Der Tiger hat nen Schnupfen!

Wer mich kennt, weiß, mit welch inniger Liebe ich an meinem gelben Cabrio hänge. Es ist mit Kind nun wirklich kein praktisches Auto. Der Kindersitz steht in Ermangelung einer Rückbank auf dem Beifahrersitz, der Dachholmen ist so niedrig, dass ich beim Kind-Ein-und-Ausschnallen schon mehrfach den Kopf angehauen habe… die Stimme der Vernunft sagte irgendwann unüberhörbar „kauf Dir eine Familienkutsche“.

Aber die Stimme der Vernunft hat nicht mit meinem Herz fürs gelbe Auto gerechnet. Und als der Autoverkäufer dann auch noch belustigt mit den Mundwinkeln zuckte, als ich ihn fragte, wieviel der Tiger wohl noch wert sei (UND EINE INDISKUTABLE SUMME NANNTE! WAS SIND SCHON 160.000 KILOMETER! PAH!) war die Sache beschlossen. Der Gelbe darf bleiben und wird im Sommer genutzt, die Familienkutsche während des ganzen Jahrs.

Und so trug es sich zu, dass ich vergangenen Samstag mal eben kurz mit dem Flitzer Brötchen holen wollte. Ich drehte den Schlüssel, das Auto sprang schnurrend an. Ich kurvte zum Bäcker, fuhr zurück, und kurz bevor ich es vor dem Haus abstellen wollte, hörte ich etwas höchst Irritierendes. Einen Ton nämlich, der an einen landenden Düsenjet erinnerte. Ich guckte verblüfft zum Himmel. Und dann auf die Motor-Temperatur-Anzeige. Die Nadel klebte im roten Bereich. Ich stellte also das Auto ab und stieg aus. Das Geräusch kam unüberhörbar von unter der Motorhaube. Da röhrte die Kühlung, als hätte ich mit dem Tiger gerade Paris-Dakar gewonnen. Zu meinen Füßen bildete sich ein kleiner See, dessen Quelle irgendwo im Auto zu finden sein musste. Die Flüssigkeit war hellgelb und die Autofachfrau in mir murmelte: „Kühlflüssigkeit“.

Das Auto stand also erstmal so rum. Verschiedene weitere Autofachleute, die zur Familie gehören oder wenigstens freundschaftlich mit ihr verbandelt sind, beteiligten sich an den Spekulationen. Die Ideen reichten von „kaputter Schlauch“ bis hin zu „Zylinderkopf am Ar…“. Auch die Reparaturen schwankten nach ihrer Einschätzung, aber mit 1000 bis 2000 Euro müsse man rechnen. Ich schluckte trocken und beschloss an die günstigste Lösung zu glauben.

Ein Anruf im Autohaus und einer beim Automobilclub später am Montagmorgen war klar:  Ein Abschlepper würde den Gelben huckepack nehmen. Und weil offenbar weder Abschlepper noch Werkstatt montags wahnsinnig viel zu tun haben, war das Auto ruckzuck weg und kurz später kam fernmündlich die Diagnose aus der Werkstatt. Es ist der Kühler. Und es war offenbar der Marder am Werk. Aber man wolle doch nochmal genau den Zylinderkopf angucken. Der Patient wird jedenfalls durchkommen. Und der Gelbe ist dem Teufel grade nochmal von der Schippe gehüpft. Puh.

2 Antworten auf „Der Tiger hat nen Schnupfen!“

  1. Marder – Mistviehzeug! Die haben mich 2 x eine Achsmanschette gekostet. (Die Manschette selbst ist billig – blöd nur, daß man zum Einbau die komplette Achse ausbauen mußte….. für nen armen Azubi kostete das jedes Mal ein Monatsgehalt).

    Ja – man kann an so nem Auto schon hängen…..

    Ich hab ja eins, das eher wenig Emotionen weckt (oder hast Du schon mal jemand gefühlvoll über einen 12jährigen grünen Passat Variant sprechen hören?).

    Andererseits sind viele dankbar, daß ich den hab – der hat schon so manchen Umzug erleichtert (und ich bin großzügig im herleihen….. auch an 2-Sitzer-Cabriofahrer)

  2. Ja, ich kenne Leute, die sich tatsächlich gefühlvoll mit einem Passat verbunden fühlten. 🙂 Habe heute die Rechnung gekriegt, war tatsächlich nur der Kühler. Knapp 400 Euro, das ist noch zu verschmerzen.

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