Mind your own business – oder: Wie ich mit der Müttermafia zurecht komme

Lange Zeit dachte ich, die Müttermafia gibt’s nicht. Ein plakatives Schlagwort, eine Erfindung der Medien.

Und dann begegnete ich ihr. Kein Wunder, dass ich sie erst jetzt wahrnehme, da mein Kind schon fünf Jahre alt ist. Denn sie ist gut getarnt und unscheinbar, schreit nicht herum sondern bevorzugt den Flüsterton. Tuschelt hier und wispert dort. Streut hier ein paar Ungeheuerlichkeiten in die Runde, kratzt dort ein bisschen an der Stimmung. Sie agiert geschickt, denn oft sind ihre vergifteten Sticheleien zunächst als gute Ratschläge getarnt. “Bei UNS daheim ist das ja so und so …” (aka: Und genau so ist es richtig und Mama xy sollte sich eine Scheibe von meiner Lebensweisheit abschneiden.) Oder “ICH finde ja, dass Kinder um acht ins Bett gehören” (aka: Weil meine schon um sieben völlig fertig sind, weil sie schon seit halb fünf morgens durchs Haus fetzen) Ich habe also beschlossen, aufzuschreiben, wie ich mit derMüttermafia umgehe:

  1. Mind your own business. Wenn es um mein Kind geht, geht es um MEIN Kind. Habe ich Sorgen und Nöte wegen meines Kindes (was glücklicherweise höchst selten vorkommt), dann bespreche ich die mit meinem Kind, bzw. mit meinem Mann. Sind es medizinische Sorgen, bespreche ich sie mit dem Arzt. Möchte ich mir den Rat einer Frendin einholen, die ebenfalls Kinder hat, dann mach ich das. Aber ich konsultiere weder eine Ansammlung von Müttern (weil 3 Mütter = 5 Meinungen (alle allgemeingültig, dogmatisch, absolut richtig)) noch einen Erziehungsratgeber (kennt der Autor MEIN Kind?) noch das Internet. Und am allerwenigsten erwarte ich gute Tipps von außen, die mir ungefragt unter die Nase gerieben werden. Sobald ich spüre, dass mein Gegenüber die Augenbraue lupft, die Stimmlage auf “verwundert” stellt und Sätze mit “Oh” und “Ach echt” beginnt, bin ich raus. Keine Mutter hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und sollte davon ausgehen, dass andere Mamas auf ihre Beratung angewiesen ist. Es sei denn, man bittet um Rat. Und diese Fähigkeit, sich um sein Kind zu kümmern, traue ich jeder Mutter zu. Ich werde mich hüten, mich ungefragt ins Leben anderer Familien einzumischen und für andere zu sprechen. Überhaupt: Wer würde seinem Chef sagen, er müsste weniger rauchen/ sich wärmer anziehen/ gesünder essen? Warum bringt man denselben Respekt nicht jedem Mitmenschen gegenüber auf?
  2. Umgang mit Problemen. Probleme mit anderen muss man ansprechen dürfen. Und zwar sollte sich derjenige, der das Problem hat an genau den wenden, der das Problem verursacht oder direkt beheben kann. Es ist toll, dass wir in einem Land leben, in dem man sagen darf was einen bedrückt. Wenn ich finde, dass etwas schief läuft, adressiere ich meinen Kummer und zwar genau dorthin, wo sein Ursprung ist. Ich verbreite meinen Unmut weder im Internet noch per Rundmail und küble meinen Zorn schon gar nicht im Flüsterton irgendwo aus.
  3. Das Kind geht seinen Weg. So sehr ich verstehen kann, dass jede Mutter das Beste für ihr Kind will und sich um seinen Nachwuchs sorgt und kümmert – unsere Kinder haben ein Leben vor sich, in dem sie auf ihre eigenen Fähigkeiten angewiesen sein werden. Wir neigen manchmal dazu, unseren Kindern alle Steine aus dem Weg zu räumen, alle Gefahrenquellen zu eleminieren (fällt die Bäume, damit kein Kind beim Klettern runterfallen kann!) und mit unnötiger Weitsicht alles zu ebnen, was sich zwischen den Schritten unserer Kinder als Stolperstein erweisen könnte. Was wir dabei übersehen: Irgendwann gehen sie alleine und sind gewohnt, dass sich alles wie von Zauberhand regelt. Sie werden egozentrische junge Erwachsene, die erwarten, dass sich die Sonne um sie dreht. Sie sind unfähig, sich Dinge selbst zu erarbeiten, Probleme zu lösen und auch mal wieder aufzustehen. Das will ich nicht. Und deswegen lasse ich mein Kind mit einer gewissen Toleranz den Konflikt mit der besten Freundin austragen. (Natürlich hauen sie sich nicht die Köpfe ein, aber ich konsultiere keine anderen Mütter und erzähle, was wessen Kind heute ja wieder … you know.) Hat sie einen anstrengenden Tag, lasse ich ihr daheim die Ruhe, die sie braucht, ihr Gleichgewicht wieder herzustellen. Will sie eine Begebenheit erzählen, höre ich zu. Will sie mir nichts sagen, akzeptiere ich das. Denn: ich vertraue darauf, dass ich diejenige bin, die aus ihr eine gefestigte Persönlichkeit machen kann, in dem ich sie sich entwickeln lasse. Für das schleichende Gift der Müttermafia haben wir kein Ohr und keinen Platz.

 

Ich wünsche Euch einen guten Start in den Mittwoch! Und nicht vergessen: Lasst die Leute reden. Die kochen auch nur mit Wasser.

Warum ich mein Pensum im Griff habe und nicht andersrum – Motivation ist eine Haltungsfrage!

“Wie machst du das eigentlich alles?”, fragte mich neulich eine Freundin mit ungläubigem Blick, als wir uns gegenseitig aus unserem Leben erzählten (Frauentagebuchgeplauder, Kinder, Küche, Hausarbeit, Arbeit, wer wann was mit wem, you know). Ich stutzte und dachte kurz nach. Dann sagte ich ihr: “Ich denke nicht, ich mache halt. Und zwar aus Prinzip gerne.” Dank meiner eigenen Motivation.

Die Antwort kam aus dem Bauch heraus und war absolut ehrlich. Aber sie hat mich selbst ein bisschen verblüfft. Denn tatsächlich liebe ich nichts mehr als Produktivität. Am liebsten sinke ich abends in die Kissen mit dem guten Gefühl, den Tag ausgekostet zu haben und Dinge erledigt, geschafft, erschaffen, gewuppt zu haben. Die Königsdisziplin dabei ist: Sich nicht stressen zu lassen. Auch das gelingt mir immer besser.

Ich habe daher beschlossen, das alles mal aufzuschreiben, vielleicht kann ja jemand da draußen einen Nutzen für sich draus ziehen.

1. Zeit sinnvoll nutzen und den Überblick behalten

Grundlage meines Tuns ist eine absolut realistische Zeitplanung. Ich weiß recht genau, wieviel Zeit ich für welches Projekt einplanen muss. Oft sind meine Tage ziemliche Punktlandungen, manchmal gelingt es mir aber auch, Puffer richtig einzuschätzen. An drei Tagen der Woche arbeite ich komplett. Diese Tage sind nur schwer kalkulierbar und ich nehme mir für die Abende nichts weiter vor, weil es grundsätzlich sieben wird, bis ich zu Hause bin, manchmal sitze ich aber auch bis 23 Uhr in der Redaktion, je nachdem, wieviel Abendtermine in der Woche anstehen und wie lange sie dauern.

Wenn ich einigermaßen früh daheim bin, erledige ich Wäsche. Nichts schreckt mich so sehr, wie ein überquellender Waschkorb. Deswegen nehme ich mir an solchen Tagen abends 10 bis 20 Minuten Zeit um eine Waschmaschine zu befüllen und anzustellen, auszuräumen, aufzuhängen, den Trockner auszuräumen etc. Da ich nicht selbst bügle, besteht die einzige logistische Herausforderung darin, die Bügelwäsche rechtzeitig aus dem Haus zu bringen und sie wieder abzuholen. Da ich aber täglich mit dem Auto unterwegs bin, erledige ich das quasi unterwegs. Genauso nebenbei gucke ich täglich mindestens zweimal in den Kühlschrank. Ich habe also ungefähr im Blick, wovon wir noch genug haben und was zur Neige geht. Ich erzähle unserer Alexa vom Notstand im Kühlschrank und sie notiert das brav. Ich könnte aber genau so gut einen Zettel vollschreiben. Wenn ich nach der Arbeit dazu komme, gehe ich Dienstags, Mittwochs oder Donnerstags einkaufen. Wenn nicht, nehme ich es mir für meine beiden freien Tage vor.

2.  Das große Ganze sehen

Ob freier Tag oder Arbeitstag – wer viel auf die Reihe bekommen möchte, muss in erster Linie wollen. Dabei hilft mir (und ich bin erst im Zuge des Grübelns nach dem Gespräch drauf gekommen, ich mache das quasi automatisch) in Bildern zu denken. Ich kenne nur wenige Frauen, die gerne putzen. Auch ich bin nicht unbedingt scharf darauf, an meinen beiden freien Tagen den Putzlappen zu schwingen. Aber kaum habe ich beispielsweise unser Bad betreten, sehe ich es vor meinem inneren Auge – blitzblank und aufgeräumt, einladend, ein richtiger Wellnessraum. Öffne ich die Augen wieder, sehe ich den Unterschied: Herumliegende Klamotten und Kalkränder. In dem Moment ist aber das Bild vor meinem inneren Auge die beste Motivation. Ich fange an zu putzen und weiß, spätestens eine Stunde später ist mein Traumbild Realität.

Das kann ich auf alle Bereiche des Haushalts ausdehnen: Ich habe nicht immer Lust zu kochen, manchmal fehlt mir auch schlicht die Idee. Sollte mir gar nichts einfallen, lasse ich mich im Supermarkt inspirieren. Oft kaufe ich ein Sammelsurium aus Gemüse ein, bis sich das Bild herauszukristallisieren beginnt: Ich sehe meine Familie am Tisch vereint, alle haben ein frischgekochtes und leckeres Essen vor sich. Und plötzlich habe ich nicht nur unbändige Lust zu kochen, die Zutaten fügen sich auch fast von selbst.

Im Prinzip entstehen so auch meine schönsten Geschichten: Ich habe ein Gegenüber vor mir und spüre im Lauf des Gesprächs den Klang, den diese Story hat. Noch während ich mit meinem Interviewpartner rede, beginne ich mich in den Text hineinzudenken. Ich stelle mir einfach vor, dass am Ende des Tages eine einfühlsame, treffende Geschichte steht. Und an diesem Ziel orientiere ich mich.

Diese drei Beispiele zeigen: Ich denke da nicht drüber nach, es ist ein Automatismus. So lange ich schon vor dem ersten Schritt sehen kann, wie das Ergebnis sein wird, so lange fällt es mir nicht schwer, den Weg bis dahin auch zu gehen. Konsequenz ist das Zauberwort.

All das funktioniert allerdings nicht ohne ein bisschen …

3. Disziplin und Fleiß

Wie ich vorhin schon sagte: Wer viel auf die Reihe bekommen will, muss es wollen. Nicht nur von all den Vorhaben sprechen. Am besten gar nicht viel sprechen, lieber machen. Die meisten Dinge sind nämlich schnell erledigt. Mal die Wohnung saugen: 20 Minuten. Die Spülmaschine ausräumen: 10 Minuten. Eine Ladung Wäsche aufhängen: 10 Minuten. Den Trockner ausräumen und Wäsche falten: 15 Minuten. In weniger als einer Stunde lässt sich so eine ordentliche Portion Hausarbeit erledigen. Der Trick dabei ist (neben dem großen Bild) jegliche Ablenkung beiseite zu legen. Kein Instagram, kein Whatsapp, Fernseher aus. Habe ich mal keine Lust auf das Pensum, wäge ich ab. Kann ich es tatsächlich ein bisschen schieben, dann gönne ich mir die Zeit. Aber meistens nehme ich mir einfach vor, es gerne zu tun. Und wie von alleine fängt es dann auch an zu laufen. Ich genieße es sehr, bei relativ einfachen Arbeiten die Gedanken schweifen zu lassen. Dabei lasse ich die Arbeit an sich nicht aus dem Blick: Ich weiß genau, dass mich schiefe Wäschestapel im Schrank nerven, also gebe ich mir beim Zusammenlegen Mühe. Und ehrlich: Ich freue mich beispielsweise jeden Tag über den Blick in meine wirklich ordentliche Wäscheschublade. Denn seid ehrlich:Wäsche schludrig zu falten und sie irgendwie in den Schrank zu stopfen nimmt nur unwesentlich weniger Zeit in Anspruch, als es ordentlich zu tun.

4. Ganz OK ist nicht gut genug

Und wenn ich nun schon Wäsche zusammenlege, dann mache ich es so gut ich kann. Schon aus Prinzip.(A propos Wäsche: Ich werde demnächst den Großteil meiner Wäschesammlung in den Altkleidercontainer bringen. Ich schreibe weiter unten noch, warum) (Ich habe übrigens gehört, dass es Menschen gibt, die ihre Wäsche einfach aus dem Trockner in die Schublade werfen. Diese Menschen und ich sprechen unterschiedliche Sprachen!)

Und im Übrigen: Dieses so-gut-ich-kann hat nichts mit Perfektionismus zu tun. Es ist eine Haltung allem gegenüber, was ich mache. Ganz oder gar nicht. Denn wem ist geholfen, wenn ich Dinge halbherzig erledige? Oft muss ich sie dann ein zweites Mal machen oder ich bin unzufrieden oder mein Chef ist unzufrieden (je nachdem worum es geht). Diese Haltung wirkt sich übrigens ganz konkret auf mein Leben aus: Ich habe nicht nur meinen Traumberuf wieder aufgenommen (und freue mich tatsächlich auch nach sieben Monaten noch jeden einzelnen Morgen wie bekloppt, wenn ich durch die Tür reinkomme), letzte Woche hat auch mein Chefchef völlig überraschend die Befristung meines Arbeitsverhältnisses aufgehoben. Er hätte damit noch fast anderthalb Jahre warten können.

Grundsätzlich glaube ich nicht, dass ich etwas kann, was sonst keiner kann. Ich bin aber überzeugt davon, dass viele unter ihren Möglichkeiten bleiben, weil es bequem ist, weil sie es schon immer so gemacht haben, weil Tante Frieda auch immer sagt, das macht man so, warum auch immer. Im Lauf der Jahre und mit zunehmendem Alter (husthust) habe ich aber auch immer mehr herausgefunden, wer ich bin und was ich will. Und ich werde dabei immer klarer. (Fast hätte ich kompromisslos geschrieben, aber das ist irgendwie negativ belegt, wenngleich es gut passt). Ich bin immer weniger gewillt, Abstriche zu machen. Sowohl bei meiner Arbeit, als auch bei den Dingen, mit denen ich mich umgebe. Um nochmal auf die Unterwäsche zurück zu kommen: Welche Frau kennt das nicht. Im Laden hat der BH noch gut gesessen und war bequem. Aber nach ein paar Tragestunden zwickt und rutscht er hier und dort. Und irgendwann landet er hinten in der Wäscheschublade. Bei mir hat sich da einiges angesammelt, denn ich habe mittlerweile einfach DIE Marke für mich entdeckt, die wunderschöne und zugleich perfekt sitzende Wäsche herstellt. Vom Rest werde ich mich leichten Herzens trennen. Und genau wie mit der Unterwäsche bin ich auch mit anderen Dingen. Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen, für ungesunde Beziehungen, für halbherzg erledigte Arbeit und – für kratzige BHs. 

Im Übrigen kann ich auch völlig entspannt schon nachmittags in einem Schaumbad versinken, ein gutes Buch mitnehmen und Wäscheberge ignorieren. Wenn ich nämlich spüre, dass ich die Auszeit brauche, nehme ich mir die Zeit. Auch das gehört dazu, kompromisslos auf sein Bauchgefühl zu hören. Aber selbst nach einem Winterspaziergang oder einem gemütlichen Bad ist der Tag noch immer lang genug für viele unterschiedliche Dinge. Die eigene Haltung ist der Schlüssel dazu.

 

Ich will der Bestimmer sein! Warum ich mich nur noch mit Gutem umgebe.

Heute war Volkstrauertag. Das wurde mir aber erst bewusst, als ich mich kurz wunderte, warum die Flagge vorm Rathaus hier im Ort auf Halbmast hing. Sagen wir so: Der Volkstrauertag war überall, nur nicht bei mir. Ich hatte heute einen der produktivsten Tage der Woche. Wenn man es genau nimmt, war das Wochenende insgesamt ziemlich großartig. Am Freitag hatten wir einen tollen Abschluss beim Laternenlauf bei uns mit Punsch und roter Wurst. Innerhalb kurzer Zeit drängten sich über 50 Leute auf engstem Raum und es war einfach nur schön und gesellig (high five an die besten Elternbeiratskollegen!). Am Samstag habe ich den gewohnten Tagesrhythmus völlig auf den Kopf gestellt. Statt Großputz war ich mit Hannah Schuhe kaufen, mit einer Kollegin Kaffeetrinken und zum Mittagessen gab es den weltbesten Apfelkuchen. Geputzt habe ich trotzdem noch, aber es hat gut getan, mal ausgetretene Pfade zu verlassen.

Aber zurück zu heute: Ich bin aufgestanden und ich und die Kleine haben gemütlich miteinander gefrühstückt. Mein Mann musste heute arbeiten und so hatten wir zwei Mädels freie Bahn.  Ich habe die Energie schon beim Aufstehen gespürt. Nach dem Kaffee hielt mich nichts mehr. Ich wienerte die Waschbecken und warf eine Waschmaschine an, wir räumten das Kinderzimmer gründlich auf und ich entrümpelte den Kühlschrank. Ich hab für uns beide frische Tortellini gekocht mit Frischkäse-Rahmsoße. Nach dem Essen hat die Oma das Mädchen ins Kindertheater mitgenommen – und ich hatte endlich sturmfrei und konnte den Adventskalender für die Maus verpacken.

 

Fun fact an Rande: Hätte ich diese Adventskalenderzutaten alle auf einmal gekauft, wäre ich an der Kasse bei der Endrechnung vermutlich auf der Stelle schreiend aus dem Laden gelaufen. Weil ich den Kleinkram aber übers letzte halbe Jahr verteilt gekauft habe, ist mir gar nicht aufgefallen, wie teuer so ein Adventskalender werden kann. Memo an mich: Wir gleichen das nächstes Jahr aus und es gibt nur Gummibärchen im Adventskalender. Eines jeden Tag.

Während ich also so vor mich hin rechnete klebte und faltete, hing ich meinen Gedanken nach. Dieser Sonntag fühlte sich so richtig gut an. Nach mir. Das Wetter draußen vor meinem Fenster war typisch November und schrie nicht nach einem längeren Aufenthalt im Freien. Aber es hatte null Einfluss auf meine Stimmung. Denn ich war im Flow, mit mir, fokussiert auf meinen inneren Kompass. Nur tun, was sich gut anfühlte. Aber vor allem: Etwas tun. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass der Mensch nicht fürs Nichtstun gemacht ist. Es macht mich nicht glücklich, den ganzen Sonntag auf der Couch zu verbringen. Frühstück im Bett? Heaven help!

Denn Nichtstun ist eine Energie, die mich nicht entspannt. Die mir nicht entspricht. Nicht, weil ich ein notorischer Workaholic wäre oder eine Perfektionistin, die nicht ruhig sitzen kann. Ich (er)schaffe einfach gerne. Ich liebe diese kreativen Vibes, die mich motivieren, Dinge anzupacken, sie besser zu machen, die mich aus Chaos Ordnung schaffen lassen. Am besten trifft es wirklich die Beschreibung “innerer Kompass”. Wenn ich der Richtung folge, die mir diese Nadel zeigt, dann flutscht es. Ich lasse es einfach laufen und genieße den Flow. Es ist Sonntag, ich weiß. Na und? Negative Energien wie Lustlosigkeit, Melancholie, Trübsinn – ich wehre mich bewusst gegen sie. Denn natürlich kenne auch ich das – es ist der einzige freie Tag der Woche, an dem man zum absoluten Stillstand kommt, man hat nicht wirklich was vor, lümmelt auf der Couch rum bis der Tag zu weit fortgeschritten ist, um noch etwas Größeres anzupacken. Und am Ende ist man unzufrieden und froh, wenn der Montag einen wieder in den gewohnten Trab bringt. Aber ehrlich – wer will das denn? Jeder Tag soll meiner sein. Oder wie Hannah sagen würde “Ich will der Bestimmer sein”.

Schlechte Energie hat aber nicht nur etwas mich “sich hängen lassen” zu tun. Schelchte Energie wird auch von außen an uns alle herangetragen. Ich habe mittlerweile eine sehr feine Antenne dafür, welche Menschen mir guttun und von welchen ich mich höflich fernhalte. Was mich runterzieht, sind “ja-aber-Menschen”. Jeder kennt so einen, der alles immer irgendwie gut findet, wenn da nicht das aber käme. So sicher wie das Amen in der Kirche, sagen sie Dinge wie “Ja, es war echt toll, nur schade dass… ” oder “Hat Spaß gemacht, nur das Wetter…” oder “Wie schön, gefällt mir gut, aber …”

Ich frage mich in den allermeisten Fällen – warum tut ihr Euch das an? Warum genießt ihr nicht die tollen, schönen, spaßigen Dinge und blendet den Rest aus, der vielleicht nicht gerade alles andere getoppt hat? Wenn ich mich mit jemandem bei einem Kaffee zusammensetze, kann ich zuhören. Ich kann auch Ratschläge geben, wenn ich um solche gebeten werde. Ich kann meine Ideen einbringen und auch trösten, wenn notwendig. Was ich aber nicht kann: Mich gemeinsam in die “Ach haben wir’s alle schwer”-Soße zu werfen und ein bisschen in gemeinsamem Mitleid zu baden. Jeder von uns steht mal vor Herausforderungen oder Schwierigkeiten. Aber niemand wird sie für dich lösen, wenn Du versuchst, alle auf Deine Ebene zu ziehen. Das Gejammere über den Stress mit den Terminen der Kinder, über den Mann, der nicht mithilft im Haushalt, über den Preis für Kinderschuhe oder das Wetter, bei dem man ja gar nicht mehr mit den Kids in den Garten kann … und erst die Schwiegermutter. Und die Afd. Und eigentlich ist alles furchtbar schlimm.

Dieses Genöle hat nur einen Sinn – die Nöler wollen hören, dass es allen so geht. Dass jeder mit denselben Problemen konfrontiert ist und das schon alles in Ordnung ist so. Sie fühlen sich nämlich nur sicher in einer Herde von Schafen, die in derselben Tonlage blöken. Ich habe nur überhaupt keine Lust dazu. Nichts liegt mir ferner, als in der Meckermasse zu verschwinden. Denn – nicht vergessen – ich bin der Bestimmer. Und ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn es also darum geht, aus der Reihe zu tanzen, bin ich die mit den höchsten Absätzen auf dem Parkett. Ich habe ein einziges Leben. Ich will es nicht im Jammertal verbringen.

Auch ich habe Herausforderungen zu meistern. Nicht immer geht mir alles leicht von der Hand und an manchen Tagen möchte ich mich gerne verkriechen. Aber diese Laune hält ganz genau fünf Minuten an (wenn’s hochkommt), denn dann wirft mir mein inneres Ich augenrollend den Rettungsring zu und sagt, “jetzt ist aber gut, Du könntest längst an der Lösung des Problems arbeiten”. Ich mache mir bewusst, dass die Zeit, die ich mit dem Bewundern des Problems verschwendet habe, lange genug war. Dann beginne ich zu arbeiten und bin eben wieder der Bestimmer.

Und zuletzt noch ein Wort zum Thema Stress. Wen man auch trifft auf dem Markt oder im Café: Auf die Frage,”wie geht’s?” sagen die meisten Menschen “gut, halt immer im Stress”. Scheinbar ist Stress zu haben ein völlig normaler und womöglich auch noch erstrebenswerter Zustand. Ich habe keinen Stress. Aus Prinzip nicht. Ich habe oft viel zu tun und wenig Zeit dafür. Aber das erfordert konzentriertes und effektives Arbeiten. Stress ist für mich was anderes. Wenn ich einen Plan habe und jemand anderes meinen geplanten Ablauf durcheinanderbringt – das stresst mich. Genau fünf Minuten eben. Dann kommt der Rettungsring – you get the point.

Mit diesen Gedanken zum Sonntag wünsche ich Euch jetzt einen guten Start in eine neue, produktive, wunderschöne Woche voller Hochs. Ihr habt’s im Griff, nicht vergessen.

 

Warum ich keine lästigen Pflichten habe.

Ich saß gestern Abend in der Redaktion an meinem Schreibtisch, hatte rote Wangen und in meinem Kopf ratterte es. Den ganzen Nachmittag hatte ich telefonisch quer durch Behörden und Gerichte recherchiert, um ein möglichst aktuelles Bild eines aktuellen Rechtsstreits wiederzugeben. Mit dem Text, den zwei Kollgen gegengelesen hatten, war ich zufrieden. Runder würde ich ihn nicht hinkriegen. Allein der zweizeilige Vorspann wollte und wollte nicht gelingen. Zu wenig Platz, zu viele und komplizierte Worte, die Sachlage zu komplex. Ich schrieb und löschte, hirnte und verwarf.

Bis ich schließlich bei meinem Chef um kreativen Input bat. Und froh war, dass der auch keine perfekte Lösung mal eben so aus dem Ärmel schüttelte, sondern durchaus verstand, wo meine Schwierigkeiten lagen. Wir hirnten also zusammen. Und fanden schließlich eine Lösung, mit der wir beide zufrieden waren. Kurz danach stand der Verleger in der Redaktion und fragte nach einem Kollegen. Wir kamen ins Plaudern und er fragte mich, ob ich zufrieden sei und ob ich mich wohlfühlte. Als ich eine Weile später nach Hause fuhr und den Tag an mir vorbeiziehen ließ, fiel mir eines auf. Ich fühlte mich unfassbar zufrieden. “Warum ich keine lästigen Pflichten habe.” weiterlesen

Es ist ja so…

…mit der Inspiration: Sie fragt einen nicht. Sie fragt nicht, ob sie jetzt grade gelegen kommt oder ob sie vielleicht morgen wieder kommen soll? Andererseits, wenn man auf sie wartet, kommt sie auch manchmal gar nicht. Aber gestern, da kam sie. Ungefragt.

“Es ist ja so…” weiterlesen