Manchmal kommt es …

… anders als gedacht, I:

Mein Auto hat allerhand Schnickschnack. Das einzige, was ihm seit fünf Wochen fehlt, war eine gültige TÜV-Plakette. Hust. Ich habe also eiligst nach Entdecken des Missstands einen Termin in meiner Werkstatt vereinbart. Den Kindergartenbringdienst delegiert, einen Abholer bestellt. Der Chef der Werkstatt meinte allerdings, ich könne ruhig warten, denn das Auto sei in 30 Minuten fertig. Also versuchte ich den Abholer in Form meiner Mama möglichst zügig von seinem Nichtbenötigtwerden zu informieren. Was die bei meinem Anruf verstand, war allerdings …

… anders als gedacht, II:

Ich fand mich kurz darauf etwas ratlos im Hof der Werkstatt stehen und versuchte, mit dem Handy meine Eltern zu erreichen. Allein – es klingelte nicht mal. Ich versuchte das Festnetz, das Mobiltelefon, nichts als Stille. Irgendwann schaltete ich das Ding komplett aus, wieder ein und ging in die Verkaufsausstellung zurück. Und hatte plötzlich eine völlig aufgelöste Mama am Telefon. Wie es mir gehe, was passiert sei? Wir fanden nach einer Weile heraus, dass ich mit dem Handy offenbar zu nahe an meinem Auto gestanden hatte, das grade auf dem Weg auf die Hebebühne war. Mein Autotelefon hatte das Gespräch übernommen und alles, was meine Mutter hörte, war ein lautes Rauschen wie von einer großen Straße und mehrere Männer, die laut durcheinander redeten und von „beschädigt“ und „Auto erstmal hochlassen“ und „Schaden begutachten“ redeten. Sie sah mich vor ihrem inneren Auge im Graben unter meinem Auto liegen, während ein Ersthelfer mit meinem ramponierten Handy versuchte, die letztgewählte Nummer zu benachrichtigen. Kopfkino erster Güte. Ich konnte sie dann beruhigen und ihr sagen, dass ich lediglich eine halbe Stunde warten müsste und sie deswegen nicht zu kommen brauchte. Dann aber kam es…

… anders als gedacht, III:

Denn auf der Hebebühne offenbarte sich, dass eine Pendelstütze defekt war. Wenn Sie jetzt so gucken: OO, dann kann ich ihnen versichern, dass ich genauso ratlos ausgesehen habe. Für die Ahnungslosen wie mich: die Pendelstütze verbindet den Stoßdämpfer mit dem Stabilisator und hat was mit der Stabilität in der Kurve zu tun. Dass die kaputt war, habe ich nicht gemerkt, was vermutlich daran liegt, dass ich immer nur geradeaus fahre. Oder so. Auf alle Fälle müsste man das Ersatzteil bestellen, erklärte mir der bedauernde Werkstattmensch, weswegen ich jetzt entweder sieben Stunden warten oder mich abholen lassen müsste. Ich entschied mich für letzteres und aktivierte erneut den Abholdienst. Ende vom Lied – das Auto hat wieder eine mustergültige Plakette auf dem Heck kleben, ich bin um 220 Euro ärmer, weiß, was eine Pendelstütze (der Werkstattchef nannte es „Pendelstützle“, vermutlich weil man mir als Frau Notwendigkeiten lieber verniedlicht beibringt) ist und dass ein Autotelefon auch noch Gespräche an sich reißt, wenn man zehn Meter ums Auto herumläuft.

Und da sag noch einer, mein Leben wär nicht voll mit Rock’n’Roll.

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