Topfgeschichten – von Knödeln, Röstlauch und Spongebob in der Brühe

Es gibt ja Tage, an denen man mit dem falschen Fuß aufsteht. Braucht keiner. Aber dann gibt es noch Tage, an denen man aufgestanden wird. Wie ich gestern. Um 6:51 klingelte das Telefon und ein leicht seniler älterer Herr verlangte nach meinem Mann, der schon aus dem Haus war. WER RUFT BITTE ZEHN VOR SIEBEN BEI FREMDEN LEUTEN AN? Meiner guten Erziehung war es geschuldet, dass ich ihn nicht fernmündlich einen Kopf kürzer gemacht habe. Aber an Schlaf war danach nicht mehr zu denken, weil das Kind bei meiner Rückkehr ins Schlafzimmer interessiert im Bett saß und fragte „wer war denn das?“.

Wir saßen also tatsächlich um kurz nach sieben beim Frühstück. Voller Vorfreude blätterte ich mich durch mein neues Veggie-Kochbuch und beim Gedanken an Knödel mit Rahmlauch lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ich guckte fortan alle halbe Stunde ungläubig auf die Uhr. Um neun war ich mir sicher, es wäre jetzt endlich an der Zeit, mit dem Kochen anzufangen. Da der Gnom sich anschickte, die Kinderküche auf den Kopf zu stellen, beschloss ich, die Wartezeit mit Sinnvollem zu überbrücken und machte mich an den Badputz. Klar, dass die Dame, die angerufen hatte, um in einer halben Stunde was abzuholen, exakt neun Minuten nach dem Telefonat an der Tür klingelte, just in dem Moment, in dem ich unten ohne in der Dusche die Fliesen scheuerte. Und klar, dass das Telefon läutete, als ich gerade wieder in die Duschtasse zurückgestiegen war UND ES NUR EIN DÄMLICHER WERBEANRUF war.

Fast schon erleichtert verräumte ich gegen halb elf das Putzzeug und machte mich auf in die Küche.

Es sollte Chamignon-Knödel mit Käse-Rahm-Lauch geben. Nun. Während ich die Knödelmasse anrührte, verzog sich das Kind lesend unter den Küchentisch und kam erst wieder darunter hervor, als es festgestellt hatte, dass man unterm Tisch nicht aufstehen kann und getröstet werden wollte. Während ich die mühsam geformte Knödelmasse in das heiße Salzwasser rutschen ließ und skeptisch beobachtete, wie sich Pilze und Brotstückchen selbstständig machten, begann der Lauch in der Pfanne nebenan verdächtig zu rauchen. Fluchend friemelte ich die dunklen Fetzen heraus und betrachtete mein Knödelwasser. Was ich einst hoffnungsvoll als Projekt „Meine ersten Knödel“ begann, sah jetzt aus, als hätte ich Spongebob Schwammkopf mit Champignons gefüllt und ins heiße Wasser geworfen. Weil das Kind schon einen Teller und einen Löffel geholt hatte und „wir haben Hungerhungerhunger“ skandierte (ja, die kann das schon…), gab es Lauchgemüse fürs Kind. Nach zwanzig Minuten hatte sich aus der aufgequollenen Masse leider immer noch nicht wie durch Zauberhand ein ansehnlicher Knödel formiert, und so brachte ich das müde Kind erstmal ins Bett.

 

Ich wäre ja aber nicht ich, wenn ich mich von Röstaromen-Lauch und Schwammerl-Schwamm ins Bockshorn jagen ließe. Die Lösung des Problems lag einfach an der Konsistenz der Knödelmasse. Mit ein bisschen mehr Mehl ließen sich aus dem Rest der Masse drei adrette Knödel formen, die in 20 Minuten ihrem Garpunkt entgegensiedeten.

Und weil ihr Euch jetzt nicht umsonst bis hierher müdegelesen haben sollt, hier das Rezept:

Für das Gemüse benötigt man zwei Stangen Lauch, drei Scheiben Gouda (oder Gouda am Stück), 250ml Gemüsebrühe, 150g Crème fraîche, Butter, Salz und Pfeffer. Der Lauch wird geputzt und in Ringe mit etwa einem Zentimeter Stärke geschnitten. Mit Butter wird er in der Pfanne kurz (!) angebraten, mit der Brühe abgelöscht und gewürzt. Den Gouda schneidet oder hobelt man und gibt ihn zur Brühe, dass er schmelzen kann. Am Schluss die Crème fraîche unterrühren und nochmal abschmecken.

Für die Knödel braucht man 250 altes Brot oder Toastbrot aus Weißmehl, 200 ml heiße Milch, 150 g Champignons, 1 Zwiebel, 3 Eier, Butter, 2 Esslöffel Mehl, Salz und Pfeffer. Das Brot schneidet man in kleine Würfel, gibt in einer Schüssel die heiße Milch dazu und lässt es 15 Minuten ruhen. Die Champignons werden geputzt, in Würfel geschnitten und mit der Zwiebel und mit Butter in einer Pfanne angebraten. Die Eier verquirlen und mit der Pilzmischung unter die Brotmasse heben. Alles würzen und soviel Mehl dazugeben, bis eine gut formbare Masse entsteht. Im heißen Salzwasser (soll nicht sprudelnd kochen) sollen die Knödel etwa 20 Minuten garziehen.

Der zweite Versuch hat wunderbar geklappt und ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Dann vielleicht an einem Tag, an dem ich halbwegs ausgeschlafen bin. Dann klappt’s auch mit dem Lauch.

 

4 Antworten auf „Topfgeschichten – von Knödeln, Röstlauch und Spongebob in der Brühe“

  1. Ich liebe alles mit Lauch – Lauchkuchen, Lauchgemüse, Lauchsuppe, Salat mit Lauch…. was mich daran erinnert, daß noch 4 Portionen Lauch-Käse-Suppe eingefroren sind – tralalalala

    1. Dann mal frohes Auftauen! Ich bin auch großer Lauchfan, weil er vielseitiger ist, als man denkt. Lauchkuchen hört sich aber spannend an. Ist das so ne Art Quiche?

  2. Ja – im Grunde wie Zwiebelkuchen – aber eben mit Lauch. Ich habe nichtmal ein besonderes Rezept dafür, weil es durchaus vorkommt, daß der gemacht wird, aus dem, was der Kühlschrank so hergibt.

    Mal auf dem Blech (für viele), mal in der Springform für den kleineren Kreis.

    Aber ich kann Dir mal so ad hoc in etwa sagen, wie ich den mache. Nehmen wir mal an, du hast eine Party und ein tiefes Backblech.

    2 Rollen TK-Blätterteig (da geht übrigens prima der fettreduzierte)
    ca. 1 Kg Lauch (oder wenns nur ein Rest ist – mit Zwiebeln kombinieren)
    2 Pakete Fetakäse
    ca. 3 Eier
    Etwas Milch
    ein paar Löffel Mehl
    Schmand oder Creme Fraiche oder Saure Sahne
    Salz, Pfeffer, gekörnte Brühe

    Für Nicht-Vegetarier Schinkenwürfel oder Speckwürfel

    Lauch putzen und in dünne Ringe schneiden. Dann in einer großen Pfanne mit ein bißchen Butter oder Brühe andünsten (das zieht Wasser – aber das muß man nicht wegkippen) bis der Lauch schon einigermaßen weich ist – da reichen ja ein paar Minütchen. Das macht den Lauchkuchen bekömmlicher.

    Blech mit dem Blätterteig auslegen – so, daß er sich an der Nahtstelle etwas überlappt, damit der Lauchkuchen nicht bricht. 2 Rollen reichen eigentlich perfekt für ein Blech (wenn man die beiden ausgerollten Teigstücke an der langen Seite etwas überlappend legt). Teig auf dem Trägerpapier lassen – das ist ja erstklassiges Backpapier!

    Gedünsteten Lauch darauf gleichmäßig verteilen, Schinkenwürfel (Katenschinken aus dem Kühlregal ist prima) ggf. verteilen.

    Nun Eier, Schafskäse, Milch, ca. 1-2 Eßl Mehl, Schmand, 1 Teel. gekörnte Brühe (so in Brösel, nicht auflösen!) Etwas Salz (Vorsicht – Schafskäse ist ja schon salzig), Pfeffer, evtl. vorh. TK-Käuter im Mixer durchmixen.

    Drübergießen, ab in den Ofen. Ca. 200 ° und ca. 30 – 35 Minuten – wenns oben goldbraun wird und der Teig knusprig am Rand, ist der Lauchkuchen fertig.

    Geht warm, kalt, am nächsten Tag gemicrowellt….

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