Vater-Tochter-Zeit

Ich liebe meinen Papa. Ich erkenne mich in ihm wieder, er hat mir einige Charaktereigenschaften und nicht zuletzt auch die blauen Augen vererbt. Meinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe ich ebenso von ihm wie die Gabe, verzeihen zu können.
Mein Papa war Zeit meines Lebens berufstätig. Gestresst, unterwegs, müde daheim.
Er entdeckt jetzt gerade sein Leben nochmal neu. Seit einem knappen Vierteljahr ist er im Ruhestand und tastet sich begeistert vorwärts in die neue Freiheit. Gräbt alte Wünsche aus. Holt „mach-ich-später-wenn-ich-Zeit-habe“-Pläne aus dem Schrank.

Letztes Wochenende rief er mich an. Ob ich diesen Samstag schon was vorhätte. Er würde gerne auf die Frankfurter Buchmesse fahren. Mit mir.
Natürlich fahr ich mit. Morgens um sechs zuckelt der Bus los (das heißt aufstehen um halb fünf…), abends um neun werden wir wieder daheim sein.
Ich denke seit Tagen darüber nach – wann habe ich das letzte Mal so viel Zeit allein mit meinem Papa verbracht? Ich glaube, noch nie. Wird Zeit.

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