Was kostet die Welt?

Oder anders gefragt – was kostet ein Laugenbrötchen bei Eurem Bäcker?

Ich bin ein Gewohnheitstier und steuere immer wieder den- oder dieselben Bäckereien an. (Wenn ich nicht gerade unterwegs bin und belaglose belegte Brötchen erwische, Sie erinnern sich.) Und trotzdem habe ich keinen blassen Schimmer, was ein Laugen-, ein Milch-, ein Vollkornbrötchen wo kostet.

Neulich erzählte mir eine Freundin, dass sie grundsätzlich nie zu Bäcker XY gehe, weil da die Brötchen unverschämt teuer seien. Ich schluckte trocken. Und gab zu, bei Brötchen noch nie auf den Preis geguckt zu haben.

Wir sind ein Drei-Personen-Haushalt, wovon eine Person noch eher ein Persönchen ist. Wenn ich also vier oder fünf Brötchen und eine Brezel kaufe, reicht uns das zum Abendessen und zum Frühstück. Ich weiß auf Anhieb, dass ich weniger als fünf Euro dafür ausgebe. Wahrscheinlich sogar weniger als drei. Denn Brötchen kosten ein paar Cent. Ich könnte im Frühsommer jederzeit auswendig herunterleiern, was das Pfund Spargel aktuell wo kostet. Auch würde ich genau gucken, was zum Beispiel eine Dose Kaviar, ein Granatapfel oder eine Flasche Champagner kostet – weil sowas nicht auf meinem wöchentlichen Einkaufszettel steht. (Nein, wir löffeln keinen Kaviar zum Tee, ich hoffe, Ihre Enttäuschung hält sich jetzt in Grenzen.)

Aber Brot? Brötchen? Dinge, die ich sowieso brauche, das täglich Brot, ein Grundnahrungsmittel? Nein, da gucke ich mir in der Auslage an, was knursprig und nicht trocken aussieht. Mohn geht gar nicht. Kürbis mag ich. Aber bezahlt wird, was die Gute hinterm Tresen ausgerechnet hat. Und während ich das so erzählte, kam ich mir vor, wie Frau Krösus, die mal eben so aus reiner Faulheit unnötig Unsummen zum Fenster raushaut für BROT! Wo man doch sicher an jedem Brötchen… sagen wir… zehn Cent sparen könnte. Wenn man wüsste, wo man es am billigsten kriegt! Und gleichzeit wird mir auch bewusst, dass dieses Verhalten beim Brot nicht aufhört. Sondern dass wir bei vielen Dingen gern mal ein Auge zu drücken. Ob es das drölfte Pixie-Buch für die Kinder, die hundertste DVD für die Sammlung oder ein Paar Schuhe ist – wir geben schon auch mal ein bisschen Geld aus, einfach so. Der Spaß hört nur auf, wenn es um etwas so profanes wie Lebensmittel geht. Die müssen bitte möglichst billig sein. Und während wir dann abends vor dem Fernseher sitzen und uns die 15-Cent-Teiglings-Brötchen mit Billig-Käse und Discounter-Wurst in den Mund stopfen, echauffieren wir uns über streikende Lokführer, über Entlassungswellen und über die schrecklichen Zustände in den Mastbetrieben. Dabei sind wir ein Teil der Geschichte. So wie jeder, mit dem ich mich über meine vegetarische Ernährungsweise unterhalte, plötzlich auch fast-gar-kein-Fleisch-und-wenn-nur-bio isst, so ist ja auch an den Zuständen keiner selbst Schuld.

Bevor mir jemand erkären möchte, dass es Familien gibt, die auf jeden Cent achten müssen – das weiß und respektiere ich. Ich rede eher von denen, denen das Sprichwort „bei den Reichen lernt man das Sparen“ gewidmet ist.

Warum knausern wir, wenn es um unsere Ernährung geht? Um das, was unseren Körper, unsere Gesundheit maßgeblich betrifft? Ist das ein typisch deutsches Phänomen? (Ich hab ja auch Leser abroad, vielleicht möchten die was dazu sagen?)

Ich bin mir zwar durchaus bewusst, dass Brötchen, die ein paar Cent mehr kosten, nicht wesentlich gesünder sind, aber vielleicht macht mich ihre knusprige Konsistenz einfach ein bisschen glücklicher beim Essen. Und das ist es mir allemal wert.

Und ihr so? Welchen (finanziellen) Stellenwert hat bei Euch das Essen?

11 Antworten auf „Was kostet die Welt?“

  1. Das Handwerk stirbt aus. Wie du schon sagst, man kann den Menschen, die so wenig haben das sie gezwungen sind beim Discounter einzukaufen, keinen Vorwurf machen. Den Anderen, die es sich leisten könnten, wird die Wahl leicht gemacht! Die Konzerne locken ja nicht nur mit Dumpingpreisen, sondern auch mit komfortablen Parkmöglichkeiten und guter Qualität (Markenprodukte ohne Label)! Wer beim Bäcker in der Innenstadt ein handgemachtes Brödchen kaufen will, riskiert ein Ticket von der Zettelmuschi, wenn das Brödchen nicht 3mal so teuer sein soll! Vom Sprit ganz zu schweigen, denn in der Innenstadt gibts ja nur belegte Industrie-Brödchen und Döner und Apotheken! Die Lebensmittelläden sind komplett weg. Mit Glück gibts irgendwo am Rande ne Fleischerei. Der Zug ist imho abgefahren und kommt nie zurück!

    1. Mir geht’s gar nicht so sehr um das Sterben des Lebensmitteleinzelhandels. An kleine Kaufläden erinnere ich mich auch nur noch dunkel. Es gibt aber auch im Supermarkt Unterschiede. Es gibt hoch- und minderwertigen Käse. Billige und teurere Milch. Bio und normal. Warum spart der Mensch wie besessen am Essen und haut für anderes Geld raus? Bei uns gibt’s im übrigen sogar einen Biosupermarkt in der Innenstadt. Allerdings kaufst Du da neben (hoffentlich) bio auch noch ganz viel Karma mit. 🙂

  2. Ich glaube tatsächlich, dass es ein deutsches Phänomen ist. Ich habe schon öfters gelesen, dass Menschen in anderen Ländern in % viel mehr von ihrem Einkommen für Lebensmittel ausgeben. In Deutschland investiert man stattdessen in Mode. Finde das schade u vermeide weitestgehend Billigzeug zu vermeiden. Irgendwie rächt sich der Kram einfach. Das Frischgebäck von Aldi schmeckt beispielsweise nicht mal schlecht, treibt aber meinen Blutzuckerspiegel massiv nach oben. Ein Bäcker hat mir gesagt, dass liegt daran, dass die den Hefeteig nur so kurz gehen lassen u das deshalb im Körper weitergärt u Zucker produziert. Insofern sollte man bei allem Sparwillen immer nachdenken, welche Folgen das hat. Sei es für Umwelt, Gesundheit, Mitarbeiter etc

    1. Ach, siehste mal. Das mit dem Blutzucker wusste ich auch noch nicht. Könnt auch der Grund sein, weswegen man nach dem Essen irgendwie immer noch Hunger hat. Wir essen nicht grundsätzlich bio. Aber wo es mir sinnvoll erscheint, schon. Mit Kind wird übrigens nochmal alles anders. 🙂 bin gespannt, wie Du das erlebst! 🙂

  3. Semmel beim Bäcker je nach Bäcker: 32-35 Cent
    Breze 62-70 Cent

    Discounter (aber nicht abgepackt – sondern aufgebacken):
    Ziemlich genau jeweils halber Preis (normale Semmel sogar etwas günstiger).

    „Leere“ Backwaren sind ja preislich in Ordnung – richtig teuer wird es ja bei den belegten Brötchen – da bist Du hier für ein größeres durchaus 4 € los. Und das finde ich schon viel Geld für ein halbes Fladenbrötchen mit Krautsalat, etwas Putenbrust, Tomate und Salat.

    Und ärgerlich ist auch: Es ist ja bei weitem nicht so, daß Bäcker keine Teiglinge verwenden würden.

    Meine Freundin hat in einer Firma gearbeitet (und zwar schon vor 20 Jahren!), die neben Bedarf für Eisdielen auch Teiglinge verkauft hat.

    Es gab Dorfbäckereien, die durfte man nur „im Schutze der Dunkelheit“ beliefern, weil nichtmal des Bäckers Gattin wußte, daß der Teiglinge verwendet.

  4. In unserer Stadt gibt es viele konkurrierende Bäckereien, und da macht der Unterschied tatsächlich nicht nur ein paar Cent aus. Es gibt den superduperteurenladen, da gibt mal dann auch 90 Cent für ne Semmel aus, die aber gar nicht so gut schmeckt, wie der vom ottonormalbäcker, der aber 2 km weiter entfernt ist. Und da kommt man ins Grübeln und fährt für die 45 Cent Semmeln dann etwas weiter (mit dem Rad selbstverständlichh sonst ists ja nicht ökonomisch).

    Beim Bäcker achte ich also durchaus darauf, wo ich was kaufe, aber auch auf meinen Geschmack. Ja, ich würde 20 Cent mehr ausgeben für etwas, was ich leckrer finde, weil ichs mir leisten kann. Da bin ich nicht knauserig!
    Aber es ärgert mich, wenn ich für 10 Brötchen irgendwo das doppelte zahlen muss, dass ist dann wieder ein gemütlicher Capuccino irgendwo…

    Allerdings ist es mir letzte Woche auf dem Markt passiert, zur dicksten Apfelzeit, wo sogar im Bioladen das Kilo Äpfel nur 1,90 kostet bei meinem Lieblingsstand 5 EURO für ein Kilo ausgegeben habe. Erst war mir das gar nicht so klar, weil ich unterschiedliche Dinge kaufte, ich wunderte mich nur etwas, hab trotzdem brav gezahlt, überfliege dabei die Preisschilder und bleibe entsetzt bei den 5 Euro kleben. Mensch, das ist Wucher und eigentlich hätte ich sie zurückgeben müssen, aber das war mir dann doch zu blöd, selbst schuld, wenn ich vorher nicht gucke.

    Eigentlich ists ne Überforderung ständig so wachsein sein zu müssen, nicht übers Ohr gehauen zu werden. Seufz.

    Ansonsten glaube ich noch, warum manche dem billigen hinterherjagen, obwohl sie sich besseres leisten könnte ist dem selben menschlichen Urtrieb geschuldet der es mit sich bringt, dass die Leute in teuersten Klamotten kleine Kinder von 5 Cent Bonbons wegschubsen um diese gierig in die Tasche ihres Kindes zu stopfen.

    1. Ok, viel auszugeben für etwas, was man dann gar nicht mag – ist doof, keine Frage. Aber in dem betreffenden Gespräch ging es ganz pauschal nur um den Preis. Die Aussage war: das ist zu teuer, generell. Soviel will ich nicht für Brot ausgeben. Der Geschmack oder die Zutaten standen nicht zur Diskussion. Da frag ich mich dann schon manchmal, wo die Grenze zwischen angemessener Sparsamkeit und unsinnigem Geiz ist.

  5. Ich denke schon, dass das eine ziemlich deutsche Eigenschaft ist. Ebenso wie die (schreckliche!) Geiz-ist-geil-Mentalität. Zum Glück sind aber ja nicht alle so.
    Hier in der Schweiz gibt man für Lebensmittel sehr viel mehr Geld aus und auch die Qualität ist deutlich höher. Nur zum Vergleich: ein belegtes Sandwich kostet hier ca. 7.50 CHF. Das sind gut 6 Euro. Eine gute Brezel kostet 3.50 CHF, knapp 2.5 Euro.
    Brot und Semmeln backe ich selbst – aus selbst gemahlenem Mehl. Nicht, weil ich geizig wäre, sondern, weil ich wissen will, was wo drin ist.
    Deshalb kaufe ich auch ausschliesslich unverarbeitete Lebensmittel (keinerlei Fertigprodukte!) und koche alles selbst. Das bin ich mir wert 🙂
    Allerdings bin ich auch genau so aufgewachsen: Wir hatten kaum Geld, aber meine Mama hat immer sehr gute Produkte aus dem Garten / vom Feld / aus dem Laden selbst verarbeitet.

    1. Die Preise sind für deutsche Verhältnisse natürlich astronomisch, aber ich weiß, dass das Äpfel mit Birnen verglichen ist. Mir fällt bei uns immer auf, dass die Leute einerseits schimpfen über Billigproduktionen, den Untergang des Handwerks bedauern, aber dann zehn Brötchen für 1,50 (insgesamt!) kaufen.

      1. Naja – wir geben hier relativ gesehen schon deutlich mehr für Lebensmittel aus. Wir verdienen ja nicht das 5-fache .. 😉

        Für mich ist so ein Verhalten auch nicht nachvollziehbar. Ich selber kaufe nur noch wenig von allem und nur noch sehr gute Qualität.

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