Stuttgart 21 – mir fehlen die Worte

Wir sind das Volk.
An diesen Satz musste ich heute morgen denken, als ich mir vom Sprecher der Polizeigewerkschaft und seinem unsäglichen Interview über die Proteste in Stuttgart die Laune verderben lassen musste. Was geht denn in diesem Land vor sich? Für wen wird denn Politik gemacht? Was ist Euer Auftrag? Ich scheine da was falsch verstanden zu haben. Politiker sind Vertreter des Volkes? Dann sind sie scheinbar blind und taub.

Seht ihr die Proteste gegen Stuttgart 21? Versteht ihr, dass Euer Volk zum Großteil nichts davon hält? Oder zumindest die Vorgehensweise – abgesehen vom Projekt selbst, über dessen Notwendigkeit und Umsetzung man sicher noch einmal reden könnte – unangemessen findet? Offenbar nicht.

Ihr haltet es für konsequent, eine einmal gefällte Entscheidung mit aller Härte durchzuziehen. Intelligenz und Größe haben aber imho nichts mit verbissener Sturheit zu tun. Mit der Scheuklappen-Methode, die seit Beginn beim Mappus-Gedächtnis-Bahnhof angewandt wird, habt ihr Euch in eine Sackgasse manövriert. Wenn man sein Gesicht verlieren würde, wenn man eine einmal gefällte Entscheidung nicht noch einmal überdenken kann, dann würden wir heute noch Hexen verbrennen und hätten die Berliner Mauer noch.

Ich könnte schreien, wenn ich den Pressesprecher der Polizei im Radio sagen höre, dass der Polizeieinsatz gestern völlig gerechtfertigt war. Was ist das für ein Land, in dem alte Damen und Schüler mit Reizgas bespritzt werden, weil sie ihren Unmut durch eine Sitzblockade äußern? „Wer sich einer Aufforderung der Polizei widersetzt, handelt alles andere als friedlich“, wurde ich heute morgen übers Radio aufgeklärt. Wer eine Seniorin mit Wasserwerfern aus dem Weg räumt handelt in meinen Augen alles andere als angemessen. Mein Verständnis von Rechtsstaat ist ein anderes. Ich krieg das große Kotzen wenn ich sowas hör.

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