vorbei, ohne hineinzugehen. Ich genieße die Ruhe, die Stille, das Sakrale dieses Ortes und kann darin gut mir selbst zuhören.

 

Hat irgendjemand bis hierhin durchgehalten? Ja? Wer Lust hat mitzumachen, findet die Fragen auf Johannas Blog. Auch die nächsten 20 stehen schon bereit, mit denen lasse ich mir jetzt ein bisschen Zeit.

Nochmals ein dickes Dankeschön für diese tolle Aktion!

Jetzt gehe ich mal lesen ….

Warum ich jetzt offiziell eine alte Frau bin. Und woher meine Currylunge kommt.

Ich bin jetzt eine alte Frau. Gestern wurde ich von einer Verkäuferin in einem Fachgeschäft für Hausrat in den Stand der nicht-mehr-jungen-Frauen aufgenommen. Allein die Tatsache, dass ich Fachgeschäfte für Hausrat aufsuche, sagt ja eigentlich schon alles.

Aber lasst mich einen kurzen Abstecher zum Donnerstag machen. Am Donnerstag habe ich mich mit meinem Mann auf den Weg ins Designer-Outlet nach Metzingen gemacht. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich mit dem Pradatäschchen am Handgelenk einen Latte Macchiato auf einer Piazza schlürfen in der Wintersonne. Zwischen einer kurzen Stipvisite bei Jimmy Choo und Gucci. Eine raffiniert geschnittene weiße Bluse hatte ich gesucht. Und ein dunkles Oberteil.

Was ich aber nach drei Stunden kaufte, war ein Kleid von Vero Moda für 18 Euro, drei Gemüsemesser und zwei Bratpfannen. Ich bin kein Fashion-Victim, ich bin ein Silit-Suchti. Großes Kino. Während andere auf dem Heimweg also verliebt über Glattlederstiefel streicheln, streichelte ich hingerissen über die Anti-Haft-Beschichtung meiner beiden Pfannen. Schon da hatte ich den Eindruck, dass früher irgendwie mehr Lametta war.

Gestern aber wurde dieser Eindruck ein für alle mal unwiderbringlich in meinem Bewusstsein festzementiert. Als ich das Gewürzschränkchen neben dem Herd öffnete, war ich plötzlich unfassbar genervt von dem Kuddelmuddel aus Döschen und Tütchen. Und weil ich erst neulich noch behauptet hatte, die kleinen Dinge des Lebens schätzen zu wollen und mir den Alltag schön zu machen – practise what you preach – bin ich also losgezogen, um ein Gewürzregal zu kaufen. (Ein Vorher-Bild kann ich Euch unmöglich zeigen. Der Aufwand, den Blog in Dailymess umzubenennen ist mir zu groß. Aber vertraut mir einfach – es war absolut notwendig! Wer mir auf instagram folgt, kann trotzdem kurz gucken!)

Ich hatte mir das alles sehr einfach vorgestellt. Laden, Regal, Dosen, Kasse, heim, einräumen, fertig. Bis ich im Möbelgeschäft und dort einer ratlosen Verkäuferin gegenüber stand, die mir erklärte, dass kein Mensch heutzutage mehr Gewürzregale benutze. (Ich, der Dinosaurier, merkt ihr?) Derart eingeschüchtert kaufte ich also nach langem Überlegen zwei verchromte Gestelle mit je sechs Glasbehältern darin.

Als ich sie daheim auspackte, war die Enttäuschung groß: Das Attribut verchromt traf allenfalls auf das klapprige Gestell zu. Die Deckel der Dosen, die auf dem Bild silbern geglänzt hatten, waren aus billigem Kunststoff, dessen silberner Bezug verkratzt und dreckig war. Das Glas der Streuer war zum Teil trüb und innen rau. In meiner Küche will ich sowas nicht. Also packte ich die Streuer wieder ein und brachte sie ins Geschäft zurück, das ich mit einer Gutschrift und zwei großen Vorratsdosen verließ. Im zweiten Laden fand ich zwar hübsche Döschen, aber kein Gewürzregal. Weil heutzutage … ihr ahnt es.

Im dritten Geschäft dann die Erleichterung: Die Verkäuferin drehte sich beim Hören meiner Anfrage nickend auf dem Absatz um und bedeutete mir, ihr zu folgen. Es gab Gewürzregale. Sogar zwei zur Auswahl. Aber keine Dosen, beziehungsweise nur sechs Stück. Ich kaufte dennoch glücklich das kleine Regal. Und jetzt kommt’s: An der Kasse erzählte ich ein wenig von der Odyssee und der Suche nach diesem Regal. Darauf sagte die Verkäuferin WÖRTLICH: “Die jungen Frauen brauchen sowas nicht mehr. Die kochen alle mit Maggifix.” ICH BIN ALSO OFFIZIELL RAUS AUS DER RIEGE DER JUNGEN FRAUEN! Sagt das Fachgeschäft für Hausrat! 

Ich machte mich auf den Weg zurück zu Geschäft 2. Dort kaufte ich alle verfügbaren Dosen. Das waren vier, aber sie waren hübscher als die sechs von Geschäft 3. 30 weitere sollten nächste Woche eintreffen.

Ich fuhr nach Hause und begann die ersten vier Gewürze umzufüllen. Dann machte ich mir mitten im Chaos (sind Ärzte unter meinen Lesern? Gibt es eine Currylunge?) einen Kaffee und ließ das Durcheinander auf mich wirken. Und plötzlich hatte ich einen Geistesblitz. Die kleinen Dosen aus Geschäft 2 sahen völlig identisch aus, wie die beiden Vorratsdosen aus Geschäft 1, nur eben kleiner. Ich hatte dort auch kleine Dosen gesehen. Und die Gutschrift. Also  fuhr ich ein drittes Mal in Geschäft 1, grüßte die Verkäuferinnen, als wären wir alte Bekannte und lud mir die Arme voll mit zwei großen und neun kleinen Dosen. Ich habe offiziell den örtlichen Einzelhandel leergekauft, ein Geschäft dreimal, eines zweimal und eines einmal besucht, mindestens 30 Kilometer dafür verfahren, sechs Stunden für die Mission Gewürzregal gebraucht und erfahren, dass ich alt bin. Und das alles an einem einzigen Freitagnachmittag.

Und so sieht es schließlich installiert aus (nachdem der beste Mann noch in den Baumarkt gefahren ist, weil in unserem Sortiment aus 395764839 Fantastilliarden Schrauben natürlich die passenden nicht enthalten waren.).

Und jetzt alle so: Wooooow!

Übrigens behauptet eben jener Mann, er hätte schon beim Kauf der Küche zu einem solchen Gewürzregal geraten, was ich mit abgelehnt hätte mit der Begründung, so ein altmodisches Zeug käme mir nicht in die Küche. ICH BIN ALSO DEFINITIV ALT!

Um wenigstens dem geistigen Verfall ein bisschen Einhalt zu gebieten, habe ich die Dosen übrigens nicht beschriftet. Ich merke mir einfach, welches Gewürz wo drin ist. Im Alter wird ja auch der Geschmackssinn schlechter. Was soll jetzt noch schief gehen.

Warum 2018 mein Jahr wird. Und 2019. Und 2020 …

Ich bin wieder da! Das Blog und ich haben uns eine kleine Auszeit gegönnt. Eigentlich wollte ich pünktlich zum neuen Jahr wieder loslegen, aber ich hab ein bisschen Luft gebraucht. Jahreswechsel sind ja schließlich prädestiniert dafür, sich zu sortieren, neu aufzustellen und die Richtung zu justieren. Dazu später noch mehr.

Ich habe zwischen den Jahren und in der Woche nach Silvester gearbeitet, abgesehen davon hatte ich aber auch einfach kein Bedürfnis, mich daheim an den Rechner zu setzen. Es hat mich viel mehr auf die Couch gezogen mit einem der besten Weihnachtsgeschenke überhaupt: Ich habe von meinem Mann die komplette Sammlung von “Mit Schirm, Charme und Melone” bekommen und mich absolut in die Sechziger verkrümelt. Miss Peel und ich sind ganz dicke.

Das aber eigentlich noch viel bessere Weihnachtsgeschenk war eine Überraschung. (Ich sagte ja, ich habe völlig vergessen, was ich mir so gewünscht habe das Jahr über…) Nämlich: Das Buch “Die Macht der Gewohnheit – warum wir tun, was wir tun” von Charles Duhigg.

Ich hatte erst die Befürchtung, es sei eine trockene, wissenschaftliche Erklärung der menschlichen Psyche. Aber weit gefehlt. Der Autor lässt keine Längen aufkommen, in dem er immer wieder spannende Fälle aus der Praxis schildert. Und ich habe beim Lesen einen Aha-Moment nach dem anderen. Als hätte ich beim Schreiben dieses Posts geahnt, dass ich mich mit dem Thema Disziplin noch weiter auseinandersetzen werde.

Denn Disziplin, das habe ich jetzt gelernt, ist keine angeborene Haltung, sondern eine Gewohnheit, die man sich antrainieren kann. Überhaupt – man kann sich recht viel Gutes angewöhnen. Das Gehirn schafft Strukturen, die einem Auslösereiz eine Tat folgen lassen, die uns das Gefühl der Belohnung verschafft. Diese Strukturen sind, einmal angelegt, kaum mehr abzulegen. Aber sie lassen sich anders füllen. Wer versteht, warum er zur Zigarette greift (kurze Pause, soziale Kontakte, Ablenkung) kann sich das zunutze machen und eine Ersatztätigkeit einbauen, die dieselbe Wirkung hat. Ein Stück Obst, 5 Minuten Augen schließen, etc.

Auch Selbstbeherrschung kann man trainieren, wie einen Muskel. Wer es gewohnt ist, viel auf die Reihe zu kriegen, zahlreiche Aufgaben pro Tag abzuhaken, entwickelt sinnvolle Routinen und lässt nicht locker, ehe er alles geschafft hat, weil am Ende die Belohnung – ein gutes Gefühl – wartet. Wer es gewohnt ist, in den Tag hinein zu leben, sich  nicht um Dinge zu kümmern, bis es zu spät ist – wird auch mit dieser Gewohnheit leben, wenn er sie nicht willentlich ändert und durch eine bessere ersetzt.

Das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht und genau aus diesem Grund, aus dem Gefühl heraus, oft zu funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk, habe ich zwei Wochen Abstand zum PC gesucht. Ich halte eigentlich nichts von guten Vorsätzen, ich halte aber viel davon, in sich hineinzuhören und seinem inneren Kompass Gehör zu schenken. Wenn das dann über Silvester passiert – dann ist das eben so.

Beim Nachdenken ist mir klar geworden, was ich für 2018 will – meine Richtung selbst bestimmen. Meine Entscheidungen noch weniger von außen abhängig zu machen, dem Bedürfnis, mich zu rechtfertigen, noch besser zu widerstehen. Beispiel gefällig? Gestern war ich Einkaufen und wollte schnell etwas fürs Mittagessen besorgen. Ich hatte weder Körbchen noch einen Wagen mitgenommen, aber die paar Kleinigkeiten – Fisch, Gemüse, Pasta – würde ich gut tragen können. Dachte ich. Bis ich die weißen Tulpen und die Büschel frischer Frühlingsäste sah und mir den Arm damit vollpackte. Meine Kapazität reichte immerhin noch für eine Packung Backfischstäbchen. An der Kasse scherzte ich mit der Kassiererin, dass es heute wohl Tulpensalat gebe. Und als ich ihr dann erklärte, dass ich grundsätzlich eher in schön als in praktisch denke, räusperte sich die ältere Dame hinter mir. Ich sah ihrem Ausdruck an, dass ihr Verständnis für junge Frauen, die Blumen statt Brokkoli kaufen, die ihrem Mann kein Schnitzel auf dem Teller sondern Knospen an Zweigen präsentieren, irgendwo im Negativbereich pendelte. (Bevor ihr Euch Sorgen macht – ich hatte noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank und im Tiefkühler und Hannah seufzte zwischen zwei Gabeln dass “Mamas Essen das allerbeste auf der ganzen Weeelt” ist. Nimm das, fremde Oma.)

Ich habe außerdem beschlossen, mich von Dingen zu trennen, die mir keine Freude machen und mich nutzlos beschäftigen. Eigens dafür habe ich eine Flohmarktkiste angelegt, denn auf der Bucket List fürs neue Jahr steht ein Flohmarktbesuch. Bei einer Blitzumfrage im Freundeskreis habe ich übrigens rausgefunden, dass jeder, wirklich jeder etwas zur Flohmarktkiste beisteuern kann. Ich denke, das wir mal eine ganz vergnügliche Sache und ich werde nicht alleine dabei sein. 🙂

Während ich mich also von unnötigem Gedöns verabschieden möchte, soll das keineswegs einer Askese ähneln. Ich habe ein paar Dinge auf einer Wunschliste notiert, die ich mir das ganze Jahr über zulegen möchte. Schön Stück für Stück, wertschätzend. Meine erste Amtshandlung am Neujahrsmorgen  – darauf kommt ihr nie – war eine Bestellung im Internet. Wer hat wohl demnächst die weltschönsten Geschirrtücher, naaaa, weeeer? 🙂

Genau das bin ich. Ich liebe es, Dinge schön zu machen. Auch die unbeachteten Dinge zu schätzen. Natürlich könnten wir auch ohne weiße Amaryllis leben. Natürlich könnte ich auch mit den alten Geschirrtüchern leben.  Aber lohnt sich Pragmatismus wirklich immer? Natürlich könnte ich mir ein Paar Sneakers kaufen und sie täglich tragen. Ich müsste keine Schuhe wegen ruinierter Absätze zum Schuhmacher tragen. Aber will ich das? Natürlich könnte ich mich in Funktionskleidung hüllen, müsste nicht so oft bügeln und schon gar nicht frieren oder schwitzen. Aber bin ich das? Wenn ich mir etwas vorgenommen habe für 2018, dann genau das: Jeden Tag noch ein bisschen besser hinzuhören, wer ich bin. Was die Stimme in mir will. Ich will meine Persönlichkeit noch ein bisschen besser auskosten, ans Licht holen und einfach ich selbst sein. In Blüschen, auf hohen Hacken und mit frischen Blumen auf dem Tisch.

Und ihr so? Vorsätze?

 

Weihnachten ist in Dir!

Ich war heute Nachmittag in England. Genauer – in der Downtown Abbey. Seriensüchtige wissen vermutlich wovon ich rede . (Ich kannte die Serie davor nur sporadisch, fand allerdings Gefallen daran und freute mich, durch Zufall heute eine halbe Staffel am Stück gucken zu könne.) Und ich habe tatsächlich den gesamten Nachmittag nichts anderes getan. Konsequenz ist quasi mein zweiter Vorname.

Einzige Unterbrechung meines Herumhängens war eine schnelle Bastelaktion mit Fimo: Ich habe, weil meine Weihnachtsanhänger aus Fimo so gut ankamen, zartgraue Sterne ausgestochen und sie mit guten Wünschen fürs neue Jahr beschriftet. An Silvester werden sie schlichter Teil der Tischdeko sein und für unsere Gäste eine kleine Aufmerksamkeit.

So geht’s:

Ihr braucht dazu Fimo-Soft in delphingrau, einen Sternausstecher (am besten gehen die aus Metall), Backpapier und einen Ofen. Ich habe das Fimo in sechs gleichgroße Teile geteilt, auf Backpapier flach ausgewellt, Sterne ausgestochen, ein Loch für die Schleife hinein gemacht und sie bei 110 Grad 30 Minuten gebacken.

Dabei ist mir etwas ganz bewusst geworden – es sind nicht die großen Dinge, die wirklich Freude machen. (Natürlich würde ich mich über einen Porsche oder ein Schwimmbad im Keller auch freuen, just saying) Aber es ist der Gedanke des Schenkens, die Idee, die Freude macht. Wir alle wissen das, aber viele handeln insgeheim dennoch anders.

Gestern ist mein Papa 70 geworden. Ich habe ihm etwas geschenkt, worüber er sich sehr, sehr gefreut hat. Er hat sogar extra gestern Abend nochmal am Telefon gesagt, dass die Idee wirklich toll war. Was es war? Neun Fotos. Ich habe unser Stadtarchiv konsultiert und ein altes Bauwerk heraussuchen lassen, das mein Papa nachbauen möchte. Ich habe die Originalbilder abfotografiert und die Fotos erneut drucken lassen. Kostenpunkt: 2,43 Euro. Freude: Riesig.

Und eigentlich geht es genau darum auch an Weihnachten. Beieinander sein, bewusst Zeit füreinander zu haben, sich eine Freude zu machen, die nichts mit dem tatsächlichen Wert des Verschenkten zu tun hat. Ich freue mich sehr auf Heilig Abend, denn sowohl meine Eltern als auch meine Schwiegereltern versammeln sich mit uns um einen Tisch. Es wird laut und lustig, wir singen und ich spiele Klavier. Zu essen gibt es kein Festmahl – wir essen das ganze Jahr gut. Im Gegenteil: Es geht bescheiden zu bei Würstchen und Kartoffelsalat. Und wisst ihr was? Niemandem hier ist es wichtig, dass sich das ominöse Weihnachtsgefühl einstellt. Jegliche Erwartungshaltung sorgt eigentlich nur dafür, dass am Ende des Abends ein schales Gefühl zurückbleibt. Ich freue mich einfach auf meine Lieben. Die Geschenke sind nettes Zubehör, aber sie machen Weihnachten nicht aus. Und ich mache mein Lebensglück ganz bestimmt nicht abhängig vom Inhalt eines Weihnachtspäckchens oder Ausnahme-Glücksseeligkeit.

Und eigentlich liegt in dieser Nicht-Erwartungshaltung mein Schlüssel zum persönlichen Glück und zu meiner tiefen Zufriednheit: Ich erwarte nämlich grundsätzlich einfach gar nichts, nicht nur an Weihnachten. Um so größer ist meine Freude, wenn mir etwas Nettes wiederfährt.

Euch wünsche ich jetzt das Fest, das Ihr Euch wünscht. Genießt den Abend mit Euren Familien oder – wenn Euch das lieber ist – ganz mit Euch selbst.

Das Blog macht eine kleine Weihnachtspause. Bis bald!

Warum ich mein Pensum im Griff habe und nicht andersrum – Motivation ist eine Haltungsfrage!

“Wie machst du das eigentlich alles?”, fragte mich neulich eine Freundin mit ungläubigem Blick, als wir uns gegenseitig aus unserem Leben erzählten (Frauentagebuchgeplauder, Kinder, Küche, Hausarbeit, Arbeit, wer wann was mit wem, you know). Ich stutzte und dachte kurz nach. Dann sagte ich ihr: “Ich denke nicht, ich mache halt. Und zwar aus Prinzip gerne.” Dank meiner eigenen Motivation.

Die Antwort kam aus dem Bauch heraus und war absolut ehrlich. Aber sie hat mich selbst ein bisschen verblüfft. Denn tatsächlich liebe ich nichts mehr als Produktivität. Am liebsten sinke ich abends in die Kissen mit dem guten Gefühl, den Tag ausgekostet zu haben und Dinge erledigt, geschafft, erschaffen, gewuppt zu haben. Die Königsdisziplin dabei ist: Sich nicht stressen zu lassen. Auch das gelingt mir immer besser.

Ich habe daher beschlossen, das alles mal aufzuschreiben, vielleicht kann ja jemand da draußen einen Nutzen für sich draus ziehen.

1. Zeit sinnvoll nutzen und den Überblick behalten

Grundlage meines Tuns ist eine absolut realistische Zeitplanung. Ich weiß recht genau, wieviel Zeit ich für welches Projekt einplanen muss. Oft sind meine Tage ziemliche Punktlandungen, manchmal gelingt es mir aber auch, Puffer richtig einzuschätzen. An drei Tagen der Woche arbeite ich komplett. Diese Tage sind nur schwer kalkulierbar und ich nehme mir für die Abende nichts weiter vor, weil es grundsätzlich sieben wird, bis ich zu Hause bin, manchmal sitze ich aber auch bis 23 Uhr in der Redaktion, je nachdem, wieviel Abendtermine in der Woche anstehen und wie lange sie dauern.

Wenn ich einigermaßen früh daheim bin, erledige ich Wäsche. Nichts schreckt mich so sehr, wie ein überquellender Waschkorb. Deswegen nehme ich mir an solchen Tagen abends 10 bis 20 Minuten Zeit um eine Waschmaschine zu befüllen und anzustellen, auszuräumen, aufzuhängen, den Trockner auszuräumen etc. Da ich nicht selbst bügle, besteht die einzige logistische Herausforderung darin, die Bügelwäsche rechtzeitig aus dem Haus zu bringen und sie wieder abzuholen. Da ich aber täglich mit dem Auto unterwegs bin, erledige ich das quasi unterwegs. Genauso nebenbei gucke ich täglich mindestens zweimal in den Kühlschrank. Ich habe also ungefähr im Blick, wovon wir noch genug haben und was zur Neige geht. Ich erzähle unserer Alexa vom Notstand im Kühlschrank und sie notiert das brav. Ich könnte aber genau so gut einen Zettel vollschreiben. Wenn ich nach der Arbeit dazu komme, gehe ich Dienstags, Mittwochs oder Donnerstags einkaufen. Wenn nicht, nehme ich es mir für meine beiden freien Tage vor.

2.  Das große Ganze sehen

Ob freier Tag oder Arbeitstag – wer viel auf die Reihe bekommen möchte, muss in erster Linie wollen. Dabei hilft mir (und ich bin erst im Zuge des Grübelns nach dem Gespräch drauf gekommen, ich mache das quasi automatisch) in Bildern zu denken. Ich kenne nur wenige Frauen, die gerne putzen. Auch ich bin nicht unbedingt scharf darauf, an meinen beiden freien Tagen den Putzlappen zu schwingen. Aber kaum habe ich beispielsweise unser Bad betreten, sehe ich es vor meinem inneren Auge – blitzblank und aufgeräumt, einladend, ein richtiger Wellnessraum. Öffne ich die Augen wieder, sehe ich den Unterschied: Herumliegende Klamotten und Kalkränder. In dem Moment ist aber das Bild vor meinem inneren Auge die beste Motivation. Ich fange an zu putzen und weiß, spätestens eine Stunde später ist mein Traumbild Realität.

Das kann ich auf alle Bereiche des Haushalts ausdehnen: Ich habe nicht immer Lust zu kochen, manchmal fehlt mir auch schlicht die Idee. Sollte mir gar nichts einfallen, lasse ich mich im Supermarkt inspirieren. Oft kaufe ich ein Sammelsurium aus Gemüse ein, bis sich das Bild herauszukristallisieren beginnt: Ich sehe meine Familie am Tisch vereint, alle haben ein frischgekochtes und leckeres Essen vor sich. Und plötzlich habe ich nicht nur unbändige Lust zu kochen, die Zutaten fügen sich auch fast von selbst.

Im Prinzip entstehen so auch meine schönsten Geschichten: Ich habe ein Gegenüber vor mir und spüre im Lauf des Gesprächs den Klang, den diese Story hat. Noch während ich mit meinem Interviewpartner rede, beginne ich mich in den Text hineinzudenken. Ich stelle mir einfach vor, dass am Ende des Tages eine einfühlsame, treffende Geschichte steht. Und an diesem Ziel orientiere ich mich.

Diese drei Beispiele zeigen: Ich denke da nicht drüber nach, es ist ein Automatismus. So lange ich schon vor dem ersten Schritt sehen kann, wie das Ergebnis sein wird, so lange fällt es mir nicht schwer, den Weg bis dahin auch zu gehen. Konsequenz ist das Zauberwort.

All das funktioniert allerdings nicht ohne ein bisschen …

3. Disziplin und Fleiß

Wie ich vorhin schon sagte: Wer viel auf die Reihe bekommen will, muss es wollen. Nicht nur von all den Vorhaben sprechen. Am besten gar nicht viel sprechen, lieber machen. Die meisten Dinge sind nämlich schnell erledigt. Mal die Wohnung saugen: 20 Minuten. Die Spülmaschine ausräumen: 10 Minuten. Eine Ladung Wäsche aufhängen: 10 Minuten. Den Trockner ausräumen und Wäsche falten: 15 Minuten. In weniger als einer Stunde lässt sich so eine ordentliche Portion Hausarbeit erledigen. Der Trick dabei ist (neben dem großen Bild) jegliche Ablenkung beiseite zu legen. Kein Instagram, kein Whatsapp, Fernseher aus. Habe ich mal keine Lust auf das Pensum, wäge ich ab. Kann ich es tatsächlich ein bisschen schieben, dann gönne ich mir die Zeit. Aber meistens nehme ich mir einfach vor, es gerne zu tun. Und wie von alleine fängt es dann auch an zu laufen. Ich genieße es sehr, bei relativ einfachen Arbeiten die Gedanken schweifen zu lassen. Dabei lasse ich die Arbeit an sich nicht aus dem Blick: Ich weiß genau, dass mich schiefe Wäschestapel im Schrank nerven, also gebe ich mir beim Zusammenlegen Mühe. Und ehrlich: Ich freue mich beispielsweise jeden Tag über den Blick in meine wirklich ordentliche Wäscheschublade. Denn seid ehrlich:Wäsche schludrig zu falten und sie irgendwie in den Schrank zu stopfen nimmt nur unwesentlich weniger Zeit in Anspruch, als es ordentlich zu tun.

4. Ganz OK ist nicht gut genug

Und wenn ich nun schon Wäsche zusammenlege, dann mache ich es so gut ich kann. Schon aus Prinzip.(A propos Wäsche: Ich werde demnächst den Großteil meiner Wäschesammlung in den Altkleidercontainer bringen. Ich schreibe weiter unten noch, warum) (Ich habe übrigens gehört, dass es Menschen gibt, die ihre Wäsche einfach aus dem Trockner in die Schublade werfen. Diese Menschen und ich sprechen unterschiedliche Sprachen!)

Und im Übrigen: Dieses so-gut-ich-kann hat nichts mit Perfektionismus zu tun. Es ist eine Haltung allem gegenüber, was ich mache. Ganz oder gar nicht. Denn wem ist geholfen, wenn ich Dinge halbherzig erledige? Oft muss ich sie dann ein zweites Mal machen oder ich bin unzufrieden oder mein Chef ist unzufrieden (je nachdem worum es geht). Diese Haltung wirkt sich übrigens ganz konkret auf mein Leben aus: Ich habe nicht nur meinen Traumberuf wieder aufgenommen (und freue mich tatsächlich auch nach sieben Monaten noch jeden einzelnen Morgen wie bekloppt, wenn ich durch die Tür reinkomme), letzte Woche hat auch mein Chefchef völlig überraschend die Befristung meines Arbeitsverhältnisses aufgehoben. Er hätte damit noch fast anderthalb Jahre warten können.

Grundsätzlich glaube ich nicht, dass ich etwas kann, was sonst keiner kann. Ich bin aber überzeugt davon, dass viele unter ihren Möglichkeiten bleiben, weil es bequem ist, weil sie es schon immer so gemacht haben, weil Tante Frieda auch immer sagt, das macht man so, warum auch immer. Im Lauf der Jahre und mit zunehmendem Alter (husthust) habe ich aber auch immer mehr herausgefunden, wer ich bin und was ich will. Und ich werde dabei immer klarer. (Fast hätte ich kompromisslos geschrieben, aber das ist irgendwie negativ belegt, wenngleich es gut passt). Ich bin immer weniger gewillt, Abstriche zu machen. Sowohl bei meiner Arbeit, als auch bei den Dingen, mit denen ich mich umgebe. Um nochmal auf die Unterwäsche zurück zu kommen: Welche Frau kennt das nicht. Im Laden hat der BH noch gut gesessen und war bequem. Aber nach ein paar Tragestunden zwickt und rutscht er hier und dort. Und irgendwann landet er hinten in der Wäscheschublade. Bei mir hat sich da einiges angesammelt, denn ich habe mittlerweile einfach DIE Marke für mich entdeckt, die wunderschöne und zugleich perfekt sitzende Wäsche herstellt. Vom Rest werde ich mich leichten Herzens trennen. Und genau wie mit der Unterwäsche bin ich auch mit anderen Dingen. Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen, für ungesunde Beziehungen, für halbherzg erledigte Arbeit und – für kratzige BHs. 

Im Übrigen kann ich auch völlig entspannt schon nachmittags in einem Schaumbad versinken, ein gutes Buch mitnehmen und Wäscheberge ignorieren. Wenn ich nämlich spüre, dass ich die Auszeit brauche, nehme ich mir die Zeit. Auch das gehört dazu, kompromisslos auf sein Bauchgefühl zu hören. Aber selbst nach einem Winterspaziergang oder einem gemütlichen Bad ist der Tag noch immer lang genug für viele unterschiedliche Dinge. Die eigene Haltung ist der Schlüssel dazu.

 

Schubladen zu!

Wir Redakteure sind gehalten, allen Sachverhalten neutral gegenüber zu stehen. Wir werten nicht, wenn wir berichten, wir spiegeln die Tatsachen möglichst eins zu eins, suchen uns vertrauenswürdige Quellen und gleichen Schilderungen miteinander ab, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Das ist der Idealfall. Und trotzdem sind wir Menschen. Die über Dinge empört sind, die sich ärgern über andere. Und Menschen, die sich aus dem Gefühl heraus eine Meinung über andere bilden, ob wir das wollen oder nicht. Vielleicht sind wir sogar besonders empathisch, weil wir es jeden Tag mit Menschen zu tun haben, die entweder unbedingt in unsere Zeitung möchten oder eben lieber überhaupt nicht. Wir lesen unser Gegenüber und auch wenn wir uns an unsere Grundsätze halten, bleibt ein Gefühl, das er in uns auslöst.

Vor ein paar Tagen lief mir eine Geschichte über den Weg, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein Gerücht zunächst, das sich im Laufe eines Vormittags als wahr herausstellte. Zwar nicht so blutrünstig, wie es erzählt wurde, aber doch so ähnlich. Ich klapperte verschiedene Informanten ab, fügte Puzzelteilchen zusammen, fragte hier nach, hakte dort nach. Anhand der Erzählungen schließlich hatte ich ein Bild des Hauptbeteiligten vorm inneren Auge, an dem es fast nichts zu zweifeln gab. Bis ich ihn anrief, um ihm selbst die Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Der Mann, den ich am Telefon erlebte, war ungefähr das Gegenteil von dem, was ich mir vorgestellt hatte.

Ich hatte das getan, was die meisten Menschen tun: Ich hatte eine Schublade gefunden, in die der fremde Mensch zu passen schien. Glücklicherweise hatte ich ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich zu erklären.

Wenn ich diese Woche etwas gelernt habe (außer das mit der Rinderhaltung), dann auf alle Fälle, dass Vorurteile menschlich sind. Sich zunächst nur auf gesicherte Fakten zu verlassen und jedem Menschen offen zu begegnen, ist manchmal gar nicht so selbstverständlich. Aber wichtig. Nicht nur für Zeitungsleute.

Und sonst so? War die Woche irgendwie verdammt lang und anstrengend. Unvorhergesehene Termine, Tage, die früh anfangen und spät aufhören, Geschichten, die sich in die Länge ziehen, Gemeinderatssitzungen, Ortschaftsratssitzungen (man kann über 5 Tagesordnungspunkte über zwei Stunden sprechen!), 32 Arbeitsstunden in 3 Tagen. Trotzdem und immer noch: Ich habe den weltschönsten Beruf. Nicht trotz allem, sondern wegen allem.

Und die Weihnachtsgeschenkefront? Während ich letztes Jahr ungefähr am 1. Dezember fein säuberlich beschriftete Päckchen stapelte, hake ich heute immer noch to-buy-Listen ab. Merke: Eine Arbeitswoche verkürzt meinen Spielraum um 32 Stunden. Nicht immer, aber manchmal. Umso mehr sollte ich eigentlich zufrieden sein, dass niemand hier nackt ins Büro muss oder verhungert, dass irgendwie fast alle Weihnachtsgeschenke im Haus sind und dass bis Weihnachten ja auch noch 9 Tage Zeit ist. Ganz spontan habe ich mir übrigens überlegt, jemandem eine kleine Freude zu machen, der ganz sicher nicht damit rechnet: Jeden Abend in dieser Woche, an dem ich ermattet am Schreibtisch saß und in den Monitor hineinblinzelte, kam Rita vorbei. Rita ist die Reinigungsfee in der Redaktion, Mama zweier Mädchen und ein wunderbarer Mensch. Ich habe sie vom ersten Tag an ins Herz geschlossen, als sie mir kopfschüttelnd wie eine Mama eben meinen Mülleimer vor die Nase hielt mit den Worten: “Das muss besser werden, Sie müssen da ordentlich trennen!” (Ich hatte eine Plastikumverpackung in den Papierkorb getan!)

Weil ich sehe, wieviel sie leistet und ahne, dass sie auch nicht immer die Anerkennung dafür bekommt, die sie verdient, habe ich ihr ein klitzekleines Päckchen geschnürt. Einziges Risiko: Sie hasst Baden oder hat gar keine Badewanne. Aber das Risiko gehe ich ein in der Hoffnung, dass sie die Geste zu schätzen weiß. 

Wenn mich übrigens jemand fragen würde, was er mir zu Weihnachten schenken könnte, würde ich sagen: Rita. Aber mich fragt ja keiner. 🙂