Willkommen in Pustelhausen

Es begann mit einem roten Fleck am Hals des kleinen Fräuleins. Als wir Sonntag vor einer Woche mit meinen Eltern gemütlich beim aushäusigen Frühstück saßen, kratzte sich das Kind hingebungsvoll am Hals. Ich zuppelte mütterlich besorgt am Kragen des Pullis und sah, dass die scharfen Fingernägelchen einen roten Fleck gekratzt hatten. Gedanken machte ich mir allerdings keine. Erst, als das Kind nach dem Frühstück immer wieder am Hals und hinter den Ohren, im Nacken und im Gesicht herumfummelte, zog ich ihr den Pulli aus und entdecke weitere kleine rot-weiße Quaddeln. Scheinbar reagierte das Mädchen auf irgendetwas allergisch. Um alle anderen Verdächtigen wie Rötelnmasernmumpswindpocken auszuschließen, guckten wir am Montagmorgen dann doch beim Kinderarzt vorbei. Der war einen Blick auf den Nacken und meinte, sie reagiere allergisch auf irgendetwas. Ansteckend sei das nicht. Wir sollten uns überlegen, ob sie neue Klamotten, Bettwäsche, Kuscheltiere … habe. Ich hirnte. Außer einem neuen Pulli, den ich sofort in die Waschmaschine stopfte, fiel mir nichts ein. Das Kind allerdings bekam am Montagnachmittag Fieber. Weil Fiebermessen in ihren Augen etwas ist, was nicht mit den Menschenrechten in Einklang zu bringen ist, kaufte ich nicht nur die Salbe, die uns der Kinderarzt aufgeschrieben hat, sondern auch ein Ohrthermometer. Nach anfänglichem Zögern haben wir die letzten Tage so viel zum Spaß Fieber gemessen wie in ihrem kompletten Leben davor nicht. Das Ergebnis war immer dasselbe – das Fieber ist seit einer Woche verschwunden. Allein die roten Flecken kommen und gehen. Ich habe Zitrusfrüchte und Paprika vom Speiseplan gestrichen, es gibt keinen O-Saft mehr und auch ein paar verdächtige Kuscheltiere sind in eine Quarantänekiste gewandert. Ohne, dass sich die Situation verändert hätte. Am Freitag haben wir also nochmal kurz beim Doc vorbeigeschaut. Sein Tipp – finden Sie raus, worauf sie reagiert. Der geneigte Leser hört mein hyterisches Lachen. Am Freitagmittag war ich also ein zweites Mal auf dem Weg in die Apotheke, um ein Antiallergikum zu holen. Dabei hatte ich die Hände voll und das dringende Bedürfnis, mich am Bauch zu kratzen. Denn dort – huch – machen sich seit ein paar Tagen rote Pünktchen breit. Ebenso an meinen Armen und in den Armbeugen. Wir haben alte Blumen entsorgt, ich habe versucht, mir zu merken, wann es am schlimmsten ist – kein Muster erkennbar. So pusteln wir also beide irgendwie unkoordiniert vor uns hin. Die Nesselsucht des Tochterkinds könne sich über Wochen hinziehen, ohne, dass man einen Auslöser fände, sagt mein schlaues Buch über Kinderkrankheiten. Meine Pünktchen verblassen langsam wieder. Offenbar hatte ich mütterliche Solidaritätspusteln. Was immer es auch war – es wäre super, wenn es sich jetzt verzöge. Denn während das Kind eigentlich sonst immer fit war, werkle ich seit November mit diversen Wehwehchen vor mich hin. Eine Blasenentzündung (Antibiotika, die Erste) ging nahtlos in merkwürdige Kopfschmerzen über, die zunächst als hartnäckige Nebenhöhlenentzündung (Antibiotika, die Zweite) behandelt wurden, sich dann aber als gereizter Kopfnerv/Wirbelproblem enttarnten. Als die dann endlich weg waren, begann ich zu pusteln. Ich wäre jetzt dann soweit durch mit Aua und Jucken. Fürs ganze Jahr bitte.

Und sonst so?

… habe ich das Fernsehen aus der Konserve für mich entdeckt. Wenn mir das Programm tagelang schlechte Laune macht, kann ich wenigstens unblutige Berieselungsfilme gucken, bei denen ein dicker Pfarrer zum Leidwesen Hochwürdens herumermittelt. Der Tabernakel-Columbo und ich, wir sind ganz dicke.

… koche ich mal wieder nach Wochenplan. Nachdem das Kind ausgiebig seiner Leidenschaft für Spinat frönen durfte (dreimal pro Woche! Und nein, darauf ist sie nicht allergisch), habe ich für die laufende Woche lauter neue Rezepte rausgesucht. Der Thermomix möchte schließlich jeden Tag arbeiten. So gab es gestern mit Gemüse gefüllte Pfannkuchen in Eiersahne überbacken. Heute werden wir uns einen Curry-Nudeleintopf schmecken lassen. Morgen wird es Reste geben, am Donnerstag ein Hirsotto und am Freitag wagen wir uns an Erbsenpüree mit Puffern heran.

… ist mein Terminkalender für die nächsten Tage und Wochen rappelvoll. Termine für die Zeitung, Termine mit dem Kind, Termine mit dem Mann. Vielleicht, aber nur sehr vielleicht, ist auch noch ein Wochenende auswärts drin.

… hat mir der beste Mann aller Männer eine schicke Ablage über Waschmaschine und Trockner gebaut. Jetzt habe ich einen stylishen kleinen Laundry-Room mit Regal für all den Kleinkram wie Waschmittel und Co. Der Monk in mir musste übrigens gestern als erstes lauter GLEICHE Aufbewahrungsschachteln für den Kleinkram besorgen. Sonst ist mein innerer Ästhet beleidigt, wenn er auf dem Klo sitzt und das farbliche Kuddelmuddel anstarren muss. Und der hat grad weiß Gott schon mit dem Anblick von unförmigen, roten Pünktchen-Feldern genug zu tun.

… war’s das für heut. Ich widme mich jetzt kurz der Wäsche, dann der Küche, dann ist das Mamataxi schon wieder gefragt. Leben am Limit. Tse.

2 Antworten auf „Willkommen in Pustelhausen“

  1. Hi,
    hab grad einen Beitrag von WISO gesehen. Kann es sein das die Wäsche das Problem ist. Durch die niedrigen Temperaturen sammeln sich Bakterien in der Maschine die danach wieder in die Wäsche gelangen. Es lebe der Umweltschutz.

    LG
    Micha

    1. Hallo Micha, hmhm… unsere Maschine wird aus diesem Grund ziemlich regelmäßig leer und mit 90 Grad durchgespült. Meine Pünktchen sind zwischenzeitlich wieder weg, das Kind hat nur noch ganz selten und vereinzelt ein rotes Tüpfelchen. Ich hoffe, dass wir das jetzt in den Griff gekriegt haben und es einfach wegbleibt. Aber danke für den Tipp … ich geh mal die Maschine spülen. Man weiß ja nie. 🙂

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