An apple a day…

…keeps the doctor away.

Was tut man mit einem Kind, wenn es draußen in einer Tour schüttet? Kekse backen. Hannah war schwer beeindruckt, weil sie mithelfen durfte. Ich musste mehr als einmal bewusst weggucken. Wenn sie Teigbrösel auf den Boden gekrümelt hat, zwischen Daumen und Zeigefinger. Wenn sie rohen Mürbteig angewidert wieder von der Zunge gepopelt hat. Wenn sie mit beiden Händen Mehl vom Tisch gefegt hat. Aber hey. Als die Bleche im Ofen waren, wurde sie kurzerhand zu Oma ausquartiert und ich konnte zähneknirschend in aller Ruhe die Küche generalreinigen.

Kommen wir aber zum Punkt. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, mit ihr Apfelkekse zu backen. In der Haushaltsabteilung eines großen Möbelhauses in der Stadt, so war ich mir sicher, würden sich apfelförmige Ausstecher finden lassen. Mit Hannah an der Hand schlenderte ich durch die Porzellan und Glas. Gedanken wie „Wo sind hier denn die Backsachen“ wechselten sich ab mit Dingen wie „Wir sind doch haftpflichtversichert?“ oder „Was wohl das ganze Service auf dem eingedeckten Tisch kostet, wenn Hannah an der Tischdecke…“ Wir schafften es aber unfallfrei bis zu den Ausstecherle. Nur Äpfel? Fehlanzeige. Hätte ich eine Eule gesucht – kein Problem. Oder einen Penis. Oder das Brandenburger Tor. Aber sowas Abgefahrenes wie Äpfel? „Wenn Sie da keinen sehen, haben wir die nicht“, sagte die Verkäuferin. Wir zogen also ab. Ich hatte eigentlich die Hoffnung schon aufgegeben, aber im zweiten Laden wurden wir spontan gefragt „Einzeln oder im Set?“

Und so erstanden wir ein Set mit Apfelausstechern in fünf Größen. Vor lauter Euphorie kaufte ich noch eine Birne. Ich bin mir mittlerweile aber sicher – das ist eine Glocke. Hundertpro. Aber was soll’s.

Ich knetete also einen Mürbteig zusammen und wir begannen damit, Sauerei zu machen Äpfel auszustechen.

Nach etwa zehn Minuten kam das erste Blech duftend aus dem Ofen. Aber so käsig sind Äpfel natürlich nix. Also entstand aus Zitronensaft und Puderzucker ein zäher, dicker Zuckerguss. Mit ein bisschen (ziemlich viel) Speisefarbe wurde er in eine leuchtend rote Masse verwandelt. Hannah staunte Bauklötze.

Und nachdem sie erkaltet sind, steht dem zügigen Wegfuttern nix mehr im Weg. An apple a day… or maybe two or twelve.

(Und wenn ich sie mir in Gedanken umgekehrt vorstelle mit weißen Tupfen auf dem rot, haben wir vielleicht auch gleich eine Fliegenpilz-Backform gekauft. Dann kann die Birnenglocke einpacken.)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.