Ist es…

…ein gutes oder schlechtes Zeichen, wenn man seinen nahenden Geburtstag ständig vergisst und dann noch ernsthaft überlegen muss, wie alt man wird?!

Wurst.

Ganz viel Wurst. In allen Formen und Variationen. Sowas bekommt man auf dem Lande, wenn sich die Mitgliedschaft in einem Verein zum 25. Mal jährt. Schinkenwurst im Kunstdarm, eine Scheibe Blutwurst einvakuumiert, grobe Bauernwurst in der Dose und so weiter. Außerdem im Korb: Eine Packung Nudeln, ein Glas Mixed Pickles und eine Dose mit der klangvollen Aufschrift “Soupe au goulash”. Ich frage mich, was Herr Venus wohl zum 50-jährigen Jubiläum bekommt. Vermutlich eine halbe Sau und einen großen Eimer Senf

Muttersein…

…wirft Fragen auf.

Warum ist mein Wäscheberg höher als je zuvor wo ich doch a) mehr Zeit zu Hause verbringe und b) die zu waschenden Teile so winzig sind?
Warum hat das Baby immer dann Hunger, wenn ich aus dem Haus muss?
Und warum scheint das Baby die Flasche immer dann zu zelebrieren, wohingegen es sie staubsaugergleich leertrinkt, wenn ich alle Zeit der Welt hätte?
Und warum schläft das Baby immer dann, wenn es nicht soll? Ist dann abends um acht aber so putzmunter und ausgeschlafen, wie die Mama morgens um neun nicht?
Und warum jault das Kind im Schlaf so laut, dass Mama im Bett steht und wenn sie panisch in die Wiege guckt, schlummert der kleine Schreihals schon wieder entspannt?

Ein bisschen glaube ich, will sie mich manchmal verhonepiepeln. Aber nur ein bisschen. Den blaune Knopfaugen kann man eh nie böse sein. Scheint sie zu wissen. Hmpf.

Die Waage…

…konnte es gar nicht glauben. Kletterte und kletterte. Pendelte nervös mit ihrem Zünglein, dass die Gewichtssteinchen zitterten. Mini Venus hampelte nicht minder nervös. Aber das Ergebnis war unstrittig: das Kind wiegt zwischen 4200 und 4300g. Endlich! Das heißt, es hat wöchentlich etwa 250g zugelegt! Wohin das bei Mama führen würde, darüber mag ich gar nicht nachdenken. Aber ich bin ja auch schon groß und stark.

Mein Leben und ich: Szenen einer Ehe, Folge 8: Haarfarbe

Mein Mann kann sich keine Haarfarben merken. Er konnte mir neulich nicht mal sagen, welche Haarfarbe er als Kind hatte.

Als ich ihn also letzten Mittwochabend von der Couch aus fragte, ob er bezüglich meines morgigen Frisörbesuchs Vorschläge in Sachen Farbe hatte, kam da recht wenig.
Er: “Mach doch mal so … wie war denn Deine Farbe früher mal?”
Ich: “Wann früher? Außer grün und blau hatte ich so ziemlich alles schon…”
Er: “Ne, vorher. Natur.”
Ich: “ Öhm… dunkelblond-aschig-mausbraun”
Er: “Hm… ach weißt du, mir ist das eigentlich egal.”
Ich: “ Wie egal?! Hm. Wie wär’s denn mit so einem schönen Braunton?”
Er: “Braun? Wie braun?”
Ich: “Na so ein warmes braun eben. So wie Schokolade.”
Er: “Ach. Kackbraun meinst du!”
Ich: “

Veränderungen…

…oder besser gesagt Entwicklungen, die es festzuhalten gilt: am 13. Februar hab ich die Kleine das letzte Mal angelegt. Seither wird offenbar keine Milch mehr produziert. Das ist für mich ok, weil ich nicht mehr ständig aufpassen muss, einen schmerzhaften Stau zu bekommen. Auf der anderen Seite ist damit unwiderruflich die Stillzeit vorbei, die ich, in der Zeit, in der es gut geklappt hat, genossen habe. Unser Kind hat mir aber sehr deutlich gemacht, dass es so nicht weitermachen mag. Sie war quengelig, unzufrieden und hat abgenommen. Dafür dann heute Nacht: um halb zehn hat sie geschlafen, hat um halb vier mal nach dem Schnuller verlangt und wollte um kurz vor sechs erst wieder trinken. Ein sattes Kind schläft besser. Und ich erst. Für euch mag es langweilig oder unbedeutend sein, für eine frische Mama sind es Meilensteine!
Und mal ehrlich, guckt sie nicht zufrieden ausser Wäsche?

Defizite…

… Werden gerade offenkundig im Hause Venus. Und zwar auf väterlicher Seite. Ich will ja gar nicht jammern. Mein Mann ist durchaus vielseitig begabt. Er kann Nudeln kochen und Fläschchen machen, mit Bohrmaschine und Kreissäge umgehen, imkern und argumentieren, wickeln, trösten und Feuer im Kamin machen. Nur eins kann er nicht, so sehr er sich bemüht: Schleichen. Wir gehen abends ins Bett in unserem Schlafzimmer, wo Minivenus seelig schlummert. Während ich mich traumwandlerisch sicher und so geräuschlos wie die Wollmäuse unterm Schrank durch den dunklen Flur bewege, folgt mir ein raschelndes Schlurfen von zu langen Hosenbeinen auf Teppich. Wenn wir die Tür erreicht haben schlüpfe ich tonlos hindurch, umrunde die Wiege, werfe einen letzten zärtlichen Blick auf das schlummernde Kind im diffusen Schein des Nachtlichts und schlüpfe unter meine Decke.
Mein Mann dagegen rempelt zunächst die Tür mit dem Fuß an, die gegen die Schranktür scheppert. Das Kind grunzt. Der Mann muss lachen und rennt zurück in den Flur, wo er sich prustenderweise noch von weitem anhört wie der blaue Elefant aus der Sendung mit der Maus. Er schlurft zurück und bemüht sich erneut möglichst leise den Stecker des Babyphones zu ziehen. Das Kind raschelt in seinem Schlafsack umher. Um zu gucken, ob es noch schläft, zündet der Gatte die Taschenlampe des iPhones an und richtet den Strahl in die Wiege, die jetzt ähnlich anheimelnd erstrahlt, wie die nächtliche Einflugschneise des Stuttgarter Flughafens. Das Kind murrt. Der Vater leuchtet sich seinerseits den Weg ins Wasserbett, in das er sich gewiss so elegant wie möglich aber mit vernehmlichem Gluckern plumpsen lässt und flüstert in Zimmerlautstärke seiner im gleißenden Schein des 1000 Watt iPhone Flutlichts augenrollenden Frau zu: WAS denn? Ich war doch total leise…

Und ich besinne mich ganz schnell darauf, dass der Umgang mit Hammer und Nägeln und die Fähigkeit zum Wickeln, anziehen und trösten mehr Wert sind als der geräuschlose Zehengang und gebe ihm einen Gutenachtkuss. Auch der beste Mann kann nicht alles können. Und der Rest ist schon ganz ordentlich.

Dinge…

…die ich nie nie nie tun wollte und doch getan habe.

1. meinen Mann mit Papa anreden. Schnell wieder abgewöhnen, geht gar nicht.

2. In Babysprache zu säuseln. Ja hat das Mausekind das Bauchi voll? War die Milch sooo feiiiin? Und jetzt? Tut das Mausekind mit dem Fanti schön Heia machen?
Man kann nicht anders.

3. Spaghetti im Teller kleinschneiden, weil man sie einhändig besser löffeln kann. Der Hunger lässt Prinzipien bröckeln.

4. Ohne einen letzten Blick in den Spiegel das Haus verlassen. Wird schon alles richtigrum angezogen sein.

5. Ein Shirt mit vollgespuckter Schulter nicht umgehend auszuziehen. Da kommt eh noch mehr dazu…

6. Nudeln mit Ketchup zu essen. Akut unlustiges Kind, akut Hunger. Man wird flexibel.

Mir fällt jeden Tag was Neues auf… Ich bin so inkonsequent, aber nennen wir es einfach pragmatisch, ok?

Es geschah…

…gestern Abend im dunklen Schlafzimmer…(wer jetzt Schweinkram erwartet, wird gleich enttäuscht sein!)
Ich öffnete einen Cremetiegel einer bekannten Marke, deren Name fast wie Niveau aussieht. Ich holte tief Luft und sog den charakteristischen Geruch ein. Und da waren plötzlich Bilder, die 20 Jahre alt sein mussten. Ich als Teenie beim sonntäglichen Beautyritual. Baden und Eincremen. Ein einziger Atemzug förderte Geschichte zutage, meine Geschichte. Weil der Geruch so untrennbar mit dem Erlebten zusammenhing. Mit ein bisschen Drübernachdenken fielen mir noch weitere Orte, Menschen, Begebenheiten ein, die ich “riechen ” kann.

In meiner ehemaligen Redaktion, in der ich neulich mal wieder mit der Kleinen auf Besuch war, riecht es nach Zeitung. Nach Teeküche, Teppichboden, Wochenenddienst und Papier.
Wenn jemand an mir vorbeigeht und ein bestimmtes Parfum trägt, fühle ich mich sofort in das elterliche Wohnzimmer meiner besten Freundin versetzt, höre eine Standuhr gongen und halte eine Tasse Schwarztee in der Hand.
Und jetzt frage ich mich: wonach riecht es bei uns? Nach Schwedenofen? Nach nichts? Nach Baby? Kann mich jemand anders riechen (und ich möchte damit nicht die Funktionalität meines Deos testen) und rieche ich individuell? Oder eigenartig?
Wenn ihr Euch fragt, wie schwurbelig ein Blogeintrag morgens um halb acht sein kann, dann wisst ihr jetzt: sehr. Vielleicht ist es auch der Bananenjoghurt, der vor mir steht und mit seinem Duft meinen Verstand beeinträchtigt, so bananig, wie die Banane, die ich in meiner Schwimmtasche vergessen hatte, wie der Fruchtzwerg, den ich morgens um sechs löffeln musste, um einen Pipibecher für meinen Schwangerschaftstest zu haben, wie… Ich hör ja schon auf.
Aber interessieren würd’s mich doch: hat noch jemand ein olfaktorisches Fotoalbum im Kopf? Muss auch nicht Banane sein.

Hier…

…spukt es. Jedenfalls ist das die einzige Erklärung für diverse Dinge, die hier vor sich gehen. In meinem Haushalt tauchen Dinge auf. Aus dem Nichts. Gestern Abend fand ich wieder so ein Subjekt. Auf der Suche nach UNO-Karten, die ich bezeichnenderweise nicht fand, fiel mir zuoberst auf dem Stapel ein Cluedo-Spiel in Buchform in die Hände. Ich hätte Stein und Bein geschworen, kein solches Spiel zu besitzen oder jemals besessen zu haben. Aber es liegt leibhaftig im Schrank. Ich habe gerade nochmal geguckt. Es liegt noch immer da. Unschuldig, als wäre es schon immer da. Und beim Nachdenken über das Auftauchen des Brettspiels, das ich noch NIE gesehen habe, NIE! fielen mir noch weitere Dinge ein, deren Herkunft mir schleierhaft ist. Ich besitze mindestens drei Bücher, die ich neulich erstaunt im Regal gefunden hatte beim Abstauben, die ich nie gelesen habe. Das allein ist kein Grund an paranormale Aktivitäten zu glauben, denn selten verlasse ich einen Buchladen ohne Buch, was aber nicht heißt, dass jedes Buch sofort gelesen wird. Aber ich konnte mich bei dreien weder an das Cover, noch an die Gelegenheit erinnern, als ich sie erstanden hatte. Und beim Lesen des Klappentextes wusste ich schon gar nicht, warum mich diese Bücher einmal zum Kauf verleitet hatten. Weil ich nicht ausschließen kann, dass ein gütiger Mensch sie mir geschenkt haben könnte, sollen die Titel hier lieber unerwähnt bleiben, nur soviel: es sind Bücher aus der Rubrik “Freche Frauenromane”, also jenem Regal, das ich in Buchhandlungen normalerweise tunlichst meide. Sie sind da und fristen ihr unangetastetes Dasein zwischen vielgelesenen, eselsohrigen, abgeliebten Büchern.
Soviel dazu. Und dann gibt es noch den umgekehrten Fall. Ich vermisse einen Schuh. Ja ich weiß, man verliert Ohrringe und Schlüssel, die Orientierung und die Unschuld, aber Schuhe?! Es handelt sich um einen lackroten Plateau-peeptoe mit Fesselriemchen. Einer ist noch da. Der Linke. Ich habe schon alle Schränke und Schubfächer und Schuhschränke durchgesehen. Der dazugehörige Rechte ist auch nicht in meinem Kofferraum, wo sich schon etliche Paare wieder gefunden hatten. Er ist einfach weg. Und ich weiß nicht, wo ich einen einzelnen Schuh verloren haben könnte, da ich mich an keine Gelegenheit erinnere, zu der ich einbeinig unterwegs gewesen wäre.

Und gestern Abend kam mir die Erleuchtung! Es muss mit dem schwedischen Möbelriesen zu tun haben und dessen Schrankmodell Brömbömbör. Das Ist gar kein Schrank, sondern ein Reiseportal für unbenutzte Dinge! Bestimmt hatte der eine Schuh sich mit dem anderen unterhalten über das lange Ungetragensein im Winter und die große Konkurrenz und beschlossen, sich auf den Weg zu machen in eine andere Wohnung, wo man seine grazienhafte Unbequemlichkeit eher zu ertragen wusste als bei mir! Den anderen würde er nachholen, wenn er ein gutes Zuhause gefunden hatte!

Wenn ihr also mit der ganzen Familie am Spieltisch sitzt und Euch auf einen spannenden Cluedoabend freut, euch aus dem Spieleschrank von ganz hinten neben der Monopolyschachtel aber nur ein roter Lackschuh anlächelt, dann seid so gut und meldet Euch! Ich tausche das Cluedospiel gerne zurück. Ich lege sogar noch einen frechen Frauenroman drauf. Versprochen.