Abgeschirmt…

Ich bin eigentlich ganz gut organisiert. Habe noch nie einen Geldbeutel verloren. Noch nie ist mir ein Handy abhanden gekommen oder war ein Schlüsselbund verschütt gegangen. Aber es gibt grundsätzlich zwei Dinge, die ich NIE mitnehme, wenn ich von zu Hause weggehe – Taschentücher und einen Schirm.
Beginnen wir mit dem Ersteren. Nicht nur, dass ich oft (meistens von Männern) gefragt werde, ob ich zufällig ein Taschentuch bei mir hätte (offensichtlich wird so etwas von einer Frau erwartet), ich muss im Bedarfsfall auch selbst andere Leute fragen. In meiner Handtasche, von lieben Kollgen „das schwarze Loch“ genannt, findet sich sehr vieles. Angefangen vom Keks bis hin zur Fertig-Salatsoße (das ist eine andere Geschichte). Aber eben keine Taschentücher. Niemals. Und wenn, dann nur in Form von kleinen, weißen, einem Flusskiesel nicht unähnlichen Gebilden auf dem Grund der Tasche. Die man auch unter gröbster Kraftanwendung nicht mehr auseinanderfrickeln kann.
Stattdessen könnte man anhand der Restaurantwerbung auf den zum Naseputzen missbrauchten Papierservietten eine chronologische Abfolge meiner Mittagspausen rekonstruieren.

Wer schon mal eine heftig laufende Nase hatte, weiß, wie nötig man ein Taschentuch brauchen kann.
Das gleiche gilt für Schirme. Schon als Kind weigerte ich mich, einen Schirm mitzunehmen. Ständig musste ich sie mit mir rumtragen, steckte sie nass in den Schulranzen wo sie meine Matheaufgaben verwässerten und aufpassen musste man auch drauf.
Als ich dann älter wurde und mir mehr an der Unversehrtheit meiner Frisur gelegen war, begann ich, Schirme in die Handtasche zu stecken. Einmal aufgespannt und in nassem Zustand wanderten die kleinen Helfer natürlich nicht wieder in die Tasche zurück, die verwischten Matheaufgaben waren mir noch in schlechter Erinnerung, sondern – in meine Ablage im Auto. Was dazu führte, dass ich im nächsten Regenschauer mitten in der Fußgängerzone – einen neuen Schirm erstand. Da sich dieses Prozedere auch in Urlauben wiederholt, verfüge ich mittlerweile über eine stattliche Ansammlung von zusammenklappbaren Regenschirmen mit Erinnerungswert. Den Dunkelblauen mit rosa Punkten erstand ich in Münster. Den Pinken und einen weiteren Dunkelblauen in Berlin. Den Schwarzen in der Stadt, in der ich arbeite, der mit den Teddybären drauf ist ein Geschenk meiner Mama, die nicht fassen kann, welch Schirmmonster sie da heranerzogen hat, der große Gelbe ist ein Werbegeschenk. Und der kleine Rote… ist mein neuestes Objekt. Gestern in der Fußgängerzone im Platschregen gekauft. Immerhin liegt er jetzt trocken in meiner Handtasche.
Ich kann mir nur noch eines vorstellen, was schlimmer ist, als ohne Schirm dazustehen: Ohne Schirm, aber mit laufender Nase.

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