Die Wortakrobatik der Oberschwaben

Liebes Leben,

ich, als gebürtige Schwäbin, bilde mir ein, über meinen Dialekt viel zu wissen. In Oberschwaben gelten allerdings völlig andere Regeln. So ist zum Beispiel der Begriff „Handschuhe“ da wo ich herkomme ganz klar mit „heeedscha“ zu übersetzen. In Oberschwaben aber sagt man „hendsche“. („I han huit moine hendsche vergessa“)
Aber nicht genug damit, dass man völlig anders spricht, Wörter haben gleich ganz andere Bedeutungen. Während man bei uns unter einem „Riasel“ die Nase eines Elefanten oder – weniger schmeichelhaft – die selbige eines Menschen versteht, so ist im Oberschwäbischen ein Riasel ein schmutziger Mund. Man sollte sich also nicht ärgern, wenn jemand zu einem sagt: „Du hosch aber en scheeena Riasel“, er meint keinesfalls die große Nase, sondern weist vielmehr auf Speisereste an den Mundwinkeln hin. Also, nicht hauen, sondern danke sagen.
Spannend wird es dann aber, wenn sich noch die nahen Bayern sprachlich einschummeln. So sagte mir neulich eine Verkäufern, nach ihrem Chef gefragt: „Der hat huit KOI Zeit NED“. Ich rätsle immer noch, was sie wohl gesagt hätte, wenn der gute Mann welche gehabt hätte. Wahrscheinlich „der hat huit ned koi Zeit, ned“. Nett!

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