„Zweijaaahe!“

…sagte mein kleines Fräulein jedem, der sie fragte, wie alt sie denn werde. Und tatsächlich – am Samstag hat das kleine Persönchen sein zweites Lebensjahr vollendet und eine Monsterparty gefeiert, die sich gewaschen hat. Bilder gucken?

Natürlich bin ich total prima organisiert, wissen wir ja alle, ne? Also habe ich den geplanten Zitronenkuchen extra zur Probe ein paar Tage zuvor gebacken. Im Rezept war die Backzeit mit 20 Minuten angegeben. Nach zwanzig Minuten duftete die ganze Küche auch tatsächlich wunderbar zitronig. Der Kuchen allerdings wackelte noch in seiner Form, als ich ihn aus dem Ofen holte. Die Stäbchenprobe war unauffällig, aber was hätte da auch dran kleben sollen, der Kuchen war ja in der Mitte noch FLÜSSIG! Ich hatte ihn in zwei kleinen Formen gebacken und beide daraufhin wieder in den Ofen geschoben. Etwa zehn Minuten später färbte sich der Deckel der beiden Kuchen braun. Ich holte das Blech also wieder heraus und war mir ziemlich sicher, dass jetzt alles gut sein müsste. Denkste. Als ich versuchte, die kleine Kastenform zu stürzen, war alles, was stürzte (und zwar ins BODENLOSE!) meine Laune. Denn mit einem leisen *schlürp* rutschte flüssiger Teig auf mein Backpapier. Und der Kuchen glich in seiner Form jetzt eher einer Badewanne als einem Kuchen. Nach weiteren 15 Minuten hatte ich dann eine kleine Springform, die ich bis zum nächsten Morgen abkühlen lassen wollte, und einen Kuchen, der aus ganz viel Rand und ganz viel Loch bestand. (Der aber leider echt lecker war…)

Am nächsten Morgen schnitt ich zuversichtlich den runden Kuchen an und musste genervt feststellen, dass die Mitte immer noch flüssig war. Der Zitronenkuchen verschwand also augenblicklich von der to-do-Liste für den Kindergeburtstag. Zwei Tage vor dem Geburtstag hatte ich dann die glorreiche Idee, den selben Teig einfach in Muffinförmchen zu backen. Gesagt, getan. Die Muffins gelangen wunderbar und ich war im Glück. Wäre ich allerdings dann auch noch auf die Idee gekommen, die fertigen Küchlein gut zu verpacken, hätten wir am Geburtstagmorgen nicht in staubtrockene, schon etwas harte Muffins gebissen. Ich hatte sie vor lauter Begeisterung einfach kühl gestellt. Und die Muffins trockneten in der Kühle gelassen vor sich hin. Das mit der Hausfrau des Jahres überlege ich  mir dann doch noch mal.

Der Morgen des Geburtstages also. Ich habe ein aufgekratztes Kind zwischen den Beinen herumwuseln, das nicht weiß, ob es das Xylophon, die neuen Bauklötze, das tolle neue Buch oder das Holzgemüse-Schneidebrett am Tollsten finden soll und einfach mal alles auf dem Fußboden ausbreitet. Es ist elf Uhr. Ich backe wieder Muffins. Um halb zwölf habe ich die geniale Idee, was ich mit den trockenen Dingern, die wie ein Mahnmal in der Küche herumstehen, anfangen könnte. Ich brösle ein paar davon in eine Schüssel, mische alles mit Aprikosenmarmelade, forme kleine Kugeln und stelle sie in den Gefrierschrank. Um zwölf fragt mein Mann, was es denn zum Essen gibt. Ich drücke ihm eine Brezel in die Hand und verflüssige Schokolade. Das Kind schneidet Holztomaten in Stücke. Wieder und wieder und wieder. Die Kugeln, die mittlerweile fast durchgefroren sind, spieße ich auf Stäbchen und bade sie in der Schokolade. Ein kurzes Streuselbad später sind prima cake pops entstanden. Die ich drei Tage zuvor noch fest entschlossen von der Liste gestrichen hatte. Improvisation ist alles. 🙂

Als das Kind (und der Mann) dann endlich Mittagsschlaf halten, sitze ich wieder am Küchentisch und habe von süß auf herzhaft umgestellt. Ich spieße Mozzarella und Käse und Tomaten und Wurststücke auf und bin völlig ZEN. Und als sich die Tafel Stück für Stück vor mir zu einem Gesamtwerk zusammenfügt, freue ich mich, als hätte ich selbst Geburtstag. Und bevor jemand anmerkt, das Kind hätte sich auch über einen Fertigkuchen mit Kerze gefreut – ja klar. Das Kind hat ja nichtmal gewusst, dass es Geburtstag hat. Aber für mich war das überhaupt keine Arbeit. Schneeschippen ist Arbeit. Holzhacken. Rasenmähen auch. Aber Kekse in kleine Monster zu verwandeln, eine Kaffeetafel zu decken und ein Motto umzusetzen ist für mich die reinste Erholung.

Und zum Schluss noch ein paar ganz persönliche Gedanken. Nicht nur mein Mädchen hat seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Auch ich habe mich ein bisschen selbst gefeiert. Zwei Jahre Mamasein – wenn das nicht mindestens Kaffee und Kuchen wert ist. Während meiner Schwangerschaft sagte mir jeder ungefragt, dass sich mein Leben grundlegend verändern würde mit Kind. Ich hasste diesen Satz, denn eigentlich mochte ich mein Leben, das ich hatte, ganz gerne und hatte Angst vor dieser Veränderung. Heute weiß ich – ja. Es ändert sich. Eigentlich alles. Aber es wird auf keinen Fall irgendwie schlechter. Wo früher ein schicker Glastisch stand, steht jetzt ein riesiges Puppenhaus. Wenn ich morgens ins Bad gehe, trete ich schon mal barfuß auf Puppengabeln. Man kann in unserer Küche prima vom Boden essen und wird satt dabei. Aber all das wird belohnt mit einem fröhlichen und ausgesprochen witzigen Kind, dem der Schalk im Nacken sitzt. Wenn sie sagt „Hab dich lieb“ schmilzt mein Herz wie Schokolade in der Sonne (nur schneller). Ich bin die glücklichste Mama der Welt, wenn die kleine Zuckerpuppe mit mir herumblödelt. Ich liebe Dich sehr, kleine Hannah. Alles Liebe und Gute fürs dritte Lebensjahr!

8 Antworten auf „„Zweijaaahe!““

  1. Bitte das Käsesalatrezept (außer es ist das, was ich selbst mal vor einigen Jahren gepostet habe – grins).

    Und sonst – was für eine geile Party! ;D

    1. Ob es das Rezept ist? Keine Ahnung. 🙂 man nehme ein Stück jungen Gouda und würfle ihn. Die Würfel mische man mit einer Dose geraspelter Ananas und gebe Salatcreme dazu. Ich nehm Miracle whip light. Zum Schluss mit einer ordentlichen Portion Currypulver abschmecken und ziehen lassen. Schmeckt immer und immer wieder. 🙂

      1. Ha ne – meins ist anders – superduper-Geheimrezept von meiner Mama:

        250 g gemischter Käse (man kann sogar die fertigen Scheiben aus dem Discounter kaufen – aber drauf achten – es sollen ca. 2 Scheiben Tilsiter dabei sein!
        1 kleine Essiggurke
        1 Streifen roter frischer Paprika (nicht mehr – der ist nur für die hübsche Farbe drin)
        1 Scheibe Ananas aus der Dose
        1 Ecke Schmelzkäse „Sahne“
        2 Eßlöffel Miracle Whip leicht

        Etwas Gurkenwasser, etwas Ananassaft

        Käsescheiben in kleine Würfel schneiden
        Essiggurke sehr fein würfeln
        Parika ebenso
        Ananas auch

        Schmelzkäse mit Miracle Whip und Gurkenwasser/Ananassaft glatt rühren.

        Mit den anderen Zutaten vermischen – der eine mag es eher „fester“, der andere mit weicherer Bindung… also je nachdem ein Löffelchen Saft mehr oder weniger.

        Mit ein bißchen Pfeffer würzen

        1. Das klingt in der Tat auch lecker, auch wenn sich Essiggurke mit Ananas fast wie ein Highlight für Schwangere anhört… 😉 ich werd’s mal ausprobieren. Und natürlich bleibt das hier unter uns. Geheimrezept und so *flüster*.

    1. Ach, war’s gar nicht. Die Kunst ist, irgendwann mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. (Es ist sowieso einiges übrig geblieben, obwohl ich dachte, das reicht NIE…)
      Aber Kleine und Große waren gleichermaßen begeistert. 😉 Was will ich mehr.

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