Sneak peak, Teil 2

Ich denke in grün. Verfroscht und zugenäht. Die Idee zum Kermit-Cake ist in meinem Kopf und ich musste unbedingt ausprobieren, ob ich das so hinkriege. Was meint ihr? Taugt der als Kuchendeko? (Psst: es sind nur Antworten wie jaaaa, wuuunderschön, schönster Marzipankermit aller Zeiten, etc. erwünscht! )

Sneak Peak…

…für Hannahs ersten Geburtstag gefällig? Nur so viel sei schon verraten – er wird ziemlich GRÜN!
Die Inspiration küsste mich gestern, als ich darüber nachdachte, was wir wann wie mit wem feiern wollen. Erstens zieht sich die Farbe grün durch ihr ganzes erstes Lebensjahr (da ich eine wachsende Abneigung gegen alles kitschrosarote hatte in den ersten Monaten und ihr am liebsten lauter grüne Pullis gekauft hätte). Mein Spruch “Gibt’s das auch in grün?” war eine ganze Weile der running gag hier. Vermutlich ist auch deswegen ihre Kinderzimmerwand grün. Als ich dann noch sagte, ich könne kaum glauben, dass mein Fröschle schon ein Jahr alt sei… na kommt, es liegt auf der Hand. Ich hoffe, ich bekomme GRÜNES LICHT von Hannah. Oder ich frag sie einfach erst gar nicht.

Liebes Kind,

Seit Du da bist, ist nichts mehr wie vorher. Ein paar Monate lang konnte ich nur ahnen, wie Du aussehen wirst. Ich freute mich über nächtliche Rippentritte und lachte, wenn Du mal wieder Schluckauf hattest. Und dann, am 1. November 2012 hast du mein Leben auf den Kopf gestellt. Seither ist kein Tag mehr wie der andere. Und nicht nur in meinem Leben, auch deinen Papa, alle Omas und Opas hast du seither im Griff. Obwohl du nur unverständlich brabbelst und dich überall hintragen lässt, bist du die einflussreichste Person in diesem Haus. Ich stehe auf, wenn Du aufwachst. Ich esse, wenn Du isst. Du musst grundsätzlich groß, nachdem ich gerade Windeln gewechselt habe. Du bist pflegeleicht, wenn ich Zeit habe. Wenn ich es doch mal eilig habe, hast du keine Lust auf Hektik. Deine kleine Patschehand ist immer dann an der Nase, wenn ich mit einem Taschentuch ankomme. Wenn ich dir etwas in die Hand gebe, willst du es meistens nicht. Gelangt allerdings der Breiteller in deinen Aktionsradius, kannst du blitzschnell zulangen. Wenn Du sabberst, dann erst, wenn der Latz weg ist. Auch Stunden nach dem Essen. Du niest herzhaft, wenn du den Mund voller Karotte hast. Wenn ich abends todmüde bin, drehst du nochmal auf. Wenn du einschlafen sollst, hörst du in Australien ein Känguru umfallen. Wenn du wach bleiben sollst, hindert dich nicht einmal Nachbars Rasenmäher am Tiefschlaf. All das macht mein Leben unsagbar kompliziert. Ich brauche eine Oma, wenn ich einkaufen gehen möchte. Ich habe alle Planerei aufgegeben, weil ich von deiner Tageslaune abhängig bin. Ich bin froh, wenn ich um zehn ins Bett darf. Samstagabende verbringen wir daheim. Weggehen heißt ein schneller Kaffee mit Freunden. Ausschlafen heißt im Bett liegen bleiben bis acht Uhr. Wir schlafen aber selten aus. Und wenn ich dann darüber nachdenke, wie Du kleines Persönchen alles Dagewesene nach deinen Spielregeln umgeformt hast, wie sehr du alles, was für mich Gewohnheit war, umgekrempelt hast, dann sitzt du da in deinem kleinen Hochstuhl und knisterst mit voller Hingabe mit der Brötchentüte herum. Und wenn sich unsere Blicke treffen, schaust du mich mit zwei kugelrunden blauen Murmelaugen an. Deine Schnute verzieht sich zu einem breiten Grinsen und du lässt deine zwei Zähnchen blitzen. In diesem winzigen Moment quillt mein Herz fast schmerzhaft über vor Glück. Was auch immer du anstellst, Du bist das Unglaublichste, das Beste und Einzigartigste, was mir je passiert ist. Ich liebe Dich hundert mal zur Sonne und zurück, kleine Hannah!

Deine Mama

Ach so geht das…

War eben mit dem Kind beim Bäcker. Als die Bäckereifachverkäuferin in den Wagen geguckt hat, hat die Kleine losgebrüllt. Dann haben wir eine Brezel geschenkt bekommen. Plane, das Kind künftig immer zum Einkaufen mitzunehmen. Und da sag einer, Kinder seien teuer.

Glaubensfragen…

“Erziehung ist Arbeit”. Wir waren uns dessen bereits bewusst, bevor ich wusste, dass sich da ein Würmchen in meinem Bauch eingenistet hatte. Dass es zermürbend sein kann, immer wieder nein zu sagen, dem Kind das mitzugeben, was man selbst für wichtig und richtig hält, dabei fair aber konsequent zu bleiben, haben wir an befreundeten Eltern und in der eigenen Familie gesehen und bewundert.
Unsere Tochter ist gerade mal ein halbes Jahr alt und noch kann man nicht viel an ihr herumerziehen. Ich beschwere mich auch gar nicht über ein knatschiges oder nörgeliges Kind. Ich bin vielmehr selbst die, die sich gegen erzieherische Einflüsse zur Wehr setzt. Noch lange bevor mein eigenes Kind mitbekommt, dass ich es erziehe (klammheimlich!), muss ich mein “Erziehungskonzept” rechtfertigen und mich ständig erklären, warum wir dies so und jenes anders machen.
Ich hatte schon in der Schwangerschaft keine Lust, mir drölf Ratgeber zu besorgen. Ein einziger Blick ins Internet reichte oft schon und mein gesundes, intrauterines Kind wurde aufgrund eines diffusen Zwickens irgendwo unten rechts plötzlich zur Eileiterschwangerschaft mit offenem Rücken und dramatischer Unterversorgung. Will sagen – ich habe meine Arzttermine brav wahrgenommen und darauf vertraut, dass ein fähiger Arzt und ein funktionierendes Ultraschallgerät derlei Missstände frühzeitig erkannt hätten. Und den Rest der Schwangerschaft habe ich mich auf die Kleine gefreut und ganz fest daran geglaubt, dass schon alles gut geht. So wie es die Natur vorgesehen hat.

Das Drama nahm während der Geburtsvorbereitung allerdings Fahrt auf. Mütter mit Geschwisterkind erzählten Schauergeschichten von Eisenmängeln, von hyperaktiven Kindern aufgrund von zuviel Koffein während der Schwangerschaft, diskutierten über Zusatzvitamine und die richtige Schlafposition. Ich klammerte mich an mein restliches bisschen Menschenverstand, das mir sagte, dass mein Körper mein Kind im Schlaf keiner Gefahr aussetzen, sondern mich zum umdrehen veranlassen würde, wäre meine Rückenlage derart lebensbedrohlich für das Ungeborene.
Jetzt ist die Kleine da. Wir gehen brav zu jeder U-Untersuchung und halten uns dafür von möglichst vielen Müttern fern. Ich habe womöglich eine konservative Erziehung genossen und daher gewisse Werte und Vorstellungen von daheim mitbekommen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur empfindlich gegen den missionarischen Eifer, mit dem man mir wichtige Ratschläge gibt, nach denen ich gar nicht gefragt habe. Zu den Dingen, die ich im Moment, noch, wieder, oder einfach generell ablehne gehören…

1. Babyschwimmen. Ich bin eine Rabenmutter. Weil ich meinem Kind das Erlebnis “Baden im öffentlichen Chlor” vorenthalte. Wir baden – wie langweilig – in der heimischen Badewanne. Sie patscht und plantscht und es braucht vier Hände, um das glucksende, glitschige Bündel vorm Abtauchen zu bewahren. Aber es macht Spaß. “Ja aber es ist doch so wichtig, dass die Kinder in Interaktion mit anderen kommen und noch dazu im entspannenden Wasser…” Mein Kind interagiert nicht. Es guckt andere Babys mit großen Augen an und packt sie allenfalls am Pulli, um sich herumzuziehen. Und wenn ich sehe, dass vierzehn Maxi-Cosis langsam die feuchte Hallenbad-Luft in sich aufsaugen, während vierzehn Mütter auf dem Rücken liegen und ihre Babys auf dem Bauch sitzen haben, frage ich mich ernsthaft, ob das in der Badewanne daheim nicht wesentlich entspannter wäre? Ohne, dass Kinder und Mütter erst an-, dann wieder aus- und wieder angezogen werden, ohne Schwimmwindeln, ohne nasse Badesachen, ohne Wickeltasche, Babykekse in Tupper, Autofahren, Ein- und Ausladen und sieben nassen Handtüchern? Es ist so wichtig für die Kinder ins Wasser zu kommen? Soso. Ich konnte in der Grundschule noch nicht schwimmen, weil ich Wasser einfach doof fand. Heute ist Schwimmen mein erklärter Lieblingssport.

2. Baby-led-weaning. Heißt – Kinder bekommen nach der Milch keinen Brei, sondern essen mit ihrer eigenen Hand weichgekochtes Gemüse. Das Baby soll sich dabei selbstbestimmt füttern dürfen und Gelegenheit haben, Essen abzulehnen. Mein Kind lehnt Essen auch ab. Und zwar vehement und lautstark. Zucchini hält sie beispielsweise für Teufelszeug und lässt mich das auch wissen. Kürbis und Karotte vom Löffel geht stattdessen ganz prima. Ich sehe keinen Sinn darin, dass das Kind, um des “haptischen Erlebnisses” Willen unsere Küche mit Brokkolistückchen überziehen soll. Nicht, weil ich den Aufwand scheuen würde, jeden Tag den Boden nass zu wischen, sondern weil ich mich frage, wann das Kind denn lernen soll, dass man Essen eben NICHT herumwirft? Wieso sollte ich meinem Kind beibringen, dass man mit den Händen ins Essen greift und was nicht schmeckt wegwerfen darf? Nicht nur, dass ich so keine Ahnung habe, wieviel Essen in die Kleine hineinwandert, das, was auf dem Boden landet, ist dann einfach verschwendet. Ist das tatsächlich ein pädagogisches Konzept? Ich würde meinem Kind gerne beibringen, dass man nicht alles essen muss, was auf dem Teller ist und auch nichts, was man überhaupt nicht mag. Aber dass man alles probieren sollte, bevor man etwas ablehnt. Dass man mit Besteck isst und dass Lebensmittel kein Spielzeug sind. Aber ich bin ja auch von gestern.

3. Co-Sleeping. “Wie, Euer Kind schläft schon im eigenen Zimmer?” Ja tut sie. Und zwar gut. Und durch. Sie schläft gegen halb acht ein und wacht nach einer Stunde auf. Sie weint, Mama nimmt die Beine in die Hand, streichelt das Köpfchen, rückt den Schnuller gerade und sie schläft weiter. Manchmal bis morgens um halb sieben. Dann wacht sie auf und singt vor sich hin. Wenn ich in ihr Zimmer komme, wirft sie die Beine in die Höhe, wedelt mit den Ärmchen, strahlt über alle Backen und quietscht mich an. So sieht kein Kind aus, dass nachts von Verlustängsten geplagt nicht geschlafen hat. Zumal wir das Babyphone haben und sie hören, wenn sie weint. “Ja aber man hört so viel über den plötzlichen Kindstod bei Kindern, die alleine schlafen…” Was soll diese Angstmacherei? Dieses Szenario ist ein Alptraum für alle Eltern. Aber ich würde neben dem Kind schlafen, wenn etwas wäre. Ich würde schlafen. SCHLAFEN. Ob sie dabei einen halben Meter neben mir oder ein Zimmer weiter liegt, ich würde es verschlafen. Ich halte es hier wie in der Schwangerschaft – ich vertraue darauf, dass sie gesund ist, alle U-Untersuchungen zufriedenstellend sind und dass alles gut geht. Und trotzdem muss ich ihren Auszug ins Kinderzimmer verteidigen und nehme hochgezogene Augenbrauen und spitze Müttermünder in Kauf.

4. Die Krabbelgruppe. Dasselbe wie Babyschwimmen. Mein Kind möchte nicht interagieren mit anderen Kindern. Fragt mich in einem halben Jahr nochmal. Aber im Moment – nicht. “Es ist ja auch so wichtig, mit anderen Eltern den Erfahrungsaustausch zu pflegen” – Nein, es ist mir HIMMELANGST. Ich finde mein Kind toll, ohne Frage. Aber andere Kinder können schon viel mehr als meins. Ich warte nur darauf, dass eine Mitmutter erzählt, ihr Kind würde mit neun Monaten fragen, ob es kurz austreten darf und dann alleine aufs Klo gehen. Nee, is klar. Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit der Maus, weiß, dass sie sich nach links und rechts drehen kann, aber nicht gerne auf dem Bauch liegt. Dass sie Kürbisbrei liebt und Zucchini verabscheut, dass sie beim Wickeln gerne die Zehen in den Mund steckt und dass das grün-rote Schmusetuch ihr Lieblingsstück ist. Wenn ich dann ein paar Stunden für mich habe, möchte ich nicht über Brei, nicht über Windelsorten und nicht über Schlafgewohnheiten sprechen. Ich möchte keine Heldengeschichten von Luca-Finn und Chayenn-Zoe-Clementine erzählt bekommen und auch nicht wissen, wie toll Jamie-Isabelle schon den Löffel halten kann. Jedes Kind entwickelt sich nach seinem Tempo und das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Und WENN ich schon mal Zeit habe, einen Kaffee in Ruhe zu trinken, dann möchte ich dies mit einer Freundin alleine tun, die mir etwas anderes zu erzählen hat als die Muttis von Maximiliane und Flora. Aber ich bin ja auch völlig soziophob.

Desweg

Muttersein…

…wirft Fragen auf.

Warum ist mein Wäscheberg höher als je zuvor wo ich doch a) mehr Zeit zu Hause verbringe und b) die zu waschenden Teile so winzig sind?
Warum hat das Baby immer dann Hunger, wenn ich aus dem Haus muss?
Und warum scheint das Baby die Flasche immer dann zu zelebrieren, wohingegen es sie staubsaugergleich leertrinkt, wenn ich alle Zeit der Welt hätte?
Und warum schläft das Baby immer dann, wenn es nicht soll? Ist dann abends um acht aber so putzmunter und ausgeschlafen, wie die Mama morgens um neun nicht?
Und warum jault das Kind im Schlaf so laut, dass Mama im Bett steht und wenn sie panisch in die Wiege guckt, schlummert der kleine Schreihals schon wieder entspannt?

Ein bisschen glaube ich, will sie mich manchmal verhonepiepeln. Aber nur ein bisschen. Den blaune Knopfaugen kann man eh nie böse sein. Scheint sie zu wissen. Hmpf.

Grantig…

…war das Kind gestern. Und heut Nacht um vier quäkig und munter. Und so wirklich überschäumend ist die Laune heut auch nicht. Meine übrigens auch nicht. Bin einfach müde. Ob wohl schon Zähne einschießen? Ich hatte wohl mit vier Monaten meinen ersten sichtbaren Milchzahn… Das kann ja heiter werden. Kleine Kinder, kleine Sorgen…

Aha-Effekt…

…kennt ihr das? Man grübelt tagelang über etwas, versteht es nicht und mit einem Mal macht es pling und das Brett fällt vom Kopf?
Unser Kind hat seit Tagen eine Schreiphase. Brüllt um acht los und schläft um elf endlich völlig fertig ein. Ich war der Meinung, das Kind habe Verdauungsprobleme. Komisch nur, dass es damit tagsüber gut zurecht kommt und abends dann plötzlich abdreht. Aber nein, es ist gar nicht der Bauch! Unser Kind war einfach müde! Aufgefallen ist mir das an Silvester. Wir hatten Gäste und ich war der Meinung, der Trubel wäre ihr zu laut, also habe ich sie in ihr Bett gelegt. Sie ist dort wach alleine geblieben und fand das wohl total ok, sie gab keinen Mucks von sich, schnullerte nur so vor sich hin. Gestern ging das Gebrüll wieder punkt acht los. Ich schlussfolgerte also, dass das Kind Dunkelheit und Ruhe schätzt. Und was soll ich sagen… Sie ist seit halb acht im Bett und hat nur kurz gemosert und will alle halbe Stunde kurz sehen, dass ich noch da bin. Das wars. Gestern um die Zeit sind mir schon fast die Ohren abgefallen. Doofe Mama.