Bitte fahren Sie weiter..

…es gibt hier nichts zu sehen! Und fahren Sie vor allem SCHNELLER ALS 80!
Heute scheint der Achtziger-Tag zu sein. Hab ich irgendwas verpasst? Ist heute internationaler Landstraßen-Schleich-Tag?
Warum fahren alle 80?! Auch die Daimler? Und die Porsches?

Der Siebenschläferhimmel…

…hat einen neuen Mitbewohner… Der Kleine hat wohl was abgekriegt. Er hat sich noch eine Weile verdreht, aber die Hinterbeine nicht mehr bewegt. Eine halbe Stunde nach dem letzten Eintrag ist er gestorben. In seinem Heubett. Schade. Aber versucht haben wir’s wenigstens…

Der kleine Kerl…

…übernachtet bei uns. Schatzi hat nochmal nach ihm gesehen und er hatte sich aus seinem Nest gewurschtelt und lag auf dem kalten Holz. Ist aktiver als vorher, klammert sich an seinen Daumen. So wollen wir ihn beide nicht sich selbst überlassen. Also übernachtet die Kiste heute bei uns, da ist es wenigstens warm. Er wird gleich noch ein bisschen Wasser mit Milch kriegen und pürierten Apfel. Mal gucken, ob er was frisst. Vielleicht ist er einfach auch total entkräftet. Ich halt euch auf dem Laufenden.

Ein armer kleiner Kerl…

…hat sich bei Schatzis Bienen in einem Kasten verklemmt – ein Siebenschläfer mal wieder!
Und was macht mein Mann? Er rettet ihn. Man möge mir verzeihen, wenn ich jetzt ein wenig schwülstig werde, aber dafür liebe ich meinen Mann. Er vergisst jede Hektik, jede to-do-Liste, jeder wohlorganisierte Abendplanung. Setzt sich mit einem schockstarren, unterkühlten, zitternden Siebenschläfer in der Hand unter die Heckklappe seines Bullis und – versucht ein kleines Leben zu retten. Bestellt bei mir eine Schachtel mit altem Handtuch. Lässt mich beim Tierarzt nachfragen, ob wir das richtige tun. Der weiß auch keinen besseren Rat außer warmhalten, Wasser anbieten, in Ruhe lassen. Vermutlich sei der Siebenschläfer in einer Schockstarre.
Wir haben ihn in sein Nest zurückgelegt, mit einem Handtuch zugedeckt, damit er es warm hat. Wasser bereit gestellt. Alles wieder zugedeckt und abgedunkelt. Heute Abend wird Schatzi nochmal hinfahren, um zu sehen, was aus ihm geworden ist, ob er wieder munter ist, oder ob er es nicht gepackt hat.
Am liebten hätte er den kleinen Kerl in seine Manteltasche gepackt und mitgenommen, aber natürlich siegte die Vernunft. Und ob er es jetzt schafft und heute Abend wieder fit ist, oder ob nicht – allein für die Tatsache, dass mein Mann alles stehen und liegen lässt um ein kleines knopfäugiges Fellknäuel zu retten, liebe ich ihn von Herzen.

Clopabier…

Ich weiß, man liest fremder Leute Briefe nicht. Aber sind Einkaufszettel Briefe? Und sind sie nicht gar für die Augen der Öffentlichkeit gemacht, wenn sie vorwitzig aus einem Einkaufskorb hervorlugen? Gestern Abend beim Bäcker auf dem Heimweg, eine Frau steht neben mir, ihr Korb gefüllt mit dem Wocheneinkauf, sie hat einen Einkaufszettel in der Hand und geht murmelnd mit einem Stift in der anderen Hand abhakend die Liste durch. Als das letzte Häkchen gemacht ist, nimmt sie zufrieden die Brötchentüte über der Theke in Empfang und dabei flattert mir der Zettel vor die Füße. Viel lesen konnte ich nicht. Aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis bei mir durchgesickert ist, was “Clopabier” ist.

Dabei fiel mir wieder ein, dass ich es als Kind geliebt habe, den Einkaufszettel in der Küche klammheimlich zu “modifizieren”.
Ich habe jeden einzelnen Posten in breitestem Schwäbisch niedergeschrieben und dann den Originalzettel vernichtet. Meine Mama, die dann nichtsahnend den unschuldig anmutenden Zettel geschnappt hat, stand wohl des Öfteren mit rotem Kopf im Supermarkt, weil sie sich laut vorlesen musste, was da steht, um zu kapieren, was es heißen soll. Ihre Befürchtung war jedesmal, dass man sie für komplett vertrottelt halten müsse, während sie Dinge wie “Baba… Babbadegg… Babbadeggldeller??” oder “gfrohrene Broggele” vor sich hinmurmelt. Manchmal musste sie einzelne Dinge nach längerem Grübeln auch einfach auf den nächsten Einkauf verschieben, weil ihr beim besten Willen nicht einfallen wollte, was ich damit gemeint hatte. Ich fand’s immer sehr lustig, sie konnte zum Glück auch immer drüber lachen. Hinterher. Wir sind halt ne lustige Familie.

Wer weiß also, wer das “Clopabier” verbrochen hat. Nur weil das da so stand, ist das noch keineswegs der Beweis für eine Rechtschreibschwäche der Einkäuferin. ICH weiß wovon ich rede.

ABC-Update, Teil 3…

A wie alte Zeiten. Gestern war ich beim Treffen der freien Mitarbeiter meiner alten Tageszeitung. So sehr ich mich gefreut hab, den Haufen mal wieder zu sehen – es ist nicht mehr dasselbe. Wo früher echter Teamgeist die Leute hat füreinander einstehen lassen, herrscht heute irgendwie missgünstige Stimmung. Die wenigsten scheinen noch mit Freude ihren Job zu machen. Schade. Für mich aber ein Zeichen, dass es damals nicht schlimm war, dass ich mein berufliches Leben neu ausrichten musste.

B wie Buchhaltung. Wow, was man alles falsch machen kann bei so ner Gehaltsabrechnung. Die machen das doch extra, sonst würden die ihre Hotlinemitarbeiter ja entlassen müssen. Aber jetzt passt es endlich. Und die Krankenkasse zahlt brav aus der Umlage 2 den Erstattungsbeitrag fürs Mutterschaftsgeld. Bin n’Vollprofi, merkt man, ne?

C wie Chef. “Denk an Deinen Ausweis. Denk an deinen Boarding-Pass. HAST DU ALLES?” “Jaha, ich kann selbst denken, bin ja nicht doof.” Cut. Am nächsten Tag, mein handy klingelt “Kannst du mal an meinen Schreibtisch gehen, ich hab die Adresse vergessen, wo wir hin müssen.”….

D wie Dachs, leider überfahren. Der lag am Straßenrand heute morgen. Ganz schön massig, die Tierchen…

E wie Eiszeit. DAS soll eine Klimaerwärumg sein? Warum trag ich dann einen Schal? Im JULI! Siehe auch T.

F wie Ferienwohnung. In eine solche will ich. Irgendwo aufs flache Land. Nur Herr Schatzi und ich. Bald. Siehe auch U.

G wie gelacht habe die ganze Kirche bei der Fahrzeugsegnung neulich, erzählte mir mein ehemaliger Kollege gestern. Der Pfarrer hatte angekündigt, jedes Auto mit einem Spritzer Weihwasser zu segnen. Worauf der kleine Sohn meines Kollegen ein entsetztes “OH NEIN!” ausrief.

H wie Hunger. Was da in Ostafrika passiert, ist unfassbar. Wieso sperrt eine Regierung die eigenen Leute ein und lässt sie elend verrecken. An Hunger. Und weigert sich, Hilfe anzunehmen. Hat jemand ne Idee wie man helfen kann?

I wie immens. Immens ist mein Arbeitspensum, seit meine Chefin nicht mehr da ist. Aber seit einigen Tagen merke ich, wie ich anfange, andere Dinge als vorher zu überwachen. Die Angst zu verlieren, irgendwas wichtiges zu vergessen. Es läuft. Ich denke. Noch ist nichts verschütt gegangen oder vergessen worden.

J wie Jahrestag. Am 6. August sind es schon vier Jahre in diesem irren Laden. Hammer wie die Zeit vergeht.

K wie Klamotten. Ich hab mal wieder was gekauft. Seit meinem shopping-Embargo kaufe ich viel weniger und viel bewusster. Hatte also was Gutes.

L wie Lachfalten. Ich hab welche. Sind mir just heute morgen wieder aufgefallen, als ich zerknitterterweise in den Spiegel sah. Aber sind das nicht die schönsten Zeugen eines gelebten und gelachten Lebens?

M wie Manieren. Ist es denn zu viel verlangt, wenn man in einer Tiefgarage Leuten begegnet, die offensichtlich im selben Gebäude arbeiten, wenigstens zuzunicken? Oder gar Hallo zu sagen? Oder wenigstens auf ein Hallo zu antworten? Das selbe ist mir im Aufzug passiert. Ich wurde zwar angstarrt, mein Gruß blieb aber unerwidert. Also bitte. Ein bisschen Manieren schaden nie.

N wie Norwegen. Ich habe keine Worte für sowas. Aber es beschäftigt mich, wie vermutlich viele. Junger Mann aus gutem Hause, nie auffällig. Was bringt einen Menschen nur zu so einer Gräueltat.

O wie Ordner, können ganz schön schwer sein. Wurde wieder mal bestätigt neulich, als mir das Regalbrett voller Ordner entgegen kam und ich den Sturz des mittigsten Ordners nur unter Einsatz meiner Stirn verhindern konnte. Autsch!

P wie Parktickets. Ich ärgere mich jedesmal über diese geldgierige Stadt, in der ich arbeite. Als stille Verweigerung gegen Wucherei und JA(!) Wegelagerei löse ich nie ein Parkticket. Seit vier Jahren bin ich glimpflich davon gekommen.

Q wie Quark. Steht seit geraumer Zeit in meinem Kühlschrank, ich weiß nicht so recht, was ich daraus machen wollte. Ideen?

R wie Respekt, den mir unser Geschäftsführer abverlangt. Der Mann wird 88, fährt mit seinem dicken Benz morgens um viertel vor sieben (!) im gestärkten weißen Hemd und im Anzug recht zügig über dunkelgelbe Ampeln und arbeitet jetzt “nur noch” halbtags. Sein Sohn ist mit Mitte 60 halt blöderweise sowas wie der Prinz Charles der Firmengeschichte. Aber unser Seniorchef ist echt ein erstaunlicher Mann.

S wie Schokolade. Chilli-Granatapfel ist keine geeignete Füllung für Schokolade. Rindsrouladen mit Vanilleeis auf Fruchtspiegel isst ja auch keiner.

T wie Temperatur. Hallo! Es ist Juli! JULI! Das ist NICHT Herbst!

U wie Urlaub. Noch drei Wochen und einen Tag. Mach dass es schnell geht.

V wie Verkehrsunfall. Erinnert ihr Euch an mein Gemotze von neulich wegen der gesperrten Straße? Ich nehm’s zurück. Es hat einen Unfall gegeben, bei dem ein 24-Jähriger ums Leben kam. Er ist unter Alkoholeinfluss mit nem gestohlenen Auto ohne Führerschein im Dunkeln geflüchtet und frontal mit einem Lkw kollidiert. Er war sofort tot. Siehe auch Z.

W wie Weihnachtskarten. Neulich kam der Katalog ins Büro. Wir sollten uns den Frühbucherrabatt sichern. Im Juli. Alles was Recht ist. Auch wenn’s von den Temperaturen her passen könnte.

XY sind eh keine Buchstaben.

Z wie

Ich, die Kampfpilotin…

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“Pendler haben den selben Stresspegel im Straßenverkehr, wie ein Kampfpilot im Einsatz”

– das ist die Weisheit, die mir das Rundfunkgerät meines Kampfjets Automobils heute morgen mitteilte. Und tatsächlich. Ich kann es bestätigen. Nicht immer zwar, denn meist erweise ich mich als besonnene Fahrerin mit einer an Stoizismus grenzenden Ruhe und Gelassenheit. Aber manchmal, MANCHMAL weckt das Gependel und das nicht mal eines Fahranfängers würdige Verkehrsgebaren meiner … äh… Bundesstraßen-Mitbewerber das Tier in mir und ich ergieße eine Flut von Flüchen, vorgetragen im lieblichen Tonfall eines Presslufthammers über mein Lenkrad. Hinterher finde ich es meist ein wenig albern, da die Adressaten meiner Verwünschungen ja eh nichts davon mitbekommen, außer dass sie einer kleinen Frau in einem gelben Auto angesichtig werden, die die Augen aufreißt, wild in ihrem Auto herumfuchtelt und den Mund auf und zu macht wie ein Karpfen auf dem Trockenen. (Es sei denn, ich hatte mal wieder vergessen, dass das Cabriodach offen ist.)
Heute morgen auf jeden Fall ward das besagte Tier mal wieder wachgekitzelt durch eine Polizeisperre, die die einzige Einfahrtsstraße in die Stadt meiner Arbeitsstätte gesperrt hatte aus nicht erkenntlichem Grund. Gut, man hat ein Mähfahrzeug den Randstreifen bearbeiten sehen, aber ich will einfach nicht glauben, dass die Straße MORGENS IM BERUFSVERKEHR wegen MÄHARBEITEN GESPERRT WIRD, WO MAN DIESES SCHEISSGRAS DEN GANZEN TAG NOCH MÄHEN KÖNNTE.
Eine solche unvermittelt auftretende Sperrung, die dem Fahrer eine spontane Entscheidung abverlangt, führt morgens zwangsläufig zu Chaos. Viel zu eingefahren, im wahrsten Sinn des Wortes, ist für die meisten die morgendliche Strecke, als dass sich eine Änderung dieser ohne Vorwarnung und ohne konkrete Alternativen bewerkstelligen ließe. Es kam wie es kommen musste. Die Kolonne bremste auf ein Mindestmaß an Geschwindigkeit ab, grade so, dass der erste Gang noch seinen Dienst tat. Schlich um den Kreisverkehr herum. Wurde bei der gesperrten Ausfahrt noch ein bisschen langsamer, um das unheilvolle blaue Blinken auf den Fahrzeugen der Exekutive länger auskosten zu können und sich der Undurchlässigkeit der Sperrung nochmals zu vergewissern. Entschloss sich zögernd und ratlos, in die nächste Abfahrt einzubiegen, da alles andere die ebenso ausweglose Umkehr nach Hause bedeutet hätte. Und schlich. Fortan. Mit 50 Sachen über die Bundesstraße. Unschlüssig. Irritiert. Wehmütig.
Es war einer der Momente, in dem Ortskundige vergessen, dass sie solche sind und sich hilfesuchend den gelben Richtungsschildern zuwenden, als hätte man sie durch ein imaginäres schwarzes Loch in die Innenstadt von Rom zur Mittagszeit katapultiert.
Langer Rede, kurzer Sinn. Ich kam irgendwann an. Gefühlte 15 rote Ampeln und eine halbe Stunde später als gewöhnlich.
Morgen nehme ich meinen Kampfjet. Und wehe, da fliegt so ne Gurke vor mir.

Wenn alle…

…Gehältergötter jetzt frohstimmt sind, müsste das Chaos von gestern bereinigt sein und jeder ordnungsgemäß sein Geld bekommen. Wenn nicht, bring ich die Buchhalterin als Menschenopfer.
Soviel zu diesem Thema.
Dann stand ich noch ne Weile im Tonstudio und habe Küsse in die Luft gehaucht und “peng, peng, peng” gemacht und ähnliche Faxen. Und ich habe Blattglanz gekauft, um die Palmen im Office aufzumöbeln. Und zwei Mitarbeitern zwei Wohnungen gezeigt, eine Checkliste für die Putzfrau geschrieben, einen Termin für die zweite Impfung eines Neugeborenen gemacht, bei Hermes nach einer Sendung gefahndet und einen Unterstellplatz für ein Motorrad organisiert. Und JETZT fang ich an meiner Liste an.
Irgendwie gibt es für meinen Job keinen Namen.