Ein Herz für Kuhfladen! Oder: Warum ich heute fast jedes Weihnachtsklischee erfüllt hätte.

Der Countdown läuft – noch acht Tage bis Weihnachten. Naaa, wer hat seine Päckchen schon fertig eingepackt? Ich habe heute zumindest mal damit angefangen, während mein Mann mit Hannah einen Christbaum aussuchen gefahren ist. Und erfüllte dabei fast jedes Klischee (ich hatte nur keine weiße, gestärkte Schürze an mit Spitzenrändern, kennt man ja). Aber ansonsten gab ich mich völlig dem Flow aus Papier und Bändern und Aufklebern und Gedöns hin, während im Hintergrund Dean Martin von weißer Weihnacht träumte und ein verführerischer Duft nach frischen Plätzchen durchs Haus waberte.

Das mit dem Klischee fand allerdings ein jähes Ende, als ich entdeckte, was aus meinem neuen Rezept geworden ist: Braune, unansehliche Fladen, die verdächtig an die Hinterlassenschaften einer durchfallgeplagten Kuh erinnerten. Großes Kino. Zuerst war ich drauf und dran, das ganze Blech dem Biomüll zuzuführen. Dann besann ich mich eines besseren und stach schnell Herzen aus dem noch warmen Teig aus. Schmecken tun sie nämlich. Ich habe sie mit einem Guss aus dunkler Kuvertüre verziert, zerstoßene Zuckerstangen sorgen für einen Farbklecks. Das Rezept teile ich trotzdem nicht mit Euch, das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand nicht.

Dafür ist mir die zweite Sorte gut gelungen und sie ist genau das Richtige für alle, die nach lauter Zuckerzeug Lust auf etwas Herberes haben: Die kleinen Runden Erdnusskekse sind wunderbar mürb aber nicht zu süß, sondern ein klein wenig salzig. Wer salziges Karamell in verbindung mit süß mag, wird sie lieben! Für mich sind sie definitiv meine Cookie-Highlights 2017.

Salty Peanut Butter Rounds

100g weiche Butter, 120g stückige Erdnussbutter, 100g braunen Zucker, 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker, 1 Ei, 220g Mehl, 2 TL Backpulver, gesalzene Erdnüsse

Vermengt die Butter, die Erdnussbutter, den braunen und den Vanillezucker zu einem cremigen Teig mit dem Handrührgerät. Dann rührt das Ei unter. Mischt das Mehl und das Backpulver und rührt es etappenweise unter, bis ein geschmeidiger Teig entsteht.

Formt aus diesem walnussgroße Kugeln, die ihr mit einer Seite in zerstoßenen Erdnüssen wälzt und leicht flach drückt. Im Ofen backen die Kekse auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech etwa 15 Minuten bei 180 Grad.

Für die Mädchen, die einfach eine nette Kleinigkeit bekommen, habe ich mir in diesem Jahr Rosa ausgesucht, wohl wissend, dass nicht ALLE Mädchen auf Rosa stehen. Aber vielleicht auf Schneemänner. Die habe ich einfach aus weißem Karton ausgeschnitten und auf das Packpapier geklebt. Ich packe gerne mit Packpapier ein, weil es eine neutrale Grundlage für alle möglichen Verzierungen bietet. Aber an dem wunderschönen, fein gepunkteten, kupferfarbigen Papier kam ich trotzdem nicht vorbei.

 

Mit dem Schneeflockenstanzer habe ich ein paar Flöckchen gestanzt, die übers eine oder andere Paket rieseln. Die Sterne und die Merry-Christmas-Fahnen sind einfach aus einer Vorlage von Word ausgedruckt, farblich angepasst.

Noch ein paar Worte zum Thema Schenken. Es mag Menschen geben, die hellseherische Fähigkeiten haben. Womöglich können diese Menschen Gedanken lesen und verschenken immer genau das, was der Beschenkte sich insgeheim wünscht. Zwar würde ich mich durchaus als empathische Person beschreiben, aber es ist mir tausendmal lieber, jemand sagt mir, ich wünsche mir dieses Buch, jenen Tee, dieses Parfum zu Weihnachten. Ich weiß, dass ich damit zu 100 Prozent einen Treffer lande und derjenige, der das Päckchen auspackt, freut sich über genau das, was er haben wollte.

Wer findet, die Spannung fehlt dabei, dem erzähle ich jetzt noch was: Ich habe mir zwar seit Herbst schon ungefähr täglich (sagt er) von meinem Mann etwas ganz Konkretes zu Weihnachten gewünscht und ihm auch gleich die Links dazu geschickt. Nur leider kann ich mich nicht mehr erinnern, was das war. Und es kommt noch besser: Mein Mann erinnert sich auch nicht mehr, wo er diese Geschenke versteckt hat. Vorweihnachtlicher Spannungsbogen: Können wir.

Ich wünsche Euch ein wunderschönes drittes Adventswochenende. Ich werde morgen in der Redaktion für die Montagsausgabe sorgen. Aber alles halb so schlimm, denn ICH! HABE! KEKSE!

Schubladen zu!

Wir Redakteure sind gehalten, allen Sachverhalten neutral gegenüber zu stehen. Wir werten nicht, wenn wir berichten, wir spiegeln die Tatsachen möglichst eins zu eins, suchen uns vertrauenswürdige Quellen und gleichen Schilderungen miteinander ab, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Das ist der Idealfall. Und trotzdem sind wir Menschen. Die über Dinge empört sind, die sich ärgern über andere. Und Menschen, die sich aus dem Gefühl heraus eine Meinung über andere bilden, ob wir das wollen oder nicht. Vielleicht sind wir sogar besonders empathisch, weil wir es jeden Tag mit Menschen zu tun haben, die entweder unbedingt in unsere Zeitung möchten oder eben lieber überhaupt nicht. Wir lesen unser Gegenüber und auch wenn wir uns an unsere Grundsätze halten, bleibt ein Gefühl, das er in uns auslöst.

Vor ein paar Tagen lief mir eine Geschichte über den Weg, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein Gerücht zunächst, das sich im Laufe eines Vormittags als wahr herausstellte. Zwar nicht so blutrünstig, wie es erzählt wurde, aber doch so ähnlich. Ich klapperte verschiedene Informanten ab, fügte Puzzelteilchen zusammen, fragte hier nach, hakte dort nach. Anhand der Erzählungen schließlich hatte ich ein Bild des Hauptbeteiligten vorm inneren Auge, an dem es fast nichts zu zweifeln gab. Bis ich ihn anrief, um ihm selbst die Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Der Mann, den ich am Telefon erlebte, war ungefähr das Gegenteil von dem, was ich mir vorgestellt hatte.

Ich hatte das getan, was die meisten Menschen tun: Ich hatte eine Schublade gefunden, in die der fremde Mensch zu passen schien. Glücklicherweise hatte ich ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich zu erklären.

Wenn ich diese Woche etwas gelernt habe (außer das mit der Rinderhaltung), dann auf alle Fälle, dass Vorurteile menschlich sind. Sich zunächst nur auf gesicherte Fakten zu verlassen und jedem Menschen offen zu begegnen, ist manchmal gar nicht so selbstverständlich. Aber wichtig. Nicht nur für Zeitungsleute.

Und sonst so? War die Woche irgendwie verdammt lang und anstrengend. Unvorhergesehene Termine, Tage, die früh anfangen und spät aufhören, Geschichten, die sich in die Länge ziehen, Gemeinderatssitzungen, Ortschaftsratssitzungen (man kann über 5 Tagesordnungspunkte über zwei Stunden sprechen!), 32 Arbeitsstunden in 3 Tagen. Trotzdem und immer noch: Ich habe den weltschönsten Beruf. Nicht trotz allem, sondern wegen allem.

Und die Weihnachtsgeschenkefront? Während ich letztes Jahr ungefähr am 1. Dezember fein säuberlich beschriftete Päckchen stapelte, hake ich heute immer noch to-buy-Listen ab. Merke: Eine Arbeitswoche verkürzt meinen Spielraum um 32 Stunden. Nicht immer, aber manchmal. Umso mehr sollte ich eigentlich zufrieden sein, dass niemand hier nackt ins Büro muss oder verhungert, dass irgendwie fast alle Weihnachtsgeschenke im Haus sind und dass bis Weihnachten ja auch noch 9 Tage Zeit ist. Ganz spontan habe ich mir übrigens überlegt, jemandem eine kleine Freude zu machen, der ganz sicher nicht damit rechnet: Jeden Abend in dieser Woche, an dem ich ermattet am Schreibtisch saß und in den Monitor hineinblinzelte, kam Rita vorbei. Rita ist die Reinigungsfee in der Redaktion, Mama zweier Mädchen und ein wunderbarer Mensch. Ich habe sie vom ersten Tag an ins Herz geschlossen, als sie mir kopfschüttelnd wie eine Mama eben meinen Mülleimer vor die Nase hielt mit den Worten: “Das muss besser werden, Sie müssen da ordentlich trennen!” (Ich hatte eine Plastikumverpackung in den Papierkorb getan!)

Weil ich sehe, wieviel sie leistet und ahne, dass sie auch nicht immer die Anerkennung dafür bekommt, die sie verdient, habe ich ihr ein klitzekleines Päckchen geschnürt. Einziges Risiko: Sie hasst Baden oder hat gar keine Badewanne. Aber das Risiko gehe ich ein in der Hoffnung, dass sie die Geste zu schätzen weiß. 

Wenn mich übrigens jemand fragen würde, was er mir zu Weihnachten schenken könnte, würde ich sagen: Rita. Aber mich fragt ja keiner. 🙂

Wie Looping Louie zu einem Berliner kam

Heute war ich Looping Louie. Kennt ihr den kleinen Kerl aus dem Brettspiel, der in einem Flugzeug hockt und immer wieder wegkatapultiert wird, bevor er landen kann? Der Tag war so randvoll gepackt mit “das noch” und “könntest du noch?” und “nicht vergessen”, dass ich mittendrin das dringende Bedürfnis hatte, mich unter den Schreibtisch zu setzen und am Daumen zu lutschen. Aus mehreren Gründen tat ich es nicht. Unter anderem, um meine Kollegen auch weiterhin in dem Glauben zu lassen, ich sei völlig normal. 🙂

Eigentlich begann der Tag ganz entspannt. Zwar verdammt früh für Redaktionsverhältnisse (8:30 Uhr!) aber entspannt. Und zwar vor Gericht. Nur soviel: Ich habe heute viel über Rinderhaltung gelernt, weiß, woran man in einer Kuhherde einen Kümmerer erkennt und wann ein Kalb vom Saugkalb zum Fresser wird. Auch deshalb liebeliebeliebe ich meinen Beruf so sehr.

Als ich dann in der Redaktion ankam, legte jemand den Hebel um und Looping Louie begann seine Runden zu drehen. Erst machte ich mich an den Gerichtsbericht, dann begann ich, Seitenlücken zu füllen, nahm gefühlt 384465 mal das Telefon ab, baute einen Aufmacher nochmal komplett um mit einem Text, der mich eine Stunde Zeit kostete, organisierte Termine von Kollegen, machte eigene aus, räumte das vollgelaufene Postfach auf, bekam Wind von einer großen Geschichte, sah zu, wie sie einen Anruf später zum Gerücht zerbröselte und baute schließlich nochmal alles um, weil ich noch etwas Wichtiges in die Finger bekam. Irgendwann war ich an dem Punkt angekommen, an dem ich neue do’s nur noch mit einem milden Lächeln auf die to-Liste schaufelte. Das mit dem Daumenlutschen war ja keine Option.

Als ich heute Abend nach acht immer noch in der Redaktion war, hatte ich noch ein ganz produktives Gespräch mit dem Chefchef. Allerdings sprudelte nichts Kreatives mehr aus mir heraus. Der Bauch war zu leer und der Kopf zu voll. Als ich das Auto schließlich in die Garage manövrierte, wurde mir bewusst, dass ich es ziemlich genau 12 Stunden vorher dort rückwärts ausgeparkt hatte und in diesen Tag gestartet bin. In einen Tag, der rückblickend nicht zu denen gehört, die ich zu den Top-Ten zählen würde. Eigentlich.

Denn gerade vorhin, als ich neben Hannah im Bett lag und ihre kleine warme Hand hielt, wurde mir etwas sehr bewusst: Der Tag war vollgepackt mit Aufgaben. Aber da waren Menschen um mich herum, die mir die Aufgaben zugewiesen, abgenommen, erledigen geholfen haben. Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Momente fielen mir heuten ein, die wie kleine Sterne über den Tag verteilt zu leuchten begannen. Das nette Gespräch heute morgen mit dem Kollegen vom Mitbewerber, den ich wirklich mag, wenngleich wir unterschiedliche Chefs haben. Die liebe Mail von einem anderen Redakteur, der sich heute bedankt hat, weil ich ihm einen Packen Arbeit abgenommen habe. Der Kollege von schräg übern Gang, der heute mittag ohne Anlass eine große Tüte Berliner für alle mitbrachte und meine Lieblingskollegin gegenüber, die mich eine Weile durch den Bürobenjamini beobachtete bei meinem Kampf mit der quellenden Marmelade und dem bröselnden Zucker und schließlich kopfschüttelnd mit den Worten “ich hol dir jetzt ne Serviette” aufstand. (Man kann sich an Berlinermarmelade verschlucken, wenn man versucht, sie lachend zu inhalieren, nur so als Tipp) (Wer bitte kann Berliner würdevoll essen? Berliner sind die Döner der Gebäckabteilung!)

Ich hätte mich also heute Abend mit einem wenig eleganten Grunzen auf die Couch fallen lassen und mich darüber auslassen können, wie furchtbar mein Tag war. Hätte ich nicht ein Weilchen an meiner Perspektive geschraubt und mir die vielen schönen Augenblicke des Tages ganz bewusst gemacht. Unter die Top-Ten kommt er zwar immer noch nicht. Aber vom Schlusslicht ist er ganz weit abgerückt.

Und eigentlich ist dieses Ergebnis gar nicht überraschend. Denn im Grunde bin ich konditioniert darauf, aus schlechten Tagen gute zu machen. Auch mir wollen manche Dinge nicht immer so gelingen, wie ich sie geplant habe. Etwas kommt dazwischen, die Arbeit wird mehr, der Arbeitstag immer länger.

Aber all das sind Umstände. Und ganz ehrlich – wozu sollte ich Energie verpulvern für etwas, das ich nicht beeinflussen kann? Würde ich mich vor eine Mauer stellen und jammern, wenn ein paar Meter weiter eine offene Tür ist? Ich würde einfach ein paar Meter Umweg in Kauf nehmen und mich dorthin bewegen. Stillstand und Jammern machen die Umstände nur schlimmer. Ich kann die Gegebenheiten nicht immer ändern, wohl aber meine innere Haltung. Und die ist grundsätzlich positiv, bejahend und willensstark. Die Umstände mögen mir einreden wollen, der Tag würde mich die letzte Kraft kosten, der Haufen Arbeit nie kleiner und das Telefon gar nicht mehr stillstehen. Aber wenn die Umstände so sind, dann vertraue ich aus dem Bauch heraus darauf, dass ich Ihnen gewachsen bin. Und in dem Moment, in dem ich das tue, geben die meisten Umstände klein bei. Plötzlich kommt alles wieder ins Fließen und der Berg löst sich in Häkchen auf der Liste auf. Was ich meine: Fokussiert bleiben, das Pensum ignorieren, anfangen. Was ich nicht meine: Sich täglich selbst zu geißeln und ständig die eigenen Grenzen zu missachten. Wer sich ausbeutet auf Dauer wird das nicht lange schaffen. Sich Hilfe von Kollegen zu holen und die eigene Belastbarkeit zu kennen ist maßgeblich wichtig. Und trotzdem: Wer auf seine Fähigkeiten vertraut und weiß, dass er den Berg bewältigen wird, bevor er überhaupt erst angefangen hat, tut sich viel leichter mit dem ersten Schritt.

Am allerbesten funktioniert das mit dem Selbstvertrauen übrigens, wenn man Berlinermarmelade in den Nasenlöchern hat. Das ist aber kein Muss.

Butter bei die Brote!

Erinnert Ihr Euch noch, dass ich vor ein paar Tagen von der köstlichen Butter erzählt habe, die ich in einem kleinen Lädchen gekauft hatte? Es hat mir keine Ruhe gelasen. Wozu steht ein Thermomix in meiner Küche? Und so ließ ich heute unsere Alexa allerhand Zutaten auf meine Einkaufsliste quatschen, verwarf einen Teil davon beim Einkaufen wieder und wich von meinem ursprünglichen Plan ab, zehn verschiedene Buttersorten à 250g auszuprobieren. Weil unser Haushalt zweieinhalb Personen umfasst, die nicht bis nach Silvester ausschließlich Butterbrote essen möchten, seien sie auch noch so lecker.

Weil ich eine fixe Idee im Kopf hatte und trotzdem nicht auf die klassische Kräuterbutter verzichten wollte, habe ich mich in meiner grenzenlosen Bescheidenheit auf ZWEI Sorten festgelegt.

Vermutlich eignet sich jede Küchenmaschine, die etwas Stängel und auch festere Zutaten kleinkriegt, ich habe den Thermomix TM5 bemüht. Vermutlich könnte man die Zutaten auch ganz fein hacken und unter weiche Butter ziehen, so dass die Rezepte in jeder Küche nachgemacht werden können. Einziges Ausschlusskriterium: Wer keine Butter mag, sollte jetzt nicht weiterlesen. Er sollte vielleicht sowieso gar nichts mehr hier lesen, wir kommen offenbar von anderen Planeten. 🙂 (Früher, als ich noch Wurst und Fleisch gegessen habe, war Butter UNTER TEEWURST für mich das Größte. By the way: Warum heißt die eigentlich Teewurst? Oder heißt die nur bei mir so?)

Egal. Jetzt aber Butter bei die Fische. Höhö.

Für die Kräuterbutter braucht ihr:

250 g Butter, 3 Stängel frischen Dill, 10 Stängel frischen Schnittlauch, 5 Stängel frische, glatte Petersilie, Salz, Pfeffer, eine Knoblauchzehe, ein Esslöffel Olivenöl.

Ich habe die grob gewürfelte Butter und die übrigen Zutaten 10 Sekunden bei Stufe 6 gemixt. Herausgekommen ist eine wunderschön grüne Kräuterbutter.

Für die Tomaten-Zimt-Butter habe ich folgendes verwendet:

125 g Butter, 4 getrocknete, marinierte (in Öl) Tomaten, 1/2 Teelöffel Zimt, 1/2 Teelöffel rote, scharfe Paprika, etwas Salz und etwas Pfeffer. Die Mengenangaben sind Etwa-Angaben.

Auch hier habe ich auf Stufe 6 10 Sekunden gemixt. Wem die Tomatenstücke noch zu groß sind, der hängt ein bisschen Zeit an.

Die Butter lässt sich im Kühlschrank wunderbar aufbewahren, wer also nicht jeden Tag Lust auf Butterbrot hat, kann sich etwas Zeit lassen. Die beiden Buttersorten passen als Topping gut zu dunklem Fleisch, ich kann mir aber auch vorstellen, dass sie Gemüseaufläufe verfeinern. Oder eben Butterbrote.

Lasst es Euch schmecken!

PS: Kleiner Hausfrauentipp: Wäsche wird wesentlich effizienter und schneller sauber, wenn man die Waschmaschine nach Befüllen der Trommel auch anschaltet. Für Euch getestet.  

 

Winterwonderland, oder: Unser Sonntag mit Professor Donnerhagel

“Priiiimaaaa, das hast Du gut gemacht!” Diesen Satz hören wir in Dauerschleife. Er kommt von Professor Donnerhagel und der wiederum wohnt im Tiptoispiel “Die verrückte Wettermaschine”. Wir haben das Spiel als Dreingabe in meinem Lieblingsspielzeugladen geschenkt bekommen. Und so kommt es, dass Professor Donnerhagel auch diesen Sonntagnachmittag mit uns genossen hat. Sein PRIIIIIMAAA ist zwar ein bisschen nervig (nach einer Weile), aber dafür isst er uns schon kein Früchtebrot weg. Das stand nämlich heute nachmittag auf dem Tisch, als wir uns alle zusammen um den Ofen versammelt haben und uns ein bisschen vorkamen, wie eine skandinavische Familie direkt aus Lindgrens Fantasie.

Draußen fielen wahre Schneemassen vom Himmel. (Ich bin mir ziemlich sicher, dass Professor Donnerhagel seine Finger im Spiel hatte.) Heute morgen haben wir uns trotzdem zu einem der schönsten kleinen Weihnachtsmärkte aufgemacht. Im Hof der Ruine Hornstein gab es Holzarbeiten, Socken, Filzsachen, Töpferwaren, Seifen und allerhand anderes Kunsthandwerk zu kaufen. Ich habe mir eine wunderschöne, schlichte und große Schneeflocke aus Holz gekauft, die an unserem Fenster im Esszimmer baumelt.

Wir waren kaum im Auto, als die anfangs fusseligen Schneeflöckchen zu dicken Flocken anwuchsen und die Landschaft in Nullkommanix in eine weiße Winterdecke hüllten. An der Ruine angekommen mussten wir uns dick einmummeln. Ich hatte ständig Angst, dass mir jemand eine Karotte ins Gesicht drücken könnte, weil er mich für einen (schlanken, ey!) Schneemann hielt. Und rot war meine Nase nach kurzer Zeit sowieso.

 

Wir haben uns jetzt ein zweites Kerzlein angezündet und diskutieren noch ein bisschen, ob ich mich in die Küche verziehe oder ob wir jemand anderen kochen lassen für uns. Der Schnee hat sich nämlich mittlerweile in Regen und die Landschaft draußen in eine Matschwelt verwandelt.

Ich könnte ja mal den aufgedrehten Professor Donnerhagel bitten, seine seltsame Wettermaschine zu bemühen. Aber vermutlich hat der dann plötzlich keine Lust mehr. Kennt man ja. 

Lesen bildet! Meine liebsten Klassiker für Kleine und Große

Ich liebe diesen Moment des Tages: Meine Tochter kuschelt sich an meine rechte Schulter und schaut mit mir in das Buch, aus dem ich ihr vorlese. Aktuell liegen bei uns die Kinder aus Bullerbü auf dem Nachttisch. Während ich von Lasse und Bosse und den Mädchen erzählte, fiel mit plötzlich etwas ein: Madita war mein Lieblingsbuch als Kind, allerdings konnte ich das schon selbst lesen. Ich erzählte also Hannah von Madita und sie sagte: “Ich will die Geschichte auch hören!” Wir googelten also kurz nach dem Klassiker von Astrid Lindgren und wurden auch fündig. Aber als ich das Cover sah, wusste ich, dass genau dieses Buch noch irgendwo in einer Kiste auf dem Dachboden meiner Eltern liegen muss.

Zwei Tage später: Ich hatte mich bei meiner Mama angemeldet mit meinem Ansinnen, meine Bücherkisten durchstöbern zu wollen. Ihr könnt Euch vermutlich denken, was passiert ist. Irgendwann saß ich schmökernd inmitten meiner Kindheitserinnerungen. “Das hatte ich ja auch! Und dieses! Und Erich Kästner! Und Enid Blyton! Und JA ICH KOMM GLEICH, NUR NOCH DIESES EINE…” Ich bin mit einer großen Kiste Bücher nach Hause gekommen und suche seither verzweifelt einen freien Platz im Regal dafür und freue mich unendlich, meiner Tochter MEINE Bücher vorlesen zu können. Diese Erfahrung ist wirklich wunderschön und sehr besonders für mich.

Weil ich unmöglich alle Bücher mitnehmen konnte und sie für manche auch noch zu klein ist (aber ich bin mir sicher, dass sie alle spannenden Bücher von Enid Blyton so lieben wird wie ich! Geheimnis um … Tina und Tini … hach!), habe ich einfach eine Auswahl mitgebracht, die sich gut vorlesen lassen.

Zu meinen absolut liebsten Klassikern gehören alle Bücher von Astrid Lindgren. Allerdings ist die Sprache für heutige Kinderohren etwas antiquiert, aber ich erkläre dann eben beim Lesen, was Wäsche mangeln bedeutet, beispielsweise.

Bis wir Pippi Langstrumpf, die Abenteuer von Michel aus Lönneberga und Madita durchhaben, ist das Kind noch mal ein paar Monde älter. Vielleicht warten wir trotzdem mit Erich Kästner noch ein bisschen. Ich freue mich aber jetzt schon auf die Stunden mit dem doppelten Lottchen, Gullivers Reisen und dem fliegenden Klassenzimmer.

Ganz sicher noch zu klein ist die Maus für die Geschichten um Gretchen von Christine Nöstlinger. Ich erinnere mich gut daran, dass ich beim Lesen laut lachen musste und meine Mama oft schmunzelnd im Türrahmen auftauchte und guckte, was mich so amüsiert. Aber auch die werden sie garantiert mal begeistern. Ein bissche schade ist natürlich, dass die Rechtschreibung nicht mehr korrekt ist. Allerdings stört das beim Vorlesen zumindest nicht.

Und während ich mich so durch die Kisten stöberte, fand ich noch ganz andere Dinge. Die Bücher wurden nicht unbedingt nach Altersstufen, sondern nach Dicke und Größe in die Kisten gestapelt. Ein paar davon habe ich mit nach Hause genommen, weil man für Klassiker eigentlich nie zu alt oder zu jung sein kann.

Viele dieser Klassiker habe ich gelesen, nicht alle sind hohe Literatur. Aber für mich gibt es nichts Schöneres, als mich nach einer stressigen Woche in ein Schaumbad gleiten zu lassen und dabei ein Buch zu lesen, das mich die Hektik vergessen lässt und mich in eine andere Welt katapultiert. Ja, ich bade mit Sherlock Holmes. Kann ja auch nicht jeder von sich behaupten.

 

Einige der Bücher sind übrigens aus dem Jugendbestand meines Papas, also aus den Sechzigern. So praktisch ein E-Reader auch sein mag, für mich geht nichts über den Duft von altem, bedrucktem, vergilbtem Papier.

Kleiner Weihnachtstipp: Wenn ihr jemanden beschenken möchtet, der gerne liest, greift doch mal zu einem Klassiker. Bestsellerlisten rauf und runter kann ja jeder! Ich muss jetzt aber leider Schluss machen. Die Wanne ist voll. Ihr versteht schon.

Pizza multicolori! Buntes Essen gegen das Dezembergrau

Wie der aufmerksame Blogleser ja weiß, sind Regenbogen und Einhörner beim Tochterkind ja grad der heiße Sch… also eben total angesagt. Ich hatte ja die sehr leise Hoffnung, dass der Hype um das gehörnte Fabelwesen nach einer Regenbogeneinhorn-Overkilll-Geburtstagsparty etwas abflaut. Aber so richtig spürbar ist das bisher noch nicht. Und so habe ich mich heute einfach anstecken lassen und bin in der Küche kreativ geworden. Bevor jemand aufschreit: Es gab kein Einhornsteak. Aber dafür Regenbogenpizza.

Und während vor meinem Küchenfenster die Welt immer dunkler zu werden schien und der Schnee in Sturmböen quer übers Land fegte, schnibbelte ich meditativ Gemüse in kleine Würfel und schaute dem Pizzateig beim Gehen zu.

Wer Lust auf Regenbogenpizza hat (die man auch bei Sonne, Gewitter oder Monsun essen kann), braucht dazu folgendes:

Für den Teig

400g Mehl, 30ml Olivenöl, 220ml Wasser, 20g frische Hefe

Hefe im Wasser zerbröseln und auflösen, Mehl und Öl zügig unterkneten und den Teig abgedeckt eine Stunde gehen lassen.

Für den Belag

1 Dose Pizzasoße, 1 rote und 1 orange Paprika, eine Dose Mais, eine Hand voll Brokkoli-Röschen, 100g Salami (wer es komplett vegetarisch mag, nimmt hier einfach blaue Zwiebeln, ebenso kann man eine Reihe Champignons oder Mozzarellawürfel einfügen. Ich habe den Salamistreifen einfach abgeschnitten und meiner hungrigen Familie verfüttert.)

Der Teig reicht für ein Blech. Zuerst die Pizzasoße, danach den Reibekäse darauf verteilen. Italiener überbacken ihren Pizzabelag nicht mit dem Käse, sondern geben ihn als Schicht über die Tomatensoße, erst dann kommen die übrigen Zutaten. Ich habe es der Optik wegen genau so gemacht und nur am Ende noch ein bisschen Käse obenauf gestreut.

Bei 220 Grad backt die Pizza etwa 15 Minuten.

Ich wünsche Euch viel Freude beim Essen!

Und a propos Essen: Ich kann schon auch mal einen Tag überleben, an dem es “irgendwas” gibt. Ihr wisst schon, ein belegtes Brötchen vom Bäcker, eine überbackene Seele auf die Hand. Was Schnelles. Aber grundsätzlich finde ich es für mein Seelenwohl notwendig, EINMAL am Tag etwas Richtiges zu essen. Es muss nicht immer selbstgekocht sein, auch wenn ich wirklich gerne koche. Aber es muss eine vollständige Mahlzeit sein, ich mag mich dabei an einen Tisch setzen und Besteck haben. Neulich war ich mit einer lieben Kollegin Salat essen. Auch nichts Warmes, aber gilt für mich als richtiges Essen. Abends reicht mir dann ein Brötchen, etwas Käse, manchmal ein paar frische Zutaten wie Gurkenscheiben oder im Sommer Tomaten, ansonsten gerne eingelegte Oliven oder Kapernäpfel oder gefüllte Pepperoni oder oder oder. Besonderes Highlight für mich zur Zeit: Die Meerrettich-Orangen-Butter und die Elsässer-Kräuterbutter, die ich mir in einem kleinen italienischen Lädchen besorgt habe. Sollte ich jemals herausfinden, wie man sie selbst macht, werde ich  Euch das Rezept verraten. Und damit die Weltherrschaft an mich reißen. 

Bis dahin begnügt ihr Euch einfach mit bunter Pizza. Ich kann ja nicht überall sein.

PS: Die Verspätung dieses Freitagsposts wurde Euch präsentiert mit freundlicher Unterstützung von Mittagsschlaf. Fragt nicht.

Alexa, erinner mich an den Nikolaus!

Rituale sind etwas Schönes. Sie gliedern den Tag, den Monat, das Jahr. Sie verleihen unserem Alltag etwas Beruhigendes, etwas, an dem man sich festhalten und orientieren kann.

Allerdings nicht, wenn man sich erst im Halbschlaf an sie erinnert. Wir hatten weiß Gott genug über den Nikolaustag gesprochen. Es war klar, was in den Stiefel kommt. Gestern Abend kurz vor Mitternacht war mir allerdings gar nicht mehr so viel klar. Erstens fiel mir siedendheiß ein, dass ich den 6. Dezember fast völlig vergessen hatte und eben kein Stiefelchen vor der Tür stand. (Bzw. es stand da schon, nur leer.) Ich raffte also sämtliche noch verfügbare Energie zusammen und stand wieder auf. Den Schlafanzug, den der Nikolaus ausgesucht hatte, hatte ich recht schnell gefunden. Im Trockner. Schon gewaschen. Aber die Socken? Zielsicher griff ich in den Schrank, in dem ich sie vermutete – und ins Leere. (Ich ziehe hiermit meine Bewerbung als Nikolaus zurück.) Schließlich fand ich sie dann doch und friemelte alles im kalten Treppenhaus in den Kinderschuh. 

Die Belohnung heute morgen waren strahlende Kinderaugen. “Der NIKOLAUS war da!” brüllte das Kind aufgeregt, während mir der Gatte einen schmunzelnden und vielsagenden Blick zuwarf. So schlimm kann ich aber gar nicht sein, denn auch in meinen Stiefel haben sich ein paar schokoladige Naschereien verirrt.

Ebenso ein liebgewonnenes Ritual: Ich hole meine Weihnachtsliedersammlung fürs Klavier hervor und übe für den Heiligabend. Auch das Weihnachtskartenschreiben gehört für mich in die Adventszeit.

Und manchmal verlässt man mit Ritualen auch den gewohnten Pfad und findet neue. Ganz moderne. Wir fragen zum Beispiel jeden Abend unsere Alexa, wo sich der Weihnachtsmann gerade befindet. Gestern war er grad im Stall und hat seine Rentiere gefüttert. Heute verriet uns Alexa, dass er das Baucheinziehen übe, um ja durch jeden Kamin zu passen.

Sie hätte mich ja auch an den Niklausstiefel erinnern können. Aber manchmal empfiehlt es sich durchaus, selbst zu denken. 🙂

White Christmas – selbstgemacht!

Meistens kommt das Gefühl urplötzlich, wie aus dem Nichts heraus. Ich sitze gemütlich auf der Couch. Und stelle fest, dass ich mich nicht auf mein Buch, nicht auf den Krimi konzentrieren kann. Weil mein Blick immer wieder ins Regal über dem Fernseher schweift. Dort haben sich im Lauf von Tagen und Wochen schiefe Bücherstapel angesammelt oder Dinge, die man kurz aus dem Weg haben wollte. Oder – Deko. Nicht falsch verstehen, ich liebe Deko. Aber ich brauche Luft zum Atmen. Eine leere Kommode ist mir manchmal lieber, als vollgestellte Flächen und seien die Dinge noch so hübsch. Während ich schon vor Monaten das bunte Durcheinander gegen mein weißes Porzellan in der Glasvitrine getauscht habe, darf es zur Weihnachtszeit wieder ein bisschen üppiger sein. Dennoch: Unser Adventskranz ist sehr reduziert geschmückt mit grünen, kleinen Kugeln und wenigen weißen Sternen. Die Kerzen stehen stattdessen in einer silbernen Kastenform.

Besonders schön sind die Deko-Artikel von Räder. Ich liebe das weiße und zurückhaltende Design sehr. Und das hat mich vermutlich auch inspiriert zu diesem schnellen und einfachen DIY: An einem grauen und verschneiten Sonntagnachmittag (vorgestern nämlich) knetete ich mit dem Kind weißes Fimo weich. Wir haben es mit dem Kinderwellholz ganz flach und möglichst gleichmäßig ausgewellt und Sterne und Tannenbäumchen ausgestochen. Kleiner Tipp: Wer Fimo ausrollt, sollte dies auf Backpapier tun. Davon lässt sich die Masse nämlich besser lösen. Wenn die Rückseite nicht ganz so glatt war, haben wir die Anhänger nochmals von der Rückseite ausgewellt. Sehr vorsichtig, um die Form nicht kaputt zu machen.

Mit einem Holzstäbchen habe ich möglichst mittig ein kleines Loch in den weichen Teig gebohrt, durch die wir später die Aufhänger gefädelt haben. Bei 110 Grad haben wir die Förmchen im Ofen eine halbe Stunde gebrannt.

Ich möchte sie als ganz persönliche Geschenkanhänger mit Merhwert einsetzen, kann sie mir aber auch an zierlichen Ästen in einer Glasvase gut vorstellen oder schlicht am Weihnachtsbaum.

Fimo ist absolut variabel, wer es bunt mag, hat quasi die komplette Farbpalette zur Auswahl. Es gibt sogar Fimo mit Glitzer, aber bitte sagt das keiner meinem Kind. 😉 Auch kann man mit der Masse prima kleine Kugeln formen oder plastischere Sterne, sie als Tischkärtchen verwenden oder mit einem Keksstempel bearbeiten. Man kann Fimo sogar bemalen, gut geht es mit Acrylfarben, aber Lackstifte tun’s auch.

Für uns bleibt’s erstmal bei weiß. Das ist unsere Art von weißer Weihnacht. Wenn schon auf Petrus keinen Verlass ist. 🙂

Und natürlich sind wir gerne wieder mit unserem weihnachtlichen Werk dabei bei allen Dienstagskreativen!

Creadienstag  

Dienstagsdinge

Handmade on Tuesday

This is California calling, California am Chiemsee!

Lieber Jack … oder John?

Deinen Namen habe ich im Eifer des Gefechts glatt vergessen. Du bist mir also auf die Schliche gekommen und weißt, dass ich von meinem Laptop aus die Weltherrschaft an mich reißen will. Mist. Wer hat Dir das nur verraten? Das Rumpelstilzchen?

Dein Anruf, lieber Jeff, hat mich heute mittag schon ein bisschen überrascht. Zunächst habe ich Dir auch zugehört, als Du mir erzähltest, Du seist ein Senior Technician calling from the Microsoft Headquarter in California. Ich hab schon so lange nicht mehr auf Englisch telefoniert. Ich hätte dich gerne gefragt, warum in aller Welt Du nur mit der Vorwahl von Prien am Chiemsee anrufst, aber dazu kam es nicht.

Es hätte mich schon stutzig machen können, dass Du fragtest, ob ich einen Computer besitze. Wäre ich nicht so gut erzogen worden, hätte ich da einfach nein gesagt. Aber ich bin bei der Wahrheit geblieben. Und so hast Du meine gesamten Geheimnisse aufgedeckt, nämlich dass ich zu einem internationalen Ring von Hackern gehöre, beziehungsweise, dass mein Rechner gehackt wurde von einem internationalen Ring von Betrügern, dass mein internationaler Rechner in Wahrheit ein Ring … ach, Du weißt schon. OK, jetzt weißt Du alles. Dass ich eben in ganz, ganz großen Schwierigkeiten stecke. “You’re computer is causing major, international problems on our severs, Madam!” hattest Du mir an den Kopf geworfen. Weil ich versucht habe, Dich abzuwimmeln und Dir immer wieder gesagt habe, dass ich Dich für einen Betrüger halte (Angriff ist die beste Verteidigung!), hast Du versucht, Dich über eine Nummer zu legitimieren, die beweisen sollte, dass Du wirklich von Microsoft anrufst. Wir haben das während Deines Anrufs kurz gecheckt – die Nummer ist bei allen Rechnern dieselbe. Nice try, Jonathan. Als Du dann aber immer penetranter wurdest (“who are you talking to in the background? YOUR HUSBAND???  Stop talking to your husband and listen carefully. Only do, what I tell you!”) und wolltest, dass ich den event-viewer bemühe, um Dir Zugang zu meinem Rechner zu geben (weil … ja warum eigentlich?) musste ich leider meine Kinderstube kurz vergessen und auflegen.

Weißt Du, James, wen ich in meinen Rechner lasse, entscheide ich. Ich habe den Betrugsversuch bei Microsoft gemeldet und mir dort bestätigen lassen, dass es keinen Support gibt, der aus California am Chiemsee anruft.

Und jetzt? Jetzt mache ich weiter mit dem, was ich schon vor deinem Anruf tun wollte – die Weltherrschaft an mich reißen.

So long Jack. John. Oder James.

(Passt gut auf Euch und Eure Datensicherheit auf. Die Nummer, die mich anrief, war 08085198136. Wenn ihr ähnliches erlebt, legt einfach auf und meldet es der Polizei. Offenbar fallen immer wieder Leute auf die Masche rein, der eigene PC wird gesperrt und nur gegen viel Geld wieder entsperrt, wenn überhaupt.)