Der Klugscheißer und die Bäckereifachverkäuferin…

PART II

Dass ich manchmal ein unverbesserlicher Sprachschreibfehleranalyst und nörgelnder Korinthen*acker bin – weiß ich. Meine besondere Liebe gilt dabei offenbar Werbeschildern in Bäckereien.
Während ich letztes Jahr im Spätsommer einer Bäckereifachverkäuferin versucht habe zu erklären, dass man für das Brot des Monat’s (aaaahhh) Mehl und Wasser, Salz und Backtriebmittel aber ganz sicher kein Apostroph brauche, hatte ich am Freitagmorgen ein nettes Gespräch – in einer Bäckerei natürlich. Mit zwanzig Zentimeter hohen, verschnörkelt selbstgeschriebenen Buchstaben bewarb die Backstube ihren

„Nus-
strudel“

Mit leisem Schaudern auf dem Rücken wies ich die Bäckereifachverkäuferin darauf hin, dass da ein „s“ fehle, am Nussstrudel. Sie guckte irritiert zwischen meinem ausgestreckten Zeigefinger und dem Schild hin und her und zeigte dann ihrerseits geschäftig auf den Nussstrudel in der Auslage und sagte: „Ja, der ist heute im Angebot“. Schön, sagte ich, aber legen Sie noch ein „s“ drauf, man schreibt Nuss mit zwei s.
Daraufhin wandte sie sich dem Schild zu und zeigte erst auf das eine „s“ von Nus und dann auf das zweite von „strudel“ und zählte mir laut zwei „s“ vor.
Ja, sagte ich geduldig aber nicht ohne ein Glucksen, aber das eine „s“ gehört doch dem Strudel. Sonst wäre es ja eine Trudel und auch noch falsch getrennt.
Die hellblauen Augen der Verkäuferin verdunkelten sich zusehends und sie guckte hilflos zwischen den Buchstaben und mir hin und her. Bis meine Kollegin hinter mir sagte: „Nuss schreibt man mit zwei s und Strudel mit einem. Macht drei s. Also fehlt eins. Kapiert?“
Ich verzog mich leise mit meinem Kaffee an einen Tisch und beobachtete, wie die Verkäufern kurz drauf verstohlen ein zweites S an die Nuss malte. Mit einem bitterbösen Blick in meine Richtung. Man wird doch wohl noch helfen dürfen. Dumme Nus.

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