ABC – Teil 7

Ein konfuses Leben macht konfuse Gedanken und konfuse Gedanken stehen einem zusammenhängenden, in sich schlüssigen Blogbeitrag meistens im Wege. Daher Splitter in ABC-Form, wie gewohnt.

A… wie Auto. Mein gelber Flitzer. Alle fünf Tage hatte ich die Tankstelle angesteuert. Weil fünfhundert Kilometer in der Woche (ohne Wochenende) doch ne Menge sind. Jetzt fahre ich einen pfefferminzgrünen Opel Corsa. Weil der gelbe Flitzer den Kindersitz als Beifahrer nicht leiden mag und hinten keine Sitze hat. Also gurkt Frau Venus mit dem grünen Drops ihrer Frau Mama durchs Leben, wobei Letztere die Cabriosaison kaum erwarten kann, weil sie dann mal das gelbe Dach aufmachen darf. Wobei gurken ist gemein, der Kleine hat fast 100 PS. Trotzdem vermisse ich den hübschen Gelben.

B… wie Babypost. Man glaubt es nicht. Seit die standesamtlichen Nachrichten die frohe Kunde der Geburt unserer Tochter hinausposaunt haben, trudeln hier merkwürdige Briefe ein. Gutscheine vom Spielwarenladen leuchten mir ja noch ein. Auch dass der „Christliche Laden der Region“ uns eine Taufkerze andrehen will, ist halbwegs erklärbar. Skurril finde ich hingegen den Gutschein für eine Kiste Sprudel. Als ob wir ohne Kind nur von Schnaps gelebt hätten. Hm.

C… wie chaotisch. Wird es zugehen in meiner alten Firma. Hört sich immer noch komisch an. Mein ehemaliger Arbeitgeber, der die Türen zugemacht hat. Meine arme Vertretung muss die nächsten Tage und Wochen Kündigungen schreiben und Arbeitszeugnisse und allen Behördenkram abwickeln. Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihr. Es lebe der Pathos. Hach.

D… wie durchschlafen. Wann habe ich das letzte Mal durchgeschlafen? Ich hätte die Nacht zelebriert, wenn ich gewusst hätte, wie es sich anfühlt, zweimal nachts eine halbe Stunde von einem kleinen Milchvampir vom schlafen abgehalten zu werden. Halb drei ist so gar nicht meine Zeit. Aber die der Kleinen. Das Kindswohl geht vor. Trotzdem – ich freue mich auf den Tag, bzw. die Nacht, in der sie DURCHschläft.

E… wie Elefant. Fast hätte ich die kleine Spieluhr verschenkt, weil wir fünf Spieluhren bekommen haben und kein Kind FÜNF Spieluhren haben muss. Zumal sich die musikalische Ausbeute auf Einschlaf-Lieder beschränkt. Und jetzt liebt sie die Kleine heiß und innig. Ich bin dafür, dass mal jemand eine Spieluhr baut, die Highway to hell spielt. Echt jetzt. Ich würde dann auch noch ne sechste kaufen.

F… wie Fussel. Mein Kind ist ein Fusselmagnet. Ich habe keine Ahnung, wie diese kleinen blauen, grauen, braunen, beigen Fusselfäden immer in diese Patschehändchen kommen, die ja noch gar nicht so viel greifen. Aber sie sind da. Jeden Abend. Und Mama putzt die Fingerchen jeden Abend sauber. Und wundert sich.

G… wie Gäste. Erinnert sich noch jemand dran, dass ich mich ausgekotzt habe in den ersten Wochen nach der Geburt? Hinz und Kunz und deren entfernte Verwandte haben uns besucht um das Jesuskind zu sehen und ihm Gaben darzureichen. Und jetzt? Jetzt kommt keine Sau mehr. Pfh.

H… wie Himbeerblättertee. Ich frage mich ernsthaft, ob ich meine Druiden-Tees jetzt trinken soll. Ich habe wehenfördernde, wehenhemmende und allgemein schwangere Teemischungen. Ich könnte sie ja mischen und gucken, was dabei raus kommt?!

I… wie Ideen. Mal hab ich ganz viele davon, mal keine Lust, sie anzupacken, mal keine Zeit, mal bin ich einfach überrollt von ihnen. Ich mindmappe schon, um den kleinen Duracell-Hasen in mir in eine vernünftige Richtung zu lenken. Mal sehen, wann ich weiß, womit ich wie anfangen will…Bis dahin schreibe ich alles auf, was mir so einfällt. Falls mir in dreiunddreißig Jahren dann mal langweilig ist.

J… wie Jon Bon Jovi. Kam im Radio und das Kind begann plötzlich zu strahlen und zu glucksen. Herrjeh.

K… wie Konsum. Was bin ich sparsam. Ich komme außer im Lebensmittelladen nicht großartig in Versuchung, Geld auszugeben. Selten war ich so genügsam wie in diesen Tagen. Und interessanterweise macht es mir gar nichts aus. Zeiten ändern sich.

L… wie Langeweile. Ich beklage mich ja gar nicht. Langweilig ist einem als Mama eines dreimonatigen Kindes eigentlich nie. Aber manchmal fehlt mir dann ganz plötzlich eine Beschäftigung und sowas führt bei mir zu den skurrilsten Ideen. Ich ertappte mich neulich dabei, wie ich mir eine Anleitung im Internet ansah – Thema: Kleiderbügel umhäkeln. Nach fünf Reihen kam ich wieder zu mir und packte das Gefrickel verschämt beiseite. Was kommt als nächstes? Altpapier nach Datum sortieren?

M… wie Mamasein. Noch nie war mein Leben so sorgenschwer und verantwortungsbeladen aber gleichzeitig so reich und beglückt.

N… wie Nickerchen. Willkommene Unterbrechung der Tagesroutine. Ich kann mittlerweile immer schlafen, wenn das Kind es tut. Ich kann quasi den Kochlöffel beiseite legen und mich auf die Couch und penne innerhalb von fünf Minuten ein. Sehr effizient. Nur meistens will das Kind genau dann aufstehen, wenn ich gerade mit George Clooney shoppen bin. Daran arbeiten wir noch.

O… wie Oma. Leider noch immer sehr schlimm. Schluckt nicht mehr, guckt nicht mehr, will nicht mehr sein. Und vegetiert vor sich hin und wartet, dass sie endlich sterben darf. Für sie ist es sicher schlimm aber für uns auch.

P… wie Porto. Wenn die Post schon 3-Cent-Briefmarken auf den Markt bringt, warum so HÄSSLICHE?

Q… wie Quatsch. Meine Tochter liebt es, wenn sich Mami für sie zum Horst macht. Und ich kann endlich so sein, wie es meiner Natur entspricht. Hemmungslos albern. Ha.

R… wie Rückbildungsgymnastik. Ja, wir lassen den Aufzug fahren. Und die Murmeln rollen. Wir tun allerhand Dinge, die für Außenstehende lustig aussehen müssen. Und weil wir dies abends tun und draußen dunkel und drin hell und die Fenster ohne Vorhänge sind, wundert sich vermutlich so mancher Passant. Noch zweimal, dann bin ich soweit rückgebildet, dass ich hoffentlich KEIN Kandidat für die Seniorenwindel werde.

S… wie Struktur. So langsam bekommt mein Alltag wieder eine. Der kleine Mops fügt sich ein in mein Leben, das ich vorher mal hatte. Ich kann wieder ein ganzes Gericht kochen und warm essen mit Messer und Gabel, weil das Kind so lange brav ist. Ich kann auch wieder die ganze Wohnung putzen, ohne alles stehen und liegen lassen, weil ich ein schreiendes Bündel den Flur auf und ab tragen muss. Mist. Wenn ich’s mir recht überlege – kochen und putzen habe ich gar nicht sooo vermisst.

T… wie Taufe. Steht bevor und ich freu mich drauf. Die Einladungen sind im Werden und der Pfarrer hat sich zum Gespräch angekündigt. Wenn ich jetzt wüsste, welche Größe das Kind am Ostersonntag trägt, würde ich Kleidchen bestellen und mich herzallerliebsten Schleifchenorgien hingeben. Aber die leise Stimme der Vernunft in mir rät mir, noch zu warten.

U… wie Urlaub. Irgendwann dieses Jahr gehen wir vielleicht zum ersten Mal zu dritt in den Urlaub. Vermutlich werde ich unsere Wohnung einpacken, damit Mademoiselle ja nichts vermisst. Oder wir warten einfach noch auf den nächsten Sommer. Städtereisen sind wohl erstmal gestrichen.

V… wie Viehzeugs. Ok, ein wenig weit hergeholt. Aber natürlich bekommt das beste Kind der Welt kein Kinderbilderbuch von der Stange. Mama hat eigens eines gemalt, ist aber noch nicht fertig. Hannahs erstes Tierbilderbuch. Schweine-Mama Anneliese findet sich ebenso darin wie Paul Pinguin.

W… wie Werte. Herrjeh, Mamasein ist ganz schön anstrengend. Ich muss meinem Kind ein Vorbild sein. Ich möchte das sogar. Von ganzem Herzen. Das heißt aber auch, ich muss ganz gegen meine eigene Überzeugung behaupten, Schokokekse seien KEIN adäquates Frühstück. Und selbiges unumgänglich für einen guten Start in den Tag. Ich darf nicht mehr aus dem Topf essen und keine Klamottenberge mehr anhäufen auf dem Klodeckel. Naja, das mit den Keksen geht noch ne Weile. Und dann ess ich sie einfach heimlich im Bett. Ha.

XYZ: Z… wie Zumba. Tierisch anstrengend, laut, lustig. Morgen gehe ich zum dritten Mal zu den Hüpfdohlen und habe richtig Spaß dabei. Allein mit der Koordination von Beinen und Armen hapert es manchmal. Trotzdem geht die Stunde rum wie im Flug und ich komme mit glühenden Wangen und ausgepowert nach Hause.

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