Warten, warten, warten …

Ich habe Fragen. Viele Fragen. Und nachdem ich am Freitag ein investigatives, konspiratives Non-Gespräch geführt habe („diese Unterhaltung hat nie stattgefunden!“) konnte ich sie auch klar formulieren, weswegen ich am Samstag in der Redaktion aufschlug und sie mir aus den Fingern und ins Postfach der Adressaten tippte. Blöd nur: Außer mir hat es keiner so eilig. Denn die entsprechenden Stellen müssen es „im Haus erst intern klären“, was so viel heißt wie „Frau, nerv nicht, wir haben soviel Zeug an der Backe, jetzt kommst Du noch so neugierig ums Eck“. „Warten, warten, warten …“ weiterlesen

Zwei Überraschungen und die Crux des halben Tages

Mein Job hält oft Überraschungen bereit. Ein bisschen ist es wie in einem Krimi – die spannendste Wendung kommt erst am Schluss. Und so kommt es, dass wir in der Redaktion noch an einer fast fertigen Seite werkeln, wenn sich plötzlich etwas ergibt, das ein Umplanen erfordert. Eine solche Überraschung ist mir gestern vor die Füße gefallen. Wir hatten eine Frage von einem Leser bekommen, der etwas beobachtet hatte. Ich habe bei der entsprechenden Stelle nachgehakt und eine Antwort in hölzernem Behördendeutsch bekommen. Ich hätte mich fast damit zufrieden gegeben, mir aber dann überlegt, dass ich mit dem Begriff nicht wirklich etwas anfangen kann und unsere Leser dann vielleicht auch nicht. Und … „Zwei Überraschungen und die Crux des halben Tages“ weiterlesen

Danke, bitte, gut gemacht

Bei uns Schwaben gilt ja der Grundsatz „It gscholta isch gnuag globt“, was für den Rest der Welt übersetzt heißt „Nicht gescholten ist Lob genug“. Vielleicht entspricht es unserer kargen schwäbischen Seele, dass man nicht mehr Worte macht, als unbedingt nötig. Ich finde diese Mentalität leider grottig. Und so hatte ich heute ein Momentchen der besonderen Art. Ich war aufgrund von diversen* Fehldiagnosen** den ganzen Tag und über den Landkreis hinaus unterwegs, unser Auto wieder abzuholen und – weil Kühlschrank schon wieder leer, gefräßige Bande – kaufte in einem völlig fremden E-center ein. Ich flanierte durch aufgeräumte Regalreihen und staunte echt Bauklötzchen über die wunderhübsch angerichtete und fantastisch bestückte Gemüseauslage, ich fand das Vollsortiment verschiedener Lieblingsmarken und geriet so in Verzückung, dass mein Korb ruckzuck voll war. „Danke, bitte, gut gemacht“ weiterlesen

Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp

Jede Woche hat unbestreitbar 7 Tage. Und jeder Tag davon ist in etwa gleich lang. Als ich gestern beim Bäcker 30 Brezeln für eine Veranstaltung bestellte und mich die Dame hinterm Tresen fragte, für wann, sagte ich „erst für Samstag“. Sie daraufhin etwas verdutzt „Samstag, also morgen? Oder erst nächste Woche?“ Was für den Rest der Welt gestern nämlich Freitag war, war für mich gefühlt höchstens Mittwoch. Die Woche kam mir wahnsinnig kurz und auf der anderen Seite auch wahnsinnig lang vor. Der neue alte Job hat mich zweieinhalb Tage lang in einer Art Raumkapsel durch die Zeit katapultiert, der Donnerstagmittag war der Bremsstreifen und am Freitag waberte ich irgendwie unschlüssig durch den Tag, kaufte spontan teure Farbe und turnte auf Gerüsten rum. Aber das wisst ihr ja schon. Heute morgen bin ich dann aber endgültig im Samstag angekommen und musste lachen, als ich in meiner Instagram-Timeline ganz viele „Es-ist-Samstag-heute-putzen-wir-das-Haus“-Einträge fand. Überall das selbe. „Kurze Wochen, lange Wochen, Bienen, Bügelperlen – und ein kleiner Nachklapp“ weiterlesen

Erste Woche vorbei – Mama macht das schon

Wenn man von fünf Werktagen zweieinhalb arbeitet, bleiben rein rechnerisch zweieinhalb übrig. Da mir mein Mathelehrer in der fünften Klasse schon mal erklärt hat, dass Mathematik nicht interpretierbar ist, wird das wohl schon so sein.

Nur in echt … in echt ist das nicht so. Denn die zweieinhalb Tage Freizeit, die diese Woche hätte ausspucken sollen, die sind bei mir nicht angekommen. „Erste Woche vorbei – Mama macht das schon“ weiterlesen

Tag 1 – von matschigen Pfaden und massig Input

Schreibtisch

Geschafft. Tag eins, Woche eins – ich hab dich gewuppt. Ich war gestern ziemlich angeknipst und fand keine rechte Ablenkung vom „morgengehtslosogottogott“.

Irgendwie hat sich das auch auf das Tochterkind übertragen, das heute morgen, Punkt sieben Uhr, auf der Badematte stand. „Du hast doch gesagt, wir müssen heut pünktlich aufstehen“, sagte die Kleine vorwurfsvoll. Ohne Wecken. Das gab’s so auch noch nie. Tolles Kind.

Also habe ich uns beide angezogen und wir waren rekordverdächtig früh im Kindergarten, was dazu führte, dass ich rekordverdächtig viel zu früh in der Redaktion aufschlug. „Tag 1 – von matschigen Pfaden und massig Input“ weiterlesen

Puh … jetzt geht’s los

Wie angekündigt – ab morgen gehöre ich dann auch zur Kategorie „working mum“.

Es fühlt sich gut an. Und richtig. Ich freue mich, aus dem Trott zwischen Wäsche, Wachsmalstiften und Wischmopp rauszukommen. Auch wenn das eine Illusion ist, denn Wäsche, Wachsmaler und Wischmopp bleiben, der Rest kommt einfach dazu.

Ich habe vorbereitet, was ich konnte. Die Klamotten für mich und das kleine Mädchen liegen bereit. Die Spülmaschine ist ausgeräumt, die Handtasche gepackt. Heute mittag war ich spontan den Schreibtisch in der Redaktion streicheln, der ab morgen meiner ist.

Also gehe ich jetzt entspannt ins Bett, damit ich morgen fit bin. Ha. Ha. 🙂

Schlaft schön!

 

Geliebte kleine Gewitterwolke … Teil 2

Teil 1 gab es hier.

Du bist wieder da. So zuverlässig wie das Aprilwetter, das unser Haus und unseren Garten gerade in eine dicke Schneeschicht hüllt, so bist auch Du wieder mal zu Gast. In wenigen Stunden hast Du aus unserem kleinen großen Mädchen einen garstigen Seeigel gemacht, der die Stacheln ausfährt, sobald er Gefahr wittert. Oder Unbill jeder anderen Art. Oder … manchmal auch einfach so. Der Orangensaft ist alle? Scheißkackablöd. Du sollst Deine Schuhe selbst aus der Garderobe holen? „Oooaar Mama, ich KANN DAS NICHT.“ (Scheißkackablöd!) Den Schlafanzug anziehen, ausziehen, die Jacke aufräumen, den Teller aus der Schublade holen – was auch immer ich von Dir möchte, Du rollst mit den Augen und es fehlt nicht mehr viel zur Klage wegen Kinderausbeutung. Ich werde mich hüten, Dir zu erklären, was das bedeutet. „Geliebte kleine Gewitterwolke … Teil 2“ weiterlesen

Gummiband-Feeling

Mein Kopf ist voller Schubladen. Eine heißt „Haushalt“, eine heißt „Rund ums Kind“, eine heißt „Ehrenamt“, eine heißt „Arbeit“ … und es gibt noch etliche andere. Und dann gibt es noch ein kleines Fach. Mehr so eine Loseblattsammlung. Der Umschlag ist abgegriffen und ein wenig vergilbt. Darauf klebt ein welliges Post-it, darauf steht: Meine Herzensprojekte. Und während der 24 Stunden, die mein Tag so hat, pendle ich zwischen den Schubladen hin und her. Das sieht dann etwa so aus.

Ich, am Laptop eine Mail aus der Kategorie „Ehrenamt“ schreibend, Unterkategorie „wir sollten dringend / hast Du eigentlich schon / WICHTIG!“

Hannah: „Mama, ich will malen.“ „Gummiband-Feeling“ weiterlesen

Dieses echte Leben …

… das, auf der anderen Seite des Bildschirms, dahinter, davor, links und rechts davon … das nimmt mich gerade viel zu sehr ein. Ich habe ein Blog, ich habe Leser und weder das eine noch das andere vergessen. Aber ich habe auch ein Kind, das seine Persönlichkeit gerade entdeckt, ich habe einen Haushalt, Menschen, die mich gerne in natura sehen, ich koche, ich putze, ich arbeite nebenbei. Und oft falle ich abends auf die Couch und mag nach der letzten, allerletzten, wirklich allerallerletzten Gutenachtgeschichte nicht mehr reden. Auch nicht mit der Stimme in meinem Kopf.

Ein bisschen klingt es, wie Schlussmachen. „Es hat wirklich nichts mit Dir zu tun“, möchte ich meinem virtuellen Leser sagen. Und ich will ja auch gar nicht gehen. Aber ich stelle immer mehr fest, dass ich nur gut bin in Dingen, für die ich 100 und mehr Prozent geben kann. Dieses Blog mit Nebensächlichkeiten zu füllen – will ich das? Wollt ihr das? Ich könnte Euch mitnehmen in meinen Alltag, da gäbe es sicher viel zu erzählen. Dass mein Kind das erste Jahr im Kindergarten längst hinter sich gelassen hat. Dass wir heute den ersten Spargel der Saison gegessen haben. Dass wir im Urlaub waren – zwei Wochen Norwegen mit dem Schiff, dazwischen immer wieder Tage ohne Netz. Das Land ist wunderschön und schroff, Rentierfell ist irrsinnig weich und dicht, Bergen ist traumhaft schön und leider völlig verregnet. Ich könnte Euch erzählen, dass ich einen heftigen Nesselausschlag hatte und Hannah eine fiese Magen-Darm-Grippe. Dass mein Atelier so langsam voran kommt, ich aber immer noch beim Tapete-runter-Status festhänge, weil Leben eben. Dass ich den außergewöhnlichsten Geburtstag ever verbracht habe, fast 400km nördlich des Polarkreises inmitten von Schneemassen. Und dass ich just an diesem Tag Polarlichter gesehen habe. Ich könnte Euch meine Osterdeko zeigen – drei graue Hasen, that’s it. Und dass ich es geschafft habe, in zwei Wochen 3 Bücher zu lesen.

Aber nichts davon erscheint mir plötzlich so wichtig, es mit der ganzen Welt teilen zu wollen. Es ist wohl aus diversen Gründen ziemlich still geworden hier. Loslassen möchte ich noch nicht. Aber reflektieren, was ich wirklich kann. Was ich Euch erzählen will, wer ich bin. Und dafür brauchte ich eine kleine Sinnpause.

Vielleicht ist der Mai ein guter Monat für einen neuen, virtuellen Anfang. Kryptisch kann ich. Im Mai werde ich wieder in meinen alten Beruf zurückgehen. Ich traue mich zurück, alles auf Anfang. Für zwei ganze und einen halben Tag die Woche. Ich werde das Thema Vereinbarkeit für mich definieren und herausfinden, was es aus mir macht.

Wenn ihr bis dahin noch dabei seid und Lust auf „Wie war Dein Tag, Liebling“-Geschichten habt … dann freue ich mich auf Euch. Bis dahin atme ich noch ein paar Mal tief durch und besinne mich auf das, was ich am besten kann. Und ich hoffe, ihr profitiert dann ab Mai davon.