Geliebte kleine Gewitterwolke … Teil 2

Teil 1 gab es hier.

Du bist wieder da. So zuverlässig wie das Aprilwetter, das unser Haus und unseren Garten gerade in eine dicke Schneeschicht hüllt, so bist auch Du wieder mal zu Gast. In wenigen Stunden hast Du aus unserem kleinen großen Mädchen einen garstigen Seeigel gemacht, der die Stacheln ausfährt, sobald er Gefahr wittert. Oder Unbill jeder anderen Art. Oder … manchmal auch einfach so. Der Orangensaft ist alle? Scheißkackablöd. Du sollst Deine Schuhe selbst aus der Garderobe holen? „Oooaar Mama, ich KANN DAS NICHT.“ (Scheißkackablöd!) Den Schlafanzug anziehen, ausziehen, die Jacke aufräumen, den Teller aus der Schublade holen – was auch immer ich von Dir möchte, Du rollst mit den Augen und es fehlt nicht mehr viel zur Klage wegen Kinderausbeutung. Ich werde mich hüten, Dir zu erklären, was das bedeutet. Wenn diese Phase eine kleine Vorschau auf die Pubertät mit Dir ist, dann lege ich mir jetzt wohl schon mal am besten ein dickeres Fell zu. Ich falle schließlich innerhalb von nur zehn Minuten in Deiner Gunst von „liebste Mama der Welt“ bis runter nach „blöddoofe Mama“ (scheißkackablöd, ALLES!), stehe vor zugedonnerten Türen und gucke in wütend funkelnde Augen, aus denen – ich schwöre! – kleine Giftpfeile fliegen. Und manchmal nur, weil ich Dir die falsche Tasse gegeben habe. Weil der richtige Pulli noch in der Wäsche ist. Weil das Legoteil nicht auffindbar ist. Weil der Himmel blau und das Gras grün und nicht umgekehrt ist. Du motzt, weil Du nicht alleine malen möchtest. Du bekommst Wutanfälle, wenn Dir das Haus nicht beim ersten Versuch gelingt. Du kommst mit treuherzigem Blick an und bittest mich, das Haus zu malen. Und brichst genauso überzeugend nach meinem ersten Strich in Wutgeheul aus („DOCH NICHT SOOO!!!“ scheißkackablöd, MAMA!)

Und während ich mich noch über diese Entwicklung zum kleinen Motzmonster wundere, geschehen ebenso wundersame Dinge. Das, was Du da auf dem Klavier klimperst, klingt so langsam echt nach „alle meine Entchen“. Das, was Du souverän aufs Papier malst, ist Dein eigener Name, richtig geschrieben. Du schiebst Magnetbuchstaben hin und her und lachst Dich kaputt, wenn ich wegihwoixeouf vorlesen muss. Du kannst plötzlich alles ALLEINÄÄÄ und Deine Fantasie blüht noch ein Stückchen mehr auf. Du verblüffst so manchen Erwachsenen um Dich herum mit Deinen Sprüchen und schießt auch körperlich in die Höhe. Noch ein halber Meter, dann hast Du mich eingeholt, kleine Große.

Also atme ich tief durch. Akzeptiere den Einzug von Anna und Elsa (hier möchte ICH scheißkackablöd sagen, hilft ja aber nix), übe mich in Geduld, lass Dir Deine Ruhe, wenn der Zorn mal wieder in Dir tobt und verjag böse Geister, Monster und gruselige Eulen unterm Bett. Denn mit jedem neuen Tag wachsen wir ein bisschen zusammen, ein bisschen aus- und ein bisschen aneinander. Und dafür liebe ich Dich. Und all die kleinen Monster in Dir.

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