Falsch, falsch, falsch.

„Hallo liebe Gruppenmitglieder, mein Name ist Frau Venus und ich mache alles falsch.“

Jedenfalls findet mein Kind das. Glaubt ihr nicht? Is aber so. Es fängt schon morgens an. Ich nehme den Kuschelhasen an mich, damit das Kind beide Hände frei hat, um aus dem Bett zu klettern. „NEIN, ICH nehme den Hasi!“ Wir sitzen in der Küche, ich richte guter Dinge das Frühstück zusammen. Kaum drehe ich mich um, sitzt da ein kleines, schluchzendes Kind, das das Gesicht hinter beiden Händen verbirgt. Ich sehe Tränen kullern. „Was ist denn jetzt los?“ frage ich ehrlich verblüfft. Bekomme aber keine Antwort. Hinter den Händen schluchzt es weiter. Ich tröste, streichle über blonde Haare, rätsle. Dann endlich sagt das erstickte Stimmchen: „Ich will doch die ANDERE Tasse…“ Ich verspreche, morgen die (einzig) richtige Tasse zu nehmen und bequatsche das Kind zum Kompromiss. Dann mache ich den Deckel der Kabadose zu („Aber ICH will das doch zumachen“), ziehe dem Kind den Schlafi aus („Aber ich will doch erst die Hände hochstrecken und DANN darfst Du ziehen“), scheuche sie ins Bad („Aber ICH wollte doch den Hocker dahin stellen“, „Du sollst doch nicht die Zahnbürste holen“, „ICH will doch den Deckel zudrehen“) und mache uns ausgehfertig („ICH hol die Schuhe aus der Schublade, NICHT DU“, „Du sollst mich nicht festhalten, ich kann die Treppe ALLEINE RUNTER“)

Und so geht es den lieben. langen. Tag.

Mama tut und macht und weiß eigentlich schon vorher, dass alles falschfalschfalsch sein wird. Offensichtlich wird mein Kind grade eine ganze Ecke selbstständiger. Sie weiß alles besser, will alles selber und alleine machen und vor allem: ANDERS als ich.

Was also tun? Ich versuche auf Wünsche einzugehen und den kindlichen Kopf zu respektieren. Trotzdem lasse ich mich nicht auf Diskussionen über die richtige Tasse ein, wenn die Milch schon drin ist. Auch Kompromissbereitschaft muss gelernt werden (vor allem, wenn man erst nach mehrfacher Aufforderung aus dem Bettchen kommt, wenn Mamas Frühstück schon halb aufgegessen ist.) Also atme ich mehrmals am Tag tief durch und bete das Müttermantra („Es ist halt eine PHASE.“)

Und wenn wir dann abends nebeneinander im Bett liegen und sie mich drückt und mir ins Ohr flüstert „Mama, ich hab Dich lieb!“, dann weiß ich – ein klitzekleines bisschen hab ich wohl auch richtig gemacht.

2 Antworten auf „Falsch, falsch, falsch.“

  1. Genau so läuft es bei uns ab!! Obwohl ich inzwischen vorher frage, welche Tasse denn genehm sei… Es ist ziemlich anstrengend, für jeden Beteiligten. Und dieses Kind ist kein Morgenmensch, so dass es da wirklich am schlimmsten ist. Wir schaffen das! Alle. Irgendwann 🙂
    VG Charlie

    1. Hallo Charlie, juchuuu, es gibt noch mehr Kinder, die grad eine sehr eigene Vorstellung von den Abläufen haben! Ja, klar schaffen wir das. Irgendwann. 🙂 Liebe Grüße! Durchhalten! 😉

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