Kurz(vor)schluss …

Wenn das Jahr sich dem Ende neigt, gerät mein Umfeld scheinbar in den Dauerlaufmodus. Plötzlich häufen sich die Termine, jeder Tag ist minutiös verplant. Man möchte sich nochmal mit lieben Freunden treffen (“das schaffen wir noch vor Weihnachten, oder?”), sämtliche Vereine und Verbände pressen die letzten Zusammenkünfte in die letzten acht Wochen des Jahres. Weihnachtsfeiern häufen sich. Dazu kommt, dass mein Madita-Gen durchbricht. Kennt ihr nicht? Ich habe das Buch von Astrid Lindgren früher geliebt und besonders fasziniert hat mich, dass die gesamte Familie vor Weihnachten nochmal alles gegeben hat. Da wurden Böden mit Sand gebohnert, Gardinen gewaschen, Teppiche ausgeklopft. Alles für Weihnachten.

Leider ist dieses Putzvorhaben mit meiner Realität ungefähr so vereinbar wie mein Plan, noch kommendes Jahr meinen Doktor in Nuklearmedizin zu machen.

Wo war ich? Ach so. Zeitmanagement um Weihnachten rum. Jeder will noch irgendwas, zerrt noch ein bisschen am Kalender, quetscht noch ein paar Termine zusammen. Will ich das? Manchmal kann ich nicht anders. Im Rückblick muss ich feststellen, dass ich beispielsweise diese Woche an zwei Abenden daheim war und jeweils um neun auf der Couch eingeschlafen bin. Ansonsten war Kindergartenbörsensitzung, Gemeinderatssitzung, Beiratssitzung, Geburtstag. Gestern haben wir einen wunderschönen kleinen Weihnachtsmarkt entdeckt in einem alten Bauernhaus. Es gab nur Handarbeiten aus Holz, Metall und Stoff oder Selbstgemachtes aus Kräutern. Dazu herrlich dicke, belgische Waffeln und duftenden Punsch. Und das allerbeste: Es war überschaubar und nicht überlaufen. Ein echter Winterzauber eben. Das Kind ist jetzt glückliche Besitzerin einer selbstgenähten Mütze. (Es sind Einhörner drauf, aber ich finde das fast schon unnötig zu erwähnen. WHAT ELSE!)

Heute morgen bin ich um halb zehn aufgewacht. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so lange geschlafen habe, aber offenbar war es notwendig. Und dann haben wir den Tag entspannt angehen lassen. Ich habe ein bisschen Schreibtischarbeit aufgeholt (jaja, aber entspannt und bei Kaffee!), wir haben gemütlich gekocht und gegessen und heute mittag haben die Kleine und ich vor dem warmen Ofen gesessen und mit Fimo gebastelt.

Damit es meinem Mann auch nicht langweilig wird, habe ich übrigens schwungvoll den Griff der Spülmaschine abgerissen und er beim Reparaturversuch die komplette Blende. Während ich also diese Zeilen tippe, behebt er in der Werkstatt den Schaden. Im Übrigen sah ich die Skepsis in seinen Augen was den schon etwas dürren Adventskranz angeht. Die Flamme der ersten Kerze näherte sich verdächtig schnell dem Grün. Kurzerhand habe ich alle vier Kerzen in eine zartsilberne Kastenbackform gegeben. Der Sicherheitsbeauftragte ist darüber sehr glücklich und ich bezeichne das einfach als reduziertes, nordisches Industrial-Design.

Wenn ich mir und Euch zum ersten Advent was wünschen darf – mehr Mut zum “nein danke”, wenn es um noch einen Termin und noch eine Einladung geht. Der Advent soll eine besinnliche Zeit sein und kein Endspurt.

Entspannte Grüße!

 

Happy healthy breakfast – oder warum das Frühstück die wichtigs… ihr wisst schon

“Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages” – kennt ihr den Spruch? Ich habe die Stimme meines Papas noch im Ohr. Und weil ich eine folgsame Tochter war, löffelte ich Jahr für Jahr jeden Morgen ein bisschen (sorry Papa) Gruselmüsli. Es gab geschroteten Weizen, der über Nacht in Wasser eingeweicht wurde. Morgens kam er in kühlschrankkaltes, weißes Joghurt. Dazu wurde Obst geschnibbelt wie Mandarine oder Kiwi.

Ich erinnere mich also noch mit leichtem Schaudern an kaltes, säuerliches Joghurt mit saurem Obst. (Sicher gab es auch schmackhaftere Varianten, aber die sind mir vermutlich nicht so ausgeprägt in Erinnerung geblieben).

Als ich dann die elterliche Behütung verließ, wurde das morgendliche Mahl ersatzlos gestrichen. Kaffee und gut. Und dann geschah es, dass ich Mama wurde. Und das Kind irgendwann so groß, dass ein morgendliches Frühstück anstand. Und ich hörte, wie ich sagte: “Du kannst nicht gar nichts essen, denn das Frühstück ist die wichtigste Mah…” History repeating. Irgendwie.

Das mit dem Weizenschrot war definitiv keine Option. Und so suchten wir Alternativen, die wir beide zum Frühstück gut finden. Es gibt immer noch Tage, an denen das Fräulein partout nichts essen will und da sie im Kindergarten gemeinsam Pause machen und dort Äpfelchen knabbern, ist mir das dann auch nicht gar so wichtig. Verhungern wird das Kind nicht.

Und trotzdem habe ich rausgefunden, womit ich sie fast immer an den Tisch gelockt kriege. So besteht unser Frühstück aus folgenden drei Komponenten:

Joghurt

Wir essen grundsätzlich nur weißes Joghurt, weil in den allermeisten Fruchtjoghurts alles drin ist, außer Frucht. Oder höchstens in homöopathischer Dosierung. Der Rest ist Zucker und Gedöns, was wirklich keiner braucht. Schon gar nicht bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages! (jaja, ich hör schon auf).

Erkenntnis eins: Magerjoghurt geht gar nicht. Mögen wir einfach nicht.

Erkenntnis zwei: Normaler weißer Joghurt ist ok, aber der absolute Favorit ist griechischer Joghurt. Der hat zwar mehr Fett und Eiweiß als anderer, dafür ist er unwiderstehlich mild und cremig. Für uns die perfekte Grundlage fürs Müsli.

Obst

Hier kann man sich einmal queer durch den Obstgarten futtern. Wobei wir auch da unsere Lieblinge haben. Saures Obst wie Kiwi, Mandarinen, Zitrusfrüchte allgemein kommen weder bei mir noch bei der kleinen Miss gut an. Also essen wir Äpfel, Birnen, Bananen, manchmal ein paar Weintrauben, Blaubeeren, im Sommer Beeren aus dem Garten. Grundsätzlich gilt in meiner Küche der Grundsatz regional vor bio. Wenn beides geht, ist das natürlich super (aber find mal regionale Bananen!).

Müsli

Mittlerweile ist unser Vorratsregal eine kleine Kornkammer. Denn nicht jeden Morgen mag das Fräulein Haferflocken. Manchmal behauptet sie sogar vehement, noch NIE Haferflocken gemocht zu haben. Auch wenn sie am Vortag noch Nachschlag verlangt hatte. Also gibt es bei uns Cornlakes ohne Zucker, Amaranth-Pops, Dinkelcrunchys (die von Alnatura sind mein Favorit) und natürlich auch fertige Mischungen von MyMüsli zum Beispiel (das Fräulein steht aufs Prinzessinnenmüsli, ich vermute, die Verpackung war ausschlaggebend, ich eher aufs Schokomüsli. Wegen der Schokolade. Is klar.)

Wenn ich ganz viel Lust habe, mache ich mein Müsli auch mal selbst, ich habe ein Rezept von Joanna von Liebesbotschaft abgespeichert, das mache ich immer mal wieder und es ist wirklich lecker. Auch wegen der Schokolade.

Ich habe zwei Lieblingskombis für Euch aufgeschrieben und in Szene gesetzt, weil Bilder der bessere Erklärbär sind: Eine Variante besteht aus Apfel- und Birnenspalten, Dinkelcrunchies und Joghurt, die andere aus Blaubeeren, zarten Schmelzflocken (weil das Kind Tage hat, an denen es nichts hartes knuspern will, Frühstücksstatus: es ist kompliziert) und einer Quarkcreme.

Und wenn das alles nichts hilft und das Kind permanent jegliche morgendliche Nahrungsaufnahme verweigert, ziehe ich den Joker, den der Papa ins Haus geschleppt hat: Rainbow-Unicorn-Froot-Loops von Kellogs. Aber diesen Satz habe ich nie geschrieben und ihr habt ihn nie gelesen, verstanden?

Guten Appetit wünsch ich Euch.

Gebt uns Bücher! (Und Kekse!)

Mein Beruf bringt mich öfter mal an den Rand meines Tellers und nötigt mich zum Blick nach draußen. Es hilft ungemein dabei, das eigene Glück und Wohlbefinden einschätzen zu können. Und auch die Umstände, in denen mein Kind aufwachsen kann.

Gestern war so ein Tag. Ich hatte einen Termin beim Schulamt, weil ich in den zurückliegenden Tagen und Wochen immer wieder über den Begriff Sprachförderung gestolpert bin. Ich las von notwendiger Sprachförderung an Grundschulen, lernte die Sprachförderbeauftragte unseres Kindergartens kennen, hörte im Kreistag vom eklatant gestiegenen Sprachförderbedarf.

Ich wollte dem also auf den Grund gehen und bekam nach ein bisschen Anlaufschwierigkeiten heute schließlich meinen Termin.

Was ich daraus mitnehme: Es gibt immer mehr Kinder, bei denen schon sehr früh Sprachschwierigkeiten erkannt werden. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, denn je eher man den Missstand erkennt, desto besser und einfacher kann man ihn beheben. Andererseits muss diese Zunahme einen Grund haben. Die Fachleute vom Schulamt sagten mir, sie könnten nur mutmaßen.

Es gebe vermutlich viele Familien, die keinen echten Dialog mehr pflegen. Die nicht mehr miteinander am Tisch sitzen und einfach reden. Über den Tag, über die Geschehnisse, über den Kindergarten, den Joballtag, über den Weihnachtswunschzettel oder was auch immer.

Außerdem sei es nicht mehr üblich, dass Eltern ihren Kindern aus einem Buch vorlesen. Es gebe sogar Familien, die völlig ohne Bücher auskommen.

Ich dachte an unser Kinderzimmer und an das Bücherregal der kleinen Miss. Ich dachte an das zusätzliche Regal im Keller. Und dann dachte ich an meine kleine Bibliothek. Ein Leben ohne Bücher? Eine Leben ohne Vorlesen? Ohne Bilderbücher? Ohne Geschichten? Sowas geht? Ja, offenbar geht es. Und es führt womöglich dazu, dass Kinder in die Grundschule kommen und nicht verstehen, was die Lehrerin meint mit der Aufforderung „hol Dein Mäppchen aus deinem Ranzen“. Die Kinder hätten keine Sprachmuster und Schwierigkeiten, Zusammenhänge zu verstehen und sich selbst zu äußern. Dabei geht es im Übrigen nicht nur um Familien mit Migrationshintergrund, bei denen sprachliche Schwierigkeiten durchaus nachzuvollziehen sind.

Solche Gespräche machen mir sehr bewusst, welchen Weg ich gehen will. Und plötzlich war mir sonnenklar, was es für das Mädchen zu Weihnachten geben soll: Vorlesebücher!

Allein schon beim Betreten einer Buchhandlung erfasst mich dieses wohlige Gefühl. Es riecht nach Papier und Geschichten, nach spannenden Romanen, tragischen Helden und wunderschönen Illustrationen.

Und so wurde ich innerhalb von knapp zehn Minuten zweimal fündig:

Unterm Weihnachtsbaum liegen „Die Abenteuer des Ollie Glockenherz“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.

Während letzteres ein Klassiker von Michael Ende ist und in jedes Kinderbuchregal gehört (so man eines hat), ist Ollie Glockenherz eine Neuerscheinung. Das Hardcover ist im Sauerländer Verlag erschienen und handelt vom Königreich der Kuscheltiere. Ein kleiner Hasenbär geht verloren, und sein Besitzer, der kleine Billy, macht sich auf eine abenteuerliche Suche nach seinem liebsten Freund. „Noch nie war ein Junge so mutig, ein Hasenbär so tapfer und eine Rettungsmission so spannend“, sagt der Verlag.

Ich bin schon sehr aufs Vorlesen gespannt, muss aber leider bis nach Weihnachten warten. (Es sei denn, ich schmökere ein bisschen vor … )

Und noch besser als reines Vorlesen ist Vorlesen und dabei Kekse naschen. Die Sterne mit Schokoguss sind normale Mürbeteigplätzchen. Die anderen sind ausgesprochen leckere Kaffeekekse. 

Zumindest aber eines ist klar: Solche Blogposts übers Lesen, Sprechen und Schreiben gehen nur noch so lange gut, bis das Mädchen Mamas Blog entdeckt und lesen kann. Aber irgendwie ist ja genau das der Plan. Und gut so, wie es ist.

 

Yvi von mamasdaily.net hat zu einer Blitzblogparade aufgerufen, in der es um Weihnachtsgeschenke für Kinder geht. Hier geht’s zum Blog. 

Ich bin mit diesem Beitrag gerne dabei!

Ach inneres Ich, Du machst das schon …

Hätte ich vor 18 Jahren mein inneres ich von heute gekannt, wäre mir so manch schlaflose Nacht erspart geblieben. Ich hätte Tage wie den heutigen nicht unausgeschlafen begonnen, hätte mich nicht mit Herzklopfen ans Werk gemacht, mich für feuchte Hände und rote Flecken im Gesicht geschämt. Und ständig befürchtet, komplett zu versagen. Hätte ich gewusst, was ich heute weiß.

Ich wusste es aber nicht. Und so haben mich Termine wie den heutigen vor 18, vielleicht auch noch vor 15 Jahren schon im Vorfeld sehr beschäftigt. Dabei war die Aufgabe von heute beileibe keine Unlösbare. Dennoch: Sie bestand aus Elementen, die früher dafür gesorgt hätten, dass ich dem Tag mit Skepsis und Respekt entgegensehe. 

Heute – war ich gelassen. Und erinnerte mich mit Schmunzeln während meiner gut einstündigen Autofahrt an mein unsicheres ich zu Beginn meines Volontariats, dem honorige Anzugträger mehr Respekt einflößten als Uniformierte. Was, wenn ich Namen verwechselte? Was, wenn ich den Tagungsort nicht fand? Was, wenn ich zu spät käme? Was, wenn ich nichts vom Gesagten richtig einordnen oder verstehen könnte? 

Es mag die Lebenserfahrung und die Berufserfahrung sein. Vermutlich beides. Zumindest ist es das Alter. Heute, mit *hust*unddreißig, werde ich anders behandelt als mit 19. Damals meinte ich zumindest die Zweifel zu spüren, die mein Gesprächspartner an meiner Kompetenz haben könnte. Ich war die kleine Brünette (mit den Flecken im Gesicht, jaja), die ein bisschen stammelt und vor lauter fast vergisst, wie sie heißt. 

Gut. An meiner Körpergröße hat sich nichts mehr geändert. Wohl aber an der Höhe meiner Absätze. Am Druck meiner Rechten und an den Flecken, die keinen Grund mehr haben, sichtbar zu werden. Heute bin ich zu meinem Termin gerauscht, war pünktlich,  habe mich wirklich nett mit den Kollegen anderer Zeitungshäuser unterhalten, viele Hände geschüttelt (auch Feuchte), fleckenlos zugehört, mitgeschrieben und gut. Es ist das Wissen um mein eigenes Wissen. Das Vertrauen in meine Fähigkeiten und in die Tatsache, dass andere auch nur mit Wasser kochen. Das kann man mit 19 nicht haben, aber man kann im Rückblick darüber schmunzeln. 

Ho ho ho! Der Nikolaus steht vor der Tür!

Diese Socken. Jeden Tag, wenn ich Hannah in den Kindergarten bringe, sehe ich sie. Es werden täglich mehr. Die Nikolaus-Socken, die der Nikolaus (genau!) am 6. Dezember für die Kinder füllt. Nachdem ich beim Suchen nach unserer Nikolaussocke von letztem Jahr erfolgreich alle Osterkörbchen, Nestchen und Häschen gefunden habe aber leider nichts, was nach Weihnachten ausschaut, habe ich heute morgen eine neue “Socke” gekauft. Eigentlich ist das der falsche Begriff, es sei denn, man geht davon aus, dass Nikolaus Schuhgröße 56 trägt. Das kann natürlich sein.

Zumindest kann das arme Kind jetzt seine Socke an die Leine zu den anderen hängen und ich werde nicht jeden morgen daran erinnert, dass fast ALLE Mütter schon ihre Nikolaussocken abgegeben haben, nur ich nicht. Unsere ist übrigens grün. Und fällt in dem ganzen roten Einerlei wenigstens auf.

Während es im Kindi also Nüsse, einen Schokonikolaus, Äpfel und Mandarinen gibt, überschlagen sich die Spielwarengeschäfte derzeit mit nikolausgemünzter Werbung. Ich persönlich finde nicht, dass der 6. Dezmber geschenketechnisch ein vorgezogenes Weihnachten sein sollte. Hannah hatte sowieso erst Geburtstag. Und so grübelte ich heute Nacht, als ich ab 2.21 Uhr schlaflos im Bett lag, was der Nikolaus wohl in Hannahs ganz privaten, familieninternen Stiefel steckt. (Bei uns trägt der Nikolaus Pumpsgröße 37, aber pssst!). 

Ich dachte an die roten Nikolaussocken im Kindi. Und an unsere Grüne. Es sollte nicht unbedingt Spielzeug sein. Auch Bücher hat sie erst bekommen. Im Halbschlaf hatte ich schließlich die Erkenntnis – Socken! (Es ist ja so naheliegend). Ich kaufte also gleich heute ein paar Paar Socken (rote und grüne, what else) und eine Strumpfhose. Ein kleiner Schokonikolaus wird natürlich auch dazugesteckt.

Früher, also FRÜÜÜHER, zu meiner Zeit, damals, vor 100 Jahre noch, als ich täglich 20 Kilometer zum Kindergarten zu Fuß gehen musste (äh…) gab es quasi nichts zum Nikolaus. Ein bisschen Schokolade und Mandarinen. Vielleicht erinnere ich mich aber auch nicht mehr so ganz genau daran.

A propos entspannt – gestern waren wir alle zusammen auf dem Stuttgarter Messeherbst. Mit “alle zusammen” meine ich uns drei und die übrigen knapp 80 Millionen Deutsche. Gefühlt zumindest. Zwischen Parmaschinken, Hundekörbchen, Staubsauger und Bastelpapier tat ich die eine oder andere Nettigkeit auf, kaufte Washi-Tape (zeig ich Euch ein anderes Mal) und Aufkleber und einen Stanzer. Mein persönliches Highlight war die “Cake it!”, bei der ich silberne Zuckerperlen erstand. Hätten nicht besagte 80 Millionen Menschen dieselbe Idee gehabt wie wir, hätte ich sicher noch mehr … nützliche Dinge gekauft. Denn auch bei uns hat das Messesyndrom (Messe, nicht Messie!) zugeschlagen – man kauft auf Messen Dinge, die kein Mensch braucht. So sind wir seit gestern stolze Besitzer eines Chipsmakers. Nie wieder gekaufte Chips! Man braucht nur Kartoffeln, einen Hobel, eine Mikrowelle, Gewürze, Zeit und Geduld. Und darf nicht VIEL Hunger auf Chips haben. Und es nicht SEHR eilig haben. Eine absolute Weltsensation also. Wir haben ihn gleich gestern getestet. Ich erwähne das extra, weil es das erste und letzte Mal gleichzeitig gewesen sein KÖNNTE. Stay tuned!

Als wir uns der ganze Trubel schließlich ausspuckte und wir wieder in unserem verschneiten Zuhause angekommen waren, hatte ich nach all der Torten-Kuchen-Inspiration Lust, meine Kekse vom Samstag zu verzieren. Und so endete der Abend gestern in der Küche, wo ich mit Hannah meditativ Zuckerperlen in roten Guss drückte und nebenbei Bibi und Tina lauschte. Da kann kein Tatort mithalten. 🙂

 

Topfgeschichten – Wie einmal ein spanischer Bauer in unsere Küche kam

Früher, als ich noch jung war (hust), fand man vor allem die Elle und die Instyle auf meinem Zeitschriftenstapel. Die findet man da heute immer noch, aber dazu gesellen sich Magazine wie Landlust und Lecker. Ich finde es manchmal abends entspannender, durch Rezeptvorschläge zu blättern, als Modestrecken anzugucken. Wie oft habe ich mich beim Studieren der Instyle schon gefragt, wer wohl in beigen Badeschlappen, weißen Kniestrümpfen und einem blassen, löchrigen und durchsichtigen Leibchen auf die Straße gehen würde. Bei Rezepvorschlägen läuft mir meist zuverlässig das Wasser im Mund zusammen. Außerdem gucken die Menschen in der Lecker fröhlicher als jedes dürre Model – Glück hängt wohl nicht am Bügel sondern liegt auf dem Teller. 🙂

In einer solchen Kochzeitschrift also, um den Bogen zu kriegen, fand ich ein Rezept für Tortilla. Weil ich ein großer Kartoffelfan bin und das Wetter da draußen nach Soulfood schreit, beschloss ich also, meiner Tochter und mir heute Tortilla zu machen. Der Gatte isst auswärts. (Liegt aber nicht an meinen Kochkünsten. Hat er geschworen.)

Beim Überfliegen des Rezepts fand ich alles lecker und easypeasy umsetzbar. Als ich mich dann ans Kochen machte, wurde aus der spanischen Tortilla mit mariniertem, mediterranem Ofengemüse … eine etwas pragmatischere Variation. Die Tortilla  an sich war kein Problem. Allein das Wendemanöver bleibt mir schleierhaft. Wie wendet man einen etwa 5 cm starken Kartoffelkuchen, ohne ihn in Stücke zu reißen? Auf der Oberseite wollte das Ei nämlich nicht stocken, von der Unterseite allerdings stiegen schon die ersten Röstaromen auf. Ich stürzte das Ganze zuerst auf einen Teller, in der Hoffnung, ich könnte ihn umgekehrt wieder in die Pfanne gleiten lassen. Dabei lösten sich allerdings die Kartoffelscheiben voneinander und die Tortilla verlor ihre Form. Hat jemand den ultimativen Tipp für mich? (An die Decke werfen scheidet aus. Fragt nicht.)

Kurzerhand benannte ich das Gericht also um in “spanische Bauernpfanne”. Kennt ja wohl jeder. Auch bei der Gemüseauswahl hätte ich das Rezept VORHER lesen sollen. Was ich gebraucht hätte: Auberginen und Tomaten. Was ich hatte: Blumenkohl und Zucchini. Gut, dachte ich mir. Bauern in Spanien sind sicher sehr genügsame und einfache Leute. Die essen, wie wir, das was da ist.

So wurde aus der spanischen Tortilla mit mariniertem Gemüse eine Bauernpfanne mit Rahmgemüse. Und es war zwar nicht spanisch, aber verdammt lecker.

Wer Lust hat, seine Kartoffelvorräte aufzubrauchen und auf Rezepttreue auch nicht so viel Wert legt, braucht:

5 mittelgroße Kartoffeln,

1 Karotte

1 Zwiebel

3 Eier

100 g geriebener Käse

etwa 3 EL Milch

etwas Sahne

2 kleine Zucchini

1 kleinen Blumenkohlkopf

Salz, Pfeffer, Kräuter, Olivenöl

 

Ich habe zuerst die Kartoffeln geschält und sie in dickere Scheiben geschnitten. Auch die Karotte wird geschält, der Länge nach halbiert und in Halbmonde geschnitten. Kocht die Kartoffeln etwa 10 Minuten in Salzwasser, nach 5 Minuten Kochzeit gebt ihr die Karotten dazu. Wenn alles gar ist, das Gemüse absieben.

Währenddessen den Blumenkohl in Röschen zerlegen und die Zucchini in feine Scheiben schneiden. Das Gemüse in einer Pfanne mit Olivenöl anrösten. Mit etwas Wasser und Sahne ablöschen, gut mit Salz und Pfeffer würzen und gar köcheln, bis sich die Flüssigkeit gut reduziert hat.

Die Zwiebel würfeln, in einer flachen Pfanne Öl erhitzen und die Zwiebelwürfelchen glasig andünsten. Kartoffel-Karotten-Mischung darüber geben und ein bisschen mitbraten.

Die Eier mit etwas Milch verquirlen, mit Salz und Pfeffer würzen und den Käse unterheben. Die Eimischung über die Kartoffeln geben und unter rühren alles stocken lasen.

 

Habt viel Spaß beim Nachkochen!

 

Boss for one day – everyday

Gestern war ich Chef. Der running gag vom Vortag (echter Chef und drei Kollegen weg, ich allein mit einer Kollegin eines anderen Ressorts, dem Volontär und dem Praktikant = “Morgen ist Nicole der Chef”) hat mich zum Nachdenken gebracht. Bevor ein falscher Eindruck entsteht – ich habe niemanden herumkommandiert, ich hatte keine Peitsche in der Tasche stecken und mir keinen Kaffee bringen lassen. Ich war einfach den ganzenTag als Ansprechpartner gefordert, habe Texte gegengelesen, eigene geschrieben, den Praktikanten zu einem Pressegespräch mitgenommen usw.

Um möglichst seriös wahrgenommen zu werden, habe ich gestern Morgen zu schwarz gegriffen. Schwarze Lederhose, schwarzer Blazer. Ich fühlte mich wohl in der Nichtfarbe und schrieb flapsig in meinen Instagramstatus “Boss for one day”. Viele Kollegen anderer Abteilungen dürften sich gewundert haben. 🙂

Je länger mir diese Formulierung im Kopf herum ging, desto mehr musste ich schmunzeln. Klar, in der Redaktion habe ich sonst nix zu sagen. Ich sage, was ich meine, aber weisungsbefugt bin ich nicht. Das ist völlig in Ordnung.

Aber Zuhause bin ich natürlich jeden Tag der Boss. Und in diesem Zusammenhang ist mir der Artikel von David Eberhard eingefallen, den ich neulich in der Zeit gelesen habe. Er ist überzeugt davon, dass viele Eltern heutzutage Rotzlöffel heranziehen, weil sie ihre Autorität nicht wahrnehmen.

Er schreibt in dem Interview:

Eltern glauben, beste Freunde ihres Kindes sein zu müssen. Sie wagen nicht, ihm zu widersprechen.

Mich wundert das zutiefst. Nicht, weil ich das Phänomenn nicht kenne oder in meinem Umfeld schon beobachtet habe. Sondern weil ich es überhaupt nicht nachvollziehen kann. Womöglich oute ich mich als strenge Mutter, aber es gibt bei uns eine klarer Hierarchie. Erziehung findet liebevoll und mit Augenmaß statt (sieht man einmal davon ab, dass ich schon auch mal im ersten Affekt deutlich sagen kann, was ich nicht in Ordnung finde), aber sie folgt einem Gefüge von oben nach unten. Ich lasse meine Tochter dabei nicht im Dunkeln tappen, was sie falsch gemacht hat. Ich formuliere es so, dass eine Fünfjährige begreifen kann, was gut und was nicht gut ist. Und im Zweifelsfall folgen Konsequenzen.

Beispiel? Neulich hat das Kind bei einer Sammelpunkteaktion eines Supermarkts etliche Schleichtiere bekommen. Man konnte sie dank der gesammelten Punkte günstig kaufen. Gemeinsam mit der Oma ist das Kind unzählige Male dorthin gegangen, um sich ein Tier auszusuchen. Weil es den Pandabären aber nicht mehr gab, habe ich den im Spielwarenladen gekauft. Als Belohnung, weil sie etwas anderes ganz souverän und gut gemacht hat. Die Freude war groß.

Vor zwei Tagen habe ich allerdings entdeckt, dass das Kind die Tiere mit einem blauen Stift bemalt hat. Alle, rundherum. Nun ist das nicht unbedingt dramatisch, möchte man denken. Mich hat es aber geärgert, weil sich die halbe Familie ins Zeug gelegt hat, die begehrten und viel bespielten Tiere zu besorgen und ich der Meinung bin, dass es genug Papier im Haus gibt, auf dem sie sich künstlerisch austoben kann. Ich habe ihr also gesagt, dass ich es ziemlich blöd finde, wenn sie alles anmalt. Und weil der Protest nicht aufgehört hat, habe ich die Schleichtiere konfisziert. Sie werden ein paar Tage oder Wochen von der Spielfläche verschwunden bleiben. Natürlich war das Geschrei groß, aber – oh Wunder – mein Mädchen kam ein paar Stunden später auf meinen Schoß gekrabbelt und sagte, dass sie die bemalten Tiere auch doof findet. Sie erklärte mir, in welchem Zusammenhang sie die Tiere angemalt hatte (aus einem ausgedachten Spiel heraus), hat sich entschuldigt und versprochen, künftig die Stifte nur auf Papier zu benutzen. Für mich war damit ein Denk- und Lernprozess erkennbar. Natürlich bekommt sie ihre Tiere wieder.

Ich habe also gewagt, meinem Kind zu widersprechen. Und ich tue es gefühlt 3947 mal täglich. Schuhe gehören nicht auf den Sitz, Füße nicht auf den Tisch, man isst nicht mit den Fingern, man nimmt am Buffet nicht riesige Mengen, um nachher das meiste stehen zu lassen … all diese Kleinigkeiten sind für mich selbstverständlich. Ich möchte, dass sie für meine Tochter genau so selbstverständlich werden und dafür erkläre ich es ihr.

David formuliert es so:

Die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern ist immer asymmetrisch. Es ist die Beziehung von Meister und Schüler. Der eine unterrichtet, der andere hört zu. Die Eltern können Dinge besser einschätzen, weil sie mehr Erfahrung haben, mehr wissen. Sie sollten die Regeln machen.

Bevor ihr jetzt aber denkt, ich führe hier ein strenges Kommando – das ist überhaupt nicht so. In diesem Haus wird vermutlich mehr geblödelt und gelacht als in so manch anderem. Ich bin selbst ein großes Kind in vielen Dingen und begreife meine Tochter viel mehr aus dem Bauch heraus als mit dem Verstand. Aber wenn es um die Spielregeln geht, dann ist klar: Die machen die Großen.

Boss for one day – everyday. 🙂

Wie läuft das bei Euch?

DIY-Vogelfutter und warum ich selbst mehr Jod-s-11-Körnchen essen sollte …

Guten Morgen liebe Freunde der heimischen Vogelwelt! 

Als ich am Sonntag unseren Kühlschrank aufgeräumt habe, fiel mir eine Dose mit Fettriegeln in die Hände. Ich hatte das Kokosfett mal gekauft, um damit kalten Hund zu machen. (Und war entsetzt, wieviel Fett da reingehört, weswegen es das nie wieder gegeben hat, daher der Fettrest).

Ich drehte die Schachtel unschlüssig in den Händen hin und her und legte sie schließlich zurück. Irgendwann könnte ich die sicher noch … verwerten … zu … irgendwas. Man kennt das ja. Als ich an meinem Vorratsregal angekommen war auf meiner Aufräummission, fand ich eine halbvolle und offenbar vergessene Tüte Sonnenblumenkerne. Auch die legte ich erstmal zurück an ihren Platz. Sie waren zwar abgelaufen, aber ich werfe sowas nicht gerne einfach weg. 

 

Später am Sonntag saß ich bei Kerzenlicht auf dem Sofa und blätterte  durch eine Zeitschrift. Ich sah Vögel und Futterhäuschen und – kennt ihr das? – meine innere Stimme begann,  mir dazwischenzureden. Irgendwas rutschte wie zwei Tetrisblöcke in meinem Kopf zusammen. Es war ja eigentlich auch offensichtlich: Fett und Körner – geben Vogelfutter. 

Ich schnappte mir kurzentschlossen ein unbenutztes Donut-Blech, füllte die Mulden mit Sonnenblumenkernen, streute etwas Sesam dazu und goss das erhitzte Fett darauf. Im Kühlschrank entstehen dabei über Nacht perfekte Vogelfutter-Ringe.

Voller Begeisterung nahm ich die Ringe dann gestern mit zur Arbeit und wollte sie in der Mittagspause aufhängen gehen. Als ich in der Redaktion aufschlug, guckte mich meine liebe Kollegin verdutzt an. “Wolltest Du nicht erst heute Nachmittag kommen?” Fun fact über mich: So wie ich Sonnenblumenkerne im Schrank vergesse, vergesse ich auch freie Vormittage. Ich arbeite nämlich ehrlich und wirklich gerne. Wir gackerten ein bisschen über meine Vergesslichkeit und ich setzte mich hin, um den Kabarettabend vom Montag zu schreiben. Danach verabschiedete ich mich einfach wieder, fuhr zu einem nahe gelegenen Waldrand und hängte meine Vogelringe auf. Unter Umständen überlege ich mir, selbst öfter ein paar mehr Jod-s-11-Körnchen zu essen. Soll dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Wenn ihr es nachmacht – natürlich gehen auch Haselnüsse oder Sonnenblumenkerne mit Schale oder Hirse oder oder. Einfach zumnächsten Waldspaziergang mitnehmen und nem Piepmatz ne Freude machen!

Aber damit nicht genug: Hannah war von der Vogelring-Gießaktion natürlich begeistert. Sie liebt das Futterhäuschen hinterm Haus und kennt viele Vögel beim Namen (die ich nicht kenne). Man kann das prima mit Kindern machen, sie können die Gießförmchen befüllen, während Mama am Herd aufs Fett aufpasst. Und weil es draußen schon dunkel war und wir keine Gelegenheit mehr hatten, gleich noch nach den gefiederten Gästen zu gucken, habe ich ihr eine neue Malvorlage gestaltet: Winter am Vogelfutterhäuschen.

So sieht sie aus, ihr könnt sie mit dem Link oben gerne für Eure Kinder runterladen und ausdrucken.

 

Wenn Deine Kinder noch kleiner sind und ihr trotzdem gerne etwas zum Thema Vögel miteinander basteln wollt, findest Du vielleicht auf meinem Pinterest-Board etwas passendes. Da sind auch diese Fensterbilder mit dabei, die wir vergangenes Jahr zusammen geklebt haben.

Und ich? Mach jetzt die Flatter, denn ich werde in der Redaktion erwartet. Glaub ich zumindest. 🙂 Startet gut in Euren Mittwoch!

 

 

Adventskalender: Check. Und: Warum es nächstes Jahr nur Gummibärchen gibt.

Ich erinnere mich noch gut an vergangenes Jahr. Mir fiel siedenheiß kurz vorm ersten Dezember ein, dass ich Hannah einen Adventskalender versprochen hatte. (Den vom Jahr zuvor findet ihr hier.) Weil es in der Weihnachtszeit genug Süßes gibt, sollte es einer sein, der mindestens zur Hälfte mit nicht-Essbarem gefüllt ist. Ich verzweifelte also einen ganzen Nachmittag lang in der Stadt herum und suchte nach zwölf Kleinigkeiten.

Um mir diesen Druck zu ersparen, hat die kluge Mutter in diesem Jahr vorgesorgt und immer Kleinkram gekauft, sobald er mir begegnet ist. Zeitlich kamen wir so super hin. Zumal mein Mann nach dem selben Prinzip Kleingedöns mitgebracht hat und wir vor etwa zwei Wochen feststellen mussten, dass es jetzt locker für einen völlig süßigkeitenfreien Adventskalender reicht. Beim Einpacken ist mir allerdings dann auch klar geworden, dass es der vermutlich teuerste Adventskalender aller Zeiten geworden ist. Wie bereits angedroht gibt es nächstes Jahr einfach Gummibärchen. Oder Kürbiskerne. Pro Tag einen, versteht sich.

Was ich ebenso unterschätzt habe: Die Einpackzeit. Während sich das Kind am Sonntag mit Oma “Des Kaisers neue Kleider” angeguckt hat, habe ich Päckchen geschnürt. Und Päckchen geschnürt. Und … ihr wisst schon. (Weiteres wichtiges Kriterium für die Geschenke Gummibärchen nächstes Jahr: Nur rechteckige Dinge verschenken. Wer schon mal Schleichtiere in Packpapier gewickelt hat, weiß, wovon ich rede.)

Auch in diesem Jahr habe ich meine Adventskalenderzahlen selbst gemacht. Ihr könnt sie Euch als pdf hier herunterladen. Wer es zu Weihnachten lieber rot-grün mag, kann sich hier bedienen und wer auf eisig-kühle Blautöne steht, nimmt sich diesen Bogen.

Die Schüssel ist aus Emaille, außen schwarz und innen weiß. Als ich sie im Sommer bei einer Apothekenauflösung gekauft habe, wusste ich natürlich ganz genau, dass darin der diesjährige Adventskalender zur Geltung kommen wird. Na-tür-lich.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Einpacken und Kleben und natürlich schon jetzt eine spannende Adventszeit.

Gerne bin ich wieder wie immer dienstags in der Runde der Kreativen mit dabei!

Creadienstag  

Dienstagsdinge

Handmade on Tuesday

 

Ich will der Bestimmer sein! Warum ich mich nur noch mit Gutem umgebe.

Heute war Volkstrauertag. Das wurde mir aber erst bewusst, als ich mich kurz wunderte, warum die Flagge vorm Rathaus hier im Ort auf Halbmast hing. Sagen wir so: Der Volkstrauertag war überall, nur nicht bei mir. Ich hatte heute einen der produktivsten Tage der Woche. Wenn man es genau nimmt, war das Wochenende insgesamt ziemlich großartig. Am Freitag hatten wir einen tollen Abschluss beim Laternenlauf bei uns mit Punsch und roter Wurst. Innerhalb kurzer Zeit drängten sich über 50 Leute auf engstem Raum und es war einfach nur schön und gesellig (high five an die besten Elternbeiratskollegen!). Am Samstag habe ich den gewohnten Tagesrhythmus völlig auf den Kopf gestellt. Statt Großputz war ich mit Hannah Schuhe kaufen, mit einer Kollegin Kaffeetrinken und zum Mittagessen gab es den weltbesten Apfelkuchen. Geputzt habe ich trotzdem noch, aber es hat gut getan, mal ausgetretene Pfade zu verlassen.

Aber zurück zu heute: Ich bin aufgestanden und ich und die Kleine haben gemütlich miteinander gefrühstückt. Mein Mann musste heute arbeiten und so hatten wir zwei Mädels freie Bahn.  Ich habe die Energie schon beim Aufstehen gespürt. Nach dem Kaffee hielt mich nichts mehr. Ich wienerte die Waschbecken und warf eine Waschmaschine an, wir räumten das Kinderzimmer gründlich auf und ich entrümpelte den Kühlschrank. Ich hab für uns beide frische Tortellini gekocht mit Frischkäse-Rahmsoße. Nach dem Essen hat die Oma das Mädchen ins Kindertheater mitgenommen – und ich hatte endlich sturmfrei und konnte den Adventskalender für die Maus verpacken.

 

Fun fact an Rande: Hätte ich diese Adventskalenderzutaten alle auf einmal gekauft, wäre ich an der Kasse bei der Endrechnung vermutlich auf der Stelle schreiend aus dem Laden gelaufen. Weil ich den Kleinkram aber übers letzte halbe Jahr verteilt gekauft habe, ist mir gar nicht aufgefallen, wie teuer so ein Adventskalender werden kann. Memo an mich: Wir gleichen das nächstes Jahr aus und es gibt nur Gummibärchen im Adventskalender. Eines jeden Tag.

Während ich also so vor mich hin rechnete klebte und faltete, hing ich meinen Gedanken nach. Dieser Sonntag fühlte sich so richtig gut an. Nach mir. Das Wetter draußen vor meinem Fenster war typisch November und schrie nicht nach einem längeren Aufenthalt im Freien. Aber es hatte null Einfluss auf meine Stimmung. Denn ich war im Flow, mit mir, fokussiert auf meinen inneren Kompass. Nur tun, was sich gut anfühlte. Aber vor allem: Etwas tun. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass der Mensch nicht fürs Nichtstun gemacht ist. Es macht mich nicht glücklich, den ganzen Sonntag auf der Couch zu verbringen. Frühstück im Bett? Heaven help!

Denn Nichtstun ist eine Energie, die mich nicht entspannt. Die mir nicht entspricht. Nicht, weil ich ein notorischer Workaholic wäre oder eine Perfektionistin, die nicht ruhig sitzen kann. Ich (er)schaffe einfach gerne. Ich liebe diese kreativen Vibes, die mich motivieren, Dinge anzupacken, sie besser zu machen, die mich aus Chaos Ordnung schaffen lassen. Am besten trifft es wirklich die Beschreibung “innerer Kompass”. Wenn ich der Richtung folge, die mir diese Nadel zeigt, dann flutscht es. Ich lasse es einfach laufen und genieße den Flow. Es ist Sonntag, ich weiß. Na und? Negative Energien wie Lustlosigkeit, Melancholie, Trübsinn – ich wehre mich bewusst gegen sie. Denn natürlich kenne auch ich das – es ist der einzige freie Tag der Woche, an dem man zum absoluten Stillstand kommt, man hat nicht wirklich was vor, lümmelt auf der Couch rum bis der Tag zu weit fortgeschritten ist, um noch etwas Größeres anzupacken. Und am Ende ist man unzufrieden und froh, wenn der Montag einen wieder in den gewohnten Trab bringt. Aber ehrlich – wer will das denn? Jeder Tag soll meiner sein. Oder wie Hannah sagen würde “Ich will der Bestimmer sein”.

Schlechte Energie hat aber nicht nur etwas mich “sich hängen lassen” zu tun. Schelchte Energie wird auch von außen an uns alle herangetragen. Ich habe mittlerweile eine sehr feine Antenne dafür, welche Menschen mir guttun und von welchen ich mich höflich fernhalte. Was mich runterzieht, sind “ja-aber-Menschen”. Jeder kennt so einen, der alles immer irgendwie gut findet, wenn da nicht das aber käme. So sicher wie das Amen in der Kirche, sagen sie Dinge wie “Ja, es war echt toll, nur schade dass… ” oder “Hat Spaß gemacht, nur das Wetter…” oder “Wie schön, gefällt mir gut, aber …”

Ich frage mich in den allermeisten Fällen – warum tut ihr Euch das an? Warum genießt ihr nicht die tollen, schönen, spaßigen Dinge und blendet den Rest aus, der vielleicht nicht gerade alles andere getoppt hat? Wenn ich mich mit jemandem bei einem Kaffee zusammensetze, kann ich zuhören. Ich kann auch Ratschläge geben, wenn ich um solche gebeten werde. Ich kann meine Ideen einbringen und auch trösten, wenn notwendig. Was ich aber nicht kann: Mich gemeinsam in die “Ach haben wir’s alle schwer”-Soße zu werfen und ein bisschen in gemeinsamem Mitleid zu baden. Jeder von uns steht mal vor Herausforderungen oder Schwierigkeiten. Aber niemand wird sie für dich lösen, wenn Du versuchst, alle auf Deine Ebene zu ziehen. Das Gejammere über den Stress mit den Terminen der Kinder, über den Mann, der nicht mithilft im Haushalt, über den Preis für Kinderschuhe oder das Wetter, bei dem man ja gar nicht mehr mit den Kids in den Garten kann … und erst die Schwiegermutter. Und die Afd. Und eigentlich ist alles furchtbar schlimm.

Dieses Genöle hat nur einen Sinn – die Nöler wollen hören, dass es allen so geht. Dass jeder mit denselben Problemen konfrontiert ist und das schon alles in Ordnung ist so. Sie fühlen sich nämlich nur sicher in einer Herde von Schafen, die in derselben Tonlage blöken. Ich habe nur überhaupt keine Lust dazu. Nichts liegt mir ferner, als in der Meckermasse zu verschwinden. Denn – nicht vergessen – ich bin der Bestimmer. Und ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn es also darum geht, aus der Reihe zu tanzen, bin ich die mit den höchsten Absätzen auf dem Parkett. Ich habe ein einziges Leben. Ich will es nicht im Jammertal verbringen.

Auch ich habe Herausforderungen zu meistern. Nicht immer geht mir alles leicht von der Hand und an manchen Tagen möchte ich mich gerne verkriechen. Aber diese Laune hält ganz genau fünf Minuten an (wenn’s hochkommt), denn dann wirft mir mein inneres Ich augenrollend den Rettungsring zu und sagt, “jetzt ist aber gut, Du könntest längst an der Lösung des Problems arbeiten”. Ich mache mir bewusst, dass die Zeit, die ich mit dem Bewundern des Problems verschwendet habe, lange genug war. Dann beginne ich zu arbeiten und bin eben wieder der Bestimmer.

Und zuletzt noch ein Wort zum Thema Stress. Wen man auch trifft auf dem Markt oder im Café: Auf die Frage,”wie geht’s?” sagen die meisten Menschen “gut, halt immer im Stress”. Scheinbar ist Stress zu haben ein völlig normaler und womöglich auch noch erstrebenswerter Zustand. Ich habe keinen Stress. Aus Prinzip nicht. Ich habe oft viel zu tun und wenig Zeit dafür. Aber das erfordert konzentriertes und effektives Arbeiten. Stress ist für mich was anderes. Wenn ich einen Plan habe und jemand anderes meinen geplanten Ablauf durcheinanderbringt – das stresst mich. Genau fünf Minuten eben. Dann kommt der Rettungsring – you get the point.

Mit diesen Gedanken zum Sonntag wünsche ich Euch jetzt einen guten Start in eine neue, produktive, wunderschöne Woche voller Hochs. Ihr habt’s im Griff, nicht vergessen.