Clopabier…

Ich weiß, man liest fremder Leute Briefe nicht. Aber sind Einkaufszettel Briefe? Und sind sie nicht gar für die Augen der Öffentlichkeit gemacht, wenn sie vorwitzig aus einem Einkaufskorb hervorlugen? Gestern Abend beim Bäcker auf dem Heimweg, eine Frau steht neben mir, ihr Korb gefüllt mit dem Wocheneinkauf, sie hat einen Einkaufszettel in der Hand und geht murmelnd mit einem Stift in der anderen Hand abhakend die Liste durch. Als das letzte Häkchen gemacht ist, nimmt sie zufrieden die Brötchentüte über der Theke in Empfang und dabei flattert mir der Zettel vor die Füße. Viel lesen konnte ich nicht. Aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis bei mir durchgesickert ist, was „Clopabier“ ist.

Dabei fiel mir wieder ein, dass ich es als Kind geliebt habe, den Einkaufszettel in der Küche klammheimlich zu „modifizieren“.
Ich habe jeden einzelnen Posten in breitestem Schwäbisch niedergeschrieben und dann den Originalzettel vernichtet. Meine Mama, die dann nichtsahnend den unschuldig anmutenden Zettel geschnappt hat, stand wohl des Öfteren mit rotem Kopf im Supermarkt, weil sie sich laut vorlesen musste, was da steht, um zu kapieren, was es heißen soll. Ihre Befürchtung war jedesmal, dass man sie für komplett vertrottelt halten müsse, während sie Dinge wie „Baba… Babbadegg… Babbadeggldeller??“ oder „gfrohrene Broggele“ vor sich hinmurmelt. Manchmal musste sie einzelne Dinge nach längerem Grübeln auch einfach auf den nächsten Einkauf verschieben, weil ihr beim besten Willen nicht einfallen wollte, was ich damit gemeint hatte. Ich fand’s immer sehr lustig, sie konnte zum Glück auch immer drüber lachen. Hinterher. Wir sind halt ne lustige Familie.

Wer weiß also, wer das „Clopabier“ verbrochen hat. Nur weil das da so stand, ist das noch keineswegs der Beweis für eine Rechtschreibschwäche der Einkäuferin. ICH weiß wovon ich rede.

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