ABC – Splitter aus unserem Alltag

Ihr Lieben, manchmal ist das Leben hier zu harmonisch, zu glücklich, zu unspektakulär, als dass ich dringend etwas aufschreiben müsste. Manchmal ist es auch zu hektisch und vollgepackt oder eben eine Mischung aus alldem.

Immer wenn das so ist, weiß ich, dass es Zeit für ein ABC ist.

Also, Tische hoch, anschnallen, Lehnen grade, los geht’s.

A … wie aussortieren. Immer, wenn es plötzlich Sommer wird, gibt es Stau im Kinderkleiderschrank. Die Pullis können noch nicht weg, die Shirtstapel rutschen und die leichten Jäckchen gehen dazwischen unter. Und dazwischen fällt mir dann auf, dass ein Drittel davon langsam schon wieder zu kurz/knapp/eng ist. Also habe ich gestern ausgemistet. Eine riesige Kiste voll. (Ich gehöre aber nicht zu den Müttern, die jammern, dass die Kinder so schnell aus allem herauswachsen und so schnell groß werden. Ich verstehe das irgendwie nicht, ist doch toll, dass die Kinder gedeihen. Jedes Alter hat schöne Seiten, also lieber freuen, auf das was kommt. Bremsen kann man die Kids doch eh nicht.)

B … wie Beruf. Ich habe mir nie ausgesucht, Schreiben zu wollen. Das Schreiben war immer da. Ich lese grad immer noch das B wie Buch „Work is not a job“ und ich nicke bei jedem zweiten Satz. Eine der Kernaussagen – wenn Du 45 Jahre lang schon am Sonntagabend mit Bauchweh ins Bett gehst und Dich von Wochenende zu Wochenende und von Urlaub zu Urlaub rettest, machst Du grundlegend was falsch. Ich habe zwei Berufe gelernt und in beiden gleichermaßen gerne gearbeitet. Aber das Schreiben … das ist kein Beruf, sondern Berufung für mich.

C … wie Convenience-Food. Sprich – vorverarbeitete Sachen. Ich stelle fest, seit es bei uns kein Fleisch mehr gibt, habe ich überhaupt keine Lust mehr auf McDonalds und Co. Mich graut regelrecht vor dem Chemie-Mix, der allein die Pommes umhüllt. Wo ich vor ein paar Jahren noch herzhaft und unbeschwert reingebissen hätte, rattern heute unnötige Zusatzstoffe vor meinem inneren Auge herunter und ich habe keinen Hunger mehr auf Fertig-Burger. Ich sage das ganz betont ohne Zeigefinger. Jeder soll essen, worauf er Lust hat. Wenn sich einer sein Steak in die Pfanne haut, ist das seine Sache. Wenn mein  Mann und mein Kind eine rote Wurst im Wecken mampfen – ich sag gar nix. Ich ess halt was anderes. Jeder wie er mag.

D … wie Donnerstag. Da isses soweit. Ich gehe meinen heimlichen Schlagerleidenschaften nach und aufs Konzert von … nein ich sag’s nicht. Ihr lauft mir sonst davon. Aber is ja mein Leben, wa? Einen Abend open air mit Schatzi im Arm mitsingen, bis wir aaaateeeemlos sind. Ups. 🙂

E … wie Einkaufen. Sagte ich erst neulich noch, ein Speiseplan würde hier nicht funktionieren? Stimmt gar nicht. Ein vierwöchiger Plan hat nicht funktioniert. Wenn ich aber am Sonntagabend kurz überlege, was wir die kommende Woche so kochen und mir gleich zwei Einkaufszettel für Montag und Freitag schreibe, dann klappt das erstaunlich gut. Irgendwie werde ich immer organisierter. Oder halt alt.

F … wie Frisur. Ich liebe meine Frisörin, wenn sie mir nicht grad lila Haare verpasst. Aber seit ich blond bin und die Haare wachsen lasse, hat sie nicht mehr so viel Spielraum wie früher. („Mach’s kürzer! Mach’s lila! Mach mal rot! Rasier mir mal lustige Streifen da rein!“ Hatten wir alles.) So sagte ich letztes Mal dann am Schluss – mach mal … äh … schneid mir mal einen Pony. Sie so: „Überleg Dir das einfach bis zum nächsten Mal.“ Ich so: „Ne, ich mag das jetzt haben. Schneid mal.“ Sie schnitt und ich habe gelernt – ein Pony steht mir ganz gut. Aber es ist eine schrecklich eigenwillige Sache, die quasi jeden Tag anders aussieht, je nach Laune der paar Haare da. Ich versuche mit der Eigenwilligkeit zu leben.

G … wie Garantiesachen. Neulich im Autohaus, ich hatte einen Termin zum Reifenwechseln, wurde ich gefragt, ob ich denn Zeit mitgebracht hätte. Ich wunderte mich, denn Reifenwechseln MIT Termin dauerte in der Regel zwanzig Minuten. Nein, Garantiesachen stünden an. Dauern würde das. Ob ich lieber einen Leihwagen mitnähme? Weil mir das mit Kindersitz-Umgebaue aber zu blöd war, ließ ich mir einen neuen Termin geben. Plante einen Abholservice und eine Kinderbetreuung ein. Und wurde beim Autoabgeben gefragt, ob ich schnell drauf warten würde. Äh … WAS DENN JETZT? Ich habe übrigens nicht gewartet und das war gut so. Die nette Dame rief nämlich vier Stunden später an, das Auto sei jetzt grade fertig. Und vier Stunden im Autohaus rumsitzen will ja wirklich keiner. Aber – Garantiesachen koschten wenigstens nix. Außer Zeit halt.

H … wie Haltmal-die-Handpuppe. Das Kind reicht mir grade jeden Morgen am Frühstückstisch ihren Kuschelhasen und fragt „Was sagt der Hase?“ So spricht der Hase jeden Morgen über seinen Nachtschlaf und erzählt was wir noch so alles machen. Wenn wir nicht irgendwann noch irgendwo hin müssten, würden wir den ganzen Tag da zu dritt am Tisch sitzen und uns unterhalten. Weil das Kind

I … wie Imkern. Unsere Abende und Wochenenden stehen grad im Zeichen der Biene. Der Gatte gibt Kurse für Anfänger und wird regelrecht überrannt. Und wir, damit wir ihn dann auch noch ein bisschen sehen zwischen eigenen Bienen und fremden Anfängern, besuchen wir ihn ab und zu. (Wir hören natürlich beim Kurs nicht zu, wir kommen erst, wenn alles fertig und der Grill angeworfen ist. Und die Käsewürfel geschnibbelt.)

J … wie Juni. Manchmal, wenn es dicker Winter ist, frage ich mich, ob es jemals wieder Sommer wird. So richtig warm. Wenn dann Juni oder Juli oder August ist, dann denk ich überhaupt nicht. Also nicht ans Wetter. Der Sommer geht einfach so vorüber, weil das Leben so leicht und luftig ist. Deswegen sollte ich mir immer mal wieder in Erinnerung rufen – so fühlt sich Sommer an. Und das Gefühl kommt ins Schraubglas für dicke Winter.

K … wie Krabbelgruppe. Ich habe das Gefühl, das Kind entwächst ihr. Nicht nur, dass sie jetzt zu den Größten gehört, wir haben auch relativ viel Nachwuchs bekommen, der dem Namen Krabbelgruppe alle Ehre macht. Die Kinder sind noch nicht sehr mobil und während das Fräulein mit dem Bobbycar durch die Gegend flitzt, gucken ihr die anderen halt zu. Aber wirklich zusammen spielen können die Kinder nicht mehr. Ich trage mich also mit dem Gedanken, die Gruppe abzugeben in andere Mutterhände. Ich denke drüber nach.

L … wie Lieder. Wenn man ein Kind hat, gehen einem die Lieder nicht aus. Und manchmal, wenn mir der Anfang eines Liedes einfällt, stelle ich fest, dass ich nicht weiß, wie’s weitergeht. Also googeln wir und singen dann gemeinsam „Laurentia, liebe Laurentia mein, wann wollen wir wieder beisammen sein … “ Oder „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt, widdewiddewittbumbum.“ Also kann ich mit Fug und Recht behaupten – man wird nicht dümmer, wenn man so’n Kind hat. Echt nicht.

M … wie Martin Suter. Ich habe bei Suter immer das gleiche Erlebnis – ich kaufe ein Buch und inhaliere es auf. Ich weiß nicht, wie der Mann das macht, aber seine Schreibe spricht direkt mit meinem Großhirn und die Bücher fließen mir durch die Hände. Das aktuelle „Monte Christo“ habe ich mir deswegen noch aufgehoben. Also bitte keine hints. Ich freue mich noch ein bisschen länger drauf und ziehe Tante Poldi vor, siehe T.

N … wie NEIN DANKE! Wir werden derzeit immer wieder von Umfrageunternehmen angerufen, die mein Einkaufsverhalten/meinen Versicherungsstatus/ meine kulinarischen Vorlieben abfragen wollen. Ich MÖCHTE DAS NICHT! Wer genervt davon ist – ich habe eine prima Lösung gefunden. Ich sage verdutzt „Ach? Wissen Sie, wir sind hier ein Büro, soll ich Sie mal dem Chef…? Nein? Ach so? Ihnen auch noch einen schönen Tag.“ Ich hoffe, dass ich bald von allen Listen gestrichen bin. (Ich bin ein viel zu höflicher Mensch um ins Telefon zu meckern. Ich denke immer, dass das arme Schweine sind, die da am anderen Ende der Leitung so einen blöden Job machen müssen.)

O … wie Ordnung. Ich hab keine Ahnung, woher das kommt. Da musste ich zwölf Jahre hier in diesem Haus wohnen, bis endlich jedes Ding seinen Platz fand. Seit meiner Mega-Aufräumaktion um Weihnachten herum gibt es hier keine Schublade und fast keinen Schrank mehr, die nicht aufgeräumt und eingeräumt sind. Die Plastiktüten haben einen Platz, die Badesachen, die Kinderschuhe, die Duschsachen, die Vorräte … es ist, als wäre mein innerer Monk endlich ausgebrochen und habe das Kommando übernommen. Ich wollte nie so recht anfangen damit obwohl ich rückblickend in vielen Posts hier ein aufgeräumteres Leben gewünscht hatte. Grund, das habe ich mittlerweile auch begriffen, ist mein …

P … wie Perfektionismus. Ich konnte nämlich nicht einfach denken – „fängste mal irgendwo an“. Ich guckte immer aufs Gesamtbild und dachte – wozu räume ich hier die Zeitschriften weg, ich sollte im Grunde ja erstmal Schrank X ausmisten. GROSSER FEHLER! Der simple Tritt in den Hintern kam von hier Die Frau ist sicher ein bisschen sehr speziell, aber seit ich ihre Ideen gesehen habe, habe ich ein ordentlicheres Zuhause.

Q … wie Quaaak. Das Tochterkind könnte sich grade von Quark ernähren. Quark mit Kräutern zu Pellkartoffeln, Quark mit Honig zu Erdbeeren. Auch Quark mit Müsli zum Frühstück wird begeistert weggelöffelt. Och. Ich finde, sie könnte schlimmere Essgewohnheiten entwickeln. Und ich verzeihe ihr daher auch, dass sie plötzlich keine Zucchini mehr isst. Jetzt, wo Omi extra welche in den Garten gepflanzt hat. Hmpf.

R … wie ran ans Werkzeug. Da der Gatte grade arg eingespannt ist und echt kaum Zeit für handwerkliche Arbeiten im Haus hat, habe ich neulich kurzerhand das Kind untern Arm geklemmt und im Baumarkt Regale gekauft, um meinen Kochbüchern endlich ein adäquates Zuhause zu geben. Erst tat mir der Finger vom Schraubendrehen weh. Dann entdeckte ich ein kleines Winkel-Werkzeug im Schraubentütchen, aber auch da ging mir bei 24 Schrauben irgendwann die Kraft aus. Ich fand nach längerem Suchen Herrn Venus‘ Akkuschrauber, sogar das passende Bit dazu, aber natürlich war der Akku leer. Und so dauerte der Regalaufbau einen geschlagenen Nachmittag. Aber hey, jedesmal, wenn ich in die Küche komme, lacht mein Herz. Da nimmt man doch gern ein paar Schwielen in Kauf.

S … wie sayitselfie. Die ZEIT RENNT! Liebe Claudi, ich versuche morgen wieder dabei zu sein. Ich durfte mir eine Frage ausdenken und kam vor lauter Leben nicht dazu, sie selbst zu beantworten. (Oder doch, hier ganz schnell? 1. Wenn ich sturmfreie Bude habe, spiele ich laut Klavier und singe. 2. Wenn ich eine Hausarbeit delegieren könnte, dann wäre das GANZ SICHER staubsaugen. Obwohl staubsaugen ja recht effizient ist, hasse ich das. Das Ding auspacken, einstecken, durch die Bude ziehen. Nicht so richtig toll. Deswegen schiebe ich das auch beim Putzen immer bis zum Schluss vor mir her und falle danach ermattet aufs Sofa. Wenn das also jemand machen würde für mich, nähme ich Bewerbungen gerne entgegen. 3. Nicht aus dem Haus gehe ich ohne Handy. Und das stimmt nicht mal, denn in letzter Zeit vergesse ich das Ding immer irgendwo (fragt nicht, wo ich es schon gefunden habe, unter anderem auf dem Autodach, nachdem ich mehrere hundert Meter über eine Wiese mit hohem Gras gefahren bin und den Ton aus hatte und es sicher dort NIE MEHR gefunden hätte, wenn es runtergefallen wäre…) Manchmal lege ich es auch ins Bad und bin im Autohaus völlig überrascht, dass es nicht im Korb liegt. Und frage mich, ob ich es in der Garage wohl aufs Autodach …?

T … wie Tante Poldi. Ich bin verliebt in Tante Poldi. In die mürrische, lustige, herzliche, dem Alkohol zugetane Münchnerin, die in Sizilien einen Mörder jagt. Wovon ich rede? Von einem Buch. „Tante Poldi und die Sizilianischen Löwen“ habe ich aufgrund des lustigen Covers gekauft. Ich bin auf gut der Hälfte und ich habe die Bayerin echt ins Herz geschlossen. Wer also einen leichten Sommerlesespaß sucht und schrullige Weiber mag, ist damit sicher gut bedient.

U … wie Utensilo. Das Kind hat die ersten beiden eigenen CDs bekommen. Nicht, dass ich dafür jetzt eine eigene Stereoanlage oder ein riesiges Regal bräuchte. Zumal das Zeug im Auto herumfährt (und ich nie wieder Radio, sondern nur noch den kleinen König hören darf). Aber auch da mag ich kein Kuddelmuddel (und wir haben ja auch noch Feuchttücher und Gummibärchen und Kuscheltiere und anderes ohne-das-kann-ich-nicht-aus-dem-Haus gehen dabei). Also beschloss ich, ein Utensilo für die Rücklehne des Beifahrersitzes zu nähen. Ich googelte und pinnte und fand irre viele schöne, gar nicht hässliche Werke begnadeter Näherinnen. Ich verglich die schönen Dinge kurz mit meinen Nähkünsten. Dann beschoss ich, ein Utensilo zu kaufen. Aber da: Disney, Hello Kitty, Rosakitschibunt. Und ich möchte nicht mit einem Jahrmarkt-Schausteller-Auto durchs Land gurken. Kurz, bevor ich aufgeben wollte, fand ich ein Utensilo für die Rückbank. Es ist dunkelgrau wie die Sitze und beherbergt alles, was ein Kind bei einer Autofahrt brauchen könnte. Und ich fand eine Schmutzfolie für die Rücklehne des Beifahrersitzes. Die ist da wesentlich besser aufgehoben. (Das Utensilo wäre in kürzester Zeit nämlich zum Schuhabputzer geworden. Gut, dass mir das rechtzeitig eingefallen ist.)

V … wie vegan. Ist man Vegetarier aus ethischen Gründen, ist der Schritt zum Veganismus eigentlich nur konsequent. Im Moment kann ich es mir für mich noch nicht vorstellen. Aber ich kann nicht leugnen, dass ich über meine Ernährung und über das damit verbundene Tierleid nachdenke und mich frage, was der richtige Weg ist. Wenn ich mich in Veganerforen querlese und Leute darüber diskutieren, ob man einen vor dem Rasenmäher geretteten Frosch noch kurz festhalten und dem Kind zeigen darf oder ob man damit dem Seelenheil des Frosches schadet, dann finde ich das schon ein bisschen gaga. Aber gut. Immerhin denken die Leute nach und hinterfragen ihr Handeln. Welche Konsequenz man für sich selbst zieht, kann man ja zum Glück selbst entscheiden.

W … wie Wandern. Ich habe große Lust, mit einem Rucksack und Proviant durch die Wälder zu streifen. Eine schöne lange Wanderung mit Einkehr ist auf jeden Fall ein Punkt auf meiner To-do-Liste für die nächsten Sommerwochen. Damit mir der Juni (siehe J) auch wirklich im Winter noch in Erinnerung ist.

XY …

Z … wie Zecken. Ich staune, dass wir bisher noch nicht mehr mit diesen kleinen Plagegeistern zu tun hatten. Das Mädchen hatte eine auf dem Oberschenkel herumkrabbeln, aber das war noch nicht wirklich ein Problem. Ganz anders denken da die Stechmücken, die scheinen mich regelrecht auffressen zu wollen. Und ich sitze beim Kaffee morgen und kratze mich, als hätte ich akuten Läusebefall.

 

2 Antworten auf „ABC – Splitter aus unserem Alltag“

    1. Liebe Claudi, wenn ich mich richtig entsinne, das gleiche wie Du! Ich bin Redakteurin. Und Europasekretärin. (Zwei Berufe schaden ja nie.) Aber Schreiben ist wie Atmen, dem Chef hinterherräumen eher wie Arbeit. Liebe Grüße, Nicole

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