Ich mach dann mal mein Ding …

„Gibt es eigentlich etwas, das Du nicht kannst?“ – eine Bekannte stellte mir neulich lachend diese Frage, als wir darüber sprachen, womit wir so unsere Freizeit ums Kind herum füllen und ich vom Nähen, Malen, Basteln, Backen, Bloggen und Klavierspielen erzählte. Ich überlegte kurz und antwortete dann, dass ich vermutlich nicht in der Lage wäre, eine Marsmission zu leiten. Dann zögerte ich. In meinem Kopf tauchte ein Luftballon auf, Pappmaché und rote Farbe. „Doch warte, wenn der Mars in meinem Esszimmer ist und mein Kind der Astronaut und eine Klopapierrolle die Rakete …“ „HÖR SCHON AUF, ist ja gut“, sagte mein Gegenüber glucksend und schüttelte den Kopf.

Warum erzähle ich Euch das? Weil ich glaube, dass ganz viel Potential unausgeschöpft verkümmert. Es gibt da nämlich diesen inneren Schweinehund, der sagt, „lass das lieber, geht ja doch schief. Im Basteln/Singen/Musizieren/Reimen/Häkelnstrickennähen warst Du schon in der Schule schlecht. Du bist unsportlich, was willst Du im Schwimmbad? Gesundes Essen? Ist doch im Prinzip auch egal. Kochen? Für einen alleine … Kletterverein? Nachher ist es gar nicht mein Ding.“

Für jeden meiner Pläne könnte ich auf Anhieb fünf gute Gründe finden, es sein zu lassen. Warum sollte ich mit Hannah etwas basteln, was sie in zwei Tagen nicht mehr anguckt? Warum sollte ich mich jeden Tag wieder an den Herd stellen und etwas Neues ausprobieren? Für wen lerne ich Klavierspielen? Es ist ganz einfach erklärt – ich wache morgens auf und weiß, ein ganzer Tag liegt vor mir, den ich mit etwas verbringen kann, was mir am Herzen liegt. Niemals käme ich auf die Idee, es aus Gründen bleiben zu lassen. Es ist für mich genau das, was Leben ausmacht. Jeder Tag ist ein kleiner Baustein an einem Projekt.

Versteht mich nicht falsch, ich habe auch Tage, an denen die Kaffeemaschine streikt, das Kind bockt und der Schädel brummt. Und wäre das Prinzip des Prokrastinierens noch nicht bekannt, würde ich es persönlich erfinden. Ich bin keine besonders gute Hausfrau und würde ich es nicht lieben, wenn alles sauber ist, wäre ich vermutlich ein kleiner Messie (echter Prioritätenkonflikt hier!).

Aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die Herausforderungen und Aufgaben bewundern und sich mit einer Tasse Kaffee davor setzen und sie bis ins kleinste Detail studieren. Anstatt mir lange zu überlegen, wie unendlich lästig so ein Badputz ist, stelle ich mir ein frischgeputztes, duftendes Badezimmer mit flauschig gesaugten Teppichen und glänzenden Armaturen vor. Zack, da ist die Motivation. Anstatt mir von vornherein zu sagen, das Projekt XY zu groß für mich, zu kurzfristig, zu arbeitsintensiv ist, stelle ich mir vor, wie es am Ende aussehen und wie es mir am Schluss dabei gehen wird. Ich bin dann so geflasht, dass ich auf der Stelle anfangen will. Ich weiß dabei ziemlich gut, was ich mir zutrauen kann und was wirklich im Moment noch eine Nummer zu groß für mich ist. Und anstatt anfangs gleich am großen Ganzen zu scheitern (das Problem bewundern), breche ich jedes Projekt in kleine Schritte herunter. Der wichtigste ist der erste – einfach anfangen.

Und damit komme ich zu einem weiteren elementaren Punkt – Disziplin und Fleiß. Es klingt verstaubt und nach Stempeluhr und Zwang und sich quälen. Ich kann auch nicht behaupten, dass mich die pure Gückseligkeit übermannt, wenn ich zwei Körbe Wäsche herumstehen habe und das Kinderzimmer aussieht, als hätte ein kleiner Frischling darin nach Trüffeln gesucht. In solchen Momenten beschließe ich, einfach mal anzufangen. Und ich kann Euch versprechen – wenn der erste halbe Korb zusammen gelegt und der erste Quadratmeter Kinderzimmerfußboden freigelegt ist – läuft der Rest von selbst. Ich würde viel weniger auf die Reihe kriegen, wenn ich mich nicht ab und zu disziplinieren würde und mich (unter Selbstandrohung von Kaffeeentzug zum Beispiel, JAA, so kann ich zu mir sein!) einfach per geistigem Tritt in den Allerwertesten zum Anfangen zwingen würde. Ich bin ein kleiner Listenjunkie und freue mich, vom Zettel streichen zu können, was mich lang genug beschäftigt hat.

Bevor jetzt jemand sagt – „aber ich habe für meine Herzensdinge gar keine Zeit“, möchte ich sagen – Zeit hat man nicht. Man nimmt sie sich. Man nimmt sich Zeit, um Staubzusaugen, um zu Kochen, um Post zum Briefkasten zu bringen. Und wenn man etwas UN-BE-DINGT, mit vollem Herzen machen will, dann nimmt man sich dafür Zeit. Irgendwann schläft jedes kleine Kind, irgendwann hat jeder mal einen freien Sonntag. „Das artet dann in Stress aus“, sagst Du? Dann ist es kein Herzensprojekt. Dinge, die ich wirklich machen möchte, setzen mehr Energie frei, als sie verschlingen.

Um zum Anfang zurück zu kommen – es gibt mit Sicherheit Dinge, die ich nicht kann. Aber wenn ich etwas ausprobieren möchte, dann muss mir erst jemand beweisen, dass ich es nicht kann. Sonst mach ich es nämlich einfach.

Und jetzt? Jetzt guck ich mal, ob ich eine Klopapierrolle finde. Ich hatte da nämlich so eine Idee …

(PS: Sagt mir, dass ich nicht die einzig Bekloppte bin. Was macht ihr so nebenbei von Herzen?)

5 Antworten auf „Ich mach dann mal mein Ding …“

  1. Ja – es gibt Gelegenheiten, bei denen man sich einfach sagt „Wendy – Du mußt es nicht gern machen – Du mußt es nur einfach machen“. Dann geht das auch vorbei.

    Ab und an habe ich auch Kreativitätsschübe – und dann bin ich wieder völlig faul – denn kann es was Schöneres geben, als auf einem frisch aufgeräumten „frühlingsfertig“ gemachten Balkon einen Latte Macchiato zu trinken? Auch wenn drinnen der Staub unter den Möbel Mäuse bildet?

    Wobei Du definitiv kreativ begabter bist als ich – meine Stärken liegen eindeutig an anderer Stelle. Ich bewundere das ja sehr, was Du so zustande bekommst.

    Manches wäre mir viel zu frickelig. Aber ich hab ja auch nicht das Bedürfnis, das zu machen. Ich setz mich bei anderen Sachen einfach dran und mach es. Auch wenn ich was noch nie gemacht hab. Versuch mach kluch – und wenns nicht klappt, kann ich immer noch um Hilfe schreien.

    Manche Dinge mag ich nicht oder trau mich echt nicht dran – aber da weiß ich auch, wen ich fragen kann – diejenigen helfen dann gern. Ich muß nämlich nicht alles können. Ich find, ich kann ne ganze Menge!

    1. Genau. Einfach machen. Ich bin auch nicht immer kreativ. Manchmal verliere ich auch die Lust an einem Projekt und es schlummert eine Weile in der Schublade. Aber wenn es dann irgendwann fertig ist, überwiegt der Stolz. Und ja, vieles kann man, wenn man’s einfach probiert, ganz gut.

  2. Eigentlich denk ich nie drüber nach, ob ich was kann oder nicht. Ich probier es einfach und dann seh ich es schon .. 😉

    Als Ingenieur bin ich aber auch ganz klar lösungsorientiert. Das prägt vermutlich dann doch ziemlich.

    1. So könnte man es auch sagen. Ich überlege gar nicht, ob ich es vielleicht NICHT kann. Ich mach halt mal. Ich bin grundsätzlich auch lösungsorientiert. Mit Problemorientiertheit kommt man nicht weit. 🙂

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