Mein Leben und ich: Szenen einer Ehe, Folge 1: Die Lichtdusche

Mein Mann ist ein Praktiker. Vor seinem inneren Auge formieren sich Werkstoffe, Werkzeuge, Schrauben und Leisten zu einer praktikablen Lösung für jedes meiner haushaltlich-handwerklichen Probleme. Sein erstes Geburtstagsgeschenk an mich war eine selbstgebaute Staffelei, die so stabil ist, dass ich auf künstlerisch begabten Nachwuchs hoffen darf. Wenn es also im Haushalt ein Problem gibt, das schreinerisches oder allgemein handwerkliches Können erfordert, ist mein Mann genau der Richtige.
Ich bin eher der verbale, theroetische, musenbeflügelte Teil unserer Ehe. Lesen, Sprache, Kochen, Malen, all das sind Dinge, die ich dafür gut kann. Hätte mein Mann mich also in den Baumarkt mitgenommen, hätten wir uns heute morgen unsere dummen Gesichter sparen können. Allerdings gäbe es dann auch diesen Text nicht.
Auf Zehenspitzen stehend nämlich (noch ein Vorteil – ich hätte mindestens eine Bockleiter benötigt!) friemelte er in unserem Badezimmer an der Lampe herum und murmelte etwas von „LED-Leuchte mal ausprobieren…“ und „…die soll 20 Jahre lang halten…“
Er hatte die kleine Birne grade an den dafür vorgesehenen Platz gebracht, als die hellen Fliesen in der Dusche ein zartes Schlumpfblau annahmen. Wir hatten beide noch nicht einmal Worte für unsere Verwunderung gefunden, als sich das satte blau in ein Giftgrün verwandelte. Unsere Köpfe drehten sich gleichzeitig zurück zur Lampe, wo sich gerade ein sonnenaufgangsgleiches Rot einstellte. „Hast du etwa aus Versehen eine farbige LED gekauft?“ fragte ich unnötigerweise. „Äh…“ sagte Herr Schatzi, „ja… nein… weil… siehste mal, ich hab gedacht, ich bastel Dir ein privates Spa mit Farbspiel unter der Dusche.“
Mein Mann ist ein Praktiker. Nur wenn es um Ausreden geht, wird er blitzschnell zum Theoretiker.

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