Mein Leben…

… War ein Trampelpfad. Zwar nicht immer gerade, aber das sind Trampelpfade ja nie, aber doch gut eingelaufen und gewohnt. So war das. Vor dem Kind. Jetzt bin ich auf einem Schotterweg unterwegs, dessen Richtung sich jeden Tag neu bestimmt. Manchmal ist es auch eine vierspurige Autobahn und manchmal ein Holzrückeweg, für den ich mir mutig Machete und Gummistiefel zurecht lege. Alles in allem halte ich Kinder für das letzte große Abenteuer der Menschheit. Sie sind winzig aber ihr Einfluss auf uns ist riesig. Wenn die Minimaus unglücklich guckt, rennt die Mama nach der Spieluhr, sucht Schnuller und macht sich zum Affen, bis da endlich wieder ein Lächeln übers Gesichtchen huscht. Wenn sie bei Nacht in ihrem Bettchen liegt, grunzt, röchelt, s hnarcht und fiept, fahre ich immer wieder panisch hoch, knipse das Nachtlicht an und gucke, ob das Kind nicht grade dran und drauf ist, im Erbrochenen zu ersticken. War bislang nie der Fall. Man kann es mir aber auch schwer recht machen, denn wenn ich gar nichts höre, schrecke ich panisch auf um zu sehen, ob das Kind noch atmet. Meist gucken mich zwei Kulleraugen fragend an, die sich über die nächtliche Dauer-Beleuchtung wundern.
Und ich glaube ja, dass das erst der Anfang ist…

Und noch was…

… was mich nervte bei der Gebärmutterkursfortsetzung – die Mädels wetteifern geradezu, wer den besten PEKiP-Platz und den schönesten Pool zum Babyschwimmen ausgemacht hat. Es gebe in unserer Stadt nur noch PEKiP-Plätze für Kinder, die im November geboren seien, da HÄTTE ich aber echt Glück…

Ihr hättet die Gesichter sehen sollen, als ich mich bereit erklärte, meinen Platz gerne zu räumen, für eine, die sowas notwendig findet, ICH würde mein Kind von diesem Frühförderwahnsinn gerne fernhalten und hätte auch selbst keine Lust auf Säuglings-Feng-Shui mit überkandidelten Übermüttern.

Vielleicht sollte ich nächstes Mal einfach stillschweigend weiterbeckenbödeln, bevor ich zum Hassobjekt werde…

Der Gebärmutterkurs…

…ist wieder vereint und betreibt gemeinsam Geburtsnachbereitung. So manche frischgebackene Mama sehnt sich offensichtlich nach der Schwangerschaft zurück, da war der Kursabend noch geprägt von mentalen Entspannungsreisen in den kleinen Zeh untermalt von nervtötender entspannender Panflötenmusik…
Ja ich lästere hier, aber das ist MEIN Blog, ich darf das.
Wir liegen nun also nicht mehr in Kissenberge gebettet auf Matten und atmen in unser linkes Ohrläppchen, nehein, wir hüpfen, steppen und beckenbödeln nach Musik und lassen die Muskeln spielen. Sofern es solche gibt. Denn während unsere Hebamme auf ihrem Gymnastikball herumhüpft, motiviert die Arme in die Luft reißt und nebenbei noch Geschichten aus ihrem Erfahrungsschatz zum Besten gibt, sieht es auf der Jungmutterseite ganz anders aus: Schwitzende Frauen zuppeln genervt ihre etwas optimistisch bemessenen Sporthosen zurecht, schwingen die Arme mit verbissenem Gesichtsausdruck über den Kopf und benötigen sämtliche geistige Kapazität für die Koordination von Beinen und Armen. Anekdoten erzählt hier keine. Zugegeben, es sind nicht alle Mädels so bräsig. Ein paar halten gut mit. Und das sind seltsamerweise auch die, die während der Schwangerschaft nicht für zwei Erwachsene gefuttert haben mit der Begründung, man könne ja nach der Geburt mit Sport anfangen…
JA, ich lästere. Böse. Pschscht.

Ich bin dement!

Und zwar stilldement. Während ich das Phänomen der Schwangerschaftsdemenz für eine faule Ausrede schusseliger Baldmütter hielt, hat mich die Stilldemenz jetzt erwischt und voll im Griff. Ich bin nicht mehr richtig zurechnungsfähig. Beispiel gefällig?
Kürzlich telefonierte ich mit meiner Mama. Zweimal. Im einen Telefonat erzählte sie mir, sie und mein Vater wollten gemeinsam zu Bekannten gehen und weil das Wetter ganz ok sei, wollten sie zu Fuß gehen. Deswegen kämen sie nicht bei mir vorbei. Im anderen Telefonat berichtete sie, das Wetter sei jetzt doch nicht so toll und da sie das Auto nähmen, kämen sie dann auch bei mir vorbei. Ich also wartete. Und wartete. Aber keiner kam. Gegen Abend wagte ich es, meine Mutter auf dem Handy anzurufen. Völlig entgeistert wiederholte sie, dass sie mir doch extra angerufen habe, um mir mitzuteilen, dass das Wetter überraschend doch besser geworden sei und sie daher NICHT zu mir kommen wollten, weil sie nun eben zu Fuß unterwegs seien… Ich hatte wohl schlicht die Reihenfolge der Anrufe verwechselt. Tags darauf stellte ich fest, dass uns die Windeln ausgehen. Ich beglückte also die Oma mit einer halben Stunde Babysitten und fuhr einkaufen. Als ich zurückkam, packte ich gut gelaunt meine Schätze aus. Wurst, Camembert, Obst, Schokolade, sogar an das Shampoo und die Zeiung hatte ich gedacht. Einzig Windeln… die hatte ich völlig vergessen. Und so geht es weiter. Ich richte mir morgens eine Schale Müsli, die ich am frühen Nachmittag im Esszimmer entdecke, unangetastet. Ich will in die Stadt fahren und finde mich plötzlich in der Hofeinfahrt meiner Eltern wieder…
HILFE!

Erkenntnis…

…des Tages:

Einen Tagesablauf mit Säugling am Vortag zu planen ist in etwa so sinnvoll, wie das Wetter für nächste Woche bestimmen zu wollen.

Frau Organisationsvenus bekommt gerade eine Lektion in Sachen laissez-faire, Geduld und Flexibilität.

Erkenntnis…

…des Tages: wer sich bei einem völlig verkackten Kleinkind nebst verkacktem Body, verkackter Wickelauflage und dank der töchterlichen Euphorie beim großen Geschäft auch noch verkackter Tischplatte nebst Teppich (!) vor Begeisterung abklatscht und gemeinsam trällernd warme Waschlappen organisiert und gegenseitig Feuchttüchlein und frische Windeln anreicht… Der ist entweder völlig neben der Spur oder eben vor Kurzem Mama respektive Papa geworden und freut sich einfach wie Bolle über den entspannten Gesichtsausdruck seines Säuglings, der da sagt: eeendlich ist es raus. Hach.
Wollte keiner so explizit wissen? Seid froh, dass ihr es nicht saubermachen musstet!

Erkenntnis…

…des Tages:
Ein Kind zu haben macht albern.
Meine Mama war neulich da und staubsaugte den Flur, während ich mit Hannah auf dem Sofa saß. Sie hörte das Geräusch des Staubsaugers und guckte mich groß und fragend an. Und ich erklärte:

“ja was macht da draußen brummbrumm? Ja was maaacht da so brummbrumm? Ist das die Omi mit dem Sauger? Macht die Omi brummbrumm mit dem Sauger? Ja ist das eine feiiine Omi?”

Mein Kind guckte mich ausdruckslos an. Sie fragte sich vermutlich, warum ausgerechnet sie an eine grenzdebile Mami geraten musste… Aber was hätte ich sagen sollen? “lausche mein Kind, Deine gütige Großmutter reinigt geräuschvoll den Flur?!”

Ein Kind zu haben…

…macht sehr dankbar und uneigennützig. Aber kühlschrankkalter Quark auf nackter Haut ist schon ne Überwindung… Aber was tut man nicht alles.
Erkenntnis des gestrigen Abends: Quarwickel sind uuuuuaaaaaahhhhh….. (helfen aber)