Topfgeschichten – Käsecracker für die Zeitreise gefällig?

Bevor mein Mann nach Hause kommt, kontrolliere ich ein paar wichtige Punkte: Sitzt meine Frisur? Bin ich adrett angezogen? Stehen seine Pantoffeln da, wo sie hingehören? Ist das Abendessen fertig?

Denn wie heißt es im Handbuch für die gute Ehefrau so schön:

„Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht. Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen. Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme …“

Ich beherzige all das natürlich. Meistens. Manchmal. Also äh. Bei uns läuft das eher so ab: „Oh, Du bist schon da? Wir haben keine Brötchen mehr, lass uns das Kind zum Bäcker … ach so, noch zu klein. Ja hm. Ich geh noch kurz. Dann bis später! Meine Haare? Was soll mit denen sein? Ach, das bisschen lila, wäscht sich raus. Und geh ja nicht ins Bad, da liegen noch Radieschen rum. Ich will die erst noch fotografieren. Frag nicht.“

Ich bin sicher, ihr macht das alle besser. Ich hab das Handbuch ja auch noch nicht fertig gelesen. Aber ich habe die Radieschen dafür schließlich noch aus dem Bad geholt (ich kann nichts für die ungünstige gutes-Licht-schlechtes-Licht-Aufteilung in diesem Haus) und auf den Abendbrottisch gestellt. Da war der Mann auch glücklich.

Wer mir auf Instagram folgt hat es ja schon gesehen – es gab natürlich nicht nur Radieschen. Ich habe am Nachmittag herzhafte, mürbe Käseplätzchen gebacken. Ursprünglich hatte ich feine, zarte, dünne Cracker im Kopf, zu denen ich eine Guacamole machen wollte. Hätte ich das Rezept zu Ende gelesen … lange Geschichte. Herausgekommen sind schließlich knusprige, feinwürzige Kekse mit Walnüssen und Bergkäse. Weil die Kekse schon recht mächtig sind (und zu einem Glas Wein sicherlich heute Abend wunderbar schmecken, sollten noch welche bis heute Abend überleben) hatte ich keine Lust mehr auf Avocado dazu. Stattdessen habe ich ein feines Radieschencarpaccio zubereitet. Zusammen mit einer Honig-Balsamico-Vinaigrette verlieren die roten Vitaminbomben ihre Schärfe und passen prima zu den Käsekeksen.

Für die Kekse braucht ihr:

150g Bergkäse (oder Parmesan, mag ich aber nicht), 50g Walnusskerne, 250g Mehl, 2 Eier, 1 Eigelb, 1 Esslöffel Milch, Salz, Pfeffer, roten Paprika, 100g kalte Butter

Das Mehl wird mit den Gewürzen gemischt. Käse und Butter würfeln, mit den beiden ganzen Eiern zum Mehl geben. Walnusskerne in kleine Stückchen brechen und ebenso dazugeben. Mit den Händen oder den Rührhaken aus den Zutaten einen festen Teig kneten. Mit mehligen Händen den Teig halbieren und in zwei Rollen mit einem Durchmesser von etwa 4 – 5cm rollen. In Klarsichtfolie einwickeln und eine Stunde in den Kühlschrank legen. Danach werden von der Rolle etwa 1 cm dicke Scheiben abgeschnitten. Die legt ihr auf ein Backblech mit Backpapier, pinselt sie mit einer Mischung aus dem Eigelb und der Milch ein und backt die Kekse bei 200 Grad Ober-/Unterhitze etwa 14 Minten.

Für das Radieschencarpaccio habe ich eine Handvoll Radieschen in feine Scheiben gehobelt und auf einem flachen Teller kreisförmig angerichtet. Die Vinaigrette besteht aus hellem Balsamico, Olivenöl, Salz, Pfeffer und einem großzügigen Löffel Waldhonig. lch habe damit und mit ein paar Schnittlauchröllchen das Carpaccio beträufelt.

Kleiner Tipp – möglichst nicht lange stehen lassen, die Radieschen verlieren an Geschmack, je länger sie stehen.

Das Schälchen, in dem ich die Kekse angerichtet habe, ist ein Erbstück von meiner Oma. Ich finde die Form und den Haltebügel zauberhaft altmodisch und hatte es bislang einfach ungenutzt in der Vitrine stehen. Es stammt vermutlich aus der selben Zeit wie das Handbuch für die gute Ehefrau. Die Waage ist ein Erbstück aus der Küche meines Opas und hat mich heute gerettet, da die Batterie der modernen Waage den Dienst quittiert hat. Gut, dass man nicht alles wegschmeißt. Nur das Handbuch … ich glaube das kann ich getrost entsorgen. Bevor mein Mann mich einweisen lässt, weil ich ihm die Schuhe ausziehen will.

 

 

2 Antworten auf „Topfgeschichten – Käsecracker für die Zeitreise gefällig?“

  1. Wie herrlich geschrieben!! Nach dem ersten Absatz war ich ganz kurz leicht schockiert – was ist denn da los?? Essen auf dem tisch?? Haare gemacht? Alles für den liebsten? Nicht, dass es ihm nicht gegönnt sei – es war eher mein schlechtes gewissen, das mir leise flüsterte: „Vielleicht solltest du Zuhause nicht immer nur in Jogginghose rumlaufen? Oder zumindest mal eine neue, ansehnlichere Jogginghose kaufen? Und schönes Essen vielleicht nicht nur für Fotos anrichten, sondern auch für den Liebsten?“ Doch dann die Erleichterung: Die Bloggerfrauen-Männer haben es überall gleich schwer! SCHÖÖÖÖÖN!!!! 😀 😀 So muss das sein!

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