Pragmatismus vs. Emotion

Eine Frage drängt sich mir seit Tagen auf: Freue ich mich auch genug auf den Zwerg? Oder stimmen die Empfindungen anderer Leute nicht mit meinen überein (und das ist gar nicht weiter wild?)
Hintergrund ist der Kinderwagen-Klamotten-Zubehör-Großeinkauf letzten Freitag. Ich habe einigen Freundinnen und ja auch hier im Blog davon erzählt. Die Reaktionen waren einheitlich. „Ach wie toll, das ist ja so super und so überwältigend und macht so viel Spaß und überhaupt und sowieso“…
Also in erster Linie war’s zunächst mal anstrengend. Es war warm und schwül und nach knapp drei Stunden wollte ich nichts mehr hören von Wechselachsen und Luftkammerbereifung. Wenn man uns Sommer- und Winterräder und die dazugehörigen Schneeketten angetragen hätte, hätte ich mich auch nicht mehr gewundert.
Ich stapelte Mini-Strampler und Schlafanzüge neben der Kasse und ließ mir die Vor- und Nachteile eines Schlafsackes erläutern, ich rüttelte an Badewannengestellen und befühlte den Unterschied zwischen Bio- und normaler Baumwolle.
Also echt – das ist anstrengend! Ich fühlte mich trotz mütterlichem und ehemännlichem Beistand öfter mal überfragt. Woher soll ich wissen, was für mein Kind das Beste ist? Ich kenne es ja bisher nur von Bildern beim Doc und vom heftigen Gestrampel in meinem UG. Also habe ich mich für Dinge entschieden, die ICH ganz ok fand. Aber ich bin dabei nicht vor Rührung auf die Knie gesunken, sondern habe mich bemüht, vernünftig einzukaufen und nur Dinge mitzunehmen, deren praktischen Nutzen ich mir halbwegs vorstellen kann. (Wozu gibt es Windeleimer mit einem Fassungsvermögen von 75 Litern?! Wer will die denn archivieren?!)

Alles in allem – ich freue mich sehr auf das Kind, aber ich gehöre wohl nicht zu den Müttern, die völlig außer sich sind, wenn einer an einer Spieluhrschnur zieht. Ich finde diese gruseligen Pastell-Bonbon-Rosa-Bodies grauenhaft und kann mir nicht vorstellen, dass mein Kind in einem „ergonomisch der Gebärmutter nachempfundenen Badeeimer“ gewaschen werden möchte. (Zumal der aussah wie ein handelsüblicher 20-Liter-Eimer in bunt)

Wie gesagt, ich freue mich sehr über jeden Stupser da unten und kriege ein debiles Grinsen, wenn das Kleine mir auf dem Ultraschall zuwinkt. Aber diesen gutschi-gutschi-hype, der bei jedem Paar Erstlingssöckchen ausbricht (bei „normalen“ Müttern), die über den Kauf eines Winter-Fußsackes Geschichten erzählen können, die in Länge und Ausführlichkeit einer wissenschaftlichen Hausarbeit in nichts nachstehen, den kann ich beim besten Willen nicht teilen. Aber fragt mich in acht Wochen nochmal. Vielleicht sitze ich dann vor Freude heulend zwischen Pampers und ergnomisch geformten Haar-von-Shampoo-Befrei-Spülbechern (die gibt’s WIRKLICH!) und kann mein Glück kaum in Worte fassen.

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