Oranje, Teil 2

Vor lauter Arbeit komm ich nicht mal mehr zum Hochladen meiner Bilder.
Dies also war das Mittwochs-Outfit. Die Stiefel sind ein paar Jahre alt und kommen wirklich nur zum Einsatz, wenn es schlotterkalt ist. Also diese Woche waren sie absolut gerechtfertigt.

Jeans: Only, Stiefel: ?, Rolli: Benetton, Pullunder: Street One, Schal: ?, Ring: Pilgrim, Kette: ?

Windstill…

…ist es hier im Blog. WINDSTILL. Ihr versteht schon. Ich weiß nicht, wie’s Euch geht. Aber er fehlt mir. Und wenn er hier noch mitliest und wenn er möchte… dann soll er wieder kommen. Hörst Du? WINDSTIIIIILL! Komm zurück!

Vermisst ihn noch jemand außer mir?

DAFANKI???

Beim Einkaufen gibt es zwei unumstößliche Grundregeln, die so sicher sind, wie die Erdanziehung.
Erstens: Meine Schlange ist die Langsamste, völlig wurscht, wie lang sie ist. Zweitens: Irgendwas ist immer. Wahlweise hat einer vergessen, seine Gurke zu wiegen, die alte Dame mit dem kecken Hütchen und den festzementierten Dauerwellen, stellt zehn PFENNING vor Erreichen der geforderten Summe fest, dass das Kleingeldfach doch schon leer ist und frickelt mit zittrigen Händen die vielen winzigen Münzen wieder ins Portemonnaie zurück, das Kassenfräulein muss “Frau Westermeier, Storno bitte Kasse drei, Frau Westermeier bitte” in ihr schwarzes Mikrophon nuscheln oder die Kassenbonpapierrolle endet mit einem rosa Streifen und leisem Rattern just vor mir und will ausgetauscht werden. Wer also Zeit totschlagen muss, gerne Sozialstudien betreibt oder sich schon immer einmal in völliger Ruhe durch das Süßwarenangebot an der Kasse stöbern wollte, dem sei geraten, sich hinter mich zu stellen. Ich bin quasi der Garant für tiefenentspanntes Anstehen. Aber zurück zum Thema. Sozialstudien. Was tut man nicht alles, während man wartet. Ich studiere. Mit Vorliebe das, was andere Menschen vor und hinter mir aufs Band gelegt haben. Denn so ein Einkauf sagt mehr über einen Menschen aus, als sein Lebenslauf es je vermöge. Sag mir, was Du kaufst, und ich sag Dir, wer Du bist. Die alte Dame beispielsweise erledigte einen Lebensmitteleinkauf für einen Tag. Eine eingeschweißte Packung Wurst, zwei Brötchen, einen Becher Erdbeerjoghurt und eine Dose Katzenfutter. Ich hoffte inständig, dass sie sich ihren Lebensabend tatsächlich mit einer Samtpfote teilte und sich nicht aufgrund mangelnden Sehvermögens im Regal geirrt hatte und eine Dose leckeren Saftgulasches in ihrem Einkaufsnetz wähnte.
Die junge Frau hinter ihr, die eine schier unglaubliche Anzahl Becher derselben Puddingsorte erstand, fand ihre EC-Karte nicht und ließ sich vorrechnen, wieviel Becher man für zehn Euro Bargeld wohl bekomme während sie versicherte, dass sie den Rest später abholen komme. Es ist mir ein absolutes Rätsel, was man mit derart viel Schokoladenpudding mit Sahne anfangen kann, noch dazu, weil fette rote Aufkleber von dessem nahenden Ableben durch Erreichen der Mindesthaltbarkeitsgrenze kündeten. Noch bevor schlimme Bilder vor mein inneres Auge zogen, die viel braune Puddingmasse und viel nackte Haut beinhalteten, fokussierte ich mein Interesse auf den Mann vor mir, der vier Meisenknödel und eine Flasche Wodka zu kaufen beabsichtigte. Ein Ornithologe mit Hang zum Alkohol? Während ich noch sinnierte, ob man Meisenknödel mit Wodka flambieren könnte, fiel mir auf, dass das Kassenfräulein mit jedem Bezahlvorgang in ein Töpfchen griff und kleine, in glitzerndes Raschelpapier eingepackte Geschenke in gierig aufgehaltene Hände verteilte. Wie nett! Sicher handelte es sich um Schokolade oder Minzbonbons. Je näher ich ihr kam, desto offensichtlicher wurde – wer viel kaufte, bekam viel Raschelschokolade, wer wenig kaufte nur ein oder zwei Tütchen. Ich schaute nachdenklich auf meinen Lego-Power-Ninja-Quigong-Wakawaka-Superflieger, den das Patenkind meines Mannes zum Geburtstag bekommen würde. Wieviel Lutschdrops dafür wohl rausspringen würden? Ich verrat’s lieber gleich – nada. Null. Niente.
Als ich nämlich endlich bezahlen durfte, verstand ich, warum meine Schlange so exorbitant langsam vorankam. Die Kassiererin sprach einen derartig kantigen Akzent, dass sie alles zweimal sagen musste. Den Preis zu erraten schaffte ich noch problemlos, da die Kasse über eine freundlich grüne Digitalanzeige verfügte. Auch, dass sie mich nach Münzgeld gefragt hatte, war mir nach kurzem Stutzen klar geworden (“Chabe Sie Fienferle?) Aber ab dann drehte sie den Schwierigkeitsgrad auf “Hinter-Aserbaidschanisch” und ich kam mir vor, wie ein deutschsprachiger Erstklässler im Ural.
Nach zweimaligem Nachfragen konnte ich endlich die Frage nach meinem Sammelbedürfnis von Treuepunkten verneinen.
“Nuhzesiechundecharte?”
Bitte?
“Chundecharte?”
Hunde? Äh..
“CHUN-DE-CHAR-TE”
AH! Kundenkarte! Nein, danke, keine Kundenkarte.
“Chassesettl?”
Bitte?

Sie schaute mich an, als sei die erste Strafarbeit nur noch ein “bitte?” entfernt. Ich begann zu schwitzen. Sie riss den Kassenbon ab und hielt ihn mir ungeduldig unter die Nase.

KASSENZETTEL!
rief ich begeistert wie seinerseits Archimedes in der Wanne. NEIN, danke, den brauch ich auch nicht. Und als ich mich grade zum Gehen wenden wollte, raschelte sie in der verlockenden Minzdrops-Box. Und stellte die alles entscheidende Frage.

“Dafanki?”
Da… was?
“DAFANKI? Sammelesiedafanki?”
Danke, gleichfalls…stammelte ich. Sie rollte mit den Augen.

“JA ODER NEIN?”
Ja oder nein was… ich fürchte… äh… BITTE?
“OB. SIE. DA. FANKI. SAMMELE”

Ich hatte Angst. Wenn ich sie jetzt fragen würde, ob ich meinen Telefonjoker anrufen dürfe, würde sie sicher über ihr schwarzes Mikrophon Lollek und Bollek ausrufen lassen, die beiden ukrainischen Rauswerfer, die mich im Büro des Marktleiters an die Heizung ketten und mir so lange peinliche Fragen zu meinem Einkaufsverhalten stellen würden, bis ich weinend einen 24-Monats-Vertrag für eine Kundenkarte nebst Treuepunkten und Chassesettl unterschreiben würde. Ich schaute in die Gesichter der Menschen hinter mir, die mich alle erwartungsvoll ansahen. Mein Leben raste in kleinen Filmstreifen vor meinem inneren Auge vorbei. Und ich presste schließlich im Angesicht des sicheren Todes ein leises “Nö..?” hervor.

Und wa

Der Leserbrief…

…erscheint morgen. Die Dame am Telefon, bei der ich nachgefragt hatte, meinte “Leserbrief? Heute geschickt… hm… wie war der Absender? Ah… hm.. ne, find ich grad nicht… worum ging es denn?”
Um die Straßenverhältnisse hier. “Ach DER Brief *kicher*, ja der kam an. Ich soll Ihnen vom zuständigen Redakteur sagen, dass der schon eingeplant ist.

*freu*

Leserbriefschreiber…

…können richtig lästig sein. Da ich lange Redakteurin einer Tageszeitung war, kann ich ein Lied von so manchem Schreiberling singen.
Und jetzt? Zähl ich mich selbst dazu.
Ich prangere an! Den Zustand der hiesigen Straßen.

Mal sehen, ob sie’s drucken.

“Welch malerisches Bild: Es ist Winter. Schnee verzuckert das pitoreske Städtchen XY und die Sonne zaubert ein Glitzern auf gefrorene Bäume und vereiste Dächer. Und während die Kamine morgens dicke Rauchschwaden in den Morgenhimmel pusten, sieht man auf den Gehwegen dick vermummte Hausbesitzer und Mieter mit Schippen und Streukies-Säckchen vor ihren Häusern emsig die Gehwege räumen und streuen. Bis sieben Uhr spätestens müssen diese nach Streupflichtsatzung der Stadt „gefahrlos benutzt“ werden können. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
So ist also ganz XY-Stadt eine malerische und gefahrlose Winterlandschaft. Ganz XY-Stadt? Nein! Denn Eis und Schnee haben ein sicheres Refugium, wo ihnen keiner mit Schippe oder gar Salz auf die Pelle rückt – die Straßen! Wo die vielen hundert Fahrzeuge morgens beispielsweise über die ABC-Straße in Richtung Innenstadt schleichen und vorsichtig die unangetastete Schneedecke platt fahren, bildet sich spätestens kurz vor acht Uhr eine schwarz-weiß (gegen später dann grau-braun) gestreifte Rutschbahn. Spannend wird es meistens, wenn die Ampel auf Höhe DEF-straße auf Rot schaltet und die Kolonne am Berg bremsen muss. Es ähnelt einer Ballett-Choreographie, wenn sich die vorderen Fahrzeuge bei Grün sachte hin- und herschwänzelnd vom Fleck bewegen. Ebenso naturbelassen bleibt auch die Brücke zur GHI-straße, wer nicht genug Schwung mitbringt, schafft es nicht auf die andere Seite, wer zuviel Schwung mitbringt, verlässt die Brücke in unbeabsichtigter Richtung.
Böse Zungen würden nun behaupten, die Räum- und Streupflicht gelte nur für Bürger und nur für Gehwege nicht aber für die Stadt und ihre Straßen.
In Wirklic

Ich könnte mich aufregen…

…über Vermieter, die meinen, sie könnten ihre Mieter übers Ohr hauen, nur weil die nicht so gut Deutsch können.

…über freie Mitarbeiter, die mich befehligen, als wäre ich ihre Leibeigene, die für einen Fehler büßen muss, den die Fluglinie gemacht hat.

…über Hausverwaltungen, die sich Hausverwaltung schimpfen und nicht imstande sind, eine Abrechnung korrekt auszuführen.

Aber… ich tu’s nicht. Und warum tu ich’s nicht? Weil ich jetzt Feierabend habe. Badewanne… ich komme.

Näääääh…

Nein, ich bin kein Schaf mit Sprachfehler. Aber ich habe vielleicht demnächst ein neues Hobby! Ich wollte immer schon mal nähen lernen. Die Freundin eines Freundes ist gelernte Schneiderin und ihr ahnt schon, was sich da rein zufällig ergeben hat – wir haben schon einen Termin und einen Plan! Mein erstes Stück wird ein “knöchellanger, weiter Rock”. Natürlich gibt’s Bilder (wenn es was wird. )

Ich seh schon meine erste eigene Kollektion über einen Laufsteg schweben!

Du kriegst das Konto nicht zu…

…oder: vom “Hase-und-Igel-Spiel einer Bank gegen ihre Kunden”

Einer unserer Mitarbeiter hat die Firma verlassen und ist mit Frau und Sohnemann nach Schweden gezogen. Weil noch diverse Reparaturen und Rechnungen offen waren, schrieb er mir, ich möge ihm bitte helfen, sein Mietkautionssparbuch aufzulösen und das Geld dem Vermieter zugänglich zu machen. Soweit so einfach.

Ich gab ihm Bescheid, er solle sein Sparbuch und die Verpfändungsurkunde an mich schicken, ich würde den Vermieter um dessen Urkunde bitten und alles zusammen zur Bank tragen.

Nach ein paar Tagen schrieb er zurück, er finde das Sparbuch beim besten Willen nicht mehr, womöglich sei es im Umzugsstress abhanden gekommen. Ich informierte also die Bank. Die Bank erklärte, er möge bitte den Verlust in einem formlosen Schreiben darlegen und den Brief an die Bank schicken. Ich gab das dem ehemaligen Kollegen weiter.
Der Kollege bat mangels Deutschkenntnissen kleinlaut nochmals um Hilfe. Also setzte ich einen kurzen “ich habe das Sparbuch verloren”-Text auf, den ich ihm per mail schickte.
Seine Verpfändungs-Urkunde trudelte wie abgemacht bei mir ein, ich schickte sie an meine Ansprechpartnerin des Geldinstituts. Der Kollege bedankte sich und versprach, der Bank sofort einen Brief zu schicken und den Verlust des Sparbuchs kundzutun.
Eigentlich, so dachte ich blauäugig, sei die Sache damit erledigt.

Kurze Zeit später rief mich der Vermieter an. Auch er hatte seine Urkunde an die Bank geschickt, diese jedoch zurück bekommen.
Ich rief die Bank an und erfuhr: Die Unterlagen seien nicht vollständig gewesen und man habe zur eigenen Erleichterung alles zurück geschickt.
Ich informierte also den Kollegen in Schweden, dass und warum er seine Urkunde in den nächsten Tagen zurückbekommen würde. Dieser schrieb freudig zurück, er habe stattdessen das Sparbuch wiedergefunden. Ich freute mich mit ihm und bat ihn, es der Bank zukommen zu lassen.

Eine Woche später schrieb diese mir zurück, die Unterlagen seien unvollständig. Man habe jetzt ein Sparbuch vorliegen aber keine Urkunden. Ich telefonierte also wieder mit dem Vermieter. Er möge bitte die Urkunde wieder zur Bank schicken. Dem Schweden schrieb ich, dass er seine Urkunde, sobald er sie bekomme, wieder zurückschicken solle. Der Bank schrieb ich, dass sie das Sparbuch bitte zur Seite legen sollten, bis die Urkunden einträfen. Aber die Urkunde kam nie an. Sie war auf dem Weg von Deutschland nach Schweden verschütt gegangen. Ich informierte die Bank. Die Bank erklärte, der Mieter solle eine Verlustanzeige schicken. Schriftlich natürlich. Ich schickte eine “ich-habe-die-Urkunde-verloren”-Mailvorlage nach Schweden. Der Mitarbeiter schickte einen Brief identischen Inhalts an die Bank.

Dann rief mich der Vermieter an. Er habe seine Urkunde schon wieder zurück bekommen, außerdem ein Sparbuch, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Ich war einigermaßen verzweifelt und rief die Bank an. Und die erklärte mir – “Die Unterlagen waren leider nicht vollständig. Da fehlt noch eine Verpfändungsurkunde.” Ich schrieb dem Mitarbeiter, ob er denn den Brief mit der Verlustanzeige… doch, hatte er.
Ich fragte bei der Bank nach. Ach so? Verloren? Man habe keine Verlustanzeige vorliegen. Und die übrigen Unterlagen hätte man dem Vermieter geschickt.
Ich rang nach Luft. Da sagte die nette Dame bei der Bank “Außerdem hat uns ihr ehemaliger Mitarbeiter informiert, dass er sein Girokonto schließen möchte und jetzt eine postalische Anschrift in Schweden hat. Das hat er per e-Mail getan, was grundsätzlich nicht möglich ist. Können Sie ihm bitte ausrichten, dass wir ihm einen Brief schicken mit der Bitte, seine postalische Anschrift zu bestätigen?”
“Wo schicken Sie denn den Brief hin?” “Na an die postalische Adresse, die er uns per mail geschickt hat.”

Ich le