Is(s) was!

Wenn sich das süße Innenleben von roten Weintrauben mit einem leisen Knack der Schale in den Mund ergießt, wenn sich die zarte Fasrigkeit einer vollreifen Mango dazu gesellt und die cremige Konsistenz von griechischem Joghurt alles umhüllt … dann stelle ich fest, dass ich womöglich Werbetexterin für ne Müslifirma hätte werden sollen. Oder: Genussbotschafterin. Klingt das nicht wunderschön? Ich wäre gradezu geschaffen für diesen Beruf (der halt erst noch für mich geschaffen werden muss). Denn ich LIEBE gutes Essen. Und in den letzten Tagen und Wochen ist es ein Thema, das mich immer öfter beschäftigt. Sag mir, was Du im Supermarkt aufs Band legst, und ich sage Dir, wer du bist. Weil mich das Thema Ernährung neulich im Gespräch einen halben Abend lang beschäftigt hat, habe ich die Eckpfeilfer aufgeschrieben, die gutes Essen für mich ausmachen.

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Gutes Essen ist einfach. Wenn ich sage, ich liebe gutes Essen, meine ich nicht, dass ich am liebsten Rezepte mit ellenlanger Zutatenliste koche. Ganz im Gegenteil. Wenn ich eine Messerspitze hiervon und einen halben Teelöffel davon lese, bin ich meistens schon raus. Für mich ist gutes Essen etwas, das aus Grundzutaten besteht, die nicht vorverarbeitet sind. Ich will weder vorgepflückten, vorgewaschenen Salat, noch Kartoffelpürree in Pulverform oder vorgekochte Kartoffeln aus dem Glas. (Ja das gibt es wirklich.) Ich will die einzelnen Zutaten selber schälen und schnibbeln und wissen, was ich da in den Topf werfe.3

Gutes Essen hat nichts mit Kaviar und Austern zu tun. Abgesehen davon, dass mir beides nicht schmecken würde, würde ich es seit meinem Vegetarierdasein eh nicht mehr essen. Aber darum geht’s auch nicht. Luxus hat für mich nichts mit dem Preis zu tun. Luxus hat etwas mit Genießenkönnen zu tun. Ich kann Pellkartoffeln mit Rührei und Kräuterquark als Luxus empfinden, weil ich die Zubereitung genossen habe und weil ich selbstgemachtes Essen vor mir habe. Kartoffeln mit ein bisschen Butter und Salz – köstlich. Frisches Karottengemüse, selbstgekochte Eintöpfe und Aufläufe – es kommt nicht auf den Preis an, sondern auf die Bereitschaft, Zeit und Hingabe zu investieren. Wer mit Bedacht und Liebe kocht, wird sein Ergebnis immer als Luxus empfinden. Trotzdem bin ich bereit, für mein Essen gute Produkte auszuwählen. Regional ist mir dabei wichtiger als Bio, saisonal wichtiger als Lust-auf-Erdbeeren-im-Winter.

Bulgursalat Draufsicht

 

Essen ist keine Religion. Auch nicht für Vegetarier oder Veganer. Wer mit seiner Lebenseinstellung glücklich ist, soll essen, was er für richtig hält. Als ich mich dazu entschlossen habe, kein Fleisch mehr zu essen, habe ich das für mich alleine entschieden. Meiner Familie brate ich eine Extrawurst im Wortsinn, wenn sie es denn möchte, und breche mir dabei nichts ab. Am Schlimmsten finde ich persönlich die, die am Tisch sitzen und den anderen ihren Teller madig machen wollen. Ich finde es unmöglich, wenn „Andersesser“ missionarisch unterwegs sind und jedem ihre Ernährungsform aufzwingen wollen. Wer seinen Lebensstil so rechtfertigen und nach außen tragen muss, ist mit sich selbst nicht im Reinen. Ich esse, was ICH möchte. Und das gestatte ich selbstverständlich jedem anderen.5

Gesund essen ist kinderleicht. Einzige Regel: Iss keinen Müll. Frisches Obst und frisches Gemüse kommt jeden Tag auf unseren Tisch. Dazu muss ich hier keinen zwingen, es ist einfach die Grundlage unserer Ernährung. Argumente wie „dazu bin ich zu faul“ zählen nicht, denn es geht hier um den Treibstoff für meinen Körper. (Kennt ihr auch Leute, die extra an diese und jene Tankstelle fahren, weil es dort den extra teuren High-end-energy-Diesel gibt? Und die über die Lebensmittelpreise meckern und alles möglichst preiswert und einfach wollen? Finde den Fehler…) Und so genieße ich die Zubereitung mindestens ebenso, wie das Essen selbst. Ich schnibble jeden morgen frisches Obst und richte es für mich in ein Schälchen an. Ich esse es mit ein paar Haferflocken, mit Sesamsaat, mit Zimt, mit eigenem Honig, mit gutem Kakao, je nachdem, wozu ich Lust habe. Das macht nicht nur satt, sondern auch glücklich.6

Ich bin eine Nachteule. Mein Biorhythmus kommt abends um elf nochmal in Schwung. Wenn ich aufbleiben will, habe ich nochmal Hunger. Bevor ich dann aber zu Chips greife (die es durchaus auch ab und zu gibt), esse ich lieber eine Hand voll Weintrauben, zwei Mandarinen oder eine Banane. Nicht, weil ich so schrecklich vernünftig bin, sondern weil es mir gut tut.

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Wenn mir also jemand erklären will, gesundes Essen sei kompliziert, teuer oder aufwändig, dem rate ich, sich ein Grundlagenkochbuch zuzulegen. Ich habe von meiner Mama die Grundlagen gelernt, mir das meiste aber im Lauf der Jahre selbst beigebracht. Und auch ich koche hin und wieder Gerichte, die es kein zweites Mal auf unseren Tisch schaffen. Aber das gehört einfach dazu. Saisonales Gemüse ist günstiger als billiges Fleisch, Hefe, Mehl, Salz und Öl billiger als Fertigteig, selbstgebackene Brötchen schmecken besser als gekaufte. Es muss nicht kompliziert sein, um lecker zu schmecken. Eine solide Auswahl guter (!) Gewürze gehört in jede Küche. Und das wichtigste: Verinnerlichen, dass man tatsächlich ist, was man isst. Und dass wir die Wertschätzung für unsere Lebensmittel, für das was wir kochen und was wir essen auch automatisch unseren Kindern mitgeben.

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