Alles nur geklaut

Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Handtasche, ihr Navi und ihr Handy im Auto liegen lassen und sich keine Sorgen machen, dass bei der Rückkehr eine Scheibe eingeschlagen sein könnte. Grundsätzlich glaube ich immer, dass die Guten in der Überzahl sind. Dass jemand von diesem Blog einen Text klaut, ihn in seinem Blog veröffentlicht und so tut, als wär’s sein eigener … bis gestern hätte ich das für abwegig gehalten. Und doch ist genau das passiert. Eine liebe Leserin hat mich darauf aufmerksam gemacht, mir einen Link zu meinem eigenen Text auf einem fremden Blog geschickt. In den Kommentaren unter meinem Text ist die Autorin für ihren Sprachstil und ihren Witz gelobt worden. Eine ihrer Leserinnen hat ohne weitere Worte zu verlieren aber einen Link auf mein Blog angefügt. Die Reaktion der Blogbetreiberin? In meinen Augen pampig. Sie ergänzte unter meinem Text: „Der Text ist nicht von mir tut mir leid, wenn das so aussieht er schlummerte schon eine Weile auf meiner Festplatte. Ich wusste nicht mehr, wo ich ihn geklaut hatte. Zum Glück weiß (Name der Kommentatorin) es …“ Unter dem entlarvenden Kommentar gratulierte sie der Leserin, ihr eins ausgewischt zu haben.

Nun ja. Veröffentliche ich einen Text auf meinem privaten Blog ohne weitere Angaben, geht jeder Leser davon aus, dass ich die Verfasserin bin. Spätestens wenn mich aber meine Leser mehrfach über den grünen Klee loben für meinen Sprachstil, wäre eine Richtigstellung angebracht – nicht erst, wenn jemand meinen Klau bemerkt. Natürlich kann man fremde Texte toll finden. Es ist nur eine Frage des Anstands, sie erst nach Rücksprache und unter Nennung der Quelle weiter zu verbreiten. Mit Auswischen hat das sicher nichts zu tun.

Der Text ist mittlerweile verschwunden – danke dafür. Die Kommentare habe ich aber gelesen und geschmunzelt, schließlich galt die Begeisterung meinem Text.

(EDIT: Entschuldigung angenommen – Schwamm drüber! 🙂 )

Mein Ärger ist längst verraucht. Leben und leben lassen. Schreiben und lesen lassen. Womit wir auch schon zum nächsten Punkt kommen – es war sehr still hier die letzten Wochen. Ungewöhnlich still. Das liegt daran, dass uns das neue Jahr von seiner hässlichsten Seite begrüßt hat. In der Silvesternacht, als wir bei Raclette und Feuerwerk mit guten Freunden zusammen saßen, ist ein enger Verwandter meines Mannes mit 19 Jahren tödlich verunglückt. Die Nachricht hat uns am Neujahrstag völlig aus der Bahn geworfen und beschäftigt uns noch immer. Ich hatte keine rechte Lust, zu bloggen. Ich fand keine Worte für das, was passiert war. Gleichzeitig hat uns alle die Rüsselpest heimgesucht, wir putzten Nasen, röchelten und kurierten Nebenhöhlen und Bronchien aus. Und noch eine große Veränderung hat stattgefunden – das gar nicht mehr so kleine Kind ist jetzt im Kindergarten. Was die Eingewöhnungsphase angeht – eine hat geheult. Und es war nicht das Kind. Das Kindergartenteam ist mit viel Herz bei der Sache und die Kurze hat den Einstieg hervorragend gemeistert. Sie spielt und singt mit den anderen und hat endlich jemand gefunden, der mit Hingabe Glitzer und Kleber mit ihr auf Buntpapier pappt und jeden Tag wahre Kunstwerke zaubert. Für mich bedeutet das, dass ich morgens ungefähr zweieinhalb Stunden kinderlos zur Verfügung habe. Wenn ich durchdacht unterwegs bin, schafft man da ganz schön viel. Wenn nicht, reicht es immerhin für einen Kaffee in aller Ruhe.

Und sonst so? Wir haben in den vergangenen vier Wochen getan, was man halt so tut. Gelacht, getrauert, geweint, gegessen, geputzt und gewurschtelt. Ab sofort mag ich Euch wieder dran teilhaben lassen. Wenn ihr mögt. Ich freu mich!

3 Antworten auf „Alles nur geklaut“

  1. Hallo,

    jemandem eins auszuwischen war nicht meine Absicht. Mich überkam beim Lesen allerdings das starke Gefühl, das der Text nicht von ihr sei. Ich habe dann ganze 2 Minuten gebraucht um Dein Original zu finden.
    Und ich habe mich sehr darüber geärgert, dass sich jemand für seinen tollen Text überschwänglich loben lässt ohne anzumerken das eine andere den Text geschrieben hat. Zumal sie selber unter jedes Ihrer Gedichte ein Copyright Zeichen und ihren Namen schreibt. Wer nicht beklaut werden will sollte selber auch nicht klauen…

    Grüße,
    Jule

    1. Liebe Jule, danke fürs Richtigstellen. Hätte mich nicht eine andere stille Leserin für dich gehalten und mir geschrieben, hätte ich gar nichts bemerkt. Sei’s drum – der Text ist gelöscht, die Entschuldigung akzeptiert. Weiter geht’s. 🙂 Liebe Grüße und willkommen auf dailydress! Nicole

  2. Liebe Nicole,

    es tut mir so leid, dass Ihr einen so traurigen Anfang des Jahres hattet! 19 Jahre ist kein Alter…

    Aber es freut mich zu lesen, dass Deine Kleine einen guten Start im Kindergarten hatte! Dich kann ich völlig verstehen, mir ging es ähnlich – und ich habe nun auch einen Schulanfang und einen Gymnasium-Schulanfang hinter mir und jedes Mal ging es mir genau so… Sie wachsen definitiv zu schnell! Ich muss mich bald wieder zusammen reißen, im August geht mein Kleiner in die Schule. Ich habe aber noch ein bisschen Zeit.

    Für die Geschichte mit Deinem Text finde ich einfach keine Worte… da kann ich nur den Kopf schütteln und mich fragen, warum andere so etwas tun… Gut aber, dass das jetzt geklärt ist!

    Ich wünsche Dir eine gute Woche!

    Liebe Grüße
    Ioana

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