Die goldene Himbeere für den Montag

Um eins vorneweg zu nehmen: Montage gehören eigentlich zu meinen Lieblingstagen. Sie symbolisieren einen Neuanfang, einen frischen Start in eine neue Woche. Der Alltag beginnt wieder nach einem erholsamen Wochenende und man kann jeden Montag (und jeden Dienstag und jeden Mittwoch und jeden … ihr versteht schon) zum besten Tag seines Lebens machen.

Nur den gestern nicht. Der kam direkt aus der Hölle und wurde versehentlich in meinen Kalender eingefügt.

Er begann damit, dass ich ungeduldig war. Ich bin sonst nie ungeduldig. Schon gar nicht mit meinem Kind. Aber gestern ging mir nichts schnell genug. Die Kurze vertrödelte eine geschlagene Stunde bei ihrer Milch und verlangte dann ein Müsli. Mich, die so was normalerweise völlig kalt lässt, regte das gestern ungebührlich auf. Es fielen Sätze wie „Jetzt beeil Dich bitte mal“, „Wir werden ja nie fertig“, „So kommen wir später ja nie aus dem  Haus“ und „Wie soll das nur werden, wenn Du mal pünktlich im Kindi sein solltest“.

Während ich mich diese Sätze sagen hörte, ging ich mir selbst unfassbar auf den Keks, was zusätzlich meine Laune nicht nur unwesentlich verschlechterte. Als ich das arme Kind dann zu Oma gebracht hatte, fühlte ich mich wie die schlechteste Mutter on earth. Hätte mir jemand den Preis für die Rabenmama des Jahres verliehen, ich hätte ihn unter Tränen angenommen.

Beim Einkaufen vergaß ich die Hälfte, merkte das auf dem Parkplatz und fuhr trotzdem nach Hause, weil ich un-mög-lich nochmal umdrehen hätte wollen. Zuhause angekommen schließlich gab der Höllenmontag richtig Gas. Ich wurschtelte in Gedanken versunken in der Küche vor mich hin und killte meinen nagelneuen Thermomix. Aus reiner Dummheit. Sagen wir so: Er steht jetzt im Heizraum und trocknet und ich hoffe auf ein Wunder. Fragt nicht. Ich möchte nicht darüber reden.

Zum Glück wartete in der Mosterei meiner Schwiegereltern eine gleichförmige, tröge, körperliche Arbeit auf mich. Ich hatte den ganzen Nachmittag Zeit, meine überschüssige Energie und meine Wut auf mich selbst einfach rauszulassen und in sinnvolle Arbeit umzuwandeln. Ab und an reichte mein Liebster mir die Kaffeetasse (und atmete erleichtert auf, weil ich den ganzen Mittag nichts weiter kaputt machte) und tätschelte mir den Kopf. Um halb neun abends wackelte ich müde durch den Regen nach Hause mit einem riesigen blauen Fleck am linken Unterarm, dessen Entstehung mir ein Rätsel ist, der aber symbolisch für den ganzen Tag ist. Manchmal kommt man aus dem Leben eben nur mit blauen Flecken raus.

Ich fiel um elf in einen traumlosen Schlaf, guckte kurz vor drei mal auf die Uhr und beschloss heute morgen, den Dienstag ausgeschlafen zu beginnen. Und siehe da: Beim Frühstück lief alles wie am Schnürchen, das Kind, das mir gestern Abend noch ins Ohr flüsterte „morgen ist alles wieder gut“ ist wie immer das liebste Kind der Welt und ich habe Wäscheberge und Spielsachen verräumt und bin gerüstet für noch mehr Apfelsaft.

Und den Tag gestern hake ich ab, weil ich weiß: Der Scheißtag für 2015 liegt hinter mir und jetzt ist wieder mindestens für ein Jahr gut.

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