Danke, bitte, gut gemacht

Bei uns Schwaben gilt ja der Grundsatz „It gscholta isch gnuag globt“, was für den Rest der Welt übersetzt heißt „Nicht gescholten ist Lob genug“. Vielleicht entspricht es unserer kargen schwäbischen Seele, dass man nicht mehr Worte macht, als unbedingt nötig. Ich finde diese Mentalität leider grottig. Und so hatte ich heute ein Momentchen der besonderen Art. Ich war aufgrund von diversen* Fehldiagnosen** den ganzen Tag und über den Landkreis hinaus unterwegs, unser Auto wieder abzuholen und – weil Kühlschrank schon wieder leer, gefräßige Bande – kaufte in einem völlig fremden E-center ein. Ich flanierte durch aufgeräumte Regalreihen und staunte echt Bauklötzchen über die wunderhübsch angerichtete und fantastisch bestückte Gemüseauslage, ich fand das Vollsortiment verschiedener Lieblingsmarken und geriet so in Verzückung, dass mein Korb ruckzuck voll war. Und als ich an der Kasse stand (ohne Warten!), sagte ich zu der Dame an den Tasten, dass sie einen richtig tollen Supermarkt hätten, in dem ich zum ersten Mal und mit großem Vergnügen eingekauft hätte, weil alles so wunderbar hergerichtet und angeboten wird. Sie guckte auf. Sie guckte mich an. Dann links und rechts. Dann wieder zu mir. Dann lächelte sie zaghaft. „Echt jetzt?“ fragte sie. „Ja klar, sowas hab ich noch kaum irgendwo gesehen und bin wirklich begeistert“, antwortete ich. Aus ihrem Lächeln wurde ein Strahlen. „Wissen Sie“, begann sie, „hier an der Kasse hört man immer nur Gemecker. Dies nicht mehr da, das Angebot weg, alles unübersichtlich, schon wieder umgeräumt, teurer geworden, aus dem Sortiment geflogen, blablabla. Dass wir mal gelobt werden … hab ich noch nie erlebt.“ Ich hätte sie am liebsten in den Arm genommen. Wir haben uns stattdessen überschwänglich gegenseitig einen schönen Tag gewünscht und ich ging meiner Wege.

Ist doch eigentlich total bescheuert, dass wir uns durch den Alltag mosern und wenn mal was ganz gut ist, die Klappe halten. Hier also mein Plädoyer fürs Loben – sagt mal was Nettes, wenn was gut ist. Das tut nicht nur dem Gelobten gut, sondern auch dem Lobenden.

*Das Kind hatte am Samstagabend plötzlich kleinscheckigen Ausschlag am ganzen Körper, aber weder das Bedürfnis zu kratzen noch Fieber. Um Kinderkrankheiten auszuschließen, verbrachte ich mit dem Tochterkind am Sonntagmorgen zwei Stunden im Wartezimmer, bzw. im Flur des kinderärztlichen Notdienstes (im Flur deswegen, weil die Eltern im Wartezimmer überwiegend Spuckschüsseln in der Hand hatten und Magendarm brauchen wir jetzt sicher nicht auch noch). Die Ärztin begutachtete das Kind und befand, dass es nicht wie Allergie sondern eher wie Ringelröteln aussehe. Ich sollte doch aber bitte heute nochmal mit dem Kinderarzt Rücksprache halten. Der Kinderarzt heute (immerhin nur 5 Minuten Wartezeit) befand, dass das nicht wie Ringelröteln sondern eher wie Allergie aussehe. Und dass man da einfach mal … gar nix macht außer Abwarten. Gut. Warten haben wir ja schon ausgiebig geübt.

**Das Auto verlor Unmengen an Wasser und kam mit Verdacht auf Marderschaden zu einem Freund in die Werkstatt im anderen Landkreis. Heute war dann klar, der Kühler ist hinüber und der Marder ist unschuldig. Aber den Garantiefall bearbeitet jetzt die hiesige Werkstatt, weswegen ich heute morgen nach Klavier und Gemüseschnibbeln fürs Mittagessen mit meinem Schwiegerpaps das Auto wieder geholt habe. Das Gemüse harrte übrigens bis heute mittag nach dem Kinderarzt unverkochter Dinge aus und wurde jetzt zum Essen für morgen vorgekocht. Man muss es ja immer positiv sehen, ne?

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