Den Trends auf der Spur

„Doch, das trägt man wieder“, versicherte mir die Verkäuferin im Schuhladen, als ich dieses Paar Pumps in den Händen herumdrehte. Spitze Spitzen. Eigentlich hatte ich mich an denen vor etwa fünf Jahren satt gesehen und die Schuhindustrie mit mir. Die Kappen wurden runder, manchmal sogar eckiger. Aber spitz? Das war gestern! Ich drehte mich vorm Spiegel hin und her. Mein Blick wanderte an mir hinauf. Diese Hose. Irgendwie auch von gestern. Dabei habe ich sie so geliebt. Da ich ja zur Zeit keine neuen Klamotten kaufe, trage ich tatsächlich altes Zeug. Aber die Sache mit dem Boyfriend-Schnitt… die war auch schon moderner. Ich, die ich seit geraumer Zeit eng sitzende „skinny Jeans“ trage, fühlte mich verloren in einer großen Portion Jeansstoff, die um meinen Hintern hing. Als hätte ich Schlafanzug und Bademantel zum Trend 2015 erklärt. Da fand ich die spitzen Pumps schon auch nicht mehr weiter wild. Kaum zu Hause …

… schlüpfte ich in meine aktuellen schmalen Lieblingshosen und dachte über Trends nach. „Kommt alles wieder“, hatte die Dame im Schuhgeschäft abschließend gesagt, als sie mir die Tüte mit den Schuhen in die Hand drückte. Hat sie recht?

Als ich vor zwei Jahren bei meiner Oma auf dem Dachboden alte Kisten öffnete, fiel mir zufällig ein Modekatalog aus den späten Sechzigern in die Hände.

Und ganz ehrlich: So unrecht hat sie nicht. Zwar erfahren die Schnitte im Laufe der Jahrzehnte Änderungen und werden ein bisschen modifiziert, aber die grobe Form, grade, kastig, A-Linie, die bleibt uns erhalten und kommt immer wieder. Und dieses blaue Mäntelchen da links, das hätte ich jetzt wirklich gerne im Schrank (ohne Kragen aus Toscana-Lamm) ((Man beachte die Preise! Knapp 300 DM waren Ende der Sechziger vermutlich ein kleines Vermögen für einen Mantel!))

Auch das schwarze Kleid da rechts mit den Trompetenärmeln – ich würde es genau so tragen und lieben. Und seht ihr die Schuhe? Spitz!

Nicht nur die Bilder, auch die Beschreibungen dazu sind ganz amüsant. Dieser Drei-Engel-für-Charlie-Verschnitt in rosa und babybleu trägt „jugendliche Nachmittagskleider“. Nix mit Jeans von früh bis spät!

Noch ein potentielles Lieblingskleider beim Blättern entdeckt: Das schwarz-rote in der Mitte. Während die Schnitte und die grafischen Formen der Kleider vielleicht zurückkommen, die Frisuren taten es nicht unbedingt. Das ist aber auch kein großer Verlust. Es sei denn, man heißt Mireille Mathieu.

Ich kann also beruhigt die spitzen Schuhe in den Frühling tragen. Selbst wenn sich der Trend zu spitzen Spitzen noch nicht durchgesetzt hat, spätestens in zwei Jahren ist er wieder allgegenwärtig.

Meine Boyfriend-Jeans hänge ich derweil einfach in den Schrank und schlüpfe so lange in mein jugentliches Nachmittagskleid. Kommt irgendwann wieder, der Jeans-Schlabberlook.

 Welche Trends ignoriert ihr eigentlich? Oder woran haltet ihr fest, obwohl es grade überhaupt nicht angesagt ist? Bin neugierig.

7 Antworten auf „Den Trends auf der Spur“

  1. Ein toller Fund, so ein alter Katalog. Der würde mich wesentlich mehr fesseln als ein neuer.

    Klar, alles kommt wieder, aber meistens nicht genau so wie zuvor, sondern nur fast, so dass alte Klamotten, die man noch hat, trotzdem alt aussehen. Andererseits ist „Vintage“ ja der große Hit. Geht also alles.

    Was die neueste Mode angeht: Ich halte mich lieber an unauffälige Klassiker, die kann ich länger tragen, und wenn’s mir nicht steht, kaufe ich es nicht und wenn es hundertmal modern ist: Für Skinny Jeans bin ich zu dick, für kurze Röcke bin ich zu alt (und zu dick), Etui-Kleider sind für mich der falsche Schnitt … Manches geht halt eben nicht.

    1. Ha, Etuikleider wären gemacht für mich, aber da fehlt’s mir ganz oft obenrum. Der Katalog ist wirklich ein Stück Zeitgeist. Er ist von 1969. Wollt ihr noch die Nachtwäsche sehen? :))

  2. Früher hätte ich behauptet, die Mode sei mir schnuppe, aber ich habe festgestellt so ist es nicht. Ich sehe etwas irgendwo und unterbewusst arbeitet es dann in mir. So habe ich vor zwei Jahren die große lila-Phase, erst dachte ich, ich komme allein darauf, aber dann merkte ich, Mensch, es ist ne Trendfarbe. Vor 1-2 Monaten ist für mich mintgrün der absolute Hit…. und ich wette mintgrün ist derzeit gut im Rennen. Ich stehe gerade auf Kleider, ähnlich die aus Deinem Katalog. Gestern habe ich eins im Schaufenster gesehen, das fast wie ein Petticoat aussah. Ich hab mich verliebt und vielleicht werde ich es mir ernsthaft kaufen. Ich mag bestimmte kommerzielle Label: Desigual, Khujo, Liebeskind…. außer es wird zu kommerziell, (was bei Desigual gerade der Fall ist, dann nehme ich wieder Abstand). Also da gehe ich im bestimmten Rahmen also durchaus mit der Zeit, in Farbe und Schnitt. Aaaber in Sachen Schuhen liebe ich den Stil der 20er Jahre. Ich mag hochgeschlossene feminine Schnürschuhe. Das ist seit 25 Jahren so und daran wird sich wohl nie wieder etwas ändern. Ich lieeeeeebe sie einfach. Ich finde sie sind irgendwie „burschikos“ aber weiblich. Spitze Schuhe mit Absätzen habe ich noch nie getragen. Ich habe ein Sortiment zierlicher Sandalen die ich im Sommer zum Kleid anziehe, aber auch da bleibe ich immer meinem alten Geschmack treu, komme was wolle. 😉
    Liebe Grüße
    Manu
    PS: Deine Schuhe finde ich aber wirklich schön! (so zum ansehen… :D)

    1. Ich finde ja auch, dass man mit zunehmendem Alter einen Stil findet, dem man treu bleibt (mit kleinen Ausrastern). Als ich die Schuhe sah, schlug mein Beuteschemawarnglöckchen sofort Alarm. Desigual finde ich zum Beispiel an anderen schön, nur nicht an mir. Aber sag, ist der himmelblaue Mantel nicht herzallerliebst?

  3. Der Katalog muss aus der zeit stammen, als ich als sechzehnjährige für mich zu nähen anfing…Na ja, vollkommen schlecht finde ich den Stil nicht. Die Erinnerung ist aber überlagert von der Erinnerung an die gräßlichen Kämpfe darum, eine Hose tragen zu dürfen ( Ich war auf einem von Nonnen geleiteten Privatgymnasium ). Und deshalb ist das das Kleidungsstück, dem ich bis heute treu bin. Nur der „Bob“ durfte wiederkehren…
    LG
    Astrid

    1. Der Katalog ist von 1969. Ob Hosen oder nicht – zum Glück sind wir heute nicht mehr so engstirnig. Ich finde den Stil aus der Zeit sehr viel femininer und eleganter als den der heutigen Zeit. Vielleicht gefällt er mir deswegen einfach gut. Trotzdem: Der beste Fortschritt in Sachen Mode ist für mich der, dass jeder tragen kann, was er möchte.

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