„Wenn ich mal groß bin…“

Kennt ihr den Satzanfang? Ich benutze ihn immer noch oft in Gedanken. Ich werde gefühlt nicht groß. Ich warte schon über 30 Jahre drauf. Ich glaube, Älterwerden hat nicht mit körperlichem Verfall zu tun. Nicht nur. Altwerden fängt im Kopf an.
Wenn man anfängt, selbst Grenzen zu sehen. Das passt nicht mehr zu mir. Dafür bin ich zu alt.
Woran macht man das denn fest? Am Datum auf dem Personalausweis? Oder daran, wie andere einen wohl sehen? Muss die in ihrem Alter ein pinkes Schaf am Schlüsselbund tragen? Das ist doch kindisch. Nun ja, das ist doch eine Frage der Perspektive. Bin ich kindisch oder seid ihr verklemmt, erstarrt, ach so reif? Ich will nicht erwachsener tun, als ich bin. Ich will nicht im grauen Hosenanzug und mit knieumspieltem Tweed-Rock einkaufen gehen, wenn mir nach Mini, zerrissenen Jeans oder Chucks zumute ist. Nur weil ich mich von meinen Zwanzigern verabschiedet habe. Man kann doch nicht. Das tut man nicht. Sagt wer? Wer entscheidet, wer und wie ich bin, wenn nicht ich? Jemand anders? Das wäre grauenvoll. Ich will nicht behaupten, ich träfe grundsätzlich Bauchentscheidungen und würde mich kindisch benehmen. Ich weiß sehr gut was ich kann und was ich möchte. Ich habe Ziele vor Augen. Aber wer schreibt mir denn vor, dass die Straße dahin grade und betoniert sein muss? Es gibt auch einen verschlungenen, märchenhaft-abenteuerlichen Pfad durch den Dschungel. Dort entlang, wo es atemlose Lachanfälle gibt. Wo man Turnschuhe mit Pailetten trägt. Wo man eine Plüschgiraffe im Bett haben darf und pinke Schafe mit sich herumträgt. Wo man Regenschirme mit rosa Punkten und Telefone mit Federn am Hörer benutzt. Wo man sich dem, „was MAN tut“, gelegentlich widersetzt. Wo man den Stimmen in seinem Kopf mehr Glauben und Vertrauen schenkt, als den Stimmen derer, die meinen zu wissen, „was sich gehört in dem Alter“. Ich will nicht sagen, ich mag keine Konventionen. Ich bin nicht verrückter als ich mich traue zu sein. Ich bin Bausparer und fahre stets angeschnallt, ich esse ausreichend Salat und Gemüse und geh auch gern mal ein Stück zu Fuß. In vielen Bereichen bin ich die Vernunft und Disziplin in Person. In anderen bin ich wahlweise mal 5 und mal 14 Jahre alt und lasse das Kind in mir die Regie übernehmen. Pause vom Dasein der Angepassten.
Ein Plädoyer für mehr gedanklichen Ungehorsam.

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